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Titel: Licht
Challenge: Sci-Fi/Fantasy - JOKER: Glück im Unglück (Sommerchallenge 2018) (Päckchen #11)
Fandom: Original | Fortsetzung von 14 Zylinder
Sprache: Deutsch
Wörter: 1.300
Team: Team Ouroboros mit Team Melpomene, Metaphermorphose & Pluto
Kommentar: Warum tu ich mir das jede Woche an.

Will hatte sich schon vor drei Stunden geschworen, dass wenn er jemals den Konstrukteur in die Finger kriegen würde, er ihm dafür kräftig in den Arsch treten würde.

Licht

Die Flotte der Kolonisten zog mit Sublichtgeschwindigkeit durch das unbewohnte Negev-System. Ihre Geschwindigkeit wurde bestimmt durch die ihres langsamsten Schiffes, einer alten Stejneger, die den Zug leitete. Auf diese Weise war es unwahrscheinlicher, dass jemand verloren ging.
Die 13 Schiffe beförderten über 10.000 Menschen sowie eine unvorstellbar große Menge an Proviant. Ein gesamtes Schiff war für den Viehtransport abgestellt, in einem weiteren wurde unter einer riesigen Glaskuppel Obst und Gemüse angebaut. Ihr Ziel war ein kleiner Mond im äußeren Ring des Planeten Victoria, für den sie die Besiedlungserlaubnis erhalten hatten. Es würde Jahre dauern, bis sie dieses Ziel erreichten.
Die Flotte bestand aus den verschiedensten Schiffen, die vor ihrem Umbau den unterschiedlichsten Zwecken gedient hatten. Mitten unter ihnen war ein Schiff der Klasse Shepherd III, leicht zu erkennen an ihrer ungewöhnlichen Form. Um einen Kern, der selbst schon die Größe eines mittleren Raumschiffes hatte, rotierte ein massiver Ring aus Glas und Stahl. So wurde eine altbewährte und vor allem günstige Methode genutzt, um mittels Fliehkraft künstliche Schwerkraft zu erzeugen.
Wie eine Herde Katum-Rinder zog die Flotte durch den leeren Raum. Es gab niemanden, der ihren langsamen, aber stetigen Fortschritt hätte beobachten können. Aber wenn es jemanden gegeben hätte, hätte er folgendes gesehen:
Langsam schob sich die Shepherd III zwischen ihren dicht an dicht ziehenden Kollegen hindurch. Andere Schiffe zogen hoch oder zur Seite, um sie vorbeizulassen, bis sie schließlich den Rand der Gruppe erreicht hatte und sich etwas absetzten konnte.
Eine Bewegung ging durch die Flotte. Signalleuchten wurden angeschaltet, Steuerflossen winkten zum Abschied. Eine kleine Peale schlug einen raschen Bogen um das Schiff, bevor es zur Gruppe zurückkehrte.
Gute Fahrt, Panaceia, sendete das Leitschiff. Mögen die Götter euch auf eurer Mission gnädig sein.
Für einen Augenblick blitzte ein helles Licht auf. Im nächsten Moment war das Schiff verschwunden, als hätte es nie existiert.
Es würde über ein Jahr dauern, bis die Panaceia zur Flotte zurückkehren würde.

“Will, mach dich nützlich oder setz dich hin“, schnappte Melanie ihn an, als er zum hundertsten Mal vor der Instrumententafel umdrehte, um denselben Weg zurückzuschreiten. „Du machst mich ganz wahnsinnig.“
„Ich denke“, sagte er nur.
„Nun, ich kann nicht denken, während du Löcher in den Boden läufst.“
Da sie schweres Werkzeug in den Händen hielt, blieb er zumindest für einen Moment stehen. Aber als er sich zu ihr umwandte, hatte sie sich bereits wieder ihrer Arbeit zugewandt.
Seit Stunden schraubte sie nun schon an dieser einen Stelle herum und ließ zwischendurch die Messungen laufen, um zu prüfen, ob sie den Spritverbrauch ein weiteres Prozent hatte drücken können. Wenn sie hier herauskamen (falls sie hier herauskamen, sagte eine nicht gerade leise Stimme in seinem Hinterkopf), hatten sie wahrscheinlich den effizientesten Motor der gesamten Oranischen Flotte entwickelt.
Aber so langsam konnte auch Melanie nicht mehr ignorieren, dass das Details waren, die das Gesamtergebnis nicht sehr beeinflussten. Letztendlich ging es hier um Gesetze der Thermodynamik: Man konnte zwar so weit wie möglich verhindern, dass Energie in ungewünschte Kanäle wie Wärme versickerte, aber es war einfach unmöglich, Energie aus dem Nichts zu erzeugen. Und aktuell benötigten sie einfach zu viel davon.
Wie ein Magnet zog die Nadel der Tankanzeige immer wieder Wills Blick auf sich. Sie hatten Karthago zwar mit vollen Tanks verlassen, doch die Aletheia konnte nur maximal 10.000 Liter fassen. Sie war darauf ausgelegt, auf längeren Strecken immer wieder nachzutanken. Aber jetzt, wo die Maschinen auf voller Kraft liefen, nur damit sie sich nicht von der Stelle bewegten, kannte die Nadel nur eine Richtung: Nach unten.
Der Maschinenraum war heiß und stickig, das Ventilationssystem auf ein Minimum heruntergefahren, um Energie zu sparen. Immer wieder schrillte der Alarm, weil im Heckschild eine Spirale überhitzte. Die Schilde waren zum Schutz vor Gefechtsfeuer konstruiert, nicht um die Strahlung eines Sterns abzuhalten. Will hatte sich trotzdem schon vor drei Stunden geschworen, dass wenn er jemals den Konstrukteur in die Finger kriegen würde, er ihm dafür kräftig in den Arsch treten würde.
Als das schrille Piepen erneut ertönte, trat er stattdessen einmal gegen die Instrumententafel. „Mir reichts jetzt. Ich stemm die Wand in Gang C auf, dann kann die Luft besser zirkulieren.“
„Das wird der Inspektion aber gar nicht gefallen“, sagte Melanie ohne hochzugucken.
„Die können mich mal.“
Er suchte sich unter dem Werkzeug eine kleine, aber wunderbar scharfe Axt aus und machte sich auf den Weg. In der Wand verliefen keine wichtigen Kabel, sie war hauptsächlich Verkleidung, also musste er nicht allzu vorsichtig sein. Es fühlte sich wunderbar an, endlich auf etwas einschlagen zu können.
Er beneidete Mel ein bisschen darum, dass sie sich so voll und ganz auf die Arbeit konzentrieren konnte, die vor ihr lag. Er hingegen musste sich arg zusammenreißen, um nicht auf die Brücke zu stürmen, um Reyna im Detail auseinanderzusetzen, wie kurz sie davor waren, völlig am Arsch zu sein.
Zwar kam Reyna in regelmäßigen Abständen zu ihnen herunter, aber inzwischen fragte sie schon gar nicht mehr, wie es stand, sondern nahm nur seinen Gesichtsausdruck wahr. Melanie hingegen legte ihr jedes Mal neue verrückte Ideen dar und war begeistert, wenn sie die prompt ausprobieren durfte.
„Ich hoffe, du hast eine gute Erklärung dafür, dass du gerade ein Loch in die Wand meines Schiffes haust“, ertönte plötzlich Reynas Stimme hinter ihm. Beinahe hätte er die Axt fallen gelassen.
„Möchten Sie, dass das Heckschild wegen Überhitzung ausfällt?“
Sie dachte nicht lange darüber nach. „Nein.“
„Da haben Sie Ihre Erklärung.“ Er hieb ein weiteres Mal auf die Wand ein.
Sie schaute ihm einen Moment dabei zu. Dann nickte sie. „Gut. Weitermachen.“ Dann machte sie Anstalten zu gehen.
„Captain.“
Sie blieb stehen und drehte sich zu ihm um. Anhand ihres Gesichtsausdruckes sah er, dass sie ahnte, was jetzt kam.
„Bei allem Respekt, wenn uns nicht bald jemand unter die Arme greift, sind wir am Arsch.“
„Ich weiß“, sagte sie nur.
„Wir brennen durch unsere Spritreserven wie beim Rennen von Kandahar, kommen dabei aber keinen Zentimeter vorwärts. Der eine Tank ist schon leer. Und bald haben wir den Punkt erreicht, wo wir uns nicht mehr allein aus dem Schlamassel ziehen können.“
„Ich weiß“, wiederholte sie. Er hätte sie am liebsten erwürgt.
„Bevor das passiert, müssen wir die Leinen kappen.“
Für einen Moment sahen sie sich schweigend an. In Reynas Blick lag etwas Unnachgiebiges, das ihm Angst machte.
Dann ertönte plötzlich Ellies Stimme aus den Lautsprechern: „Captain auf die Brücke, Captain auf die Brücke.“
Reyna machte auf dem Absatz kehrt und eilte im Laufschritt den Gang herunter. Er hängte sich die Axt in den Gürtel und folgte ihr.

„Was gibt’s, Ellie?“, fragte Reyna in dem Moment, als sich die automatischen Türen öffneten.
Sie deutete nur zum Frontfenster. Während Reyna sich in ihrem Sessel niederließ, beugte Will sich über ihre Schulter. Neben ihnen lehnte sich Javier über die Konsole.
Doch vor ihnen erstreckte sich nur der leere, mit dem Licht weit entfernter Sterne gesprenkelte Raum. Will sah, wie Reyna die Stirn runzelte. Aber gerade in dem Moment, als Will den Mund öffnete, um nachzufragen, blitzte es auf und ein Schiff stieg vor ihnen aus dem Hyperraum.
Die Shepherd III war nicht sonderlich groß oder imposant, aber Will hatte noch nie ein schöneres Schiff gesehen.
„Ist das…“, begann Reyna.
„Die Panaceia, Captain.“
„Ich glaub das nicht“, hörte Will sich selbst sagen.
Das andere Schiff verschwendete keine Zeit mit Begrüßungsfloskeln. Sie sahen, wie der Ring um den Kern des Schiffes beschleunigte. Ein strahlend blaues Licht begann im Zentrum des Schiffes zu glühen und breitete sich bis zu den Rändern des Rings aus. Dann dehnte es sich aus wie eine Kuppel, um sich ihnen entgegenzustrecken. Will warf rasch einen Blick auf das Bild der Heckkamera und sah, wie die Kuppel auch die Elpis II umschloss, bevor ihre Ränder miteinander verschmolzen.
Im selben Moment ertönte eine männliche Stimme über den Nahfunkkanal. „Aletheia, Sie können jetzt Ihre Schilde herunterfahren.“
Reyna lächelte. Ellie jauchzte und sprang von ihrem Stuhl auf. Und Javier sagte von der Seite: „Ich war noch nie so froh, dass du unrecht hattest“, und klopfte ihm auf die Schulter.
Diesmal verkniff sich Will sogar einen bissigen Kommentar.

Date: 2020-08-11 02:02 pm (UTC)
der_jemand: (green)
From: [personal profile] der_jemand
Warum tu ich mir das jede Woche an.
Weil du mir (und deinem Vater, I guess? ;)) damit so eine riesige Freude machst?
Oh ich liebe das so sehr. Raumfahrromantik und Rettungen in letzter Sekunde und frustreirte Ingenieure. Ich mag Will. Und dann auch noch einfach gut geschrieben. *__*
Edited Date: 2020-08-11 02:02 pm (UTC)

Date: 2020-08-11 04:39 pm (UTC)
aleamakota: (Cat)
From: [personal profile] aleamakota
Genau, für Papa und Aku und den Rest der Fangemeinde und ein bisschen fürs eigene Dopamin?
Nach den Exkursen hab ich einen Moment gebraucht, um mich auf Aletheia und in der Umgebung wieder zu orientieren, aber das schmälert meine Liebe nicht im Geringsten. Ellie is a fluffy cinnamon roll und ich kann Wills frustrierten Überlebenswillen seeehr gut nachvollziehen. xD
Bis nächste Woche dann? (♡ >ω< ♡)

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