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[personal profile] aleamakota posting in [community profile] 120_minuten
Challenge: Kleidung: Cordhose
Zuordnung: Fürs Team, Päckchen 3.
Team: Pluto
Fandom: Wolfs Horst und Horst sein Wolf
Charaktere: Wolfgang (ein Spießer), Brigitte (seine gut angezogene Freundin)
Anmerkung: Die Cordhose hat meinen ursprünglichen Fahrplan durchkreuzt. Ich bin ihr dankbar dafür. Fortsetzung zu Oma Waltraud. (Chronologisch davor, aber an der jetzigen Reihenfolge hatte ich mehr Spaß, also bleibt das jetzt so.)

„Wolf?“
„Gitte.“ Er lauschte auf die Hintergrundgeräusche am anderen Ende der Leitung und atmete erleichtert auf.
„Du bist noch auf der Hochzeit.“
„Im Gegensatz zu dir, Spaßbremse“, gluckste sie. „Was gibt’s, wo bist du? Soll ich dich aus der Notaufnahme abholen?“
Ich kann Motorradfahren, Brigitte, hätte er beinahe geantwortet, erinnerte sich aber noch rechtzeitig daran, dass er das nach der soeben absolvierten Verfolgungsjagd wirklich niemandem mehr beweisen musste.
„Nein“, sagte er also nur angefressen, „ich habe einen anderen Notfall. Kannst du mir einen Gefallen tun und heute mit dem Taxi nach Hause fahren?“
„Sicher, das wäre bei meinem derzeitigen Alkoholpegel eh das Vernünftigste. Vernünftiger jedenfalls, als mich von Klaus fahren zu lassen.“
Sie gluckste wieder. Wolfgang räusperte sich.
„Fahr nicht mit Klaus nach Hause. Das gibt der nicht her.“
Was war nur los heute, dass alle so… zutraulich waren? Hatte Sabines Koch noch andere geheime Zutaten ins Hochzeitsessen getan als den Koriander? Und wenn ja, welche Schlüsse sollte er daraus für die Bewertung von Horsts irrationalem Verhalten ziehen?
„Du hast recht“, freute sich Brigitte derweil. „Nicht, bevor ich ausschließen kann, dass er sich nur aus Mitleid mit mir abgibt, weil du mich hast hängen lassen.“
„Gitte, der Mann trägt eine Cordhose. Du solltest herausfinden, ob er dein Mitleid verdient, bevor du ihm welches unterstellst.“
Ihr Kichern war besorgniserregend, machte diese furchtbare Nacht aber irgendwie auch etwas erträglicher.
„Danke nochmal, dass du mir so ein miserables Pluseins gewesen bist. Ich hatte lange nicht mehr so einen schönen Abend.“
„Gern geschehen.“
„Lügner“, lachte sie. „Ich nehme dich nie wieder mit auf eine Hochzeit.“
„Ich bitte darum.“
Er spitzte die Ohren Richtung Wohnzimmer, als seine Freundin daraufhin lautstark in ihr Handy prustete und sogar ihm ein kleines, bitteres Galgenlachen entwischte. Horst schnarchte noch immer friedlich vor sich hin.
„Jedenfalls, mein Notfall“, erinnerte er. „Nimm bitte das Taxi, ja? Bestell es an der Rezeption und dann ruf mich zurück und sag mir den Namen des Taxiunternehmens, das kommt. Kriegst du das hin?“
Sie nahm einen tiefen Schluck, vermutlich von dem leuchtend orangen Zeug, auf das sie gerade umgestiegen war, als er sich von ihr verabschiedet hatte. Irgendetwas sagte ihm, dass das nicht der Grund dafür war, dass der Radius ihres Strahlens sich plötzlich verdoppelte.
„Wolfgang?“
„Brigitte?“
„Was hast du angestellt und wie viel hat es mit dieser ungewaschenen Type zu tun, die dir auf dem Klo geholfen hat?“
„Brigitte! Das war vertraulich!“
„Hier ist niemand, der das einordnen könnte“, behauptete sie. „Im Gegensatz zu dir kann ich ein Geheimnis für mich behalten. Jetzt raus damit.“
„Horst ist hier“, seufzte er.
„Wo ist hier?“
„Auf meiner Couch.“
„Du hast einen Biker auf deiner Couch?“
„Ich weiß nicht so genau. Vielleicht ist er gar keiner. Er ist bisexuell. Das schließt sich ja eigentlich gegenseitig aus.“
„Okay, warte, Wölfchen, ich stell das hier kurz weg.“
In einer weniger dramatischen Situation hätte er es sicher wertschätzen können, so unterhaltsam gefunden zu werden, dass sie befürchtete, den Rest ihres Drinks durch die Nase wieder von sich zu geben. Im Augenblick aber fehlte ihm der Humor für so viel Schadenfreude.
„Bevor du jetzt fragst, ich werde dir nicht sa-“
„Wie hast du herausgefunden, dass er auf Männer steht?“
„Je weniger darüber weißt, desto besser“, sagte Wolfgang in einem Ton, von dem er hoffte, dass er keinen Widerspruch duldete.
„Schön. Weiß er, dass du auf Männer stehst?“
„Ja, verdammt! Damit hat der ganze Mist ja angefangen!“
Er hielt sich den Mund zu und sah sich entsetzt in seinem dunklen Schlafzimmer um. Die Tür blieb verschlossen. Nebenan sägte Horst noch immer die Wohnzimmereinrichtung in ihre Einzelteile.
„Gitte“, drängelte Wolfgang, „hast du das mit dem Taxi verstanden? Es ist sehr wichtig, dass wir schnell und diskret herausfinden, welche Firma die normalerweise anrufen.“
Wir?“, fragte Brigitte hochvergnügt.
Scheiße.
„Wolfgang, ich verlange, dass du mir sofort sagst, wo ihr zwei da reingeraten seid, und sei es nur für den Fall, dass jemand Vernunftbegabtes euch da wieder rausholen muss.“
Er musste zugeben, für eine Betrunkene hatte sie da ein erschreckend gutes Argument. Rückendeckung war wohl mehr als angebracht, wenn er sich mit Horst und seinen Scherereien einließ. Ihren Scherereien. Mist, verdammter, was hatte er sich bloß dabei gedacht?
„Na schön“, gab er sich geschlagen, „ich hab dir doch erzählt, dass er sich untypisch für seine Art verhält. Viel zu wenig aggressives Machogehabe und so weiter?“
„Richtig, der sanfte Krieger.“
„Deine Worte, nicht meine“, unterstrich Wolfgang.
„Jaja. Komm zum Punkt.“
„Ich lag falsch. Er ist aggressiv. Er hat sich mit nem Taxifahrer angelegt. Weil der mich homophob beleidigt hat. Und dann habe ich nicht nur sein Motorrad, sondern auch ihn zu mir nach Hause gebracht, damit der Fahrer uns nicht umbringt. Und jetzt schulden wir dem Geld für die Anfahrt zum Festsaal und Horst findet das alles ganz großartig und ich weiß nicht, wie viel davon mit dem Alkohol zu tun hat und ob er jetzt ein Biker ist, oder einer, der was von mir will, geschweige denn, was passiert, wenn er morgen wieder nüchtern ist.“
Und immer noch schlecht gelaunt, wegen seines Liebeskummers mit Sabine. Sagte er nicht, weil er sehr wohl ein Geheimnis für sich behalten konnte. Pah!
Brigitte prustete wieder. Klug, dass sie das Glas weggestellt hatte.
„Du hast also Schrödingers Biker im Haus, ja? Wundervoll!“
„Ja, fantastisch, danke, und was mach ich jetzt damit?“
„Na dasselbe, was man mit allen betrunkenen Kavalieren macht. Du wartest, bis der Alkohol verstoffwechselt ist. Und wenn er sich dann noch an deinen Namen erinnert, besteht Hoffnung, dass der Biker gleichzeitig tot und lebendig sein kann.“
Hoffnung? Was wollte sie denn bitte damit andeuten. Als ob er mit diesem rauchstinkenden, begriffsstutzigen, hilfsbereiten, todesmutigen, bartpflegekompetenten –
Prioritäten, ermahnte er sich.
„Was ist, wenn er sich an mehr als nur meinen Namen erinnert und Zeugen beseitigen will?“
„Ach Wolf.“
„Ach Wolf mich nicht. Du hast dich gerade als meine Rückendeckung angemeldet und ich schwebe vielleicht in Lebensgefahr.“
„Nur, wenn du seine Maschine beschädigt hast.“
Sie hielt inne.
„Du hast doch nicht…?“
„Natürlich nicht!“, zischte Wolfgang. „Brigitte, ich kann Motorradfahren!“
„Na also“, triumphierte sie. „Dann gehörst du praktisch zu seinem Rudel. Ich ruf dich in einer Stunde zurück.“

Date: 2020-08-10 06:17 pm (UTC)
From: [identity profile] tsutsumi.livejournal.com
Ich finde es so lustig, wie Wolfgang Horst als supergefährlichen Biker malt, wenn der Typ zu ihm einfach nur lieb und knuffelig war. <3
Like...awww.

Der bisexuelle Biker (schönste Alliteration ever) kann sehr wohl zugleich tot und lebendig sein. Bisexelle Menschen haben Übung darin, mehr als eine Sache zugleich zu sein/zu mögen. :D

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