Oma Waltraud
Aug. 8th, 2020 03:02 pmChallenge: Orte: in der Fremde (ja, wirklich, auch wenn der Titel anderes nahelegt)
Zuordnung: Fürs Team, Päckchen 3.
Team: Pluto
Fandom: Wolfs Horst und Horst sein Wolf
Charaktere: Horst (ein Biker) und Wolfgang (ein Spießer)
Anmerkung: Fortsetzung zu Orte: Tankstelle.
Der Montagmorgen weckte Horst mit einem soliden Brummschädel und dem Gefühl, sehr unbequem geschlafen zu haben. So weit, so vielversprechend. Wenn da nur der Rest nicht gewesen wäre. Er wackelte nervös mit den Zehen, als er die Schrankwand erblickte, die drohend zu seinen Füßen aufragte. Begleitet vom Knarzen der Ledercouch schichtete er sein Bettzeug neu, unschlüssig, ob er sich von der durchgeschwitzten Decke befreien oder sich lieber tiefer darin verstecken wollte.
Das Wasserglas gab schließlich den Ausschlag für ein entschiedenes Jein. Er legte seine Arme aus dem Kokon frei und nahm es an sich. Auch die zwei Aspirin fischte er sich vom gekachelten Fliesentisch. Nett von seiner Oma, die hier für ihn auszulegen. Ungewöhnlich nett. Er traute dem Frieden nicht so ganz, immerhin war sie sonst immer der Meinung, er könne am Morgen danach ruhig die Konsequenzen seines „sogenannten Lebensstils“ tragen. Aber er war bereit, die Einnahme der Tabletten zu riskieren, solang sie ihm half, herauszufinden, wie er von Sabines Hochzeit in Omas Wohnzimmer gekommen war. Hatte er nicht eigentlich bei Jochen schlafen wollen…?
„Morgen?“, grüßte es gedämpft von der anderen Seite des Zwielichts.
Das war nicht Oma Waltrauds Stimme.
Horst kam mit der Tablette aus dem Takt und schluckte sie mit einer viel zu großen Portion Wasser. Der Schmerz im Hals brachte ihm die Erinnerung zurück.
„Hr-hm, … Wolf?“, presste er hervor und ergänzte lieber noch ein „Gang?“, weil er nicht so genau wusste, ob sie sich schon gut genug kannten für nur eine Silbe.
„Tut mir leid, ich hab‘ dich geweckt. Wohnküchen sind ein Verbrechen an der Menschheit, aber finde in Köln mal eine bezahlbare Wohnung mit einer Küche, die ihren Namen verdient.“
Er ließ sich diesen langen Satz durch den Kopf gehen. Das dauerte einen Moment, weil ihm der Witz mit dem Wolf und der Gang eingefallen war. Der musste erst mal zusammen mit der zweiten Tablette heruntergeschluckt werden.
„Ich werd‘ gern zu Kaffeeduft wach“, bemerkte Horst schließlich.
Und zu beeindruckenden Aussichten. Er blinzelte, um die perfekt gebügelte Silhouette besser zu erkennen, die da in der Minimalbeleuchtung der Küchenzeile vor sich hin werkelte.
„Ist gleich fertig“, sagte der schöne Schatten. „Aber trink lieber erst das Wasser aus. Der Kaffee entzieht dir nur noch mehr Flüssigkeit und du bist durch den Alkohol bestimmt ohnehin schon dehydriert.“
„Jawoll, Chef.“
So richtig Chef. Der piekfeine Anzug gestern musste sein lässiges Partyoutfit gewesen sein. So richtig gestriegelt mit Hemd und Krawatte sah Wolfgang gleich noch teurer aus. Ihn schien das nicht zu stören, er trug auch das weiße Hemd und den bunten Strick um den Hals als wäre er darin geboren. Nicht einmal die Schürze, die er sich zur Sicherheit umgebunden hatte, tat seiner Professionalität Abbruch. Das musste man zu so nachtschlafender Zeit erst mal hinkriegen.
In zwölf Stunden ist Montagmorgen, dämmerte es Horst wieder, während die Sonne weiterschlief. Ihm gefiel, dass er jetzt wusste, wie wörtlich das gemeint gewesen war.
„Kein Korianderausschlag?“, mutmaßte er und ließ sich zurück ins Sofa sinken, erleichtert, in der sicheren Fremde zu sein und nicht bei seiner Großmutter.
„Kein Korianderausschlag“, bestätigte Wolfgang fast so zufrieden wie die Kaffeemaschine vor sich hin schnorchelte. „Gut geschlafen?“
„Wie ein Baby“, log Horst, um der irritierenden Gastfreundschaft gerecht zu werden.
„Auch was essen? Hast du ein spezielles Katerfrühstück?“
„Kaffee.“
Wolfgang schnaubte. Belustigt. Nanu?
„Ich hab‘ gar keinen Witz gemacht.“
„Du bist lustiger, wenn du es nicht versuchst.“
„Sorry wegen gestern“, gab Horst sich gleich noch etwas weniger Mühe, lustig zu sein.
„Entschuldigung angenommen, wenn du deine besoffene Anmache meinst. Was den Rest angeht: halb so schlimm.“
Halb so schlimm? Irgendwas stimmte hier nicht. Vielleicht wäre er bei Oma Waltraud doch sicherer gewesen. Ihm wurde irgendwie anders. Er war sich nicht sicher, ob’s Schmetterlinge waren oder doch eine Kombination aus Kater und berechtigter Sorge um sein Leben.
„Du bist n Morgenmensch, wie?“, fragte er vorsichtig. Das würde dieses merkwürdige Verhalten erklären. Er hatte Morgenmenschen schon immer verdächtig gefunden.
„Ich bin das Gegenteil von einem Morgenmenschen“, antwortete Wolfgang, schwang seinen Stapel Brote zielsicher in die Essecke und zog mit verstörend gutem Timing die volle Kanne aus der Maschine.
„Aber streng genommen ist für mich ja auch nicht Morgen, sondern immer noch Sonntag.“
„Äh?“, machte Horst. Er war eindeutig noch zu müde für so viel Transferleistung.
„Ich hab‘ mir die Nacht um die Ohren geschlagen“, verkündete Wolfgang mit einer seltsamen Überlegenheit in der Stimme, „weil ich so sauer war auf dich und den Taxifahrer.“
„Sorry“, fühlte Horst sich verpflichtet zu wiederholen.
Wolfgang schüttelte den Kopf und verteilte den Kaffee auf zwei große Becher.
„Mehr auf den Taxifahrer“, sagte er.
Zuordnung: Fürs Team, Päckchen 3.
Team: Pluto
Fandom: Wolfs Horst und Horst sein Wolf
Charaktere: Horst (ein Biker) und Wolfgang (ein Spießer)
Anmerkung: Fortsetzung zu Orte: Tankstelle.
Der Montagmorgen weckte Horst mit einem soliden Brummschädel und dem Gefühl, sehr unbequem geschlafen zu haben. So weit, so vielversprechend. Wenn da nur der Rest nicht gewesen wäre. Er wackelte nervös mit den Zehen, als er die Schrankwand erblickte, die drohend zu seinen Füßen aufragte. Begleitet vom Knarzen der Ledercouch schichtete er sein Bettzeug neu, unschlüssig, ob er sich von der durchgeschwitzten Decke befreien oder sich lieber tiefer darin verstecken wollte.
Das Wasserglas gab schließlich den Ausschlag für ein entschiedenes Jein. Er legte seine Arme aus dem Kokon frei und nahm es an sich. Auch die zwei Aspirin fischte er sich vom gekachelten Fliesentisch. Nett von seiner Oma, die hier für ihn auszulegen. Ungewöhnlich nett. Er traute dem Frieden nicht so ganz, immerhin war sie sonst immer der Meinung, er könne am Morgen danach ruhig die Konsequenzen seines „sogenannten Lebensstils“ tragen. Aber er war bereit, die Einnahme der Tabletten zu riskieren, solang sie ihm half, herauszufinden, wie er von Sabines Hochzeit in Omas Wohnzimmer gekommen war. Hatte er nicht eigentlich bei Jochen schlafen wollen…?
„Morgen?“, grüßte es gedämpft von der anderen Seite des Zwielichts.
Das war nicht Oma Waltrauds Stimme.
Horst kam mit der Tablette aus dem Takt und schluckte sie mit einer viel zu großen Portion Wasser. Der Schmerz im Hals brachte ihm die Erinnerung zurück.
„Hr-hm, … Wolf?“, presste er hervor und ergänzte lieber noch ein „Gang?“, weil er nicht so genau wusste, ob sie sich schon gut genug kannten für nur eine Silbe.
„Tut mir leid, ich hab‘ dich geweckt. Wohnküchen sind ein Verbrechen an der Menschheit, aber finde in Köln mal eine bezahlbare Wohnung mit einer Küche, die ihren Namen verdient.“
Er ließ sich diesen langen Satz durch den Kopf gehen. Das dauerte einen Moment, weil ihm der Witz mit dem Wolf und der Gang eingefallen war. Der musste erst mal zusammen mit der zweiten Tablette heruntergeschluckt werden.
„Ich werd‘ gern zu Kaffeeduft wach“, bemerkte Horst schließlich.
Und zu beeindruckenden Aussichten. Er blinzelte, um die perfekt gebügelte Silhouette besser zu erkennen, die da in der Minimalbeleuchtung der Küchenzeile vor sich hin werkelte.
„Ist gleich fertig“, sagte der schöne Schatten. „Aber trink lieber erst das Wasser aus. Der Kaffee entzieht dir nur noch mehr Flüssigkeit und du bist durch den Alkohol bestimmt ohnehin schon dehydriert.“
„Jawoll, Chef.“
So richtig Chef. Der piekfeine Anzug gestern musste sein lässiges Partyoutfit gewesen sein. So richtig gestriegelt mit Hemd und Krawatte sah Wolfgang gleich noch teurer aus. Ihn schien das nicht zu stören, er trug auch das weiße Hemd und den bunten Strick um den Hals als wäre er darin geboren. Nicht einmal die Schürze, die er sich zur Sicherheit umgebunden hatte, tat seiner Professionalität Abbruch. Das musste man zu so nachtschlafender Zeit erst mal hinkriegen.
In zwölf Stunden ist Montagmorgen, dämmerte es Horst wieder, während die Sonne weiterschlief. Ihm gefiel, dass er jetzt wusste, wie wörtlich das gemeint gewesen war.
„Kein Korianderausschlag?“, mutmaßte er und ließ sich zurück ins Sofa sinken, erleichtert, in der sicheren Fremde zu sein und nicht bei seiner Großmutter.
„Kein Korianderausschlag“, bestätigte Wolfgang fast so zufrieden wie die Kaffeemaschine vor sich hin schnorchelte. „Gut geschlafen?“
„Wie ein Baby“, log Horst, um der irritierenden Gastfreundschaft gerecht zu werden.
„Auch was essen? Hast du ein spezielles Katerfrühstück?“
„Kaffee.“
Wolfgang schnaubte. Belustigt. Nanu?
„Ich hab‘ gar keinen Witz gemacht.“
„Du bist lustiger, wenn du es nicht versuchst.“
„Sorry wegen gestern“, gab Horst sich gleich noch etwas weniger Mühe, lustig zu sein.
„Entschuldigung angenommen, wenn du deine besoffene Anmache meinst. Was den Rest angeht: halb so schlimm.“
Halb so schlimm? Irgendwas stimmte hier nicht. Vielleicht wäre er bei Oma Waltraud doch sicherer gewesen. Ihm wurde irgendwie anders. Er war sich nicht sicher, ob’s Schmetterlinge waren oder doch eine Kombination aus Kater und berechtigter Sorge um sein Leben.
„Du bist n Morgenmensch, wie?“, fragte er vorsichtig. Das würde dieses merkwürdige Verhalten erklären. Er hatte Morgenmenschen schon immer verdächtig gefunden.
„Ich bin das Gegenteil von einem Morgenmenschen“, antwortete Wolfgang, schwang seinen Stapel Brote zielsicher in die Essecke und zog mit verstörend gutem Timing die volle Kanne aus der Maschine.
„Aber streng genommen ist für mich ja auch nicht Morgen, sondern immer noch Sonntag.“
„Äh?“, machte Horst. Er war eindeutig noch zu müde für so viel Transferleistung.
„Ich hab‘ mir die Nacht um die Ohren geschlagen“, verkündete Wolfgang mit einer seltsamen Überlegenheit in der Stimme, „weil ich so sauer war auf dich und den Taxifahrer.“
„Sorry“, fühlte Horst sich verpflichtet zu wiederholen.
Wolfgang schüttelte den Kopf und verteilte den Kaffee auf zwei große Becher.
„Mehr auf den Taxifahrer“, sagte er.
no subject
Date: 2020-08-10 06:12 pm (UTC)Wolfgang hat definitiv Recht in dem, was er über Wohnküchen sagt - ein wahres Verbrechen an der Menschheit, ey D:
Und vor allem ist es lustig, was er am Ende sagt, weil er damit so charming verschleiern will, wie viele Gedanken er sich um Horst gemacht hat, ohne es wirklich zu verschleiern. Awww <3