[identity profile] wieldy22.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Zeit: eine Stunde
Challenge: 2
Wörter: 721
Kommentar: Mann in verfrühter Midlife-Crisis. Meine Themen werden auch nicht spannender. Sage und schreibe: eine heterosexuelle Beziehung.


1. 1. 2008

5 Dinge, die ich in meinem kurzen Leben dringend noch ändern muss…

1.) Ich muss mich mehr um mich kümmern. Dazu zählen: Rasur meines Dreitagebartes (Welche Frau will sich schon mit meinen Stoppeln küssen lassen?), Shoppingtour (Ich bin ein Mann. Ich gehe nicht gerne einkaufen. Schon gar keine Kleidung. Aber meine Socken haben trotzdem Löcher. Wenn ich nicht anfange Nähen zu lernen komme ich nicht drum rum. Wenn ich doch bloß noch mit Isabell zusammen wäre, die hätte das für mich erledigt…), neuer Haarschnitt, Sport (das nehme ich mir schon seit zwanzig Jahren vor, und obwohl ich mir einrede, keine Zeit dafür zu haben, hat sich mein Schwabbelbauch bis jetzt noch nicht in ein ansehnliches Sixpack verwandelt…), vernünftige Ernährung (Ich sollte aufhören, von Fertigprodukten zu leben, langsam habe ich die gesamte Auswahl an Mikrowellenernährung bei Aldi durch und wenn ich in den nächsten Tagen keinen Brechreiz bekommen will, brauch ich dringend mehr Abwechslung. Außerdem sollte ich die Eier in meinem Kühlschrank für irgendetwas verbraten, so ganz gesund kommen die mir nicht mehr vor.)

2.) Ich brauche einen vernünftigen Job. Meine insgesamt mehrjährigen Auslandsaufenthalte in Brasilien, China, Polen, Algerien, Kanada und Indien waren zwar ganz nett, aber mit fünfunddreißig wäre es doch an der Zeit, sesshaft zu werden. Außerdem verkümmern meine Pflanzen, wenn ich sie so lange alleine lasse, und die Beziehungen sowieso. Ich hätte mein Jura-Studium vielleicht nicht abbrechen sollen. Ich muss mein Buch zu Ende schreiben. Vielleicht finde ich einen Verleger. Ich kann meine Flugtickets und Städtereisen kaum noch bezahlen und der Biobauer hat mir den Job im Hühnerstall doch auch bloß aus Mitleid gegeben. Morgen geh ich zum Arbeitsamt. Bestimmt.

3.) Ich brauche eine neue Beziehung. Das hat ganz praktische Gründe. Ich schaffe es einfach nicht, eine Zweizimmerwohnung alleine sauber zu halten. Vielleicht inseriere ich in der Zeitung: 35-Jähriger Weltenbummler (Hobbys: Reisen, Sportschau gucken, aber ganz unmännlich: Lesen, Schreiben (auch Liebesbriefe) & Listen machen) suche Frau, die Spaß am Kochen und Putzen hat (aber kein Putzfimmel!), bitte schön kurvig, lange schwarze Haare erwünscht, Asiatin oder Latino-Braut wäre ideal, am besten berufstätig (wo soll sonst das ganze Geld für unsere gemeinsamen Lustreisen herkommen?), gerne auch Akademikerin oder sonst wie intelligent, darf aber keinesfalls bemerken, wie schlecht meine Romane eigentlich sind… Verdammte Traumfrau. Du bist das komplette Gegenteil von Isabell.

4.) Ich brauche eine neue Wohnung. Dort werde ich nicht mehr jeden Müll aufheben und meinem Messitum endgültig bye bye sagen. Ich werde endlich alle Erinnerungen an meine Exfreundinnen rausschmeißen, damit ich ein neues Leben anfangen kann: Kimikos Unterwäschesammlung (obwohl, wenn ich es mir recht überlege, will ich ihr schwarzes Spitzenset, dass mich sage und schreibe 500€ gekostet hat, gar nicht loswerden…), Biancas Kochbücher (ohne die ich ehrlich gesagt recht aufgeschmissen bin), Marias Fotoalbum mit Landschaftsbildern aus Spanien (das ich wirklich nicht brauche!). Und vielleicht finde ich noch das ein oder andere Osterei wieder. So wie heute. Das war echt mindestens von 2005. Muss ich für Isabell versteckt haben oder vielmehr für Charlotte. Also echt, da denkt man zwei Jahre lang nicht mehr (bzw. kaum noch) an einen Menschen und dann will man einmal an das allerunterste Handtuch und schon hagelt es Erinnerungen in Form von Lindt-Ostereiern. Ab da wars wie verhext: Ich hab eins im Waffeleisen gefunden. Und eins im Bücherregal. Eins unter dem Schrank und eins in meiner Damenbinden-Collection für Notfälle in meinem Badezimmerschrank. Verdammte Ostereier. Findet man immer wieder, wenn man sie nicht brauchen kann. Und da denk ich so an Isabell mit der ich immerhin fast drei Jahre zusammen war und an ihre Tochter, Charlotte, vor zwei Jahren war sie fünf, das war ein Goldengel, mit ihrem blonden Lockenschopf, fünfmal hat sie in knapp drei Jahren Läuse mit nach Hause gebracht, hat meinen Fernseher zertrümmert, mir was aus meinen Geldscheinen gebastelt, mir einen Kuchen mit Chilischoten gebacken und Papa zu mir gesagt. Und Isabell! Lang wie eine Bohnenstange war sie, kurze Hennarote Haare, kein Busen vorhanden, dafür Hobby-Fußballerin, Putzfimmel ohnegleichen, kochte gerne, aber unheimlich schlecht. Und Eiersuchen, das ging gar nicht, genau wie bei ihrer Tochter, einfach keine Geduld für so was. Meine nächste Freundin muss Eier suchen können.

5.) Ich muss endlich aufhören, diese verdammten Listen zu schreiben und mit dem wahren Leben anfangen. Morgen vielleicht. Bis dahin esse ich Schokoeier von Lindt und hofe, dass mir nicht kotzübel wird.

Date: 2008-03-27 08:54 pm (UTC)
From: [identity profile] bridget-k.livejournal.com
Herrlich! So ein bisschen Bridget Jones nur mit einem männlichen Protagonisten. Das beste, was ich seit Wochen gelesen habe - ehrlich!
Der Schreibstil gefällt mir und vorallem der Humor, der dahinter steckt. Danke.

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