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[personal profile] servena posting in [community profile] 120_minuten
Titel: Panacea
Challenge: Angst - zerbrechlich (Päckchen #9)
Fandom: Original | Fortsetzung von 5.239
Sprache: Deutsch
Wörter: 1.200
Team: Team Ouroboros mit Team Pluto & Team Melpomene
Kommentar: Okay, diesmal gibt’s ein bisschen Plot.

Koordinaten waren für Ellie immer schon mehr gewesen als Zahlen.

Panacea

Aletheia
Koordinaten waren für Ellie immer schon mehr gewesen als Zahlen. Abgesehen von der kleinen Commerson tauchte keines der Schiffe, mit denen sie bisher kommuniziert hatte, auf ihrem Radarschirm auf. Doch jedes Schiff gab zusätzlich zu seinem Namen, dem verantwortlichen Kapitän und seiner Schiffsklasse immer auch seine exakte Position an. Vor ihrem inneren Auge konnte sie sie sehen:
Ein Konvoy aus sechs Sowerbys zog gerade am nördlichen Rand ihrer Funkreichweite vorbei auf dem Weg nach Tharr, begleitet von zwei kleinen Kameruns. Sie hatte mit dem Leiter des Begleitschutzes gesprochen, aber mehr als eine warme Dosis Mitgefühl hatte sie für ihre Mühe nicht erhalten. Die Frachter waren zu langsam, und die Begleiter durften oder wollten sie nicht allein lassen.
Im Westen fand sie einen ganzen Treck samaischer Kolonisten, die sich wie üblich nur in Sublichtgeschwindigkeit voran bewegten. Auf Tatacoa machte sich gerade das monatlich eintreffende Postschiff bereit für die Weiterfahrt. Und direkt über Puna konstruierte ein ganzer Schwarm Heavisides eine neue Raumstation.
Eine kleine Vaquita flitzte in südöstlicher Richtung durch den Oranischen Luftraum. Sie hatte sich geweigert mitzuteilen, was sie an Bord führte und was ihr Ziel war, also vermutete Ellie, dass sie Schmuggelwaren transportierte. Ihren Hilferuf weiterleiten wollte sie auch nicht, und schließlich hatte sie den Funkkontakt völlig abgebrochen.
Andere waren da schon hilfsbereiter. Wie beim Staffellauf wanderte Ellies Nachricht von Schiff zu Schiff, über kleine Reparaturschiffe bis hin zu schweren Öltankern. Immer größer wurde der Raum, den sie abdecken konnte. Ein großer Sandlader aus Mojave änderte sogar extra den Kurs, damit Ellie die Oberfläche der Planeten Pothohar 1 und 2 erreichen konnte.
Aber der Schiffsverkehr in diesen Breiten bestand hauptsächlich aus sehr kleinen oder sehr langsamen Schiffen, und je weiter ihr Ruf reichte, desto unwahrscheinlicher wurde es, dass jemand sie rechtzeitig erreichen konnte.
Mental strich sie die einzelnen Schiffsnamen von ihrer Liste. Zu klein. Zu langsam. Nicht genug Zugkraft. Zu weit weg.
Nicht daran interessiert, uns zu helfen.
In regelmäßigen Abständen tauchte Reyna hinter ihr auf. „Was Neues?“, fragte sie.
Ellie schüttelte nur den Kopf.
Javier schien Mitleid mit ihr zu haben, denn er brachte ihr Kaffee und plünderte sogar seinen Notvorrat Belgischer Waffelkekse für sie. Vielleicht wollte er sich aber auch nur beschäftigen; in der restlichen Zeit drehte er sich auf seinem Stuhl in diese und jene Richtung und trommelte mit den Fingern auf der Konsole herum, dass es sie ganz nervös machte. (Vielleicht war das aber auch nur der viele Kaffee.)
Als Dank reichte sie hin und wieder einen nervigen Kandidaten an ihn weiter, damit er ihn abwimmelte. Javier konnte wirklich in fast jeder Sprache fluchen.
Als die Türen zur Kabine sich zischend öffneten, setzte Ellie für einen Moment die Kopfhörer ab. Will sah aus, als hätte er es mit der Maschine aufgenommen und verloren. Die sonst so sorgfältig gekämmten dunkelblonden Haare standen ihm in alle Richtungen zu Berge und seine Hände waren bis zu den Ellbogen fleckig mit Motoröl.
„Nichts anfassen“, sagte Javier schnell.
Will tat, als hätte er ihn nicht gehört, und ließ sich in einen freien Stuhl fallen. „Die gute Nachricht ist, dass wir die Maschinen soweit hochgetrieben haben“, er verzog kurz das Gesicht, als würde ihm das persönlich Schmerzen zufügen, „dass wir unsere Fallgeschwindigkeit auf ein Drittel reduziert haben.“
„Was ist die schlechte Nachricht?“, fragte Reyna sofort.
„Wir verbrauchen jetzt auch fast doppelt so viel Sprit. Wie es jetzt steht, ist das unser Flaschenhals.“
„Kann man das noch reduzieren?“
Will zog die Schultern hoch. „Die Schilde laufen auf 100%, das zieht viel Strom, den wir auch erzeugen müssen. Aber das ist alternativlos.“
Reyna sah aus, als hätte sie in eine Zitrone gebissen.
„Okay, ich stell dann meine Frage mal zurück“, sagte Javier von der Seite.
„Welche Frage?“, fragte Reyna sofort.
„Ob wir mit unseren Schilden auch die Elpis 2 abdecken können. Die Temperatur im Innenraum steigt langsam, das heißt, irgendwo ist die Hülle undicht. Irgendwann wird das zum Problem. Und die Lebenserhaltungssysteme sind instabil. Wenn auch noch der Oxygenator ausfällt, können wir uns unsere gesamten bisherigen Mühen an den Hut stecken.“
„Nein“, sagte Will sofort. „Selbst wenn wir kein Spritproblem hätten - die Schilde reichen nicht so weit. Die sind zur Selbsterhaltung, mehr nicht.“
„Das ist ja wunderbar“, sagte Javier ätzend.
Ellie kaute nachdenklich auf der Innenseite ihrer Wange. In Gedanken ging sie die Schiffe durch, mit denen sie bereits Kontakt hatte. Sie war kein wandelndes Schiffslexikon wie Will, aber sie sprach gerne mit den Funkern, die ihr wiederum gern erzählten, was das eigene Schiff alles konnte.
Sie begann wieder zu tippen. „Panacea, bitte kommen. Hier ist die Aletheia. Panacea, bitte kommen.“
Sie erhielt die Antwort prompt. „Aletheia, hier ist die Panacea.“
Panacea ist ein ehemaliges Lazarettschiff? Bitte bestätigen.“
„Bestätige, Aleitheia, Modell Shepherd III.“
„Auf welche Distanz kann die Panacea ihre Schilde ausfahren?“
„Bis zu 500 Meter, Aletheia.“
„Das macht Sinn“, sagte Javier, als sie ihnen die Nachricht überbrachte. „Als Lazarettschiff sind sie dafür gebaut, andere Schiffe während der Evakuierung vor feindlichem Feuer zu schützen. Ein Feld solcher Größe könnte sogar uns und die Elpis 2 schützen. Jackpot!“
„Es gibt da nur ein kleines Problem“, sagte Ellie. „Die Panacea gehört zu einem Treck samaischer Kolonisten.“
Will stöhnte laut auf. Javier seufzte tief, und Reyna knirschte mit den Zähnen.
„Das war’s dann wohl“, murmelte Javier.
„Wann sind die dann hier, nächstes Weihnachten?“, fragte Will.
Es lag an Reyna, die einzige relevante Frage zu stellen. „Wenn du das wusstest, warum hast du sie dann überhaupt angefragt?“
Ellie holte Luft. „Mein Mitbewohner im College war Samaianer. Sie haben ihre Regeln, aber es gibt Ausnahmen. Wenn es um Leben und Tod geht, dürfen auch verbotene Technologien eingesetzt werden. Die Panacea ist ein modernes Schiff mit neuster Lichtgeschwindigkeitstechnologie. Sie müssen sich nur entschließen, sie auch einzusetzen.“
Nur“, sagte Will, und malte große Anführungszeichen in die Luft.
„Und wie läuft das ab?“, fragte Javier.
„Demokratisch. Jeder Kolonist über 16 Jahren auf dem Schiff darf abstimmen.“
„Hast du ihnen erzählt, worum es geht?“, fragte Reyna.
Sie nickte.
Will warf die Hände in die Luft. „Dann können wir’s gleich vergessen. Die Samaier fließen ja nicht gerade über mit Liebe zu den Andoranern. Die haben Yuma, 4033 nicht vergessen.“
Alle schwiegen betreten.
Ellie schluckte schwer. „Tut mir Leid.“
Wills Gesichtszüge wurden etwas weicher. „Ist ja nicht deine Schuld.“ Sein nachdenklicher Blick blieb am Funkgerät hängen. „Vielleicht wäre das der Moment, wo wir anfangen sollten zu beten.“
Javier zog die Augenbrauen hoch. Die Besatzung der Aletheia war nicht gerade religiös. „Zu wem denn?“
Will sah sie alle ernst an. „Zu jedem, der zuhört.“

Panacea
Der Versammlungssaal der Panacea war groß wie eine Kirche. Früher hatten hier die Lazarettbetten gestanden, doch alles überflüssige Mobiliar war entfernt worden. Es gab keine Stühle, nur ein Podest in der Mitte, auf der sich die gewählten Leiter der Gemeinde einfanden, ein Mann und eine Frau, wie es immer gewesen war.
Innerhalb kürzester Zeit, nachdem die Glocken geläutet hatten, begann der Saal sich zu füllen. Bald standen die Menschen dicht an dicht. Sobald alle anwesend waren, wurden die großen Türen geschlossen und die Leiter begannen zu sprechen.
Die Situation wurde so kurz und knapp wie möglich erläutert. Danach war die Gelegenheit für Fragen. Schließlich durfte jeder Wahlberechtigte, der wollte, das Podest betreten, um seine Meinung zu äußern. Der Prozess konnte sich sehr lange hinziehen, doch meist sorgte das Stehen dafür, dass die Leute sich kurz fassten. Erst als sich keiner mehr meldete, begann die Abstimmung.
Zahlreiche Hände reckten sich der dunklen Schiffsdecke entgegen.

Date: 2020-07-21 10:00 pm (UTC)
der_jemand: (Default)
From: [personal profile] der_jemand
*__________*

Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, ich bin hin und weg. Schön erzählt, schöne Optionen, viele viele Schiffsnamen, eine wundervolle Crew...
Ich sitze hier mit Herzchenaugen. ♥

Date: 2020-07-22 08:24 pm (UTC)
aleamakota: (Cat)
From: [personal profile] aleamakota
Was der_jemand sagt. Ich habe gerade die ersten drei Teile weggesuchtet und bin einfach nur in awe. Ich liebe ALLES hieran! Die Crew, die Schiffe, das Technikgeschnatter, das Worldbuilding, das DRAMA! Wäre dies ein Buch, es wäre eins von denen, die ich nachts um vier, zwei Stunden vor dem Frühdienstwecker, noch immer nocht aus der Hand gelegt hätte. Bitte schreib das Ding schnell weiter. Ich brauch neuen Stoff. BALD!

Date: 2020-09-26 08:31 pm (UTC)
aleamakota: (Cat)
From: [personal profile] aleamakota
Dawww, ich bin nicht die einzige, die Kommentare mehrfach liest, das freut mich. XDD Und ich bin sehr froh, zu deiner Motivation beigetragen zu haben/noch beizutragen!

Date: 2020-09-20 08:45 pm (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
Huhu, wir haben mit Euch und Team Pluto Päckchen 9 als Superteam gefüllt!

Magst Du noch Päckchen 9 ergänzen und alle drei Teams nennen: Also Eures, Pluto und Melpomene? Alea fragt dann die Wörter für die Losung fürs Banner an :)

Date: 2021-05-02 03:19 pm (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
Ich hab das ziemlich selten, daß ich während des Lesens einen Film sehe. Eigentlich so gut wie nie. Aber hier ging es mir wirklich so, gerade bei der Anfangsszene habe ich die Schiffe gesehen, die rund um die Aletheia in verschiedene Richtungen unterwegs sind.

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