h/c - Weltschmerz
Jul. 15th, 2020 10:14 pmTeam: Pluto
Challenge: h/c - Weltschmerz (fürs Team, Päckchen 1)
Fandom: Nocturne Whispers (Harepocalypse-AU) Masterpost
Charaktere: Chikara, Yann
Lose Fortsetzung hiervon
Ihre Schritte knirschten ein wenig in dem leeren Treppenhaus des verlassenen Hotels, aber nicht so sehr, wie sie es erwartet hätte. Die wievielte Treppe war es jetzt, die sie nahmen? Chikara hatte ein wenig den Überblick verloren, der Aufzug funktionierte natürlich nicht. Das einzige was noch real schien, war Yanns Hand die ihre ganz fest hielt, als er sie immer höher führte. Sie befanden sich ganz am Rand des als sicher angesehenen Gebiets, jedenfalls hatte er ihr gesagt. Und je höher sie kamen, desto sicherer waren sie natürlich vor den Hasen und Kaninchen, die es naturgemäß nicht so sehr mit Treppenstufen hatten. Chloe und ihre Leute hatten ja deswegen auch oben in einem Hochhaus Unterschlupf gesucht. Aber was war heute noch sicher? In dem Bunker hatten sie auch sicher sein sollen und trotzdem war Chikara da die einzige Überlebende gewesen. Nicht aus eigener Kraft, sondern weil sie Hilfe gehabt hatte. Sie blinzelte. An diese Bilder wollte sie nie wieder denken.
Yann hielt sie so fest, als wollte er sie nie wieder loslassen. Sie hatte da gerade keine Einwände. Alles was sie gerade tun konnte war, neben ihm herzugehen, eine Stufe nach der anderen zu nehmen… ein Schatten zischte an ihren Füßen vorbei. Mit einem erschrockenen Schrei stolperte sie zurück, für den Moment vergessend dass es hinter ihr nur noch bergab ging. Geistesgegenwärtig griff Yann um ihre Schultern und hielt sie fest. Auch als sie wieder sicher, wenn auch mit rasendem Herzschlag, auf ihren Füßen stand, blieb seine Hand auf ihrem Rücken. Er wirkte vollkommen ruhig, auch wenn er es möglicherweise gar nicht wahr. Oder vielleicht doch. Er war schon immer ein besserer Schauspieler gewesen als sie.
„Das war Duchesse. Eine von Ninas Katzen”, sagte er leise, „Es gibt hier keine Kaninchen.”
„Duchesse? Wie aus den Aristocats?” Chikara wusste selbst nicht, wo diese Frage herkam. Wie lange war es her, dass sie den Film gesehen hatten? Eine Millionen Jahre?
„Genau. Es gibt hier vier Katzen. Marie und Toulouse habe ich nie auseinanderhalten können, beide sind schwarz wie ihre Seelen. Möglich, dass du bald eine oder beide in deinem Bett findest. Ninas Zimmer reicht ihnen nicht. Dabei hat sie sich schon das beste gesichert. Alles Diven.” Während er sprach, führte er sie weiter nach oben, bis sie anscheinend den obersten Stock erreicht hatten. Dort führte Yann sie zum Ende des Flurs. „Die Suiten sind hier gerade sehr billig zu haben”, erklärte er, das Grinsen deutlich hörbar, „Und es gibt nicht viele Nachbarn, meistens hat man seine Ruhe. Nur ist mit Arien zu den komischsten Zeiten zu rechnen. Aber ich schätze, du hörst sie hier ohnehin nicht.” Durch die Nähe spürte sie sein Schulterzucken, kommentierte es aber nicht weiter. Was sollte sie auch sagen?
Dann öffnete Yann eine Tür und sie betraten ein vom fahlen Mondlicht erhelltes Zimmer, das wohl mal modern und schick gewesen war. Jetzt wirkte es einfach nur fehl am Platz. Falsch in dieser Zeit. Aber immerhin konnte sie jetzt Yanns Gesicht erkennen und das Lächeln, als er fortfuhr: „Mein Zimmer ist gleich nebenan. Der Service ist leider nicht mehr sehr gut und das Klo müsstest du mit Regenwasser spülen, wir sammeln das oben auf dem Dach. Immer noch besser als die Latrinen, die sie in den Parks gegraben haben.” Er zuckte wieder mit den Schultern. Irgendwie brachte Chikara ein Lächeln zustande. „Ihr seid wohl gut auf menschlichen Besuch einzustellt.” Vampiren konnten Toiletten schließlich egal sein.
Als Antwort bekam sie nur ein kurzes und recht schlecht geschauspielertes Husten. „Warte kurz, ja?”
Ehe sie einen Einwand erheben konnte, war Yann schon weg und Chikara sah sich genauer um. Auch wenn ihre Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, gab es nicht viel zu sehen. Dafür roch es etwas muffig. Das Fenster aufzumachen wagte sie aber auch nicht. Objektiv betrachtet war das Unsinn. Glas war kein Hindernis mehr für Kaninchen und doch bot es wenigstens die Illusion von Sicherheit. Konnte sie sich dieser Illusion hingeben? Sie war wieder mal das schwächste Glied… der Mensch. Welche Chance hatte sie? Welche Chance hatte ihre ganze… Art?
Im Zimmer wurde es etwas dunkler und als Chikara zum Fenster sah, stellte sie fest, dass das Mondlicht nachgelassen hatte. Vermutlich eine Wolke… Unruhig verschränkte sie die Finger ineinander. Was erwartete sie jetzt? Wie lange würde sie hierbleiben können? Das waren Fragen, über die sie nicht nachdenken wollte, die sich ihr jetzt aber unweigerlich aufdrängten. Mit einem Mal wurde ihr kalt. Das hatte nichts mit diesem Raum zu tun, obwohl es alles andere als warm war. Daran war sie inzwischen gewöhnt. Heizungen waren ein Luxus, der der Vergangenheit angehörte.
Ein flackerndes Licht näherte sich und Yann betrat mit einem Windlicht das Zimmer. „Strom ist hier übrigens auch Mangelware. Der wird eher für das Krankenhaus und die Verwaltung gebraucht. Nina zieht Kerzenlicht ohnehin vor.”
„Das ist okay.” Man lernte, seine Ansprüche runterzuschrauben, wenn die Welt unterging. Chikara war einfach nur froh, dass sie Yann wiedergefunden hatte. Oder eher: Nina gefunden hatte. Oder als was man es auch immer man ihr Wiedersehen bezeichnen konnte.
„Ich hab auch Streichhölzer dabei. Davon gibts hier mehr als genug.” Yann sprach etwas zu hastig, als wäre ihm die laute Stille um sie herum unangenehm. „Wenn du willst, zeige ich dir gleich alles. Deine Sachen kannst du ja hier lassen.” Er deutete auf ihren Rucksack, der die wenigen Sachen die ihr geblieben waren, beinhaltete. „Dann können wir dir auch gleich Wasser holen. Man kann sich auch ganz gut damit waschen. Ist kein Trinkwasser, aber wenn nötig wirds dich auch nicht…” Er brach ab, die Worte hingen trotzdem noch ein paar Sekunden zwischen ihnen im Raum. Unwillkürlich fragte Chikara sich, wie sie reagieren sollte. Sollte sie etwas sagen? Oder tun? Aber was? Die Situation überforderte sie beide, so viel war klar. „Wenn du aber erstmal deine Ruhe haben willst, ist das auch okay.” Seine Worte waren so vorsichtig, dass es ihr fast das Herz brach. Er sollte sich ihretwegen keine Sorgen machen. Er hatte ihretwegen genug gelitten.
„Ich komm klar”, murmelte sie. Dabei wusste sie selbst, dass selbst das schwer genug war. Aber sie musste sich irgendwie zusammenhalten, auch wenn sie keine Ahnung hatte, wie sie die Kraft dazu aufbringen sollte. Ihr kleiner Zusammenbruch bei Nina war ihr im Nachhinein unangenehm genug. In dieser Zeit gab es keinen Platz für solche Dinge? Es ging ums Überleben, sonst nichts. Man musste durchhalten oder blieb zurück.
Erst als er ihre ineinander verkrampften Hände nahm, wurde ihr klar, dass Yann das Windlicht abgestellt hatte und jetzt dicht vor ihr stand. „Das musst du aber nicht”, sagte er ernst. Es war vor allem der Tonfall, der sie überrascht den Kopf heben ließ und was auch immer Yann in ihrem Gesicht las, es veranlasste ihn, sie in den Arm nahm. Fester als sonst, bisher schien er immer Angst vor seiner eigenen Kraft gehabt zu haben. Jetzt schien etwas anderes stärker zu sein, sie wagte nicht darüber nachzudenken, was. Aber es war genau das, was sie brauchte. Einfach nur ihn spüren, sonst nichts. Wenigstens für den Moment. Der Weltuntergang konnte warten.
Challenge: h/c - Weltschmerz (fürs Team, Päckchen 1)
Fandom: Nocturne Whispers (Harepocalypse-AU) Masterpost
Charaktere: Chikara, Yann
Lose Fortsetzung hiervon
Ihre Schritte knirschten ein wenig in dem leeren Treppenhaus des verlassenen Hotels, aber nicht so sehr, wie sie es erwartet hätte. Die wievielte Treppe war es jetzt, die sie nahmen? Chikara hatte ein wenig den Überblick verloren, der Aufzug funktionierte natürlich nicht. Das einzige was noch real schien, war Yanns Hand die ihre ganz fest hielt, als er sie immer höher führte. Sie befanden sich ganz am Rand des als sicher angesehenen Gebiets, jedenfalls hatte er ihr gesagt. Und je höher sie kamen, desto sicherer waren sie natürlich vor den Hasen und Kaninchen, die es naturgemäß nicht so sehr mit Treppenstufen hatten. Chloe und ihre Leute hatten ja deswegen auch oben in einem Hochhaus Unterschlupf gesucht. Aber was war heute noch sicher? In dem Bunker hatten sie auch sicher sein sollen und trotzdem war Chikara da die einzige Überlebende gewesen. Nicht aus eigener Kraft, sondern weil sie Hilfe gehabt hatte. Sie blinzelte. An diese Bilder wollte sie nie wieder denken.
Yann hielt sie so fest, als wollte er sie nie wieder loslassen. Sie hatte da gerade keine Einwände. Alles was sie gerade tun konnte war, neben ihm herzugehen, eine Stufe nach der anderen zu nehmen… ein Schatten zischte an ihren Füßen vorbei. Mit einem erschrockenen Schrei stolperte sie zurück, für den Moment vergessend dass es hinter ihr nur noch bergab ging. Geistesgegenwärtig griff Yann um ihre Schultern und hielt sie fest. Auch als sie wieder sicher, wenn auch mit rasendem Herzschlag, auf ihren Füßen stand, blieb seine Hand auf ihrem Rücken. Er wirkte vollkommen ruhig, auch wenn er es möglicherweise gar nicht wahr. Oder vielleicht doch. Er war schon immer ein besserer Schauspieler gewesen als sie.
„Das war Duchesse. Eine von Ninas Katzen”, sagte er leise, „Es gibt hier keine Kaninchen.”
„Duchesse? Wie aus den Aristocats?” Chikara wusste selbst nicht, wo diese Frage herkam. Wie lange war es her, dass sie den Film gesehen hatten? Eine Millionen Jahre?
„Genau. Es gibt hier vier Katzen. Marie und Toulouse habe ich nie auseinanderhalten können, beide sind schwarz wie ihre Seelen. Möglich, dass du bald eine oder beide in deinem Bett findest. Ninas Zimmer reicht ihnen nicht. Dabei hat sie sich schon das beste gesichert. Alles Diven.” Während er sprach, führte er sie weiter nach oben, bis sie anscheinend den obersten Stock erreicht hatten. Dort führte Yann sie zum Ende des Flurs. „Die Suiten sind hier gerade sehr billig zu haben”, erklärte er, das Grinsen deutlich hörbar, „Und es gibt nicht viele Nachbarn, meistens hat man seine Ruhe. Nur ist mit Arien zu den komischsten Zeiten zu rechnen. Aber ich schätze, du hörst sie hier ohnehin nicht.” Durch die Nähe spürte sie sein Schulterzucken, kommentierte es aber nicht weiter. Was sollte sie auch sagen?
Dann öffnete Yann eine Tür und sie betraten ein vom fahlen Mondlicht erhelltes Zimmer, das wohl mal modern und schick gewesen war. Jetzt wirkte es einfach nur fehl am Platz. Falsch in dieser Zeit. Aber immerhin konnte sie jetzt Yanns Gesicht erkennen und das Lächeln, als er fortfuhr: „Mein Zimmer ist gleich nebenan. Der Service ist leider nicht mehr sehr gut und das Klo müsstest du mit Regenwasser spülen, wir sammeln das oben auf dem Dach. Immer noch besser als die Latrinen, die sie in den Parks gegraben haben.” Er zuckte wieder mit den Schultern. Irgendwie brachte Chikara ein Lächeln zustande. „Ihr seid wohl gut auf menschlichen Besuch einzustellt.” Vampiren konnten Toiletten schließlich egal sein.
Als Antwort bekam sie nur ein kurzes und recht schlecht geschauspielertes Husten. „Warte kurz, ja?”
Ehe sie einen Einwand erheben konnte, war Yann schon weg und Chikara sah sich genauer um. Auch wenn ihre Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, gab es nicht viel zu sehen. Dafür roch es etwas muffig. Das Fenster aufzumachen wagte sie aber auch nicht. Objektiv betrachtet war das Unsinn. Glas war kein Hindernis mehr für Kaninchen und doch bot es wenigstens die Illusion von Sicherheit. Konnte sie sich dieser Illusion hingeben? Sie war wieder mal das schwächste Glied… der Mensch. Welche Chance hatte sie? Welche Chance hatte ihre ganze… Art?
Im Zimmer wurde es etwas dunkler und als Chikara zum Fenster sah, stellte sie fest, dass das Mondlicht nachgelassen hatte. Vermutlich eine Wolke… Unruhig verschränkte sie die Finger ineinander. Was erwartete sie jetzt? Wie lange würde sie hierbleiben können? Das waren Fragen, über die sie nicht nachdenken wollte, die sich ihr jetzt aber unweigerlich aufdrängten. Mit einem Mal wurde ihr kalt. Das hatte nichts mit diesem Raum zu tun, obwohl es alles andere als warm war. Daran war sie inzwischen gewöhnt. Heizungen waren ein Luxus, der der Vergangenheit angehörte.
Ein flackerndes Licht näherte sich und Yann betrat mit einem Windlicht das Zimmer. „Strom ist hier übrigens auch Mangelware. Der wird eher für das Krankenhaus und die Verwaltung gebraucht. Nina zieht Kerzenlicht ohnehin vor.”
„Das ist okay.” Man lernte, seine Ansprüche runterzuschrauben, wenn die Welt unterging. Chikara war einfach nur froh, dass sie Yann wiedergefunden hatte. Oder eher: Nina gefunden hatte. Oder als was man es auch immer man ihr Wiedersehen bezeichnen konnte.
„Ich hab auch Streichhölzer dabei. Davon gibts hier mehr als genug.” Yann sprach etwas zu hastig, als wäre ihm die laute Stille um sie herum unangenehm. „Wenn du willst, zeige ich dir gleich alles. Deine Sachen kannst du ja hier lassen.” Er deutete auf ihren Rucksack, der die wenigen Sachen die ihr geblieben waren, beinhaltete. „Dann können wir dir auch gleich Wasser holen. Man kann sich auch ganz gut damit waschen. Ist kein Trinkwasser, aber wenn nötig wirds dich auch nicht…” Er brach ab, die Worte hingen trotzdem noch ein paar Sekunden zwischen ihnen im Raum. Unwillkürlich fragte Chikara sich, wie sie reagieren sollte. Sollte sie etwas sagen? Oder tun? Aber was? Die Situation überforderte sie beide, so viel war klar. „Wenn du aber erstmal deine Ruhe haben willst, ist das auch okay.” Seine Worte waren so vorsichtig, dass es ihr fast das Herz brach. Er sollte sich ihretwegen keine Sorgen machen. Er hatte ihretwegen genug gelitten.
„Ich komm klar”, murmelte sie. Dabei wusste sie selbst, dass selbst das schwer genug war. Aber sie musste sich irgendwie zusammenhalten, auch wenn sie keine Ahnung hatte, wie sie die Kraft dazu aufbringen sollte. Ihr kleiner Zusammenbruch bei Nina war ihr im Nachhinein unangenehm genug. In dieser Zeit gab es keinen Platz für solche Dinge? Es ging ums Überleben, sonst nichts. Man musste durchhalten oder blieb zurück.
Erst als er ihre ineinander verkrampften Hände nahm, wurde ihr klar, dass Yann das Windlicht abgestellt hatte und jetzt dicht vor ihr stand. „Das musst du aber nicht”, sagte er ernst. Es war vor allem der Tonfall, der sie überrascht den Kopf heben ließ und was auch immer Yann in ihrem Gesicht las, es veranlasste ihn, sie in den Arm nahm. Fester als sonst, bisher schien er immer Angst vor seiner eigenen Kraft gehabt zu haben. Jetzt schien etwas anderes stärker zu sein, sie wagte nicht darüber nachzudenken, was. Aber es war genau das, was sie brauchte. Einfach nur ihn spüren, sonst nichts. Wenigstens für den Moment. Der Weltuntergang konnte warten.