Frodo weicht auf
Jul. 10th, 2020 11:05 pmTeam: Metaphermorphose
Challenge: Crack/Humor: Panzertape (Päckchen 8)
Fandom: Youtuber (Berliner Cluster)
Wörter: ~1600
Pairing/Personen: Frodo/Flo, zwei weitere Maxe mit grässlichen Spitznamen
Anmerkung: The drama intensifies. So do the USTs. Frodo hat dabei eine Palette mit Bodenbelägen im Rücken. Fortsetzung von Männer, die auf Böden starren. Ich möchte mich übrigens bei Maddle bedanken für das Enablen und das Anfeuern, diesen Blödsinn aufzuschreiben.
Das erste, was er sieht, als er das Büro der Logistikplanung betritt, ist der Karpfenkalender. Nackte Frauen mit glänzenden Körpern, die glitschige Fische vor ihre Geschlechtsteile halten. Begeisternd.
„Hing dit Ding schon immer hier?“, fragt er und zeigt darauf.
Miss Juli probiert einen lasziv-verführerischen Blick, doch eigentlich sehen ihre Augen genauso tot aus wie die vom Karpfen, den sie hält.
Atze folgt dem Fingerzeig und zuckt mit den Schultern;
„Ha' ick von zu Hause mitjebracht.“
„Wieso?“, will Max wissen. „Haben die drei anderen Kalender mit nackten Frauen nich' gereicht?“
Er macht eine kreisende Bewegung mit der Hand, mit der er die anderen Bilder sehr entblößter Menschen andeutet, die ihm von den Wänden her Schlafzimmerblicke zuwerfen.
„Meene Freundin wollte den Kalender weghaben.“ Atze kratzt sich am Kinn und tippt lautstark auf seiner Tastatur rum.
„Echt jetz'?“, erwidert Max übertrieben verwundert. „Is' ja'n Ding!“
„Seit wann stört dich det denn?“ Sein Kollege sieht auf. „Nur, weil der überkandidelte Technikfuzzi vom Zulieferer kommt? Alter, mach dich ma' locker.“
„Ick bin locker!“, verteidigt Max sich. „Muss ja hier trotzdem nich' aussehen wie im Puff!“
Atze beäugt ihn von schräg hinter seinem Monitor und schüttelt nur leicht den Kopf. Es ist nicht so, dass Max erwartet hat, dass seine Kollegen das Büro plötzlich aufräumen und umdekorieren würden.
Und nein, es ist auch nicht so, dass er sie nicht mag – trotz ihrer Besessenheit mit ihrer Heterosexualität. Sie sind witzig, fleißig, hilfsbereit und meistens angenehm.
Trotzdem. Karpfenkalender. Würde er bei sowas mitmachen, würde das viel besser aussehen. Mit Plüschfischen, so dass keine armen Tiere dafür sterben müssten.
Das Klingeln des Telefons neben Aule reißt ihn aus den Gedanken. Aule hebt konsterniert eine Augenbraue wie so oft, wenn in seiner Umgebung das Telefon klingelt – als wäre er stets neu überrascht, dass das Gerät tatsächlich angeschlossen ist – und hebt ab.
„Jo“, brummt er in den Hörer. „Frodo? Ja, steht vor mir. Hm. Okay, sag ick ihm.“
Er knallt den Hörer wieder auf Gabel;
„Dein Technikfuzzi is' da, Frodo.“
„Oh“, entfährt es Max. „Juti. Und würd's dir was ausmachen, ihn vielleicht nich' so zu nennen? Der Mann hat ooch 'n Namen.“
„Pfff“, macht sein Kollege. „Der Gerhardt hat erzählt, dass der Typ dich Frodo nennt. Soll'n wir den jetzt besonders würdevoll behandeln, nur weil er auf seiner Visitenkarte 'n Dipl-Ing. zu stehen hat?“
Nachdem er Flo am Empfangsbereich abgeholt und ihm einen Kaffee angeboten hat, den der Besucher höflich ablehnt, beginnt Max die Geschichte der Spitznamen zu erzählen. Wie sie zu Beginn noch Max 1, Max 2 und Max 3 gewesen sind, weil hier nun mal nicht jeder wie der Chef alle nur beim Nachnamen herbeibrüllt. Wie daraus irgendwann Atze, Aule und Frodo wurden, weil man bei einer Betriebsfeier kollektiv zu tief ins Glas geschaut hatte und die Kollegen die klischeehaftesten Spitznamen zu brainstormen begannen. Im Gegensatz zu den anderen hat er es doch noch gut getroffen. Wenn Frodo das Schlimmste ist, was ihm hier passieren kann, kann er guten Gewissens bis zur Rente bleiben.
Flo schaut ihn amüsiert von der Seite an und zuckt mit den Mundwinkeln. Er ist seit dem letzten Termin noch ein klein wenig brauner geworden und hat seinen komischen Ziegenbart gestutzt.
Heute ist er super leger gekleidet. Kürzere Hosen, schwarzes Shirt, schwarzes Basecap. Und wieder diese Super Mario-Socken mit den kleinen Pilzchen und Blümchen und den Münzblöcken.
Max schleust ihn durch das Büro der Logistikplaner.
„Tachchen“, grüßt Flo.
„Hi“, murmelt Aule, während Atze kurz winkt und dann fortfährt, irgendeinen armen Truckerfahrer am Telefon zusammenzufalten.
Flo scheint die Weiberkalender gar nicht zu sehen. All die Aufregung war anscheinend umsonst.
„Direkt mal 'ne Abwechslung“, sagt Flo er, als sie das Lager betreten.
Max händigt ihm eine gelbe Warnweste aus.
„Mal keine Verlegefehler angucken.“
„Sehr witzig“, erwidert Max und zeigt wortlos fragend auf die Füße seines Gegenüber.
„Hm?“, Flo guckt hinab. „Die Socken?“
„Nein, du Komiker. Sind det Arbeitsschutzschuhe?“
Für einen Moment ist Flo stumm. Etwas Entsetztes huscht über sein Gesicht – ertappt, geradezu beschämt, was seine dunklen Augen sehr groß werden lässt.
Schnell räuspert er sich: „Ja, na klar. Wat denkst du denn?“
„Wir sind verpflichtet zu fragen. Ich denke, dit weeßt du.“
Max grinst ihn an. Für einen kleinen Moment fühlt er sich überlegen. Richtig, denkt er. Heute ist Heimspiel. Flo ist in seinem Revier, er ist nichts anderes als der Supplier und muss sich entsprechend benehmen.
Gemeinsam gehen sie quer durch das Lager, an den Regalen entlang. In der Nähe des Lagereingangs rangiert Hopfe (einer der Stefans) mit einem Gabelstapler eine Palette aus den Regalen, um eine Lieferung vorzubereiten. Es herrscht die typische Ruhe der Sommerferien.
Die anderen beiden Maxe haben die reklamierte Palette freundlicherweise in einen ebenerdigen Slot gestellt. So ist es ein Leichtes, davor stehenzubleiben und sie wie in diesem Will Smith-Meme dramatisch zu präsentieren.
Flo tippt sich von unten gegen seine Cap und schiebt sie sich konsterniert etwas in die Stirn.
„Okaay“, sagt er gedehnt und tritt heran um die schmalen, langen Boxen mit den Laminatpaneelen zu begutachten.
„Hat die jemand in 'nen Pool geschmissen oder wat?“
Die Pappe der Boxen wellt sich fürchterlich. An manchen Stellen ist sie so aufgequollen, dass das Material aufgebrochen ist und das Laminat nackt hervorschaut, ebenfalls verbogen.
Flo hebt mit spannendem Bizeps eine Box an, um die jemand Panzertape gewickelt hat;
„Wer hat denn dit verbrochen?“
„Wir jedenfalls nich', dit kann ick dir schon mal sagen.“ Max verschränkt die Arme.
„Ich weiß ja nich', was für Speditionen eure Logistik so benutzt, aber offensichtlich dachte da jemand, dasset nich' uffällt, wenn man um ein paar Boxen einfach 'n bisschen Tape wickelt. Eins A Qualität, Flo.“
„Is' ja jut!“, wehrt sein Geschäftspartner ihn ab.
„Das is' 'ne super eindeutige Sache. Für die kriegt ihr natürlich Ersatz oder 'ne Gutschrift. Wieso lässt du mich wegen so 'nem Pipifax kommen?“
Max zuckt mit den Schultern;
„Du hast doch meinen Chef neulich gehört. Ich soll dich wegen jeder Reklamation ranpfeifen. Und dit mach ick doch mit Freuden.“ Er grinst lieblich.
Flo wendet sich zu ihm um und betrachtet ihn für einen kleinen Augenblick. Er scheint innerlich irgendetwas abzuwägen – ein stummer Moment trifft sich zwischen ihnen in der Luft – dann grinst der Mann zurück;
„Sag doch einfach, wenn du solche Sehnsucht nach mir hast, Frodo.“
Der Moment kippt um, so wie neulich in Neuruppin. Oder vielleicht ist es sein Mund, denn auf den scheint Max plötzlich gefallen zu sein. Alles, was er spürt, ist wie er hilflos weitergrinst, weil er nicht weiß, wie zum Teufel er denn nun darauf reagieren soll.
„Klar doch, ganz bestimmt“, bringt er nach einer gefühlten Ewigkeit krächzend hervor.
Flo blickt sich um, schaut kurz durch die Regale hindurch nach drüben, wo Hopfe noch immer mit dem Packen zugange ist. Dann rückt er unvermittelt näher, so dass Max sofort nach hinten ausweicht. Er stößt mit dem Rücken und den Hüften gegen die Palette mit den Wasserschadenbodenbelägen.
„Ich hab mir sämtliche Reklamationen nochmal angeguckt“, raunt Flo leise. Er ist viel zu nah für Max' Geschmack und die Art, wie er leise gegen ihn spricht, macht, dass sich in Max' Nacken die Härchen aufstellen.
„Das neulich war nich' nur so dahergesagt: Irgendwat stimmt nicht. Ich dachte...“ Er taxiert Max für einen Moment: „Vielleicht kannst du mir helfen?“
Helfen. Guter Scherz, denkt Max, während er an ihnen herunterschaut und feststellt, wie nah sie einander sind, wie einfach es für Flo wäre, ihn zu packen und auf diese verdammte Palette zu legen. Er selbst würde auch mitmachen. So wäre es ja nicht.
„Häh?“, bringt er hervor und zwingt sich, sein stuckerndes Gehirn wieder in Gang zu bringen;
„Wegen deiner angeblichen Verlegefehler?“
Flo rollt mit den Augen;
„Es sind Verlegefehler, du Spacko. Und zwar sind alle auf die genau gleiche Art hingepfuscht. Meinst du, du kannst rauskriegen, welche Betriebe die Böden verlegt haben?“
Max spürt sich leise schnauben. Er sieht Flo blinzeln – eine unwillkürliche Reaktion darauf, dass Max' Atem offenbar seine Wange streift;
„Du redest mit dem falschen Dude, Flo. Einkäufer, nicht Verkäufer schon vergessen? Du willst vielleicht lieber mit Stefan reden.“
„Ick will nich' mit Stefan reden“, blafft Flo. „Ich red' mit dir.“
Ein warmes Kitzeln glüht in Max' Magengegend auf. Er gibt sich alle Mühe der Welt, es zu ignorieren.
„Warum denn überhaupt der Aufriss?“, raunt er zurück. „Ein paar Aufträge sind halt scheiße gelaufen. So what?“
Flo blickt ihn ernst an;
„Glaub mir, ich hab echt keinen Bock, so sehr einen auf künstliches Drama zu machen, aber zufällig weeß ick, dass dein Chef mit meinem gesprochen hat. Der will aus dem Exklusivvertrag raus.“
„Okay?“ Liebend gerne würde Max ein bisschen wegrutschen von dem Mann, der da so eindringlich gegen ihn atmet, aber selbst wenn er keine scheiß Palette mit Bodenbelägen im Rücken hätte, würde Flo vermutlich nachrutschen. Vielleicht, denkt Max, müsste ihn auch jemand mit Panzertape umwickeln, bevor er ganz aufweicht.
„Ja gut, dann kaufen wir halt noch Kram bei anderen Zulieferern. Wo is' denn dit Problem?“
„Du glaubst doch nich' wirklich, dass ihr noch sehr viel bei uns einkaufen werdet“, entgegnet Flo.
Jetzt rückt er tatsächlich etwas ab. Plötzlich liegt etwas sehr Müdes auf seinem Gesicht.
„Ohne euch können wir Insolvenz anmelden“, murmelt er. „Zack, fuffzehn Leute ohne Job. Und wenn das unverschuldet wäre – det würde mich kirre machen.“
Challenge: Crack/Humor: Panzertape (Päckchen 8)
Fandom: Youtuber (Berliner Cluster)
Wörter: ~1600
Pairing/Personen: Frodo/Flo, zwei weitere Maxe mit grässlichen Spitznamen
Anmerkung: The drama intensifies. So do the USTs. Frodo hat dabei eine Palette mit Bodenbelägen im Rücken. Fortsetzung von Männer, die auf Böden starren. Ich möchte mich übrigens bei Maddle bedanken für das Enablen und das Anfeuern, diesen Blödsinn aufzuschreiben.
Das erste, was er sieht, als er das Büro der Logistikplanung betritt, ist der Karpfenkalender. Nackte Frauen mit glänzenden Körpern, die glitschige Fische vor ihre Geschlechtsteile halten. Begeisternd.
„Hing dit Ding schon immer hier?“, fragt er und zeigt darauf.
Miss Juli probiert einen lasziv-verführerischen Blick, doch eigentlich sehen ihre Augen genauso tot aus wie die vom Karpfen, den sie hält.
Atze folgt dem Fingerzeig und zuckt mit den Schultern;
„Ha' ick von zu Hause mitjebracht.“
„Wieso?“, will Max wissen. „Haben die drei anderen Kalender mit nackten Frauen nich' gereicht?“
Er macht eine kreisende Bewegung mit der Hand, mit der er die anderen Bilder sehr entblößter Menschen andeutet, die ihm von den Wänden her Schlafzimmerblicke zuwerfen.
„Meene Freundin wollte den Kalender weghaben.“ Atze kratzt sich am Kinn und tippt lautstark auf seiner Tastatur rum.
„Echt jetz'?“, erwidert Max übertrieben verwundert. „Is' ja'n Ding!“
„Seit wann stört dich det denn?“ Sein Kollege sieht auf. „Nur, weil der überkandidelte Technikfuzzi vom Zulieferer kommt? Alter, mach dich ma' locker.“
„Ick bin locker!“, verteidigt Max sich. „Muss ja hier trotzdem nich' aussehen wie im Puff!“
Atze beäugt ihn von schräg hinter seinem Monitor und schüttelt nur leicht den Kopf. Es ist nicht so, dass Max erwartet hat, dass seine Kollegen das Büro plötzlich aufräumen und umdekorieren würden.
Und nein, es ist auch nicht so, dass er sie nicht mag – trotz ihrer Besessenheit mit ihrer Heterosexualität. Sie sind witzig, fleißig, hilfsbereit und meistens angenehm.
Trotzdem. Karpfenkalender. Würde er bei sowas mitmachen, würde das viel besser aussehen. Mit Plüschfischen, so dass keine armen Tiere dafür sterben müssten.
Das Klingeln des Telefons neben Aule reißt ihn aus den Gedanken. Aule hebt konsterniert eine Augenbraue wie so oft, wenn in seiner Umgebung das Telefon klingelt – als wäre er stets neu überrascht, dass das Gerät tatsächlich angeschlossen ist – und hebt ab.
„Jo“, brummt er in den Hörer. „Frodo? Ja, steht vor mir. Hm. Okay, sag ick ihm.“
Er knallt den Hörer wieder auf Gabel;
„Dein Technikfuzzi is' da, Frodo.“
„Oh“, entfährt es Max. „Juti. Und würd's dir was ausmachen, ihn vielleicht nich' so zu nennen? Der Mann hat ooch 'n Namen.“
„Pfff“, macht sein Kollege. „Der Gerhardt hat erzählt, dass der Typ dich Frodo nennt. Soll'n wir den jetzt besonders würdevoll behandeln, nur weil er auf seiner Visitenkarte 'n Dipl-Ing. zu stehen hat?“
Nachdem er Flo am Empfangsbereich abgeholt und ihm einen Kaffee angeboten hat, den der Besucher höflich ablehnt, beginnt Max die Geschichte der Spitznamen zu erzählen. Wie sie zu Beginn noch Max 1, Max 2 und Max 3 gewesen sind, weil hier nun mal nicht jeder wie der Chef alle nur beim Nachnamen herbeibrüllt. Wie daraus irgendwann Atze, Aule und Frodo wurden, weil man bei einer Betriebsfeier kollektiv zu tief ins Glas geschaut hatte und die Kollegen die klischeehaftesten Spitznamen zu brainstormen begannen. Im Gegensatz zu den anderen hat er es doch noch gut getroffen. Wenn Frodo das Schlimmste ist, was ihm hier passieren kann, kann er guten Gewissens bis zur Rente bleiben.
Flo schaut ihn amüsiert von der Seite an und zuckt mit den Mundwinkeln. Er ist seit dem letzten Termin noch ein klein wenig brauner geworden und hat seinen komischen Ziegenbart gestutzt.
Heute ist er super leger gekleidet. Kürzere Hosen, schwarzes Shirt, schwarzes Basecap. Und wieder diese Super Mario-Socken mit den kleinen Pilzchen und Blümchen und den Münzblöcken.
Max schleust ihn durch das Büro der Logistikplaner.
„Tachchen“, grüßt Flo.
„Hi“, murmelt Aule, während Atze kurz winkt und dann fortfährt, irgendeinen armen Truckerfahrer am Telefon zusammenzufalten.
Flo scheint die Weiberkalender gar nicht zu sehen. All die Aufregung war anscheinend umsonst.
„Direkt mal 'ne Abwechslung“, sagt Flo er, als sie das Lager betreten.
Max händigt ihm eine gelbe Warnweste aus.
„Mal keine Verlegefehler angucken.“
„Sehr witzig“, erwidert Max und zeigt wortlos fragend auf die Füße seines Gegenüber.
„Hm?“, Flo guckt hinab. „Die Socken?“
„Nein, du Komiker. Sind det Arbeitsschutzschuhe?“
Für einen Moment ist Flo stumm. Etwas Entsetztes huscht über sein Gesicht – ertappt, geradezu beschämt, was seine dunklen Augen sehr groß werden lässt.
Schnell räuspert er sich: „Ja, na klar. Wat denkst du denn?“
„Wir sind verpflichtet zu fragen. Ich denke, dit weeßt du.“
Max grinst ihn an. Für einen kleinen Moment fühlt er sich überlegen. Richtig, denkt er. Heute ist Heimspiel. Flo ist in seinem Revier, er ist nichts anderes als der Supplier und muss sich entsprechend benehmen.
Gemeinsam gehen sie quer durch das Lager, an den Regalen entlang. In der Nähe des Lagereingangs rangiert Hopfe (einer der Stefans) mit einem Gabelstapler eine Palette aus den Regalen, um eine Lieferung vorzubereiten. Es herrscht die typische Ruhe der Sommerferien.
Die anderen beiden Maxe haben die reklamierte Palette freundlicherweise in einen ebenerdigen Slot gestellt. So ist es ein Leichtes, davor stehenzubleiben und sie wie in diesem Will Smith-Meme dramatisch zu präsentieren.
Flo tippt sich von unten gegen seine Cap und schiebt sie sich konsterniert etwas in die Stirn.
„Okaay“, sagt er gedehnt und tritt heran um die schmalen, langen Boxen mit den Laminatpaneelen zu begutachten.
„Hat die jemand in 'nen Pool geschmissen oder wat?“
Die Pappe der Boxen wellt sich fürchterlich. An manchen Stellen ist sie so aufgequollen, dass das Material aufgebrochen ist und das Laminat nackt hervorschaut, ebenfalls verbogen.
Flo hebt mit spannendem Bizeps eine Box an, um die jemand Panzertape gewickelt hat;
„Wer hat denn dit verbrochen?“
„Wir jedenfalls nich', dit kann ick dir schon mal sagen.“ Max verschränkt die Arme.
„Ich weiß ja nich', was für Speditionen eure Logistik so benutzt, aber offensichtlich dachte da jemand, dasset nich' uffällt, wenn man um ein paar Boxen einfach 'n bisschen Tape wickelt. Eins A Qualität, Flo.“
„Is' ja jut!“, wehrt sein Geschäftspartner ihn ab.
„Das is' 'ne super eindeutige Sache. Für die kriegt ihr natürlich Ersatz oder 'ne Gutschrift. Wieso lässt du mich wegen so 'nem Pipifax kommen?“
Max zuckt mit den Schultern;
„Du hast doch meinen Chef neulich gehört. Ich soll dich wegen jeder Reklamation ranpfeifen. Und dit mach ick doch mit Freuden.“ Er grinst lieblich.
Flo wendet sich zu ihm um und betrachtet ihn für einen kleinen Augenblick. Er scheint innerlich irgendetwas abzuwägen – ein stummer Moment trifft sich zwischen ihnen in der Luft – dann grinst der Mann zurück;
„Sag doch einfach, wenn du solche Sehnsucht nach mir hast, Frodo.“
Der Moment kippt um, so wie neulich in Neuruppin. Oder vielleicht ist es sein Mund, denn auf den scheint Max plötzlich gefallen zu sein. Alles, was er spürt, ist wie er hilflos weitergrinst, weil er nicht weiß, wie zum Teufel er denn nun darauf reagieren soll.
„Klar doch, ganz bestimmt“, bringt er nach einer gefühlten Ewigkeit krächzend hervor.
Flo blickt sich um, schaut kurz durch die Regale hindurch nach drüben, wo Hopfe noch immer mit dem Packen zugange ist. Dann rückt er unvermittelt näher, so dass Max sofort nach hinten ausweicht. Er stößt mit dem Rücken und den Hüften gegen die Palette mit den Wasserschadenbodenbelägen.
„Ich hab mir sämtliche Reklamationen nochmal angeguckt“, raunt Flo leise. Er ist viel zu nah für Max' Geschmack und die Art, wie er leise gegen ihn spricht, macht, dass sich in Max' Nacken die Härchen aufstellen.
„Das neulich war nich' nur so dahergesagt: Irgendwat stimmt nicht. Ich dachte...“ Er taxiert Max für einen Moment: „Vielleicht kannst du mir helfen?“
Helfen. Guter Scherz, denkt Max, während er an ihnen herunterschaut und feststellt, wie nah sie einander sind, wie einfach es für Flo wäre, ihn zu packen und auf diese verdammte Palette zu legen. Er selbst würde auch mitmachen. So wäre es ja nicht.
„Häh?“, bringt er hervor und zwingt sich, sein stuckerndes Gehirn wieder in Gang zu bringen;
„Wegen deiner angeblichen Verlegefehler?“
Flo rollt mit den Augen;
„Es sind Verlegefehler, du Spacko. Und zwar sind alle auf die genau gleiche Art hingepfuscht. Meinst du, du kannst rauskriegen, welche Betriebe die Böden verlegt haben?“
Max spürt sich leise schnauben. Er sieht Flo blinzeln – eine unwillkürliche Reaktion darauf, dass Max' Atem offenbar seine Wange streift;
„Du redest mit dem falschen Dude, Flo. Einkäufer, nicht Verkäufer schon vergessen? Du willst vielleicht lieber mit Stefan reden.“
„Ick will nich' mit Stefan reden“, blafft Flo. „Ich red' mit dir.“
Ein warmes Kitzeln glüht in Max' Magengegend auf. Er gibt sich alle Mühe der Welt, es zu ignorieren.
„Warum denn überhaupt der Aufriss?“, raunt er zurück. „Ein paar Aufträge sind halt scheiße gelaufen. So what?“
Flo blickt ihn ernst an;
„Glaub mir, ich hab echt keinen Bock, so sehr einen auf künstliches Drama zu machen, aber zufällig weeß ick, dass dein Chef mit meinem gesprochen hat. Der will aus dem Exklusivvertrag raus.“
„Okay?“ Liebend gerne würde Max ein bisschen wegrutschen von dem Mann, der da so eindringlich gegen ihn atmet, aber selbst wenn er keine scheiß Palette mit Bodenbelägen im Rücken hätte, würde Flo vermutlich nachrutschen. Vielleicht, denkt Max, müsste ihn auch jemand mit Panzertape umwickeln, bevor er ganz aufweicht.
„Ja gut, dann kaufen wir halt noch Kram bei anderen Zulieferern. Wo is' denn dit Problem?“
„Du glaubst doch nich' wirklich, dass ihr noch sehr viel bei uns einkaufen werdet“, entgegnet Flo.
Jetzt rückt er tatsächlich etwas ab. Plötzlich liegt etwas sehr Müdes auf seinem Gesicht.
„Ohne euch können wir Insolvenz anmelden“, murmelt er. „Zack, fuffzehn Leute ohne Job. Und wenn das unverschuldet wäre – det würde mich kirre machen.“
no subject
Date: 2020-07-11 07:42 am (UTC)no subject
Date: 2020-07-11 01:47 pm (UTC)Ja, und dass es da jetzt "so viel" Plot gibt, geht übrigens auf dich zurück, weil du was von Bodenbelägeverchwörung im allerersten Kommentar gesagt hattest und ich dann dachte "huh... stimmt, ein bisschen Plot wäre nicht schlecht".
Look what you've done! And thank you <3
no subject
Date: 2020-07-11 02:08 pm (UTC)no subject
Date: 2020-07-11 02:12 pm (UTC)no subject
Date: 2020-07-11 12:15 pm (UTC)Ein paar meiner persönlichen Highlights:
- Er selbst würde auch mitmachen. So wäre es ja nicht.
- „Ick will nich' mit Stefan reden“, blafft Flo. „Ich red' mit dir.“
- Vielleicht, denkt Max, müsste ihn auch jemand mit Panzertape umwickeln, bevor er ganz aufweicht.
Mensch, die UST! Ich geh gleich in Flammen auf. Bestimmt nicht gut für's Laminat.
no subject
Date: 2020-07-11 01:48 pm (UTC)Naja, da passt es ja ganz gut, dass der Belag einen Wasserschaden hatte. Vielleicht fängt er dann nicht so gut Feuer *hust*
Danke <3
no subject
Date: 2020-07-14 07:58 pm (UTC)Der Vergleicht zum Playboy oben ist a) der Hammer und b) irre akkurat.
Trotzdem. Karpfenkalender. Würde er bei sowas mitmachen, würde das viel besser aussehen. Mit Plüschfischen, so dass keine armen Tiere dafür sterben müssten.
Den Kalender brauch ich. Mit ihm, ohne ihn, egal, aber das Konzept... äh, ich brauch das. Aus Gründen.
Neben der Bodenbelagverschwörung bin ich übrigens auch sehr invested in Flos Bräunungsgrad. Ich mach mir ein bisschen Sorgen um ihn... ;)
Er selbst würde auch mitmachen. So wäre es ja nicht.
♥ ♥ ♥
no subject
Date: 2020-07-14 08:58 pm (UTC)Hm... okay, da du den Kalender ansprichst, fühle ich mich nun hier genötigt. Die Idee mit dem Karpfenkalender kam nicht von ungefähr.
Beweisstück A: https://twitter.com/Frodoapparat/status/1192901844978278400/photo/1
Und ich glaube, Flo kann bis zu einem bestimmten Punkt nicht mehr brauner werden. XD Das wäre ja ungesund.
no subject
Date: 2020-07-14 09:15 pm (UTC)