Angst: zerbrechlich
Jul. 5th, 2020 07:45 pmTeam: Pluto
Challenge: Angst - zerbrechlich (fürs Team, noch ohne Päckchen)
Fandom: Nocturne Whispers - Harepocalypse (Masterpost)
Charakter: Alicia (mein allererster Charakter fürs NW, leider inzwischen inaktiv)
Es war eine aussichtslose Flucht, aber keiner war bereit, das laut auszusprechen. Dass sie genausogut einfach an Ort und Stelle bleiben und sich umbringen lassen könnten. Sie zögerten das unvermeidliche nur heraus. Vielleicht um ein paar Tage, wenn sie Glück hatten. Oder Pech. Alicia war sich da nicht ganz sicher. Ursprünglich waren sie sechzehn Leute gewesen. Davon vierzehn Menschen und zwei junge Werwölfe. Jetzt waren sie nur noch zwölf und Alicia wusste, dass sie weder die Namen noch die Gesichter der Toten nie wieder vergessen würde. Tanya: groß, brünett und vor sechs Tagen verletzt worden. Sie hatten keine Möglichkeit gehabt, die Wunde vernünftig zu reinigen und sauber zu verbinden. Vorgestern hatte Stephan sie erschossen, als sie vor Fieber und Schmerzen kaum mehr bei Verstand gewesen war. Seitdem hatte er kein Wort mehr mit den anderen gesprochen.
George, ein dunkler, stämmiger Werwolf, erst seit einem halben Jahr verwandelt. Er war vor drei Tagen zusammen mit Beth, eine ehemalige Soldatin, zurückgeblieben um den anderen die Flucht zu ermöglichen. Beth hatte die Art markantes Gesicht gehabt, das Alicia vor Äonen liebend gern fotografiert hätte. Etwas kantig und mit einer Narbe am Unterkiefer, über die Beth jedes Mal wenn sie danach gefragt wurde, eine andere Geschichte erzählt hatte. Jetzt würde keiner mehr die Wahrheit erfahren.
Kimberley hatte sich gestern einfach geweigert aufzustehen und sie hatten keine andere Wahl gehabt, als die jüngste der Gruppe zurückzulassen. Die Möchtegernblondine, deren schwarzer Ansatz nicht mehr als solcher hatte bezeichnet werden können, war von Anfang an still und verzweifelt gewesen. Immer wieder hatte man sie dazu überreden müssen, etwas zu essen und zu trinken. Bis sie aufgegeben hatte.
Wer würde als nächstes sterben? Die Frage stellten sie sich alle und keiner wollte sie aussprechen. Aber sie waren alle müde. Alicia hatte sich immer als Optimisten bezeichnet. Als jemanden, der an die Menschen glaubte. Gott, sie hatte sogar einem eigentlich wildfremden Werwolf vertraut. Vor Jahren. Immer wieder mal fragte sie sich, was aus Shane geworden war, nachdem er einfach aus ihrem Leben verschwunden war. War er noch am Leben? Oder den Hasen zum Opfer gefallen?
Alles war so zerbrechlich geworden. Jeder Tag konnte der letzte sein. Jeder Rückschlag ihre Gruppe dezimieren. Jeden Moment könnte sie diejenige sein, die einfach aufgab, weil es im Grunde nichts gab, wohin man noch fliehen konnte. Die Kaninchen waren überall.
Dessen ungeachtet lachte die Sonne von einem wolkenlosen Himmel. Seit Tagen hatte es nicht mehr geregnet und es war nur eine Frage der Zeit, bis das zu einem Problem werden würde. Noch fanden sie in verlassenen Wohnungen Wasserflaschen. In den Supermärkten nicht mehr, die waren als erstes geplündert worten. Die Leute hatten mitgenommen was sie tragen konnten. Alicia hatte die Szenen gesehen und sogar noch Fotos davon gemacht, um diese an eine Zeitung zu verkaufen. Damals hatte sie noch geglaubt, dass irgendwie alles gut werden würde. Es waren schließlich nur Kaninchen oder nicht?
Nur ein paar Kaninchen die inzwischen wohl ganz Amerika überrannt hatten und vielleicht auch den Rest der Welt.
Etwas raschelte in der wild wuchernden Hecke neben ihnen und alle erstarrten. Dann sahen alle zu Adam, dessen viel feinere Sinne sie doch eigentlich viel eher hätten warnen müssen. „Der Wind kommt aus der falschen Richtung”, murmelte der Werwolf und klang dabei einfach nur müde. Alicia konnte ihn verstehen. Er war gerade mal Anfang zwanzig und irgendwie hatten sich alle auf ihn verlassen, nachdem George und Beth sich geopfert hatten. Vor allem Beth fehlte. Adam war jung und unerfahren. Ein einfacher Student der ebenso überfordert war wie sie alle. Der einzige Unterschied zu ihnen war, dass er zu Vollmond ein Fell bekam. Es war nicht fair, aber das war der Weltuntergang wohl nie.
Stumm, sah sie sich um. Vielleicht waren es keine Kaninchen, sondern nur ein Eichhörnchen? Ein verwildertes Haustier? Oder einfach nur ein Vogel?
Aus dem Gebüsch hüpfte ein Kaninchen. Braun-weiß gefleckt und verboten niedlich, wie es da saß. Ihm folgte ein zweites. Erst als Simone, die Schaffnerin, die sonst immer die Ruhe bewahrte, schrie, drehte Alicia sich um und sah zehn weitere Langohren, die wohl aus einer zernagten Haustür gekommen waren. Zwei hatten blutverkrustetes Fell. Ihnen folgten noch mehr. Aus allen Richtungen kamen jetzt die Kaninchen. „Eine Falle?”, murmelte sie. Konnten die mutierten Kaninchen das? Welche Rolle spielte das noch? Es gab keinen Ausweg. Mit einem Mal kraftlos senkte sie den Kopf und schloss die Augen.
Challenge: Angst - zerbrechlich (fürs Team, noch ohne Päckchen)
Fandom: Nocturne Whispers - Harepocalypse (Masterpost)
Charakter: Alicia (mein allererster Charakter fürs NW, leider inzwischen inaktiv)
Es war eine aussichtslose Flucht, aber keiner war bereit, das laut auszusprechen. Dass sie genausogut einfach an Ort und Stelle bleiben und sich umbringen lassen könnten. Sie zögerten das unvermeidliche nur heraus. Vielleicht um ein paar Tage, wenn sie Glück hatten. Oder Pech. Alicia war sich da nicht ganz sicher. Ursprünglich waren sie sechzehn Leute gewesen. Davon vierzehn Menschen und zwei junge Werwölfe. Jetzt waren sie nur noch zwölf und Alicia wusste, dass sie weder die Namen noch die Gesichter der Toten nie wieder vergessen würde. Tanya: groß, brünett und vor sechs Tagen verletzt worden. Sie hatten keine Möglichkeit gehabt, die Wunde vernünftig zu reinigen und sauber zu verbinden. Vorgestern hatte Stephan sie erschossen, als sie vor Fieber und Schmerzen kaum mehr bei Verstand gewesen war. Seitdem hatte er kein Wort mehr mit den anderen gesprochen.
George, ein dunkler, stämmiger Werwolf, erst seit einem halben Jahr verwandelt. Er war vor drei Tagen zusammen mit Beth, eine ehemalige Soldatin, zurückgeblieben um den anderen die Flucht zu ermöglichen. Beth hatte die Art markantes Gesicht gehabt, das Alicia vor Äonen liebend gern fotografiert hätte. Etwas kantig und mit einer Narbe am Unterkiefer, über die Beth jedes Mal wenn sie danach gefragt wurde, eine andere Geschichte erzählt hatte. Jetzt würde keiner mehr die Wahrheit erfahren.
Kimberley hatte sich gestern einfach geweigert aufzustehen und sie hatten keine andere Wahl gehabt, als die jüngste der Gruppe zurückzulassen. Die Möchtegernblondine, deren schwarzer Ansatz nicht mehr als solcher hatte bezeichnet werden können, war von Anfang an still und verzweifelt gewesen. Immer wieder hatte man sie dazu überreden müssen, etwas zu essen und zu trinken. Bis sie aufgegeben hatte.
Wer würde als nächstes sterben? Die Frage stellten sie sich alle und keiner wollte sie aussprechen. Aber sie waren alle müde. Alicia hatte sich immer als Optimisten bezeichnet. Als jemanden, der an die Menschen glaubte. Gott, sie hatte sogar einem eigentlich wildfremden Werwolf vertraut. Vor Jahren. Immer wieder mal fragte sie sich, was aus Shane geworden war, nachdem er einfach aus ihrem Leben verschwunden war. War er noch am Leben? Oder den Hasen zum Opfer gefallen?
Alles war so zerbrechlich geworden. Jeder Tag konnte der letzte sein. Jeder Rückschlag ihre Gruppe dezimieren. Jeden Moment könnte sie diejenige sein, die einfach aufgab, weil es im Grunde nichts gab, wohin man noch fliehen konnte. Die Kaninchen waren überall.
Dessen ungeachtet lachte die Sonne von einem wolkenlosen Himmel. Seit Tagen hatte es nicht mehr geregnet und es war nur eine Frage der Zeit, bis das zu einem Problem werden würde. Noch fanden sie in verlassenen Wohnungen Wasserflaschen. In den Supermärkten nicht mehr, die waren als erstes geplündert worten. Die Leute hatten mitgenommen was sie tragen konnten. Alicia hatte die Szenen gesehen und sogar noch Fotos davon gemacht, um diese an eine Zeitung zu verkaufen. Damals hatte sie noch geglaubt, dass irgendwie alles gut werden würde. Es waren schließlich nur Kaninchen oder nicht?
Nur ein paar Kaninchen die inzwischen wohl ganz Amerika überrannt hatten und vielleicht auch den Rest der Welt.
Etwas raschelte in der wild wuchernden Hecke neben ihnen und alle erstarrten. Dann sahen alle zu Adam, dessen viel feinere Sinne sie doch eigentlich viel eher hätten warnen müssen. „Der Wind kommt aus der falschen Richtung”, murmelte der Werwolf und klang dabei einfach nur müde. Alicia konnte ihn verstehen. Er war gerade mal Anfang zwanzig und irgendwie hatten sich alle auf ihn verlassen, nachdem George und Beth sich geopfert hatten. Vor allem Beth fehlte. Adam war jung und unerfahren. Ein einfacher Student der ebenso überfordert war wie sie alle. Der einzige Unterschied zu ihnen war, dass er zu Vollmond ein Fell bekam. Es war nicht fair, aber das war der Weltuntergang wohl nie.
Stumm, sah sie sich um. Vielleicht waren es keine Kaninchen, sondern nur ein Eichhörnchen? Ein verwildertes Haustier? Oder einfach nur ein Vogel?
Aus dem Gebüsch hüpfte ein Kaninchen. Braun-weiß gefleckt und verboten niedlich, wie es da saß. Ihm folgte ein zweites. Erst als Simone, die Schaffnerin, die sonst immer die Ruhe bewahrte, schrie, drehte Alicia sich um und sah zehn weitere Langohren, die wohl aus einer zernagten Haustür gekommen waren. Zwei hatten blutverkrustetes Fell. Ihnen folgten noch mehr. Aus allen Richtungen kamen jetzt die Kaninchen. „Eine Falle?”, murmelte sie. Konnten die mutierten Kaninchen das? Welche Rolle spielte das noch? Es gab keinen Ausweg. Mit einem Mal kraftlos senkte sie den Kopf und schloss die Augen.
no subject
Date: 2020-07-10 09:28 am (UTC)no subject
Date: 2020-07-10 07:47 pm (UTC)Aber es freut mich, dass die AU dir immer noch gefällt. XD Sie wird uns sicher noch ne Weile begleiten.
no subject
Date: 2020-07-15 12:25 pm (UTC)