[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Teen Wolf
Challenge: "Ich führe keine Grundsatzdiskussion um vier Uhr morgens."
Personen: Kira, Scott, Stiles, Malia
Wörter: ~ 1272
Summary: Stiles ist sauer. Scott blutet. Kira ist thirsty.
Anmerkung: Ich glaube, das hier ist meine erste Teen Wolf-Fic seit 5 Jahren. The nostalgia! Ich hoffe, ich kann's noch.


Sie stößt an der Umgehungsstraße, die nach Beacon Hills hineinführt, wieder auf die anderen.

Letztlich weiß Kira nicht, ob sie ihren Blitzen gefolgt sind oder ob sie selbst Scotts Rudelruf nachgelaufen ist. Dieser Tage ist das alles nicht mehr so ganz klar. Alles, was sie spürt, ist, dass sich das Rudel wie an unsichtbaren Fäden wieder zusammenzieht.

Stiles' Jeep rummst in der Dunkelheit um die Kurve und kommt am Straßenrand so abrupt zum Stehen, dass unter den Reifen Laub aufgewirbelt wird.
Im kegeligen Licht der Scheinwerfer brechen Malia und Scott aus dem Wald.

„Sind sie stiften gegangen?“, ruft Stiles, während er aus dem Jeep klettert. „Ich schwöre, wenn die nicht abgehauen sind, jage ich die Wichser selbst zum Teufel! Kira!“

„Ich bin nicht sicher“, ruft Kira ihm atemlos entgegen, als sie herangejoggt kommt. „Ich hab sie irgendwann verloren.“

Je näher sie kommt, desto lauter wird Malias angestrengtes Keuchen. Es ist kein Wunder, denn sie haben das fremde Rudel meilenweit verfolgt.

Erst, als sie selbst ins Helle tritt, bemerkt sie, dass Scott nicht annähernd so schnell ist, zu ihnen zu stoßen, wie man es sonst von ihm gewohnt ist. Im grellen Licht der Scheinwerfer hinkt er ein wenig.

„Was ist passiert?“, will sie wissen, als ihr Freund sich mit pfeifendem Atem gegen die Motorhaube des Jeeps lehnt. Stiles ist sofort bei ihm, fasst an die Schläfe seines besten Freundes und dreht dessen Kopf sanft, doch ungeduldig näher zum Licht hin.

„Was denkt ihr denn?“, krächzt Malia mit erhobener Augenbraue. „Die hatten nicht sehr viel Respekt vor unserem Revier.“

„Sag nicht Revier“, widerspricht Scott ächzend. „Beacon Hills ist für alle da.“

„Witzig, wie du das sagst“, bemerkt Stiles schneidend scharf. „Nachdem die dich offenbar halb skalpiert haben. Du bist 'n klasse Alpha, aber an deinem Territorialverhalten solltest du echt noch arbeiten. Dir läuft da übrigens gerade Blut ins Auge.“

Er tritt zurück ans Auto, um etwas aus dem Kofferraum zu holen und gibt den Blick auf Scott frei. Scott, dessen Wolfsgeheul eben noch durch den halben Wald geschallt hat, vor dem Malias Augen jetzt noch blau aufglühen und das dieses merkwürdig heiß-pochende Gefühl in Kiras Fasern hinterlassen hat.

„Ja okay“, räumt Scott ein und lehnt sich gegen das Auto. „Besonders nett waren die nicht.“

„Untertreibung des Jahrhunderts“, kommentiert Malia knurrend. Im Unlicht der Nacht erkennt man, dass ihre Reißzähne noch immer hervorstehen.

„Ich hab sie nur von hinten gesehen“, sagt Kira. „Was waren das für welche?“

„Vermutlich eine ganze Gruppe von Betas. Richtige Schränke. Ich hoffe, du hast ihnen ein paar Elektroschocks verpasst und ihnen die Hintern verbrannt. Ich war vorhin so nah an einem dran, ich hab gesehen, was das für Typen waren.“

„Was meinst du, was für Typen?“

Malia verengt die Augen. Sie macht eine gewichtige Pause, während Kira an Scott herantritt, die Hände stützend an seine Seiten legt und er sofort etwas in sich zusammensackt, sich an sie lehnt.

„Einer von denen hatte 'n Tattoo. Ein Hakenkreuz.“

Kira spürt ihre Augenbrauen hochschießen;
„Naziwerwölfe?“

„Naziwerwölfe.“

„Ja, na klar“, murrt Stiles, als er wieder zurückkommt. Er hat den Verbandskasten aus dem Jeep gekramt. „Das fehlte uns ja noch in unserer Übernatürliche Arschlöcher-Sammlung. Warum auch nicht.“ Er klingt so unendlich genervt, dass Kira kurz Angst bekommt, dass der Junge sich einfach umdrehen und wegfahren könnte.
Zum Glück kennt sie ihn besser.

„Lass mich dir helfen“, sagt Kira, als sie merkt, dass Stiles' Finger hektisch an der Plastikverpackung mit der Schere abrutschen.

Scott für seinen Teil winkt schwach ab.
„Du musst mich doch nicht verbinden“, sagt er. „Das heilt alles schon wieder.“

„Damit du mir auf meine Sitzpolster blutest? Sicher doch, Dude.“

„Dann lauf ich halt nach Hause.“

Stiles hält inne. Mit von der Dunkelheit halb verstecktem Gesicht starrt er seinen besten Freund für einen Augenblick an.
„Du bist echt unglaublich.“

Und was tut Scott? Er blinzelt verwirrt und sieht abgekämpft und müde aus. Sein ärmelloses Shirt ist feucht von Schweiß. Über seiner Schläfe und Stirn, seinem Hals, seinem Schlüsselbein trocknet langsam sein Blut.

„Nein, Scott“, sagt Stiles da einfach nur, der diesen Blick aufgefangen hat.
„Du weißt genau, was ich jetzt sagen würde. Aber ich führe keine fucking Grundsatzdiskussion um vier Uhr morgens!“

Er drückt Kira die Schere und eine noch eingepackte Mullbinde in die Hand und wendet sich ab. Fast wirkt es, als würde er ebenso wie sie unter Strom stehen.


Kira kaut kurz verlegen auf ihrer Unterlippe herum. Sie lässt den Moment verstreichen, von dem sie spürt, dass er nur Scott und Stiles gehört, und als er vorbei ist, drückt sie ihren Freund sanft gegen den Jeep, öffnet die Mullbindenverpackung, knüllt den Verband zusammen und tupft das Blut von Scotts Stirn, bevor es komplett eintrocknen kann.
Er neigt langsam und mit einem Hauch von Ergebenheit den Kopf, damit sie besser herankommt.

„Tut es weh?“

„Nicht mehr.“ Ein Zucken. „Okay, vielleicht ein bisschen.“

Sie lachen beide leise durch die Nase. Für kurze Zeit herrscht erschöpftes Schweigen. Malia hat sich auf den Beifahrersitz des Jeeps geschwungen und lässt die Beine aus der geöffneten Tür baumeln. Stiles läuft am Straßenrand seinen Frust aus. Unter seinen Schuhsohlen knirscht Kies.
Im Wald ruft ein Vogel und Scott linst wachsam und mit immer wieder rot aufleuchtenden Augen zwischen die Bäume.

„Ich weiß, dass du alles daran setzt, nicht so zu werden wie Peter. Dass du Angst davor hast.“, setzt Kira behutsam an. Sie war nicht dabei, als der Mann Scott auf diese unglaubliche rapey Art zum Werwolf machte. Vielleicht obliegt das alles hier gar nicht ihrem Urteil.
„Aber das muss nicht heißen, dass du dich immer und von allen verprügeln lassen musst.“

„Ich weiß“, murmelt er.

„Deswegen ist Stiles sauer. Er macht sich Sorgen um dich.“

„Ich weiß.“ Scott lächelt zerschlagen.


Das ist etwas, worin er unfassbar gut ist: Zerschlagen sein.
Kira würde es nie einer anderen Menschenseele sagen – aber Momente wie dieser tun etwas mit ihr.

Die Art, wie er vor ihr lehnt, wie er den Kopf senkt und seine Halsbeuge entblößt, wie das zur Seite fallende Licht der Autoscheinwerfer Schatten unter seine Augen malt. Wie das Shirt an seinem Oberkörper klebt, wie sich seine Brust beim Atmen senkt und hebt, wie das Blut seine Schläfe sprenkelt.

Sein Blick huscht zu ihr herüber und ertappt sie für eine Sekunde. Es ist, als würde der Moment sich in eine Zeitlupe begeben, als würde Scott die Ohren spitzen und auf Kiras Herzschlag lauschen. Und dann neigt er den Kopf noch etwas mehr, damit sie vorsichtig die Finger über die Spitzen seiner Haare geistern lassen kann, um zu prüfen, ob er wirklich nicht mehr blutet.
Kira ist plötzlich nicht mehr sicher, ob es nur darum geht.

Mit einem Mal muss sie in diesem komplett unpassenden Augenblick an ein Posting denken, das sie vor gar nicht allzu langer Zeit im Internet sah: I like my men bloody and bruised.

Sie schluckt hörbar.

„Okay“, sagt sie schließlich. „Ich glaube, das war das Schlimmste. Wir können es noch verbinden.“

„Nicht nötig“, sagt er auf diese unglaublich sanfte Art. „Wirklich.“

„Okay.“ Sie fängt seinen Blick und dieses Mal beschließt sie, mutig genug zu sein, ihn zu halten. „Wir bringen dich jetzt nach Hause, oh großer Rudelanführer.“
Sie streift ihm sanft über die gesunde Wange.

„Und dann solltest du demnächst wirklich mal eine Grundsatzdiskussion mit Stiles führen.“

Scott blinzelt sie an. Sie hat den Zeitlupenmoment aus der Welt verscheucht.
Vermeintlich, denn jetzt sitzt er tief in ihren Eingeweiden.

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