Verflucht

Apr. 13th, 2020 11:20 pm
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[identity profile] nyx-chan.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Challenge: der Fluch des.../verflucht + The Love Interest
Fandom: Original
Wörter: 1188
Anmerkung/Warnung: Dialoglastig und… so. | Bei Gefallen für [livejournal.com profile] cricri_72 <3


Über den Geräuschen der Menschenmenge aus Gesprächen, Gelächter und Zwischenrufen surrte etwas Musik. Der musikalische Rest brummte als Bass gelegentlich durch das Mobiliar. Wie jeden Samstagabend war die Bar wie das Leben selbst – eine Mischung aus Lärm, Wärme, dem ganzen Spektrum an Emotionen und manchmal unerwarteten Flüssigkeiten.

Anstatt das Getümmel interessiert zu beobachten, nach Augenkontakt mit geheimnisvollen Fremden oder lang ersehnten Bekannten zu suchen oder wenigstens höflich in die Richtung seiner Begleitung zu sehen, starrte Marco auf die Tischplatte. Inzwischen hatte er aufgehört an der Flaschenetikette herumzupuhlen und ließ die Fingerkuppe seines Zeigefingers über Furchen im Holz gleiten. Nicht unvermittelt seufzte er erneut und legte die Hand flach auf den Tisch.
„Es ist wie verhext“, murmelte er, laut genug, dass seine Begleitung es neben ihm hören konnte. Sie lehnte sich trotzdem näher in seine Richtung, nur um sicher zu gehen, dass sie nicht noch weitere Vorwürfe an die Welt verpasste.

„Das sagst du immer.“ Chantal stützte ihr Kinn in die Hand und verkniff sich, im Gegensatz zu Marco, ein prätentiöses Seufzen.

„Aber findest du es nicht auch suspekt?“, fragte er und sah unter seiner tief ins Gesicht gezogenen Kapuze hervor. „Wie kann es sein, dass ich jetzt seit fast fünf Jahren in keine gescheite Beziehung gekommen bin, obwohl es ständig so hoffnungsvoll anfängt?“

Chantal ließ den Kopf hin und her schwanken, schaute nachdenklich zur Decke und schürzte die Lippen. „Ich kann nicht leugnen, dass ich regelmäßig neidisch werde, wenn du mir von deinen amourösen Abenteuern erzählst. Innerlich sitze ich mit Kuschelsocken und Eiscreme daneben und seufze ganz ergriffen.“

„Welche Sorte?“

„Pistazie mit Schokosauce.“

Marco brummt anerkennend für die seltene und gute Wahl. „Das bräuchte ich jedes Mal nach jedem Fiasko.“

„Nein, du brauchst dann immer Alkohol und irgendwann berappelst du dich wieder.“ Chantal legte ihm eine Hand auf die Schulter und drückte sie kurz. „Und Angelique war es nicht wert. Eine total ignorante Kuh, wenn sie dich wegen – was war es nochmal, weswegen du diesmal versetzt wurdest?“, fragte sie kleinlaut.

„Eingekochte Marmelade meiner Mutter“, brummte er verstimmt. „Sie könne nicht mit einem Muttersöhnchen zusammen sein! Nur weil meine Mutter mir mal ein paar Gläser Erdbeermarmelade gegeben hat? Das ist doch absurd!“

„Das ist absolut absurd, weil sie deine fantastischen Scones verpasst hat, zu denen Erdbeermarmelade ganz wundervoll passt“, bestätigte Chantal. „Das ist wirklich… Übertrieben. An was für einen komischen Kerl muss sie vorher geraten sein, um so krass zu reagieren?“

„Er hat die Verlobung aufgelöst, weil er doch nicht bereit war aus der Dachgeschosswohnung bei seiner Mutter auszuziehen, wenn sie nicht bereit wäre, dort mit ihm einzuziehen.“

„Oh. Das hat sie dir erzählt?“

„Als wir uns zum zweiten Mal wiedersahen. Wir waren zufällig unter dem gleichen Türeingang, als ein Platzregen sie draußen erwischt hat und wir zusammen den Regen abwarteten. Sie war ganz aufgewühlt und hat mir davon erzählt. Sie war so wunderschön“, erzählte Marco, nicht ohne gleichzeitig noch verliebt und doch melancholisch zu klingen.

„Sie oder ihr nasses T-Shirt?“

„Nasses Sommerkleid in rot mit weißen Polkadots und weißer Spitze am Saum. Sie trug einen roten BH darunter.“

Chantal verdrehte kurz die Augen und verkniff sich ein Grinsen. „Will ich es wissen, wie du das letzte Detail herausfandest?“

Marco zuckte mit den Schultern. „Es war nicht weit zu meiner Wohnung und sie brauchte ein Handtuch und einen Tee.“

„Und eine starke, männliche Schulter, vermute ich.“

Marco zuckte erneut mit der Schulter und Chantal sah ein Grinsen unter der der Kapuze hervorblitzen.

„Aber dann hast du es dir doch schon selbst beantwortet. Sie war einfach noch nicht bereit für eine neue Beziehung.“

Das Grinsen verschwand und mit einem Schnaufen sah Marco grimmig zu ihr rüber. „Das waren Carlos, Natascha und Luca auch nicht, laut deinen letzten Analysen!“

Chantal hob die Hände in einer abwehrenden Haltung. „Aber wenn es doch so ist? Kann es ein gutes Zeichen sein, wenn Carlos bei dir Blumen für seinen Ex kauft? Oder wenn Natascha dich in der Bar mit einem schlechten Spruch und melodramatisch verschmierten Kajal aufreißt? Oder wenn Luca mit dem Moped dich fast über den Haufen fährt und du nim auf die Hand deine Handynummer schreibst, damit ihr das bei einem Treffen klären könnt, weil du es eilig hast zu einem Termin? Marco, du lebst in keiner romantischen Komödie!“

„Ich erwarte gar nicht in einer romantischen Komödie zu leben und fast überfahren werden ist nicht lustig, aber hast du Luca gesehen? Luca hätte mir auch versehentlich ein Messer in den Bauch rammen können und ich hätte nim noch meine Handynummer gegeben.“

Chantal wollte anfangen zu protestieren, aber schloss mit einem geschlagenen Seufzen wieder den Mund. „Du hast recht. Luca war verdammt hot und charmant.“

„Und unzuverlässig und hat mich für nims beste Freundin versetzt.“ Mit deutlich angeschlagenem Ego nahm Marco einen großen Schluck aus seiner Flasche.

„Da hattest du keine Chance. Von dem, was ich gehört habe, bahnte sich das eigentlich seit zehn Jahren an. Du warst nur der Katalysator.“

„Danke. Die kleine Affäre, damit die beiden sich ihrer Gefühle für einander bewusst werden. Klasse.“ Nachdenklich begann er wieder mit der Etikette herumzuspielen und sagte schließlich: „Weißt du... Manchmal glaube ich, dass mich Sybille damals verflucht hat, als ich mit ihr Schluss machte und mich einen billigen Love Interest schimpfte. Dass ich nur gut aussehe und ansonsten nichts an mir dran ist. Dass meine CD-Sammlung der beste Beweisen mangelnden Charakters sei.“

Chantal ließ sich gegen Marcos Seite fallen und legte ihren Kopf auf seine Schulter. „Sybille war eine gemeine Furie, die nur dann glänzen konnte, wenn sie böse Dinge um sich werfen konnte, und darüber hinaus hatte sie nicht viel an sich.“

„Sie konnte faszinierend und witzig sein“, verteidigte Marco sie schwach.

Er zuckte, als Chantal ihm in die Seite knuffte.
„Sie war deine erste Freundin, die dich so eng um ihren Finger gewickelt hatte, dass du nicht mehr wusstest, wo oben und unten war. Tu dir selbst einen Gefallen und lass dich nicht auf all die faszinierenden Dinge ein, die dir über den Weg laufen. Das Leben ist kein Film. Versuch es doch mal mit Onlien-Dating und versuch die Leute kennenzulernen, bevor sie ganz verwirrt sind von deinen Floristen-Surfer-Schwiegersohn-Pheromonen. Deine Dates haben dich die letzten Jahre versucht ständig in Schubladen zu stecken. Lass dir Zeit.“

„Aber ich bin fast schon 30.“

„Na und? Du hast kein Verfallsdatum! Das-“ Chantal unterbrach unvermittelt ihr Plädoyer und holte ihr Handy aus der Hosentasche. „Tut mir Leid, ich muss los. Betrink dich nicht zu sehr, aber genug, um ein Internetprofil auf einer Datingseite zu machen. Wir besprechen sie morgen. Hab heute keinen Sex mit fremden Leuten, in die du dich tragisch verliebst. Und- äh- ich weiß nicht, was noch.“ Eilig kramte sie Tasche und Jacke zusammen und robbte unbeholfen aus der engen Sitzbank.

„Zähne putzen.“

„Genau, denk ans Zähneputzen!“

„Ja, Mama.“

Als sie endlich stand, schaute er auf und sie beugte sich runter, um ihm einen Kuss samt roten Lippenstiftabdruck auf der Stirn zu verpassen. „So – den lässt du dran, damit keiner auf komische Gedanken kommt. Mein Segen für dich für heute Nacht!“

„Du bist halt meine gute Fee“, beteuerte Marco ganz ohne Sarkasmus und voller Zuneigung. „Grüß Kevin von mir.“

„Mach ich – gute Nacht!“

Date: 2020-04-13 09:39 pm (UTC)
From: [identity profile] tsutsumi.livejournal.com
N'awww, das war sehr niedlich. Und sehr schmerzlich irgendwie, mir tut Marco sehr leid. Armer Kerl. D:
Ich liebe solche Beste-Freunde-Dialoge, bei denen man genau merkt, wie sehr sie sich in- und auswendig kennen, so gerne <3

Und wer ist eigentlich Kevin? Marcos Hund? Oder sein Mitbewohner, zu dem er einen ganz besonders guten Draht hat und der heimlich seit Monaten in ihn verliebt ist?

Date: 2020-04-14 09:37 pm (UTC)
From: [identity profile] tsutsumi.livejournal.com
Oh Gott... Ups. Ich habe offensichtlich den Schluss des Dialoges falschrum gelesen.
*geht sich verbuddeln*

Date: 2020-04-15 09:05 pm (UTC)
luinaldawen: (Default)
From: [personal profile] luinaldawen
Awwwwwww! Der arme Marco kann einem schon Leidtun, er hat ziemlich Pech mit seinen Beziehungen. Und Chantal muss es jedes Mal ausbaden und ihn wieder aufbauen? XD Auch nicht zu beneiden, aber einer muss es ja tun. Die beiden sind auf jeden Fall wahnsinnig niedlich zusammen. Auf eine wunderbar platonische Art. *-*

Date: 2020-04-30 04:54 pm (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
Awww, niedlich, das gefällt mir sehr! Ich war' die letzten Tage/Wochen schon wieder so von der Arbeit in Beschlag genommen, daß ich das glatt übersehen habe und jetzt erst lese. Danke <3

Der arme Kerl, wegen Marmelade von Muttern verlassen ... was soll ich da sagen, ich kriege auch immer noch Erdbeermarmelade von meiner Mutter :D Möge sich der Fluch bald verflüchtigen, er scheint doch wirklich ein netter Kerl zu sein. Ich hatte ja bis zum Schluß drauf getippt, daß Chantal die Lösung des Problems sein könnte, aber wie hat sie so schön gesagt: "Marco, du lebst in keiner romantischen Komödie!"

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