[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Youtuber (Berliner Cluster)
Challenge: verflucht/Fluch des & Haustier
Personen/Pairing: LeFloid/Frodo
Wörter: ~1600
Anmerkung: Da war vor einiger Zeit dieses Plotbunny, das mir zugesteckt wurde und das eigentlich ein Plothase ist. Eigentlich wollte ich mich daran mal iiiirgendwann versuchen, doch die Prompts haben das eben jetzt schon verlangt. Erwartet nichts Neues, die Prämisse ist ein alter Hut; anscheinend muss ich alle paar Jahre 'nen pretty guy in ein niedliches Tier verwandeln. POV ist Frodo, hier allerdings mit seinem bürgerlichen Namen.


Er wusste nicht, wo ihm der Kopf stand. Testweise klopfte er sich drei Mal mit der flachen Hand gegen die Stirn. Dann probierte er es mit einem Klapsen auf den Hinterkopf. Angeblich förderte das ja das Denkvermögen. Vielleicht rückte es auch die Realität wieder gerade?

Doch auch der Klaps änderte nichts an den Tatsachen. Er, Max, stand allein inmitten des Doktor Froid-Büros, aus einem gelben DHL-Karton auf der Couch neben ihm stieg noch etwas Restrauch empor, um ihn herum raste in einem Affenzahn ein braunschwarzes Meerschweinchen und quiekte sich die Seele aus dem winzigen Leib.

„Das kann nich' sein“, murmelte er sich selbst zu, schloss die Augen und zählte laut bis zehn.
Hatte er den Verstand verloren? Rutschte er in eine Psychose ab?

Was war gerade nochmal geschehen? Flo und er waren allein im Büro für den Nachmittag geblieben und hatten Organisationskram erledigen wollen. Da war dieses gelbe DHL-Paket gewesen, das schon seit Wochen hier herumstand. Normalerweise machten sie Fanpost zügig auf – nicht zuletzt, weil da immer mal wieder verderbliche Sachen wie selbstgebackene Kekse drin waren. Was super nett, aber eben nicht praktikabel war. Flo hatte also dieses Paket endlich aufgemacht und außer einem Brief und einem merkwürdigen Holzkistchen mit beeindruckenden, verschnörkelten Schnitzereien daran nichts weiter vorgefunden. Er hatte den Brief laut vorgelesen, in dem sich jemand – anscheinend eine Frau – über seine misogyne Art ereiferte.
Vielleicht lernst du ein Demut und Empathie, wenn man dich in der Nahrungskette ein wenig nach unten versetzt.“, hatte er vorgelesen. Max hatte ihn gewarnt, das beiliegende Kistchen zu öffnen. Wer wusste schon, ob darin nicht so etwas wie eine tote Ratte oder Hundescheiße oder Gott wusste was liegen würde. Aber Flo war nun einmal neugierig gewesen und hatte etwas von sich nicht einschüchtern lassen gebrabbelt.

Dann hatte es PUFF gemacht, sie waren in Rauch eingehüllt gewesen und dann war da plötzlich dieses Meerschweinchen gewesen.

Okay, Korrektur, dachte Max, als er nach dem Zählen die Augen wieder öffnete.

Da war nun dieses Meerschwein und Flo war weg.

„Wenn das'n Prank sein soll, isser nich' witzig!“, rief Max mit einer Tonlage, die warnend klingen sollte, aber ziemlich kläglich herauskam.

Er trat einen Schritt zur Seite, öffnete die Bürotür und linste in den Flur. Still und leer lag dieser vor ihm. Er reckte sich etwas hinaus;
„Flo?“

Das Meerschwein hinter ihm quiekte noch einmal – laut und klagend. Solche Töne gaben die Viecher eigentlich nur von sich, wenn sie der Meinung waren, jetzt sofort zu verhungern.

„Flo?“

Das Spiel wiederholte sich erneut.

Max drehte sich zu dem Tier um. Es stand in der Mitte des Zimmers, guckte ihn an und versuchte sich dann auf seine Hinterbeinchen zu stellen. Es kippte zurück nach vorn auf die Vorderpfötchen und gab einen Laut von sich, den Max als sehr hohes Winseln beschrieben hätte.

Er legte den Kopf schief und ging einen Schritt auf das Tier zu.
„Wo kommst du überhaupt her?“

Langsam ging er vor dem Schweinchen in die Hocke.
„Warst du etwa in der Kiste?“
Er wandte sich an den Karton. Huh. Weder dort noch in dem Holzkistchen lagen Köttel. Überhaupt hätte ein Tier darin niemals so lange überlebt.

Max blinzelte. Er wanderte mit dem Blick zurück auf das Meerschweinchen, das nun direkt auf ihn zutapste, wieder anfing, wie am Spieß zu schreien und einen verzweifelten Versuch unternahm, erneut Männchen zu machen.

Er pflückte es vorsichtig vom Teppich. Was für ein komisches Tier war das bitte? Es hatte anscheinend überhaupt keine Scheu vor ihm.

„Jetzt hör doch mal auf, mich so anzubrüllen!“

Das Schweinchen verstummte. Mit offenem Mäulchen starrte es Max an.

„Okaay“, wisperte er verwirrt.
„Überhaupt nicht creepy.“

Er betrachtete das Meerschwein etwas genauer. Es war ziemlich groß, sehr plüschig und hatte äußerst hübsche braunschwarze Schecken im glatten Fell, wenn man mal vom Köpfchen absah. Dort saßen mehrere Wirbel, die schwarzes, längeres Fell halb über sein linkes Auge warfen.

Woran erinnerte das Max nur?

Seine Gedanken arbeiteten fieberhaft. Es gab drei Möglichkeiten: Entweder er drehte jetzt komplett durch oder das hier war ein sehr elaborierter Prank. Oder –

„Hi!“

Max stieß einen erschrockenen, leisen Schrei aus, als er Steve hinter sich hörte. Er war offenbar so vertieft gewesen, dass er die Schritte nicht mitbekommen hatte.

„Alles okay? Du hast eben nach wem gerufen oder so und da wollte ich – awww!“

Steves Augen wurden groß und sein Gesicht nahm diesen Ausdruck an, den er seit Mable ohnehin dauerhaft mit sich herumtrug. Der Hund kam nun auch hinter ihm ins Zimmer gelaufen und hob neugierig den Kopf.

„Ist das ein süßes Kerlchen!“, rief Steve verzückt.
„Wo hast'n den so plötzlich her?“

„Ich äh...“

Wahrscheinlich sendete Max mit seiner Körperhaltung widersprüchliche Signale – kein Wunder, er hatte das Schweinchen wie eine Handgranate in der Luft gehalten, ganz so, als würde es jeden Moment explodieren. Steven schien das falsch zu lesen, nahm ihm das Tierchen ab und betrachtete es neugierig, während es awkward in seinen Händen hing;

„Aww, bist du weich!“

„Steve, vielleicht solltest du –“

„Und ganz plüschig, selbst am Bauch, oioioi!“

„Steve, du –“

„Und eindeutig ein Kerl! Frodo, guck dir das mal an da, sind das seine Klöten? Die sind ja riesig!“

„Okay, das reicht!“
Max nahm ihm das Tier wieder ab, setzte es an seine Brust, gab ihm mit der rechten Hand Halt unter dem plüschigen Hintern und dachte sehr angestrengt nicht an seine Klöten.

„Wo hast'n denn nun her? Und wo is' Flo eigentlich? Ist der schon wieder los?“

„Ja und nein“, beeilte Max sich zu sagen.
„Ist nich' so schlimm, ich.. komm schon noch dazu, mit ihm zu sprechen. Erstmal muss ich mich um das Problem hier kümmern.“

Er schlüpfte an Steve und Mable vorbei und marschierte in einer folg-mir-bloß-nicht-Geschwindigkeit in Richtung Küche.
Dort setzte er das Meerschweinchen auf dem Tisch ab, setzte sich auf einen Stuhl und massierte sich die Schläfen.
„Ich werde irre“, murmelte er sich selbst immer leiser werdend zu.
„Ich werde gerade einfach mal irre...Okay. Du!“

Er beugte sich zu dem Tier vor, das ihn stumm und blinzelnd anschaute.

„Bitte sag mir nicht, dass du Flo bist und dass dich irgendein beknackter Fluch von irgendeinem Hate-Fan verwandelt hat!“

Das Meerschweinchen quiekte zwei Mal, dieses Mal leiser, und hob den Kopf.

Max schüttelte den Kopf;
„So wird dit nüscht. Wir müssen... ugh, ich kann nich' fassen, dass ich das tue. Okay, pass auf, ich frag dich jetzt was und für Ja machst du Männchen und für Nein machst du ein paar Schritte rückwärts, okay?“

Er konnte nur hoffen, dass das hier niemand filmte, dass niemand gleich zum Zimmer hereinkommen und ihn bis ins nächste Jahrhundert auslachen würde. Doch seine Zweifel wurden mit einem Mal sehr still, als das Tier sich awkward auf die Hinterpfötchen erhob. Diese Mal stellte es sich wesentlich eleganter an als eben noch.

„Oh Gott“, rutschte es Max heraus, als das Schweinchen zurück auf alle Viere sank.

Flo?“

Wieder erhob sich das Meerschwein und Max hätte schwören können, dass es ihn hinter seinem flauschigen Fell und den dunklen Knopfaugen sehr pissig ansah.

„Ich werd irre...“, rutschte es Max heraus. Er lehnte sich im Stuhl zurück und lachte hilflos.

„Ick träume offensichtlich irgendwelchen Blödsinn. Hoffentlich wache ich gleich auf.“

Das Meerschweinchen, nein, Flo war da anscheinend anderer Meinung, denn er fing wieder an, markerschütternd laut zu quieken. Und nun, da Max wusste, dass er es war, vermeinte er auch, irgendwo darin ein menschliches Meckern zu vernehmen, das er mit „Beweg gefälligst deinen Arsch und hilf mir jetzt, Frodo!“ übersetzen konnte.

„Is' ja gut!“, versuchte Max ihn zu beruhigen.

„Ganz offensichtlich kam das aus dieser komischen Kiste. Wir sollten dem Absender von dem Ding mal 'nen Besuch abstatten. Wer auch immer das war, er – naja, wahrscheinlich sie sollte da was machen können. Gott, ick fass det immer noch nich'... Komm her.“

Flo hopste ihm in die Arme und Max trug ihn zum Kühlschrank, zupfte drei Blätter seines Eisbergsalates sowie eine Karotte hervor. Ihm entging nicht der Blick des Tieres an seiner Brust.
„Was denn? Du bist jetzt ein Kleinnager, Alter, die müssen sehr häufig fressen. Schon mal was von Stopfmagen gehört?“

Er kehrte mit Flo zurück ins Büro, packte seine Tasche und fotografierte die Absendeadresse des Paketes ab.
Wahrscheinlich war es keine gute Idee, alleine mit einem verzauberten Meerschweinchen zu einer offensichtlich wahnsinnigen Person zu fahren. Doch er wusste beim besten Willen keine bessere Alternative. Es konnte sein, dass dieser Fluch temporär war. Vielleicht aber auch nicht.

Er schulterte die Tasche, packte das Gemüse hinein und klemmte sich eine Rolle Küchenpapier unter den Arm.

„Ich hab keinen Kleintiertransporter oder sowas im Auto“, erklärte er Flo, als er ihn durchs Treppenhaus trug.
„Du wirst auf den Beifahrersitz gehen und ich leg dir hiervon was unter.“ Er wedelte mit der Küchenpapierrolle.
„Ich hab keine Ahnung, ob Meerschweinchen ihre Stoffwechselendprodukte kontrolliert abgeben können, aber ich wär trotzdem froh, wenn du mir nicht aufs Polster pinkeln würdest.

Wow. Ein Satz, von dem er nie gedacht hätte, dass er den mal zu einem seiner Freunde sagen würde.

Flo quietschte sehr missmutig. Inzwischen klang sein Meerschweinstimmchen bedrückt.

„Is' ja gut“, murmelte Max, als er auf den Hof trat.
„Wir kriegen dit schon wieder hin. Mach dir keinen Kopp.“

Er ertappte sich dabei, wie er Flo beruhigend mit zwei Fingern das flauschige Köpfchen kraulte und hörte schnell wieder damit auf.

Die Hoffnung, dass er jeden Moment aus diesem bizarren Traum aufwachte, schwand mit jedem Schritt.

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