Rache ist... kitschig
Apr. 11th, 2020 09:49 pmChallenge: Auf der Suche nach... Blumen (aus der Osterchallenge)
Fandom: Nocturne Whispers
Charaktere: Chloe Levinas
Anmerung: Die großartige
alea hat die Grundidee geliefert, ich hoffe ich habe sie gut umgesetzt. ^.~
Allein die Tatsache, dass sie wirklich Feierabend hatte, war in Anbetracht der Umstände ein Wunder. Aber hey, nach gut 13 Stunden wurde es auch mal Zeit, heimzufahren und zu schlafen. Oder waren es 14 gewesen? Chloe hatte irgendwann den Überblick verloren. Es war auch egal. Sie saß totmüde in der fast menschenleeren U-Bahn und kämpfte gegen den Drang, einfach einzuschlafen. Es war offenbar irgendwann am Vormittag aber sie schaute lieber nicht auf die Uhr. Sie wollte einfach nur ins Bett und schlafen. Die beiden freien Tage hatte sie sich eigentlich wirklich verdient, trotzdem glaubte sie noch nicht daran, dass es wirklich so weit kommen würde. Vermutlich klingelte irgendwann ihr Handy und rief sie zur Arbeit. Egal. Wichtig war, dass zum ersten Mal seit zwei Wochen nicht nach viel zu kurzer Zeit ihr Wecker klingeln und sie aus dem Bett holen würde.
Sie wusste selbst nicht, wie sie an dieses Glück gekommen war. Über Ostern frei haben… das war normalerweise den Familien vorbehalten. Erst hatte sie daher an ein Irrtum geglaubt, als sie den Dienstplan gesehen hatte. Der Kollege der an ihrer Stelle gestanden hatte, hatte nur mit den Schultern gezuckt und gemurmelt: „Besser als meine Schwiegereltern zu ertragen.” Am liebsten wäre sie in Tränen ausgebrochen und hätte ihn umarmt, aber das ging natürlich nicht. Das Umarmen jedenfalls. Tränen war man im Pausenraum inzwischen gewöhnt, Pflegepersonal und Ärzte waren allesamt am Ende. Darum waren ihr nur Taschentücher zugeworfen worden. „Gib mir einen aus, wenn wir uns endlich wieder zusammen betrinken dürfen.”
Und das hatte sie vor. Jetzt stand sie aber noch vor einem anderen Problem. Sie hatte nicht damit gerechnet, zu Ostern irgendwas machen zu müssen und war sogar erleichtert gewesen. Sie würde wohl auch die meiste Zeit schlafen und Netflix schauen, aber sie musste ein Versprechen einlösen. Weil Rick ihr letztes Jahr eine ganz fürchterliche Topfpflanze zu Ostern geschenkt hatte. Die Tüpfelblume sah immer noch aus, als hätte sie schlimme Akne, aber sie lebte noch. Und sie hatte Rick Rache geschworen. Nur wie, wenn man eigentlich nur arbeitete und schlief? Und zwischendurch mal etwas aß. Die Hauptfrage war aber: Wenn kein Blumenladen aufhatte? Sie hätte vermutlich online etwas bestellen sollen, aber daran hatte sie nicht gedacht und jetzt war es zu spät.
Etwas verspätet fiel ihr ein, dass sie sich auf jeden Fall heute noch um eine Pflanze kümmern musste. Morgen war Ostersonntag. Auch das noch. Aber sie sollte ohnehin einkaufen gehen und… sie sprang auf als sie feststellte, dass sie gerade in der Station einfuhren, die am nächsten zu dem großen Supermarkt bei ihr in der Nähe lag. Besser sie brachte es jetzt hinter sich, wenn sie einmal schlief, würde sie schnell nichts mehr wecken. Auch wenn sie keine Ahnung hatte, was ihr fehlte.
Im Laden war natürlich die Hölle los, so eine Pandemie verstärkte anscheinend die Weltuntergangsillusionen der Leute kurz vor den Feiertagen. Chloe sah sich seufzend um und versuchte so gut es ging, den Abstand zu allen anderen einzuhalten. Vermutlich fing sie es sich eher im Krankenhaus ein als hier, aber sicher war sicher. Vor allem im Interesse der anderen. Als erstes kümmerte sie sich um ihre eigenen Besorgungen, dann ging sie zu dem eher kleinen Gartenbereich, um sich dort das Grünzeug anzusehen. Die Auswahl war überschaubar… sehr überschaubar. Vermutlich waren die anderen schon schneller gewesen und hatten die guten Sachen weggekauft. Übrig geblieben war der grauenhafteste Osterkitsch, den man sich vorstellen konnte. Das war nicht das, wonach sie gesucht hatte. Aber sie wollte auch nicht zu der Ecke mit den künstlichen Pflanzen gehen (auch wenn die bei einem Untoten vielleicht keine schlechte Wahl wären…) und ihr fehlten ein wenig die Alternativen. Vor allem war sie aber müde. Einfach nur müde und hatte keine Lust mehr auf Menschen. Oder stehen. Eigentlich auf nichts, was irgendwie damit zusammenhing, dass man etwas tat.
Bett.
Bett wäre super.
Seufzend sah sie sich bei dem Osterkitsch um und beschloss eher aus der Not heraus, dass ein knallgrüner Topf mit Narzissen seinen Zweck erfüllen würde. Ohne jeden Hintergedanken, ehrlich. Es waren eher die grinsenden Häschen auf dem Topf und die kitschigen Holzküken, die in der Erde steckten, die den Ausschlag gaben. Sie konnte sich niemanden vorstellen, dem das gefiel und genau darum ging es ihr ja. Rick hatte ihr die Tüpfelblume ja auch geschenkt, um sie zu ärgern. Mit welchen Hintergedanken, würde sie wohl nie erfahren und vermutlich wollte sie es auch gar nicht wissen. Sie hatte den Ausschlag, den sie als allergische Reaktion auf irgendeine Handcreme bekommen hatte, im Verdacht.
Jedenfalls kamen die Narzissen in den Einkaufswagen und für den Hunger der sich jetzt meldete besorgte sie sich noch verpackte Sandwiches. Die konnte sie dann auf dem Heimweg essen und dann endlich endlich schlafen.
Zuerst musste sie aber den Weg zur Kasse überstehen, sie war natürlich nicht die einzige, die dorthin wollte. Jetzt warf sie doch mal einen Blick auf die Uhr und hätte am liebsten wieder geseufzt. Fast Mittag. Sie musste ihre Schicht länger überzogen haben als gedacht. Oder was auch immer. Sie war zu müde, um weiter darüber nachzudenken.
Die Kassiererin warf ihr einen langen Blick zu, während sie die Sachen über den Scanner zog. Hoffentlich nur wegen der albernen Narzissen und nicht weil sie aussah wie der Tod auf Latschen. Jedenfalls fühlte sie sich so. Sie nannte ihr aber nur gelangweilt den Betrag und Chloe fummelte nach ihrer Kreditkarte um zu bezahlen. Als das erledigt war, atmete sie einmal tief durch und machte sich auf den Heimweg. Jetzt musste sie nich nur noch überlegen, wie sie Rick mit dieser Pflanze beglückte. Nachdem sie geschlafen hatte.
Fandom: Nocturne Whispers
Charaktere: Chloe Levinas
Anmerung: Die großartige
Allein die Tatsache, dass sie wirklich Feierabend hatte, war in Anbetracht der Umstände ein Wunder. Aber hey, nach gut 13 Stunden wurde es auch mal Zeit, heimzufahren und zu schlafen. Oder waren es 14 gewesen? Chloe hatte irgendwann den Überblick verloren. Es war auch egal. Sie saß totmüde in der fast menschenleeren U-Bahn und kämpfte gegen den Drang, einfach einzuschlafen. Es war offenbar irgendwann am Vormittag aber sie schaute lieber nicht auf die Uhr. Sie wollte einfach nur ins Bett und schlafen. Die beiden freien Tage hatte sie sich eigentlich wirklich verdient, trotzdem glaubte sie noch nicht daran, dass es wirklich so weit kommen würde. Vermutlich klingelte irgendwann ihr Handy und rief sie zur Arbeit. Egal. Wichtig war, dass zum ersten Mal seit zwei Wochen nicht nach viel zu kurzer Zeit ihr Wecker klingeln und sie aus dem Bett holen würde.
Sie wusste selbst nicht, wie sie an dieses Glück gekommen war. Über Ostern frei haben… das war normalerweise den Familien vorbehalten. Erst hatte sie daher an ein Irrtum geglaubt, als sie den Dienstplan gesehen hatte. Der Kollege der an ihrer Stelle gestanden hatte, hatte nur mit den Schultern gezuckt und gemurmelt: „Besser als meine Schwiegereltern zu ertragen.” Am liebsten wäre sie in Tränen ausgebrochen und hätte ihn umarmt, aber das ging natürlich nicht. Das Umarmen jedenfalls. Tränen war man im Pausenraum inzwischen gewöhnt, Pflegepersonal und Ärzte waren allesamt am Ende. Darum waren ihr nur Taschentücher zugeworfen worden. „Gib mir einen aus, wenn wir uns endlich wieder zusammen betrinken dürfen.”
Und das hatte sie vor. Jetzt stand sie aber noch vor einem anderen Problem. Sie hatte nicht damit gerechnet, zu Ostern irgendwas machen zu müssen und war sogar erleichtert gewesen. Sie würde wohl auch die meiste Zeit schlafen und Netflix schauen, aber sie musste ein Versprechen einlösen. Weil Rick ihr letztes Jahr eine ganz fürchterliche Topfpflanze zu Ostern geschenkt hatte. Die Tüpfelblume sah immer noch aus, als hätte sie schlimme Akne, aber sie lebte noch. Und sie hatte Rick Rache geschworen. Nur wie, wenn man eigentlich nur arbeitete und schlief? Und zwischendurch mal etwas aß. Die Hauptfrage war aber: Wenn kein Blumenladen aufhatte? Sie hätte vermutlich online etwas bestellen sollen, aber daran hatte sie nicht gedacht und jetzt war es zu spät.
Etwas verspätet fiel ihr ein, dass sie sich auf jeden Fall heute noch um eine Pflanze kümmern musste. Morgen war Ostersonntag. Auch das noch. Aber sie sollte ohnehin einkaufen gehen und… sie sprang auf als sie feststellte, dass sie gerade in der Station einfuhren, die am nächsten zu dem großen Supermarkt bei ihr in der Nähe lag. Besser sie brachte es jetzt hinter sich, wenn sie einmal schlief, würde sie schnell nichts mehr wecken. Auch wenn sie keine Ahnung hatte, was ihr fehlte.
Im Laden war natürlich die Hölle los, so eine Pandemie verstärkte anscheinend die Weltuntergangsillusionen der Leute kurz vor den Feiertagen. Chloe sah sich seufzend um und versuchte so gut es ging, den Abstand zu allen anderen einzuhalten. Vermutlich fing sie es sich eher im Krankenhaus ein als hier, aber sicher war sicher. Vor allem im Interesse der anderen. Als erstes kümmerte sie sich um ihre eigenen Besorgungen, dann ging sie zu dem eher kleinen Gartenbereich, um sich dort das Grünzeug anzusehen. Die Auswahl war überschaubar… sehr überschaubar. Vermutlich waren die anderen schon schneller gewesen und hatten die guten Sachen weggekauft. Übrig geblieben war der grauenhafteste Osterkitsch, den man sich vorstellen konnte. Das war nicht das, wonach sie gesucht hatte. Aber sie wollte auch nicht zu der Ecke mit den künstlichen Pflanzen gehen (auch wenn die bei einem Untoten vielleicht keine schlechte Wahl wären…) und ihr fehlten ein wenig die Alternativen. Vor allem war sie aber müde. Einfach nur müde und hatte keine Lust mehr auf Menschen. Oder stehen. Eigentlich auf nichts, was irgendwie damit zusammenhing, dass man etwas tat.
Bett.
Bett wäre super.
Seufzend sah sie sich bei dem Osterkitsch um und beschloss eher aus der Not heraus, dass ein knallgrüner Topf mit Narzissen seinen Zweck erfüllen würde. Ohne jeden Hintergedanken, ehrlich. Es waren eher die grinsenden Häschen auf dem Topf und die kitschigen Holzküken, die in der Erde steckten, die den Ausschlag gaben. Sie konnte sich niemanden vorstellen, dem das gefiel und genau darum ging es ihr ja. Rick hatte ihr die Tüpfelblume ja auch geschenkt, um sie zu ärgern. Mit welchen Hintergedanken, würde sie wohl nie erfahren und vermutlich wollte sie es auch gar nicht wissen. Sie hatte den Ausschlag, den sie als allergische Reaktion auf irgendeine Handcreme bekommen hatte, im Verdacht.
Jedenfalls kamen die Narzissen in den Einkaufswagen und für den Hunger der sich jetzt meldete besorgte sie sich noch verpackte Sandwiches. Die konnte sie dann auf dem Heimweg essen und dann endlich endlich schlafen.
Zuerst musste sie aber den Weg zur Kasse überstehen, sie war natürlich nicht die einzige, die dorthin wollte. Jetzt warf sie doch mal einen Blick auf die Uhr und hätte am liebsten wieder geseufzt. Fast Mittag. Sie musste ihre Schicht länger überzogen haben als gedacht. Oder was auch immer. Sie war zu müde, um weiter darüber nachzudenken.
Die Kassiererin warf ihr einen langen Blick zu, während sie die Sachen über den Scanner zog. Hoffentlich nur wegen der albernen Narzissen und nicht weil sie aussah wie der Tod auf Latschen. Jedenfalls fühlte sie sich so. Sie nannte ihr aber nur gelangweilt den Betrag und Chloe fummelte nach ihrer Kreditkarte um zu bezahlen. Als das erledigt war, atmete sie einmal tief durch und machte sich auf den Heimweg. Jetzt musste sie nich nur noch überlegen, wie sie Rick mit dieser Pflanze beglückte. Nachdem sie geschlafen hatte.
no subject
Date: 2020-04-12 06:37 am (UTC)*snicker*
Eine echte Ostergeschichte! Und auch noch mir aktuellem Bezug ... Falls Du da gerade eigene Erlebnisse verarbeitest, wünsche ich Dir geruhsame und erholsame Feiertage <3 Und wenn nicht, dann auch ;)
no subject
Date: 2020-04-12 12:18 pm (UTC)Freu mich, dass du Spaß beim Lesen hattest! *g* Ich wünsch dir auch schöne und erholsame Feiertage! Wir machen das Beste draus!