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Fandom
: Original
Challenge: 1
Charaktere: Liz & Er
Kommentar: Sorry Leute, mein Browser macht mir im Moment Probleme beim Posten -_-''

Nur ein Lächeln

 

Bei Gott, sie atmete viel zu laut! In ihren Ohren war es ein lautes Schnaufen, das in  abgehackten Abständen, die immer schneller aufeinander folgten, schier durch den düsteren Raum hallte. Hat er sie gesehen? Hat er sie gehört? Sie schluckte, senkte ihren dichten Wimpernkranz, und lehnte ihren Kopf, an dem ihr rötlich braunes Haar vor Schweiz klebte, an die Wand. Er wusste es, wusste es ganz bestimmt, dass sie es gewagt hatte, auszubrechen, sich gegen seinen Willen zu widersetzten. Er wusste doch immer wo sie war, was sie macht, ja, selbst was sich in ihrem gequälten Verstand abspielte! Woher er es wusste, konnte das Mädchen unmöglich sagen, doch sie war sich absolut sicher, dass er es wusste.  Doch heute hat alles ein Ende. Heute würde sie nicht mehr in das dunkle, vermoderte Loch zurückkehren, dass sie seit so langer Zeit schon bewohnte. Wie lange? Liz wusste es nicht, wusste nichts mehr, in ihren Ohren rauschte es unablässig, und das laute Schlagen ihres Herzens dröhnte förmlich in ihrem Kopf. Ein Poltern. Das Mädchen versteinert, presst sich ganz dicht an die raue Tapete, ganz so, als würde sie einfach mit der Wand verschmelzen können, um von hier für immer verschwinden. Doch Liz hatte es schon oft ausprobiert, noch nie hatte sie Erfolg gehabt, denn wenn sie ihre Äuglein wieder öffnete, war sie immer noch in jenem Raum, von einer bedrückenden, stickigen Dunkelheit umgeben. Das Poltern wurde lauter. Die Treppe kommt er hinunter gelaufen, sodass feiner Staub in kleinen Wölkchen von der Decke rieselt. Liz weinte nicht. Sie konnte nicht mehr weinen, und hätten ihre farblosen Lippen nicht gebebt, man hätte sie womöglich einfach für eine leblose Figur aus Wachs gehalten. „Liz! Lizzi! Ja wo bist Du denn?“ Panik flutet ihren Verstand, ganz als ob der ein Damm gebrochen wäre, und sich unvorstellbar große Wassermaßen durch das Tal wälzen, Wasser, dass niemand mehr aufhalten kann. Ein erstickender Laut kommt ihr über die Lippen. „Ah, was hab’ ich denn da gehört?“ Freundlich klingt seine Stimme, so brutal Freundlich. Sie müsste nur ihre Lider schließen, und da sah sie es wieder vor sich; Sein Lächeln. So mild und sanft, einlullend, und doch kann man nicht die Spur Wärme in diesem entdecken. Abrupt stößt Liz sich von der Wand ab, huscht zu der anderen Ecke des Raumes, dem Ausgang entgegen, erkennt sie einen schmalen Streifen Licht, der sich unter der Tür hindurch zwängt, doch es ist bereits zu spät. Da ist er schon. „Ach Liebes, Liebes, lauf’ nicht weg. Das musst du doch nicht…“ Auf seinen Augen lag ein krankhafter Glanz, und wirklich: Die Mundwinkel des Mannes waren zu einem verzerrten Lächeln verzogen, das einem jedes Nackenhäärchen einzeln aufstellen ließ. „Geh’ weg von mir! Bleib’ da stehen!“ Ja, hysterisch klingt ihre zitterige Stimme, die ihr fast den Dienst versagte. Liz ballte die Fäuste, den Oberkörper einen kleinen wenig nach vorne gebeugt, das blasse Gesichtchen zu einer Maske aus Entsetzung und Hass und Angst verzogen. „Sonst? Sonst was, mein kleines Engelchen?“ Ihr ganzer dürrer Leib erbebte, zitterte. Ihre Knie wollten nachgeben, und das Herz einfach zerspringen, und in diesem Moment wünschte sich Liz nichts sehnlicher, als sich einfach aufzulösen. In Luft, oder Staub, ganz gleich, einfach nicht mehr da sein. Apathisch ging der Blick ihrer grauen Iriden durch den Raum. Eine Art Abstellkammer war es, ein kleines Gartenhäuschen, in dem sie sich die ganze Zeit befunden hat. Überall stehen Gerätschaften herum, Holzscheite sind zu einem fein säuberlichen Berg aufgestapelt, Sägen hängen an der hölzernen, von Spinnenweben verdreckte Wand, Tische mit Handwerksgeräten stehen an den Seiten, mit Hämmern, Nägeln und Schrauben, und da ist sie, die Axt auf der die onyxfarbenen Pupillen des Mädchens hängen blieb. Eine Axt. Hoffnung keimte in ihr auf, eine naive, unwirkliche Hoffnung, die ihr die Beherrschung über ihren Körper augenblicklich zurückgab. Liz stürzte los, direkt auf die Axt zu, die über einen der Arbeitstische hing, augenscheinlich frisch geschliffen, denn die Klinge glänzt mörderisch im fahlen Licht des fensterlosen Raumes, durch dessen Holzwände hier und da ein matter Sonnenstrahl drang, um den Raum in einen dumpfen Schein zu tauchen. Zu erst dachte Liz, er würde  kommen, versuchen sie aufzuhalten, doch er tat nichts der gleichen. Blieb einfach stehen, immer noch am Lächeln, und dies sichtlich belustigt. „Oh Lizzi, ich bitte dich mein Liebchen…“ Sie hörte gar nicht hin, stütze sich ungeschickt auf der Spanplatte des Tisches ab, um an die Axt zu gelangen. Meine Güte, das Gewicht ihrer Rettung zog sie buchstäblich herunter, könnte Liz nur mit Mühe verhindern, dass die Klinge nicht wie ein Stein auf dem Boden aufschlug. Er lachte. Ja, er lachte laut und kehlig, voller dreckiger Belustigung. „Oh Lizzi, es ist so niedlich, wie du die Axt hältst“ Jetzt stiegen ihr doch Tränen in die Augen, die das Zimmerchen verschwimmen ließen, und auch seine große Gestalt irreal verzogen, so als wurde sie durch ein Bullauge gucken, aus einem Schiff, dass sie davon trägt.. „Komm’, komm’ her Engelchen, gib’ mir die Axt, du tust dir ja sonst noch weh, und dass wollen wir doch nicht.“ Kein Stück bewegte sich Liz. Fest umklammert hielt sie den hölzernen, polierten Griff der Axt, sodass alles Blut aus ihren zarten Händen gepresst wurde. „Nein, du willst mir sie nicht geben?“ Sie biss sich auf ihre trockenen Lippen. Sie wusste, was er mit ihr macht, wenn sie unartig war, böse, sie wusste es nur zu gut, doch nie, niemals ging sie nach dort unten wieder freuwillig zurück, niemals. „Also gut…“ Liz wich zurück. Einen Schritt, einen zweiten, bis sie schmerzhaft an der Kante des Tisches stieß, und fast über einen Eimer Farbe stolperte. „… dann hol’ ich sie mir eben, Liebes.“ Und da kommt er, ganz langsam, ja gelassen auf sie zu, und sie konnte nichts dagegen machen, rein gar nichts. Sein Geruch stieg ihr in die Nase, sein widerwärtig, und doch angenehmer Geruch, der sie noch ihr ganzes Leben lang verfolgen wird, damit er auch ja nie aus ihren Erinnerungen gelöscht werden kann. „Kein Schritt.. kein Schritt weiter…“, presste Liz hervor, nach Luft schnappend, schnürte seine Nähe ihr fast die Atemwege ab. „Kleines, unartiges Mädchen…“ Dieses Lächeln, wie sehr sie es doch hasste, zierte immer noch seine Schmallippen, die von braunen Bartstoppeln eingerahmt wurden. „Ich tu’ dir doch nichts...“ Ganz nah war er nun bei ihr, stand keine Armlänge von ihr entfernt. „Noch nie hab’ ich dir weh getan, nicht wahr, kleines Mädchen?“ Brutal langsam, aber zielstrebig streckte er seinen Arm nach Liz aus, wollte sie packen, festhalten, doch die Erinnerung an die letzte Berührung war noch frisch, zu frisch, und ihr Hass erst vor Augenblicken wieder aufgeflammt, als dass das Mädchen ihr Schicksal resigniert hinnehmen würde. Sie hob die Axt, hob sie so hoch sie konnte und es ihre dünnen Ärmchen zuließen, und ließ sie nieder sausen, einfach irgendwo hin, hatte sie ihre Augen fest zu gekniffen, die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen gepresst. Gar nicht mehr hier war die kleine Liz, sondern irgendwo anders, weit weg, sodass eine Zwischenwelt sie von der Realität trennten, so wie ihre Tränen den Blick auf ihren Peiniger verschleiern vermochten. Ein Schrei drang zu ihr durch, und da war noch etwas, spritze ihr eine Flüssigkeit ins Gesicht, warm und klebrig, die sich sofort einen Weg ihre Wangen hinunter bahnte. Jetzt war es still in dem kleinen, abgelegenen Kämmerchen. Von draußen hörte sich Vögel zwitschern, vielleicht war es Frühling,  und irgendwo plätscherte ein Bächlein fröhlich vor sich hin. So stand sie da, die Lider fest verschlossen, erstarrt zu einer Säule, ganz als ob sie Teil dieses Raumes geworden wäre. Zaghaft hoben sich die dichten Wimpernkränze, und da war es, ein Lächeln, dass ihre Mundwinkel umspielte, sachte, fast unmerklich, doch es war da.            

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