5. Türchen

Dec. 5th, 2019 12:56 pm
[identity profile] rolly-chan.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Titel: Zu viel Nougat
Challenge: "Du hast ein Nougatproblem"
Fandom: Lucifer (@[livejournal.com profile] rei17 oder @[livejournal.com profile] nyx_chan, ich bräuchte einen Fandom-Tag, bitte :) )
Charaktere: Eva, Linda, Maze (Maze/Eva)
Wörter: 1.596
Sprache: Deutsch
Warnungen: alles tame (bis auf ein paar mehr oder weniger vage Andeutungen), definitiv Spoiler für die 4 Staffel
Inhalt: Eva ist auf einer Mission: gewinne Maze zurück.
Anmerkungen:
ja, also es ist weniger weihnachtlich, als ich geplant hatte, aber ich hoffe das zählt noch :D

Eva kann nicht aufhören zu grinsen. Sie ist sich sicher, dass Linda sie genau deswegen so komisch anschaut. Nach all dem, was sie alle tun mussten, um Lucifer wortwörtlich wieder aus der Hölle zu holen, ist Eva wirklich froh, dass sich die Wogen zwischen Lucifers Freunden und ihr wieder geglättet haben. Wirklich froh. Und das kann sie einfach nicht verstecken. Besonders, wenn es um eine gewisse Person geht.

Du willst ihr zeigen, dass du es ernst meinst”, wiederholt Linda, was Eva ihr soeben erklärt hatte. “Hast du denn schon ein Gespräch mit ihr gesucht?”

Das habe ich…” Eva erinnert sich daran, wie sie gleich im Anschluss an das Höllen-Tohuwabohu Maze am Handgelenk zurückgehalten hat und sie gebeten hat, ihr zuzuhören. Maze hat ihr zugehört. Mit verschränkten Armen und finsterem Gesichtsausdruck. Sie ist sehr offensichtlich noch wütend auf Eva gewesen. Das hat Eva zwar erwartet, aber es hat sie dennoch aus dem Konzept gebracht. Vielleicht lag es daran, dass sie etwas gestammelt hat, als sie Maze gebeten hat, es dieses Mal richtig anzugehen. Vielleicht aber auch einfach nur daran, dass Maze ihr immer noch nicht richtig vertraut.

Aber sie glaubt mir nicht- was ich verstehen kann! Ich denke, ich muss es ihr durch meine Taten beweisen.”

Lindas Mundwinkel ziehen sich zu einem milden Lächeln, als hätte Eva etwas richtiges gesagt. Sie hofft doch sehr, dass sie hiermit richtig liegt. Es hängt schließlich alles daran.

Du könntest etwas für sie tun. Eine romantische Geste-”

So etwas wie für sie backen?”, schießt es aus Eva heraus. Der Geistesblitz hängt sich fest und sie ist ganz begeistert von ihrer eigenen Idee.

Ich glaube nicht-”, setzt Linda an, doch Eva hört nur halb hin und unterbricht sie. “Oder Schokolade! Schokoladentrüffel! Selbstgemachte! Es ist schließlich bald Weihnachten.”

Linda sieht sie einen langen Moment einfach nur an. Dann lehnt sie sich in ihren Sessel zurück. “… Ja…”

Oh, das wird wunderbar! Ich habe noch nie Schokolade selbst gemacht. Das wird ihr zeigen, dass ich bereit für alles bin, selbst das Unbekannte, um mit ihr zusammen zu sein.”

Linda sieht sie wieder lange an, bevor sie ihr Zustimmen durch ein Nicken andeutet. “Ja… Eva, vielleicht kann ich dir helfen, wenn du noch nie Trüffel selbst gemacht hast?”

Eva hält einen Moment lang inne und ganz plötzlich kommen ihr fast die Tränen. Nachdem sie nicht unbedingt im Guten auseinander gegangen waren, vor dem Höllendrama, hat sie ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass gerade Linda ihr ihre Hilfe anbieten würde. Ihr wird ganz warm ums Herz bei dem Gedanken, dass Linda ihr wirklich komplett verziehen hat.

Nein,” sagt sie dennoch. “Ich meine, ich schätze deine Hilfe wirklich sehr! Aber ich muss das alleine machen. Sonst bedeutet es nicht halb so viel.”

Dieses Mal nickt Linda sofort. “Okay.”

Danke, Linda. Für alles. Obwohl ich mit Schuld-”

Linda hebt die Hand und stoppt so effektiv Evas Redefluss. “Das liegt in der Vergangenheit. Du hast auch geholfen, um es wieder gut zu machen. Damals noch. Und du bist sofort her gekommen, um Lucifer zu helfen. So wie ich das sehe, sind wir auf derselben Seite.”

Wieder fangen Evas Augen an zu brennen und sie schluckt einen Kloß herunter, der sich in ihrer Kehle gebildet hat. “Danke, Linda. Wirklich. Ich habe vorher nie Menschen wie euch getroffen. Ich bin froh, dass ich euch kenne.”

Linda steht auf und Eva macht es ihr nach. Das Signal, dass die Therapiesitzung vorbei ist.

Komm her”, sagt Linda und breitet ihre Arme aus und Eva zögert keine Sekunde. Sie drückt Linda kurz, aber fest und muss sich letztendlich doch mit dem Handrücken über die Augen wischen.

Linda lächelt sie an. “Schnapp sie dir. Ihr habt beide verdient, glücklich zu sein.”

Das lässt Eva sich nicht zwei Mal sagen.




Eine Woche später, an einem sonnigen, nicht besonders weihnachtlich warmem Tag im Dezember, ist Eva fast am verzweifeln.

Oder eher, sie ist vollkommen am Boden zerstört. Sie hat zwar noch fast zwei Wochen bis Weihnachten, aber all die Zeit der Welt nützt ihr nichts, wenn sie nicht herausfinden kann, warum ihre Trüffel nicht fest werden.

Chloe hat vorzeitig das Weite gesucht, was Eva auch verstehen kann. Sie verstehen sich jetzt zwar ganz gut, und über Chloes gutes Herz und ihr Angebot, bei ihr zu wohnen, ist Eva immer noch nicht hinweg, aber bei der Erwähnung von “Pralinen” und “selbstgemacht” in einem Satz, hat sie nach einem zögerlichen Angebot zu Helfen, stattdessen angeboten, mit Trixie das Weite zu suchen, um Eva Raum zu lassen. Was Eva dummerweise angenommen hat.

Sie hätte die Hilfe doch annehmen sollen. Denn jetzt hat sie flüssige Trüffel in den Herz-Förmchen und Nougat und Schokolade überall verteilt. Wie soll sie das ganze Chaos nur rechtzeitig wieder beseitigen? Chloe wird sie hiernach umbringen. Und was noch viel schlimmer ist, Maze wird ihr niemals eine Chance geben, wenn sie gleich bei der ersten Tat so kläglich versagt.

Sie lässt sich auf dem Küchenboden nieder, inmitten von runtergefallenen Schokoladenspritzern und ganzen, kleinen, Stückchen Schokolade, und schlingt die Arme um ihre Beine. Dabei ignoriert sie, dass sie ein weißes Kleid an hat, das jetzt vermutlich an unvorteilhaften Stellen braune Flecken bekommt.

Gerade als sie ihre Stirn gegen ihre angezogenen Knie fallen lässt, springt hinter ihr die Tür laut auf und Eva fällt fast hinten rüber auf den Boden vor Schreck und ihrer automatischen Reaktion, nachzusehen.

Es ist Maze und Eva friert das Blut ein.

Mazes elegante schwarze Stiefletten klacken über den Boden als sie zielsicher auf Eva zukommt, und auf den letzten Metern muss Eva jedes Mal ihre Augen schließen bei den Geräusch und der angstvollen Erwartung dessen, was wohl gleich kommen würde.

Chloe hat mir gesagt, dass ich dich hier finde.” Mazes Stimme ist wider Erwarten viel weicher, als beim letzten Mal, als sie sich unterhalten haben. Nicht mehr so harsch und wütend. Nicht mehr so abweisend und kalt.

Eva öffnet vorsichtig ihre Augen, dreht sich auf dem Hintern halb herum und sieht zu Maze hoch. Sofort ist die Hoffnung wieder da, schleicht sich einfach in ihr Herz wie ein Parasit, den man nicht loswird.

Doch etwas ganz anderes bringt Eva dazu, laut loszulachen. “Deine- deine Mütze!”, bringt sie es noch fertig, zu sagen. Alles andere wäre im Gelächter untergegangen.

Maze hat natürlich ihr typischen Lack-und-Leder-Outfit an. Und - absolut unpassend dazu - eine Weihnachtsmütze mit Rentiergeweih auf dem Kopf.

Maze rollt mit den Augen. “Trixie”, sagt sie nur. Mehr braucht sie auch nicht zu sagen.

Statt Eva vom Boden zu helfen, wandern Mazes Augen zu den misslungenen Pralinen, und Maze lacht ihrerseits. “Was sind denn das für Monströsitäten?”

Sie tritt an den Tisch heran und tunkt ihren Finger in eines der Förmchen, weil die Trüffel wirklich so misslungen sind, und leckt anschließend die Schokolade von ihrem Finger, was bei Eva zu einer Art Kurzschluss im Gehirn führt und sie alles vergessen lässt, was sie hätte sagen können.

Du hast ein Nougatproblem”, sagt Maze mit erhobenen Augenbrauen. “Nein, wirklich, da ist definitiv zu viel Nougat drin. Und zu viel Alkohol. Vielleicht sind sie deswegen so flüssig.”

Die waren für dich…”, rutscht es Eva heraus und gleich darauf hätte sie sich selbst ohrfeigen können. Hätte sie das bloß nicht gesagt! Warum gibt sie auch noch zu, dass diese misslungenen Dinger für Maze sind und sie komplett versagt hat!

Doch entgegen Evas Erwartungen, werden Mazes Gesichtszüge plötzlich weich und Eva scheint es, als schwebe die Andeutung eines Lächelns über Mazes Lippen.

Für mich?”, fragt Maze in einem Tonfall, als hätte sie so etwas in einer Ewigkeit nie erwartet. Es bricht Eva fast das Herz.

Ja. Sie sollten ganz toll werden. Ich habe das vorher noch nie gemacht und wollte dich überraschen und dir beweisen, dass es mir ernst ist, aber dann…” Eva senkt ihren Kopf und dann fällt ihr ein, dass es auch noch ziemlich seltsam aussehen muss, dass sie so auf dem Boden hockt.

Zu ihrer Überraschung lässt sich Maze plötzlich neben ihr auf den Boden nieder und ihre Schultern berühren sich. “Das hat noch nie jemand für mich gemacht.”

Oh.”

Eva… ich glaube ich bin jetzt bereit, dir noch eine Chance zu geben.”

Evas Kopf schnellt hoch und sie sieht zum ersten Mal richtig in Mazes dunkle Augen.

Dann muss sie wieder lachen, weil die Weihnachtsmütze einfach so aufdringlich ist. “Tut- tut mir echt- echt leid, es ist nur die Mütze!”

Maze zieht die Mütze von ihrem Kopf und über Evas.

Du hast Recht,” meint Maze mit Lachen in der Stimme, “sie sieht wirklich komisch aus!”

Dann packt sie Eva an den Schultern, dreht sie herum, sodass sie sich gegenüber sitzen, und küsst sie.

Du hast auch Recht”, erwidert Eva, als sie sich wieder von einander lösen, aber so dicht bei einander bleiben, dass ihre Nasenspitzen sich noch berühren. “Ich habe wirklich ein Nougatproblem.”

Das Nougat konnte Eva ganz deutlich herausschmecken, obwohl Maze nur ganz wenig davon probiert hatte.

Maze grinst sie daraufhin verwegen an. “Ich habe da eine Idee.” Sie springt auf und bietet Eva ihre Hand an, um ihr vom Boden zu helfen, und Eva nimmt sie lächelnd an.

Sie kann das Grinsen wieder nicht unterdrücken. Aber das will sie jetzt auch gar nicht. “Was für eine Idee?”

Maze hat sich allerdings schon den Trüffeln zugewandt und schüttet die misslungene Masse aus den Förmchen in ein Glas. “Das nehmen wir mit und gehen zu mir.”

Sie tauscht einen bedeutenden Blick mit Eva aus, bis Eva versteht. “Oh. Oh!” Ja, damit ist sie definitiv einverstanden.

Wieder hält Maze ihr die Hand hin und Eva ergreift sie, und gemeinsam verlassen sie Chloes Wohnung.

Die Weihnachtsmütze behält Eva den gesamten Weg über auf dem Kopf.

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