3. Türchen

Dec. 3rd, 2019 10:35 pm
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Challenge: Spuren im Schnee
Fandom: Guardian
Titel: Besuch im Schnee
Inhalt: Zhao sucht Shen Wei auf, doch er findet den Professor nicht in seinem Büro.
Anmerkung: Superspät, und auch nicht lang, aber ich wollte gern was zum Kalender beitragen!


Besuch im Schnee

Es schneite immer noch.

Dragon City war eigentlich für milde Temperaturen bekannt – vor allen Dingen im Juli! - doch seit mehreren Tagen wechselten sich Hagelschauer mit Schneestürmen und Blitzeis ab. Zhao konnte das schadenfrohe Gelächter eines übernatürlichen Eindringlins in jedem Windstoß hören, aber bisher hatten sie ihm noch nicht das Handwerk legen können, und das obwohl das SID auf Hochtouren arbeitete – zumindest diejenigen, die für den Außeneinsatz bei Minusgraden geeignet waren. Guo war nicht geeignet, der Junge fror, wenn er einen Kühlschrank öffnete, aber Zhao hatte sonst niemanden, den er auf Botengänge schicken konnte – die Geisterkinder waren dem Wind nicht gewachsen und Zhu Hong als Schlangenfrau wäre nach ein paar Minuten ebenfalls hinüber. Sie hatte ihren Schreibtisch an die Heizung geschoben und schimpfte mit jedem, während sie missmutig auf das weiße Chaos hinter den Scheiben des Büros starrte.

Die Stimmung war am Boden und als Chus letzte Spur buchstäblich in einer Schneewehe verlief, zog Zhao seufzend seine Handschuhe an und machte sich auf den Weg zur Universität.

Es war nicht so, dass er den Professor absichtlich ignoriert hatte – Shen Wei war nur einfach nicht wie sonst als erster in den Kreis ihrer Verdächtigen gerutscht und Zhao war ganz froh, dass er ihn nicht wie sonst ins Verhörzimmer begleiten musste (oder ihn mit Hintergedanken zuhause besuchen musste).

Jetzt aber konnte er seine Expertise in Sachen Dixing und Wetterbeeinflussung dringend brauchen.

(„Ja, und außerdem vermisst du ihn“, hatte Da Quing ihm beim Verlassen des Büros hinterher gerufen, aber daran dachte Zhao jetzt nicht.)

Er hatte gerade den Fuß der gewaltigen Treppe, die zum Haupteingang führte, erreicht, als ihn ein Ruf aus seinem schnaufenden Kampf gegen den Schneefall riss.

„Detective Zhao?“

Zhao hätte diese Stimme wahrscheinlich auch in einem Hurrikan stehend wieder erkannt, trotzdem blinzelte er ein paar Mal, bevor er Shen Wei tatsächlich am Rand des Weges entdeckte.

Der Professor trug einen schwarzen Mantel und mehrere schwere Decken in den Händen, und er stand mitten in den Beeten, die unter der nervenden weißen Pracht völlig versunken waren.

„Shen Wei.“

Normale Menschen würden Guten Abend sagen, doch wie immer wenn Zhao den Namen des Professors sagte wurden dessen Züge sehr sanft und seine Augen hinter der schmalen Brille sehr zärtlich.

Und wie immer fror für ein paar Augenblicke die Zeit ein und es war nichts mehr wichtig, außer Shen Weis tiefer Blick, sein schönes Gesicht, seine Hände, die sich kaum merklich fester um die Decken klammerten, und Zhaos eigenes Herz, das nach anfänglicher flatternder Freude langsamer wurde, um dann fester, beständiger zu schlagen, so als habe es endlich, nach dreißig Jahren, den richtigen Rhythmus gefunden.

Da Quin hatte Recht. Zhao vermisste Shen Wei in jeder Minute, die er nicht bei ihm war.

„Was machst du hier?“

Shen Wei löste sich als erster aus ihrer verträumten Starre und kam langsam auf Zhao zu. Er trat dabei in die Spuren, die er zuerst hinterlassen hatte, und Zhao lächelte bei so viel Umsicht, bevor er ihm entgegen kam, bis er ganz dicht vor ihm stand.

„Ich wollte dich besuchen“, sagte er frei heraus. Sein Atem stieg wie weißer Nebel zwischen ihnen auf. „Und du?“

Shen Wei lächelte. „Ich bin auf dem Weg zu einer Freundin. Möchtest du mich begleiten?“


Seine Freundin war, wie sich herausstellte, eine Forsythie, die sich unter Schneemassen beugte und ihre Knospen tapfer hinter schwachgrünen Blättern verbarg.

Zhao spürte die Übernatürlichkeit dieser Pflanze sogar noch bevor er seine Hände in die Äste schob, und das dankbare Wispern der Blumengöttin vernahm. Ein weiteres Rätsel, das der Professor ihm würde erklären müssen.

Doch nicht heute, beschloss Zhao, und schaute zu wie Shen Wei behutsam Decken über die Blätter legte.

Heute war er hier, weil er Shen Wei vermisst hatte.

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