2. Türchen

Dec. 2nd, 2019 01:24 am
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[identity profile] nyx-chan.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Nocturne Whispers Harepocalypse Now!-AU
Challenge: Grau in grau
Charaktere: René, Kelsey B.
Wörter: ~820
Anmerkung: Ich hab mich für den Tag mit einem anderen Prompt gemeldet, aber den krieg ich bestimmt noch an einem anderen Tag verarbeitet. ^^;


Der erste Schneesturm des Winters war losgebrochen. Alle beteten, dass einige der Scheißlagos erfrierten, während sie zusammengedrängt sich darum bemühten, so viel Körperwärme untereinander zu teilen wie möglich. Velasquez hielt ihr Rudel zusammen und versuchte Sicherheit und Kontrolle auszustrahlen, während sie ihre Runden drehte und die Situation nutzte, mit jedem wieder ausführlich zu sprechen. Kelsey W. folgte ihr wie ein Schatten. Irgendwie funktionierte alles und es war nicht zu kalt. Warm genug, dass der Gestank von zu vielen Menschen in einer Apokalypse alle Anwesenden mit sensiblem Geruchssinn sehr reizbar machte. Für René war zusätzlich die Masse bedrückend. Es waren zu viele Leute da war, überall. Nirgendwo konnte man für sich sein oder genug Abstand finden. Zunächst hatte sie es noch mit Arbeit versucht, Ablenkung, aber es half nichts. Es stank alles und sie wurde langsam wahnsinnig. Verstohlen drückte René sich an ihren Bekannten, Leidensgenossen und dem einen oder anderen Menschen vorbei, der näher in den Freundeszirkel vorrücken durfte, irgendwann, um sich in ihr Schlafzimmer verkriechen - das, welches sie sich mit zu vielen Leuten teilte. Drinne war es zumindest leiser als in anderen Räumen der Etage. In einer Ecke saß Dolores mit ihren Zwillingen, die erschöpft vom Schniefen und Rotzen eingeschlafen waren und aneinander gedrängt lagen wie kleine Tierchen. In der anderen Ecke saß Kelsey B. Verblüfft schaute sie auf, als sie die Tür quietschen hörte beim Zugehen.

“Hey...”

René zögerte, ging aber dann doch zu ihr rüber, um sich neben sie zu setzen. Beim Herantreten sah sie den kleinen Berg aus schwer beschreibbaren Dingen vor Kelsey auf dem Boden liegen. “Was machst du hier so allein? Wolltest du nicht heute vorlesen?”

Statt gleich zu antworten lächelte Kelsey sie etwas dünn an und hob kurz eine Schulter. “Steves Publikum hat mehr von Dan Brown verlangt.”

"Dan Brown, huh. Und das?” René deutete auf die kleinen Dinge, die vor Kelsey lagen.

“Oh!”, machte sie nur, ehe sie ihre Finger hineinfuhr und es zu rascheln und klackern begann. Streifen und Stücke von Kunststoff verschoben und verstreuten sich. “Ein Bastelprojekt! Ich versuche grad ein paar Dekorationen und Figuren aus diesem Plastikmüll herauszuknobeln. Ich will gern ein paar Leute mit zum Basteln hinzuziehen, aber ich brauch Übung und will nicht nur sagen: ‘Hey, mach mal was Cooles mit diesem Müll!’”

“Oh... okay. Interessant. Wie bist du darauf gekommen? Langeweile?”

René spürte viel mehr das Seufzten alsdass sie es hörte. Dicht genug an Kelsey saß sie dafür. Nach kurzem Hadern beugte sich Kelsey zu René hinüber und erklärte halblaut: “Mir ist mit diesem ersten Schnee, der uns gleich hier begraben muss, aufgefallen, dass bald Weihnachten sein müsste. Oder es schon durch ist. Wir haben Thanksgiving schon völlig verpasst! Ich hab absolut keine Ahnung mehr, welchen Monat wir genau haben, geschwiege Tag. Meine Regel ist seit mindestens einem Monat ausgeblieben. Ohne verlier ich völlig das Zeitgefühl.”

“Warst du bei Partridge?!”

“Mangelhafte Ernährung und wir haben jetzt nicht die besten Umstände. Ich muss mich regelmäßig bei ihm melden, aber ich werde daran nicht sterben. Passiert. Aber witzig, oder? Ich lauf rum und predige Gemüse und dann trifft mich das. Als nächstes kriege ich Skorbut.” Amüsiert über die Ironie oder aus Mangel der Alternativen lachte Kelsey in sich hinein, während René sie sprachlos und reglos ansah. “Jedenfalls - Weihnachten! Oder Hannuka oder Kwanzaa oder worauf auch immer wir und alle einigen können. Vielleicht eine Mischung aus allem und noch ein wenig mehr, ein neues Fest. Oder wir holen Thanksgiving nach. Es würde aber eine schöne Ablenkung von unserem Alltag sein. Es muss ja nicht heißen, dass wir weniger aufmerksam sind oder ein großes Festmahl machen, aber- einfach was anderes, mit Intention, zusammen. Verstehst du, worauf ich hinaus will?”

“Denke schon.”

“Und das hier”, Kelsey hob demonstrativ einen farbigen Kunststoffstreifen hoch, “das braucht keiner mehr von uns, das können wir nicht verwerten. Also können wir auch Spaß damit haben. Wir könnten Girlanden machen oder Fensterschmuck. Hauptsache farbig! Es ist jetzt nicht nur kalt, sondern nur noch grau in grau in grau. Es ist alles so fürchterlich grau.”

René sah von Kelseys Hand zum Boden zu ihrem Gesicht und nickte langsam. Wie als Dank für das bisschen Aufmerksamkeit und verständnis strahlte Kelsey ihre Freundin an. “Willst du mithelfen?”
Stumm und mit einem milden Lächeln verneinte René und machte sich drauf und dran ihre Sitzposition zu ändern. Klesey beobachtete neugierig, wie René sich hinter sie begab und schließlich hinter ihr es sich bequem machte, indem sie die Beine neben den ihren ausstreckte, ihre Arme um Kelseys Hüfte locker legte und ihr Kinn auf ihre Schulter setzte.

“Also nur zugucken, während andere arbeiten?”

“Ich arbeite als deine Heizdecke.”

“Guter Punkt. Ich wusste nicht, ob ich noch einen Pulli über meine Schichten kriege. Danke.”

Date: 2019-12-02 10:38 am (UTC)
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From: [personal profile] servena
Awww! Das Bild ist sehr niedlich, wie Renée sie wärmt, während sie bastelt! Aber nicht zu wissen, ob Weihnachten schon vorbei ist oder nicht ist schon ein bisschen traurig...

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