Vom Scheiden
Mar. 13th, 2008 08:48 pmFandom: NGE
Pairing: KenAsu
Challenge: #2 (danke Nyx und Aku =))
Kommentar: Diese Ficlet gehört zu meiner FF "The Deep Souled Soldier" (http://animexx.onlinewelten.com/fanfiction/autor/16358/125746/), diese Szene spielt vor Beginn der FF. Da ich in den letzten Wochen dazu gezwungen wurde, mich von vielen Dingen und auch von Familienmitgliedern zu verabschieden, musste ich das Thema einfach mal behandeln.
Er sah furchtbar aus. Also nicht er im Gesamten, eigentlich nur seine Haare.
Sie hatte die ganze Nacht neben ihm gelegen und sie immer wieder an den frische geschnittenen Enden berührt, die in die Haut ihrer Finger gepiekst hatten. Wie winzige Kiefernadeln.
Um sie herum herrschte buntes Treiben und Aufregung. Ansagen auf Englisch quäkten aus den Flughafenlautsprechern, Geschäftsmenschen mit Kaffeebechern aus Pappe und Trollikoffern, die sie mit lockerem Handgelenk hinter sich herzogen, stürzten vorbei. Neben ihnen stand eine Mittelschulklasse am Schalter zum Einchecken.
Asuka strich sich den Rock glatt und verschränkte die Arme.
„Du siehst grauenhaft aus.“, sagte sie spitz.
Es war überhaupt das erste, was sie hier herausbrachte. Abschiede waren noch nie ihr Ding gewesen und so sinnlose wie dieser schon gar nicht.
Kensuke hatte sich freiwillig gemeldet. Freiwillig! Zum Auslandseinsatz!
Sie hatte ihm eine Ohrfeige gegeben, als sie vor kurzem davon erfahren hatte.
Warum konnte er sich nicht mit dem begnügen was er hatte und Kaninchen auf heimischen Feldern mit Paintball-Pistolen erschießen wie bisher?
Er sah sie liebevoll und bittend an und legte beide Hände an ihre Schultern.
„Sei jetzt nicht sauer.“, sagte er freundlich.
„Nicht jetzt. Immerhin sehen wir uns sicher eine Weile nicht.“
Von wegen eine Weile, dachte sie verzweifelt. Bei deinem Geschick wirst du an deinem ersten Tag abgeknallt und wir sehen uns nie wieder!
Sie nannten es „Friedenstruppen der UNO“, aber sie steckten die Rekruten, kaum dass sie aus der Ausbildung heraus waren, in den Krieg. In einen Krieg, der sie nichts anging. Dann würden sie tagelang eingekesselt sitzen und alle paar Minuten mal eine Handgranate werfen und Kameraden begraben, die es nicht geschafft hatten. Das hatte nichts Heroisches. Kensuke ließ sich in den blanken Wahnsinn einschiffen.
„Wenn ich wiederkomme...“, setzte er wieder an und sie sah trotzig zu ihm auf. Ja, das war noch so ein Punkt, den sie an ihm nicht leiden konnte- seine Größe. Als sie zusammengekommen waren, war er sogar noch kleiner als sie gewesen und nun überragte er sie um eineinhalb Köpfe und musste darum immer wieder den Großkotz raushängen lassen.
„Wenn ich wiederkomme, wirst du staunen. Dann habe ich Muskeln aus Stahl und Haare auf der Brust, dann bin ich ein richtiger Mann. Nur für dich!“
Jetzt strahlte er.
„Ich hasse Haare auf der Brust.“, ließ sie ihn abblitzen und betrachtete, wie er wieder ein bisschen in sich zusammensackte.
Suzuhara hatte gestern zum Curryessen geladen, als Abschiedgeschenk. Selbst der hatte nachdenklich gewirkt. Dann war Asuka mit Kensuke nach Hause gegangen, schweigend und in der kühlen Nachtluft zitternd. Sie hatten miteinander geschlafen, ein vorletztes und zwei letzte Male und dann war er neben ihr eingeschlafen und hatte still und regelmäßig geatmet und geträumt. Asuka hatte nicht aufhören können zu zittern, sie hatte immer wieder die Spitzen seiner nun so raspelkurzen Haare zwischen die Finger genommen und sich pieksen lassen. Sie hatte seine glatte, warme Haut an sich gespürt und immer wieder seinen Duft so tief eingeatmet, dass sie gedroht hatte, ohnmächtig zu werden. Und nun stand er hier und erzählte was von Muskeln aus Stahl.
Er lächelte noch immer.
„Na sowas.“ Dann ein Grinsen.
„Das wirkt ja fast als könntest du ohne mich nicht leben.“
Asuka spürte die unbändige Wut in sich hochkriechen. Warum nur hatte sie auf der ganzen weiten Welt sich nur den größten Trottel als Freund aussuchen müssen?
„Ich kann sehr wohl ohne dich leben, Blödmann!“, herrschte sie ihn so laut an, dass sich die halbe Schulklasse zu ihnen umdrehte. Mädchen kicherten.
Kensukes Lächeln verblasste leise.
„Ja.“
Er sah kurz zur Seite, sah verletzt aus und räusperte sich förmlich.
„Ja, ich weiß ja.“
Eine Stimme schnarrte aus dem Lautsprecher, die sein Flugzeug ausrief.
Er würde nun gehen, in eine Maschine steigen, die ihn in ein Sammelbecken von anderen Unglückseligen bringen und dann wieder in eine andere Maschine in die Hölle, von der er noch dachte, es sei das Paradies, bringen würde.
Er nahm sich Asuka selbst weg.
„Okay, dann werde ich mal.“, sagte Kensuke und versuchte, aufbruchslustig zu klingen.
Er fummelte an seinem Armeerucksack herum und rückte seine Mütze, sein Häubchen oder wie auch immer man das hässliche Ding nannte, auf seinem Kopf zurecht.
„Also, mach es gut. Pass gut auf dich auf, ja?“
Er lächelte, beugte sich über Asuka und gab ihr einen warmen Kuss.
Das ließ sie erstarren.
Vielleicht war das der letzte Kuss.
Sie konnte den Atem ihres Freundes neben ihrem Ohr spüren und das war unwirklich.
„Ich liebe dich.“, flüsterte er.
Dann packte sie ihn.
Die Mädchen aus der Schulklasse kicherten schon wieder.
Asuka kümmerte sich nicht darum. Sie hing für einen kurzen Augenblick wie eine Klette an ihm fest, als hätte sie einen Krampf in ihren Armen bekommen, ein Krampf, der sie nur langsam wieder verließ.
Es war als würde Sand durch ihre Finger rinnen.
„Ich kann ohne dich leben.“, flüsterte sie tonlos.
„Ich will es nur nicht.“
Sie vermisste seine Haare wirklich, diese flauschigen, immerzu zerzausten Haare, die wie Kraut und Rüben durcheinanderhingen. Dieser Schnitt hier machte das alles so entschieden, so unveränderbar.
Kensuke küsste Asuka noch einmal.
„Das ist das Liebste, was du je zu mir gesagt hast.“, grinste er und drehte sich um.
Und ging einfach.
Sie schaute ihm nach, wieder ganz zitternd, fürchtete sie.
Mit leeren, so leeren Armen stand sie da und verkniff sich das Heulen mit aller Macht.
Pairing: KenAsu
Challenge: #2 (danke Nyx und Aku =))
Kommentar: Diese Ficlet gehört zu meiner FF "The Deep Souled Soldier" (http://animexx.onlinewelten.com/fanfiction/autor/16358/125746/), diese Szene spielt vor Beginn der FF. Da ich in den letzten Wochen dazu gezwungen wurde, mich von vielen Dingen und auch von Familienmitgliedern zu verabschieden, musste ich das Thema einfach mal behandeln.
Er sah furchtbar aus. Also nicht er im Gesamten, eigentlich nur seine Haare.
Sie hatte die ganze Nacht neben ihm gelegen und sie immer wieder an den frische geschnittenen Enden berührt, die in die Haut ihrer Finger gepiekst hatten. Wie winzige Kiefernadeln.
Um sie herum herrschte buntes Treiben und Aufregung. Ansagen auf Englisch quäkten aus den Flughafenlautsprechern, Geschäftsmenschen mit Kaffeebechern aus Pappe und Trollikoffern, die sie mit lockerem Handgelenk hinter sich herzogen, stürzten vorbei. Neben ihnen stand eine Mittelschulklasse am Schalter zum Einchecken.
Asuka strich sich den Rock glatt und verschränkte die Arme.
„Du siehst grauenhaft aus.“, sagte sie spitz.
Es war überhaupt das erste, was sie hier herausbrachte. Abschiede waren noch nie ihr Ding gewesen und so sinnlose wie dieser schon gar nicht.
Kensuke hatte sich freiwillig gemeldet. Freiwillig! Zum Auslandseinsatz!
Sie hatte ihm eine Ohrfeige gegeben, als sie vor kurzem davon erfahren hatte.
Warum konnte er sich nicht mit dem begnügen was er hatte und Kaninchen auf heimischen Feldern mit Paintball-Pistolen erschießen wie bisher?
Er sah sie liebevoll und bittend an und legte beide Hände an ihre Schultern.
„Sei jetzt nicht sauer.“, sagte er freundlich.
„Nicht jetzt. Immerhin sehen wir uns sicher eine Weile nicht.“
Von wegen eine Weile, dachte sie verzweifelt. Bei deinem Geschick wirst du an deinem ersten Tag abgeknallt und wir sehen uns nie wieder!
Sie nannten es „Friedenstruppen der UNO“, aber sie steckten die Rekruten, kaum dass sie aus der Ausbildung heraus waren, in den Krieg. In einen Krieg, der sie nichts anging. Dann würden sie tagelang eingekesselt sitzen und alle paar Minuten mal eine Handgranate werfen und Kameraden begraben, die es nicht geschafft hatten. Das hatte nichts Heroisches. Kensuke ließ sich in den blanken Wahnsinn einschiffen.
„Wenn ich wiederkomme...“, setzte er wieder an und sie sah trotzig zu ihm auf. Ja, das war noch so ein Punkt, den sie an ihm nicht leiden konnte- seine Größe. Als sie zusammengekommen waren, war er sogar noch kleiner als sie gewesen und nun überragte er sie um eineinhalb Köpfe und musste darum immer wieder den Großkotz raushängen lassen.
„Wenn ich wiederkomme, wirst du staunen. Dann habe ich Muskeln aus Stahl und Haare auf der Brust, dann bin ich ein richtiger Mann. Nur für dich!“
Jetzt strahlte er.
„Ich hasse Haare auf der Brust.“, ließ sie ihn abblitzen und betrachtete, wie er wieder ein bisschen in sich zusammensackte.
Suzuhara hatte gestern zum Curryessen geladen, als Abschiedgeschenk. Selbst der hatte nachdenklich gewirkt. Dann war Asuka mit Kensuke nach Hause gegangen, schweigend und in der kühlen Nachtluft zitternd. Sie hatten miteinander geschlafen, ein vorletztes und zwei letzte Male und dann war er neben ihr eingeschlafen und hatte still und regelmäßig geatmet und geträumt. Asuka hatte nicht aufhören können zu zittern, sie hatte immer wieder die Spitzen seiner nun so raspelkurzen Haare zwischen die Finger genommen und sich pieksen lassen. Sie hatte seine glatte, warme Haut an sich gespürt und immer wieder seinen Duft so tief eingeatmet, dass sie gedroht hatte, ohnmächtig zu werden. Und nun stand er hier und erzählte was von Muskeln aus Stahl.
Er lächelte noch immer.
„Na sowas.“ Dann ein Grinsen.
„Das wirkt ja fast als könntest du ohne mich nicht leben.“
Asuka spürte die unbändige Wut in sich hochkriechen. Warum nur hatte sie auf der ganzen weiten Welt sich nur den größten Trottel als Freund aussuchen müssen?
„Ich kann sehr wohl ohne dich leben, Blödmann!“, herrschte sie ihn so laut an, dass sich die halbe Schulklasse zu ihnen umdrehte. Mädchen kicherten.
Kensukes Lächeln verblasste leise.
„Ja.“
Er sah kurz zur Seite, sah verletzt aus und räusperte sich förmlich.
„Ja, ich weiß ja.“
Eine Stimme schnarrte aus dem Lautsprecher, die sein Flugzeug ausrief.
Er würde nun gehen, in eine Maschine steigen, die ihn in ein Sammelbecken von anderen Unglückseligen bringen und dann wieder in eine andere Maschine in die Hölle, von der er noch dachte, es sei das Paradies, bringen würde.
Er nahm sich Asuka selbst weg.
„Okay, dann werde ich mal.“, sagte Kensuke und versuchte, aufbruchslustig zu klingen.
Er fummelte an seinem Armeerucksack herum und rückte seine Mütze, sein Häubchen oder wie auch immer man das hässliche Ding nannte, auf seinem Kopf zurecht.
„Also, mach es gut. Pass gut auf dich auf, ja?“
Er lächelte, beugte sich über Asuka und gab ihr einen warmen Kuss.
Das ließ sie erstarren.
Vielleicht war das der letzte Kuss.
Sie konnte den Atem ihres Freundes neben ihrem Ohr spüren und das war unwirklich.
„Ich liebe dich.“, flüsterte er.
Dann packte sie ihn.
Die Mädchen aus der Schulklasse kicherten schon wieder.
Asuka kümmerte sich nicht darum. Sie hing für einen kurzen Augenblick wie eine Klette an ihm fest, als hätte sie einen Krampf in ihren Armen bekommen, ein Krampf, der sie nur langsam wieder verließ.
Es war als würde Sand durch ihre Finger rinnen.
„Ich kann ohne dich leben.“, flüsterte sie tonlos.
„Ich will es nur nicht.“
Sie vermisste seine Haare wirklich, diese flauschigen, immerzu zerzausten Haare, die wie Kraut und Rüben durcheinanderhingen. Dieser Schnitt hier machte das alles so entschieden, so unveränderbar.
Kensuke küsste Asuka noch einmal.
„Das ist das Liebste, was du je zu mir gesagt hast.“, grinste er und drehte sich um.
Und ging einfach.
Sie schaute ihm nach, wieder ganz zitternd, fürchtete sie.
Mit leeren, so leeren Armen stand sie da und verkniff sich das Heulen mit aller Macht.
no subject
Date: 2008-03-13 08:07 pm (UTC)Wenn ich Zeit hätte, würde ich mir die FF nochmal vorknöpfen *SCHNÜFF!!!*
es ist wirklich süß und es ist so-*SEUFZ* Ich leide immer bei dieser FF, wenn ich an ihre Briefe denken, was passiert, wie es passiert, wie sie miteinander u8mgehen. DRAMA!
Ich liebe es, wie du die beiden schreibst. *anstrahl*
Und du kannst Asuka einfach ;) Und dein Kensuke ist, wie immer!, Zucker und Sirup und das beste Matschepantschezeug, dass zwischen den Zähnen kleben bleiben kann. *-*
no subject
Date: 2008-03-13 08:14 pm (UTC)richtig süß
no subject
Date: 2008-03-13 08:59 pm (UTC)no subject
Date: 2008-03-13 09:27 pm (UTC)Ja, kitschig ist es allemal *hust* Aber ich kann eben nicht anders, XD~
NGE ist übrigens Neon Genesis Evangelion. Ich bin so faul, das auszuschreiben und dann hat Rei das Kürzel einfach als tag übernommen *hust* ,aber im Grunde hast du Recht, wenn man das nicht kennt, hat man Probleme. Sorry ;_;
no subject
Date: 2008-03-14 07:45 am (UTC)Beim Lesen konnte ich das irgendwie nochmal genau fühlen. Ich bewundere deine Fähigkeit, Gefühle so wahnsinnig gut in die passenden Worte zu verpacken.
Ich kann das leider nicht, daher kann ich dir auch nicht so wirklich rüberbringen, wie sehr ich beim Lesen mitgelebt habe...
no subject
Date: 2008-03-14 09:35 am (UTC)Freut mich wirklich, dass es dir gefallen hat =)
*flausch*
Ja, Abschiede sind etwas wirklich Furchtbares. ._.