Kaktusstacheln in Karamell
Mar. 9th, 2008 05:47 pmFandom: Original (Papeirflugzeuge)
Challenges: #1 Kaktusstacheln + #3 ...wenn es das nicht war, dann war es die Apokalypse.
Warnung: Kein Sinn, kein Plot, Laangeweile in 1000 Wörtern. Aber das kennt man ja XD
Der Scheiß-Kaffee schmeckt nicht. Es ist, als hätte irgendwer Spülwasser mit dem Pulver gemischt. Vielleicht auch ein rein subjektiver Eindruck, weil der Kaugummi von Rufus vorhin so ekelhaft schmeckte. Samuel hatte ihn monatelang in der Jackentasche mit sich herumgetragen.
Die ganze Welt schmeckt scheiße.
Die feuchte Sommerluft, die kitzelnden Sonnenstrahlen morgens, der Technikgeruch auf der Arbeit, Kasimirs Patschehändchen, die er ab und zu mal beim Spielen in die Lippen gekniffen bekommt.
Besonders die Arbeit ist scheiße, weil Samuel immer nur Flugzeuge zu Gesicht bekommt, Flugzeuge, Flugzeuge, Flugzeuge.
„Ihr hattet Krach?“
Samuels Schwester Ruth hat vor Staunen ganz runde Augen, als sie Wind davon bekommt.
„Nicht wahr! Ich dachte, Rufus wäre dein neuer siamesischer Zwilling!“
Sie streicht über Kasimirs blondes, feines Haar.
„Schade, er war so ein süßer Knabe. Glatt zum Vernaschen!“
Schimmel kommt beim Bowling drauf, gerade in dem Moment als er sich die Cola beinahe über seine tolle, neue Raverhose kleckert, für die er viel zu alt ist.
„Alter!“, sagt Schimmel betroffen und sensationslüstern zugleich. Im Hintergrund knallt Conny die Kugel von Brusthöhe aufs Parkett, dass es so laut rumst, dass das Herz einen kleinen Hüpfer macht.
„Und was machst du nun? Gehst du zurück zu Ariane?“
Sie alle stellen Samuel vor vollendete Tatsachen.
Sie treffen Entscheidungen für ihn. Das ist bequem, aber nicht gerade hilfreich.
Er hat Rufus seit einiger Zeit nicht mehr gesehen.
Nachts träumt er von ihm, entweder schlechte Träume, in denen Rufus ihn stehenlässt und ihn mit seinen großen, blauen, waidwunden Augen ansieht wie ein erschossener Hase. Oder die guten Träume, die zu einem schlechten Erwachen führen, ein Erwachen, bei dem Samuel bemerkt, dass er seine Hand in der Unterhose hat.
Man kann es Vermissen auf psychischer und physischer Ebene nennen.
Zumindest tut Vivian das.
„Ihr wart lange verbunden.“, sagt sie leise und streicht sich die schwarzen Haare glatt.
„Und ihr seid es noch. Das ist wie Drogenentzug.“
Das ist wahr. Weil alles scheiße ist seit diesem Abend.
Dabei dachte Samuel immer, dass man mit einem Kerl wie Rufus gar nicht so ernst streiten kann. Leider aber ergab auch mit ihm ein Wort das andere.
„Hau einfach ab von zu Hause. Deine Mutter behandelt dich noch immer wie ein Baby.“, sagte Samuel.
„Du bist noch nie verreist. Wir könnten gemeinsam nach Spanien fahren oder auf die Kanaren. Du weißt schon, weiße Strände, heiße Parties, Kamelreiten. Da gibt es Kakteen so groß wie Einfamilienhäuser und mit den Stacheln kann man sich aufspießen, so lang sind sie!“
Er hat etwas übertrieben, zugegeben.
Er wurde wütend, weil Rufus nicht begeistert aufsprang und seine Mutter verteidigte.
So hat es angefangen und ist hässlich zu Ende gegangen.
„Ich glaube, es wurde an dem Punkt scheiße, als ich ihn angemacht habe, wie bescheuert er eigentlich sei.“, gesteht Samuel Vivian. Sein Herz ist in ihren Händen wie der matschige Käsekuchen, den er jetzt ganz alleine isst.
„Schwerer Fehler, gerade bei Rufus.“, sagt Vivian, hält aber sonst Gott sei Dank die Klappe. Wahrscheinlich ist sie zu fasziniert davon, dass ein Proll wie Samuel über Gefühle redet. Oder- na ja, die Vorstufe davon.
Rufus war zum ersten Mal wirklich wütend.
Seine Haarspitzen zitterten und seine Lippen krampften sich zu einem schmalen Strich zusammen. So ging er.
So ist er bis jetzt, nimmt Samuel an.
Es ist nicht wie bei Ariane.
Samuel überlegt, ob er die überhaupt vermisst hat. Nein, wahrscheinlich nicht. Oder doch? Vielleicht hat er so getan.
Aber Rufus, das ist ein ganz anderes Kaliber.
Rufus hat die Assoziation zu Flugzeugen geschaffen. Und nun hasst Samuel diese Dinger, wenn er sie sieht. Acht Stunden am Tag.
Er zerpampt den Käsekuchen mit Zunge und Gaumen, lustlos, und faltet aus seiner rosa Serviette ein Papierflugzeug.
Seht her, denkt er sich, der schwule Idiot vermisst sein Betthäschen, sein süßes, nettes Dummerchen, dem er so Unrecht getan hat. Seufz.
Für ihn ist das die Katastrophe.
Draußen lachen und feiern und arbeiten und essen und trinken und ficken und lieben die Leute weiter, aber keiner bekommt so einen Einbruch mit. Zumindest nicht so ganz direkt.
Schimmel spendiert ein Bier, dabei weiß er genau, dass Samuel nicht trinken kann weil er noch fahren muss. Ruth halst ihm Kasimir tagelang erst mal nicht auf, dabei lenkt ihn das Kind wenigstens einigermaßen ab. Vivian erinnert ihn an den alten Kaugummi, den Samuel vor Verzweiflung endlich isst und auch dann noch vor Sehnsucht weiter darauf herumkaut, obwohl er nach Spülmittel schmeckt. Riskiere lieber zu kotzen als all das loszulassen!
Sehnsucht. Oh Gott.
Wenn es das nicht ist, dann ist es die Apokalypse.
Es fühlt sich an als wäre Rufus schon in Lanzarote gewesen und hätte einen Kaktusstachel durch Samuels Brust gerammt.
Samuel starrt seinen Käsekuchen an, zündet eine Zigarette an und ascht auf den Kuchen.
„Sie wissen, dass hier Rauchverbot herrscht?“, pampt ihn eine Kellnerin an.
„Schieb ab.“, sagt er müde und wird rausgeschmissen, weil die Frau so sauer ist, dass sie behauptet, er habe sie angetatscht.
Wenn die wüsste, wen er sonst so antatscht.
Als Samuel das nächste Mal zur Besinnung kommt, steht er vor Rufus´ Wohnungstür und hält den Finger auf dem Klingelknopf. In der anderen Hand hat er das Serviettenflugzeug zusammengeknautscht.
Okay, das ist postapokalyptisch, zugegeben.
Rufus macht auf und sieht aus wie immer. Die gleiche Frisur, der gleiche Blick in den großen Augen und derselbe Streifenpulli wie zum Tag, an dem sie sich gestritten haben.
Er konnte also weitermachen wie immer. Das tut noch mehr weh.
Samuel steht wie vom Donner gerührt. So etwas wie das hier hat er noch nie gemacht. Das ist fast schon unwirklich.
„Dein Kaugummi...“, sagt er lose und starrt die bunten Streifen auf dem Pullover an.
„...ich hab ihn in der Jacke mitgewaschen. Und jetzt schmeckt er scheiße.“
Rufus schaut ihn an und blinzelt verwirrt.
„Deswegen bist du hier?“
Samuel schüttelt den Kopf wie ein kleines Kind.
Eigentlich will er sagen, dass es ihm Leid tut, dass er Rufus vermisst, dass er ihn liebt. All diese großen Worte, für die seine Klappe dann aber doch nicht groß genug zu sein scheint.
Aber da hat Rufus auch schon seine Hand genommen.
„Bleib trotzdem hier.“, sagt er.
Und da ist es wieder. Dieses wohlige Gefühl, das Linderung verschafft.
Wie das Schlagen eines Schmetterlingsflügels, der Kuss eines Meerschweinchens, ein Windhauch an einem milden Tag. Und ein großes Luftholen.
Er schließt Rufus in seine Arme und muss tatsächlich erstickt vor Erleichterung schluchzen, ohne Tränen und ohne Theatralik, aber echt.
„Du hast so einen weichen Kern.“, flüstert Rufus leise.
„Wie Karamell. Ich mag Karamell.“
Challenges: #1 Kaktusstacheln + #3 ...wenn es das nicht war, dann war es die Apokalypse.
Warnung: Kein Sinn, kein Plot, Laangeweile in 1000 Wörtern. Aber das kennt man ja XD
Der Scheiß-Kaffee schmeckt nicht. Es ist, als hätte irgendwer Spülwasser mit dem Pulver gemischt. Vielleicht auch ein rein subjektiver Eindruck, weil der Kaugummi von Rufus vorhin so ekelhaft schmeckte. Samuel hatte ihn monatelang in der Jackentasche mit sich herumgetragen.
Die ganze Welt schmeckt scheiße.
Die feuchte Sommerluft, die kitzelnden Sonnenstrahlen morgens, der Technikgeruch auf der Arbeit, Kasimirs Patschehändchen, die er ab und zu mal beim Spielen in die Lippen gekniffen bekommt.
Besonders die Arbeit ist scheiße, weil Samuel immer nur Flugzeuge zu Gesicht bekommt, Flugzeuge, Flugzeuge, Flugzeuge.
„Ihr hattet Krach?“
Samuels Schwester Ruth hat vor Staunen ganz runde Augen, als sie Wind davon bekommt.
„Nicht wahr! Ich dachte, Rufus wäre dein neuer siamesischer Zwilling!“
Sie streicht über Kasimirs blondes, feines Haar.
„Schade, er war so ein süßer Knabe. Glatt zum Vernaschen!“
Schimmel kommt beim Bowling drauf, gerade in dem Moment als er sich die Cola beinahe über seine tolle, neue Raverhose kleckert, für die er viel zu alt ist.
„Alter!“, sagt Schimmel betroffen und sensationslüstern zugleich. Im Hintergrund knallt Conny die Kugel von Brusthöhe aufs Parkett, dass es so laut rumst, dass das Herz einen kleinen Hüpfer macht.
„Und was machst du nun? Gehst du zurück zu Ariane?“
Sie alle stellen Samuel vor vollendete Tatsachen.
Sie treffen Entscheidungen für ihn. Das ist bequem, aber nicht gerade hilfreich.
Er hat Rufus seit einiger Zeit nicht mehr gesehen.
Nachts träumt er von ihm, entweder schlechte Träume, in denen Rufus ihn stehenlässt und ihn mit seinen großen, blauen, waidwunden Augen ansieht wie ein erschossener Hase. Oder die guten Träume, die zu einem schlechten Erwachen führen, ein Erwachen, bei dem Samuel bemerkt, dass er seine Hand in der Unterhose hat.
Man kann es Vermissen auf psychischer und physischer Ebene nennen.
Zumindest tut Vivian das.
„Ihr wart lange verbunden.“, sagt sie leise und streicht sich die schwarzen Haare glatt.
„Und ihr seid es noch. Das ist wie Drogenentzug.“
Das ist wahr. Weil alles scheiße ist seit diesem Abend.
Dabei dachte Samuel immer, dass man mit einem Kerl wie Rufus gar nicht so ernst streiten kann. Leider aber ergab auch mit ihm ein Wort das andere.
„Hau einfach ab von zu Hause. Deine Mutter behandelt dich noch immer wie ein Baby.“, sagte Samuel.
„Du bist noch nie verreist. Wir könnten gemeinsam nach Spanien fahren oder auf die Kanaren. Du weißt schon, weiße Strände, heiße Parties, Kamelreiten. Da gibt es Kakteen so groß wie Einfamilienhäuser und mit den Stacheln kann man sich aufspießen, so lang sind sie!“
Er hat etwas übertrieben, zugegeben.
Er wurde wütend, weil Rufus nicht begeistert aufsprang und seine Mutter verteidigte.
So hat es angefangen und ist hässlich zu Ende gegangen.
„Ich glaube, es wurde an dem Punkt scheiße, als ich ihn angemacht habe, wie bescheuert er eigentlich sei.“, gesteht Samuel Vivian. Sein Herz ist in ihren Händen wie der matschige Käsekuchen, den er jetzt ganz alleine isst.
„Schwerer Fehler, gerade bei Rufus.“, sagt Vivian, hält aber sonst Gott sei Dank die Klappe. Wahrscheinlich ist sie zu fasziniert davon, dass ein Proll wie Samuel über Gefühle redet. Oder- na ja, die Vorstufe davon.
Rufus war zum ersten Mal wirklich wütend.
Seine Haarspitzen zitterten und seine Lippen krampften sich zu einem schmalen Strich zusammen. So ging er.
So ist er bis jetzt, nimmt Samuel an.
Es ist nicht wie bei Ariane.
Samuel überlegt, ob er die überhaupt vermisst hat. Nein, wahrscheinlich nicht. Oder doch? Vielleicht hat er so getan.
Aber Rufus, das ist ein ganz anderes Kaliber.
Rufus hat die Assoziation zu Flugzeugen geschaffen. Und nun hasst Samuel diese Dinger, wenn er sie sieht. Acht Stunden am Tag.
Er zerpampt den Käsekuchen mit Zunge und Gaumen, lustlos, und faltet aus seiner rosa Serviette ein Papierflugzeug.
Seht her, denkt er sich, der schwule Idiot vermisst sein Betthäschen, sein süßes, nettes Dummerchen, dem er so Unrecht getan hat. Seufz.
Für ihn ist das die Katastrophe.
Draußen lachen und feiern und arbeiten und essen und trinken und ficken und lieben die Leute weiter, aber keiner bekommt so einen Einbruch mit. Zumindest nicht so ganz direkt.
Schimmel spendiert ein Bier, dabei weiß er genau, dass Samuel nicht trinken kann weil er noch fahren muss. Ruth halst ihm Kasimir tagelang erst mal nicht auf, dabei lenkt ihn das Kind wenigstens einigermaßen ab. Vivian erinnert ihn an den alten Kaugummi, den Samuel vor Verzweiflung endlich isst und auch dann noch vor Sehnsucht weiter darauf herumkaut, obwohl er nach Spülmittel schmeckt. Riskiere lieber zu kotzen als all das loszulassen!
Sehnsucht. Oh Gott.
Wenn es das nicht ist, dann ist es die Apokalypse.
Es fühlt sich an als wäre Rufus schon in Lanzarote gewesen und hätte einen Kaktusstachel durch Samuels Brust gerammt.
Samuel starrt seinen Käsekuchen an, zündet eine Zigarette an und ascht auf den Kuchen.
„Sie wissen, dass hier Rauchverbot herrscht?“, pampt ihn eine Kellnerin an.
„Schieb ab.“, sagt er müde und wird rausgeschmissen, weil die Frau so sauer ist, dass sie behauptet, er habe sie angetatscht.
Wenn die wüsste, wen er sonst so antatscht.
Als Samuel das nächste Mal zur Besinnung kommt, steht er vor Rufus´ Wohnungstür und hält den Finger auf dem Klingelknopf. In der anderen Hand hat er das Serviettenflugzeug zusammengeknautscht.
Okay, das ist postapokalyptisch, zugegeben.
Rufus macht auf und sieht aus wie immer. Die gleiche Frisur, der gleiche Blick in den großen Augen und derselbe Streifenpulli wie zum Tag, an dem sie sich gestritten haben.
Er konnte also weitermachen wie immer. Das tut noch mehr weh.
Samuel steht wie vom Donner gerührt. So etwas wie das hier hat er noch nie gemacht. Das ist fast schon unwirklich.
„Dein Kaugummi...“, sagt er lose und starrt die bunten Streifen auf dem Pullover an.
„...ich hab ihn in der Jacke mitgewaschen. Und jetzt schmeckt er scheiße.“
Rufus schaut ihn an und blinzelt verwirrt.
„Deswegen bist du hier?“
Samuel schüttelt den Kopf wie ein kleines Kind.
Eigentlich will er sagen, dass es ihm Leid tut, dass er Rufus vermisst, dass er ihn liebt. All diese großen Worte, für die seine Klappe dann aber doch nicht groß genug zu sein scheint.
Aber da hat Rufus auch schon seine Hand genommen.
„Bleib trotzdem hier.“, sagt er.
Und da ist es wieder. Dieses wohlige Gefühl, das Linderung verschafft.
Wie das Schlagen eines Schmetterlingsflügels, der Kuss eines Meerschweinchens, ein Windhauch an einem milden Tag. Und ein großes Luftholen.
Er schließt Rufus in seine Arme und muss tatsächlich erstickt vor Erleichterung schluchzen, ohne Tränen und ohne Theatralik, aber echt.
„Du hast so einen weichen Kern.“, flüstert Rufus leise.
„Wie Karamell. Ich mag Karamell.“
no subject
Date: 2008-03-10 08:47 am (UTC)So süß!
no subject
Date: 2008-03-10 02:35 pm (UTC)Ich find' den zweiten Absatz aber besonders klasse ^-^
no subject
Date: 2008-03-11 12:04 am (UTC)Oi, vielen Dank *.*