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[identity profile] nyx-chan.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Schwarz
Challenge: Genre+Kartoffel – Weltuntergang (für mich - Weltherrschaft)
Fandom: Nocturne Whispers Harepocalypse Now!-AU
Charaktere: Kelsey Willson, Kelsey Brooks, René
Warnung: Spoiler für „Der Marsianer“
Für [livejournal.com profile] alea <3


Der Winter war auf dem besten Wege die Stadt zu erobern und Brooks merkte es an den zusätzlichen Kleidungsschichten und dem Gefühl, ihre Zehen nur noch die halbe Zeit des Tages zu spüren, wenn es hoch kam. Mit hochgezogenen Schultern und der jeweils freien Hand tief in der Jackentasche stapfte sie Willson hinterher, die René folgend in eine windige Seitengasse trat. Gedanklich war sie noch völlig damit beschäftigt, dass Willson Heath Ledger für keinen besonders guten Schauspieler hielt. Ein absolutes Sakrileg in Brooks‘ Augen, die den kalten Winterwind damit verdrängte, indem sie in ihren liebsten Ledger-Momenten schwelgte.
Nachdem in ihrem nächsten Radius sie schon so weit alles an größeren Lagerräumen von Geschäften, Restaurants und anderen Orten, wie Fitness Studios, so weit schon geplündert hatten und da bereits schon in territoriale Schwierigkeiten mit anderen Überlebenden kamen, haben sie begonnen nach und nach Wohnungen zu durchsuchen. Zwar wurden sie regelmäßig fündig im geringen Umfang, aber gleichzeitig hieß es durch vergessene blutige Schlachtfelder zu stapfen. Nichts, was sie nicht schon längst gewohnt wären, sollte man meinen. Aber Brooks ging es dann doch noch gelegentlich sehr zu Herzen, wenn sie in einem Kinderzimmer mit bunter Tapete und voller Spielzeug stand und das kleine Bettchen mit verrottenden Überresten und tiefbraunen Flecken überseht war. Wenn sie anhand der Einrichtung sich erschließen konnte, dass da eine ältere Dame mit mindestens zehn Katzen gelebt haben musste, und von all dem nur noch Flecken, hässliche Gardinen und Katzenhaare übrig geblieben sind, die Brooks über Tage versuchte aus ihrem Wollmantel herauszuziehen.
Routiniert schnüffelte erst René, dann teste Willson die Türen, ehe meistens René sie doch aufbrechen musste. Die Nachhut bildete Brooks und ihr Baseballschläger.
Wenn Brooks ehrlich mit sich war, wusste sie nicht, was sie davon hielt, dass ihre Arme Dank des Schlägers immer definierter aussahen, während sie in schlechten Wochen ihr Schlüsselbein und Hüftknochen zu sehr hervorstechen sah. Vielleicht würde sie endlich in die Size 0-Jeans passen. Das musste sie bei nächster Gelegenheit testen, wenn wieder Kleidung geplündert werden musste.
Bevor das Team sich den einzelnen Wohnungen widmete, sicherten sie das ganze Haus, um sicher zu gehen, dass nirgendwo böse Überraschungen lauerten. Konzentriert, routiniert und fast ohne miteinander reden zu müssen prüften sie Etage für Etage ab.
„Ok, grünes Licht. Dann wie immer, meine Damen“, verkündete Willson und steckte ihre Waffe in den Gürtelholster.
„Von oben nach unten, links nach rechts straßenseitig?“, fragte Brooks sicherheitshalber. Sie klemmte ihren Baseballschläger zwischen die Beine und dehnte ihre verkrampften, kalten Hände durch.
„Genau.“
Die ersten zwei Wohnungen boten wenigstens einiges an trockenen Lebensmitteln und Dosen und Willson schrieb in ihrem Notizbuch jeweils Gegenstände auf, die ihr auffielen und womöglich für andere Zwecke für die Gruppe nützlich sein konnten, aber nicht von ihnen selbst mitgenommen werden konnten. Das war mit den anderen aus der Gruppe erst zu klären. Brooks durchwühlte derweil die Küche. Als sie eine Speisekammer öffnete, beäugte sie misstrauisch einen großen, irdenen Topf mit Deckel, der am Boden stand. Daraus konnte sie entweder etwas anspringen, sie mit dem Gestank umbringen oder etwas Nützliches sein. Den mörderischen Gestank konnte sie nach einem Moment, in dem sie über dem Topf gestanden hatte, zumindest so weit ausschließen.
„René?“ Besser kein Risiko eingehen. Als die Wölfin angetapst kam, deutete Brooks auf den Topf. „Kannst du daran schnüffeln, ob da drin was Gefährliches ist?“
René sah kurz zwischen Brooks und dem Topf hin und her, ehe sie der Bitte folgte. Schnell hob sie jedoch wieder ihren Kopf mit entspannt aufgestellten Ohren.
„Ok, Dankeschön.“ Brooks strich ihr kurz über den Kopf. Im Gegenzug schmiegte sich René leicht an ihrem Bein vorbei als sie wieder wegging.
In die Hocke gehend hob Brooks den Deckel an und war perplex vom Anblick, der sich ihr bot. Es lagen im Topf nicht verrottete Kartoffeln. Sie griff eine heraus und nickte zufrieden, als sich sofort vertrocknete Erdkrusten von der Knolle abbröselten. Der gute Bioscheiß vom Bauernmarkt. Sie taste die Knolle vorsichtig ab und beschnüffelte den Topf, doch sie schienen tatsächlich makellos zu sein. Beim Schnüffeln bemerkte sie auch die kleinen, mit dichten Netzen verdeckten Luftlöcher. Ein Blick in die untere Ecken der Abstellkammer erklärten den fehlenden Insektenbefall.
„Jackpott!“, rief Brooks zufrieden und richtete sich stolz mit ihrer Bioknolle auf.
Erst René, dann Willson betraten die Küche und sahen Brooks verheißhungsvoll an.
„Ta-daah! Kartoffeln!“ Stolz präsentierte sie ihren Fund und traf den verwirrten Blick von Willson. Besonders als sie an Brooks Beinen vorbeischaute und sah, dass es sich dabei um lediglich einen Topf voll von den Gemüse handelte.
„Das ist- schön. Aber nichts, was ich einen Jackpott nennen würde. Das ist innerhalb einer Mahlzeit weg.“
„Aber Kel! Hast du nicht ‚Der Marsianer‘ mit Matt Damon gesehen?!“, entsetzte sich Brooks und fuchtelte etwas mit ihrer Wunderknolle.
Willson ging einen halben Schritt zurück, um nicht getroffen zu werden, verlagerte ihr Gewicht in eine bequeme Standpose, in der sie demonstrativ die Hüfte rausschieben und die Arme verschränken konnte. Als Brooks die Zeichen las, nahm sie ihre Knolle etwas mehr zu sich, aber nur 10 cm. Sie hatte schließlich recht.
„Nein, habe ich bisher nicht“, sagte Willson. „Was soll mir diese Referenz sagen?“
Brooks biss sich auf die Unterlippe und lächelte schief. „Soll ich dich spoilern?“
Willson hob eine Augenbraue demonstrativ. „Ich weiß nicht. Werden wir in den nächsten Tagen genug Strom auftreiben, dass wir ihn für einen Kinoabend mit den anderen verplempern können?“
„Ist ja schon, schon gut! Ich wollte nur sichergehen. Also, kurz gesagt: Kartoffeln – im Weltall!“
„Bitte, Kleines, bemühe ruhig ein paar Worte mehr. Die Zeit haben wir.“
„Im Film sollen Wissenschaftler eine Marsstation aufbauen. Aber etwas geht schief und sie müssen evakuieren. Es bleibt aber Matt Damon zurück, der Botaniker ist, und er schafft es, Kartoffeln auf dem Mars zu züchten!“
Verblüfft blinzelte Willson Brooks an und animierte sie mit einer Handbewegung, weiter auszuführen.
„Kartoffeln sind großartig! Mit gar nicht so viel Aufwand könnten wir Kartoffeln für uns züchten! Wir werden bestimmt genug Eimer oder sonstwas finden, genauso Erde und etwas Biomüll als Dünger. Wenn wir sie in den leeren Wohnungen über unserem Quartier an den guten Fensterplätzen stellen und regelmäßig gießen, könnten wir über den Winter Kartoffeln züchten! Wir müssen nur zusehen, dass die Wohnungen nicht zu sehr auskühlen. Notfalls müssen wir sie in unser Quartier zunächst halten. Es sind nicht so viele, die im Topf sind, aber es wäre ein Anfang. Ein paar Kartoffeln rein, eine Menge Kartoffeln wieder raus – es ist wie Zauberei! In Innenräumen können wir das ganze Jahr über Kartoffeln ziehen. Kelsey – nachwachsende Ressourcen!“ Um ihren Vortrag an Enthusiasmus zu unterstreichen, quietschte Brooks am Ende einmal glücklich.
Willson sah immer noch so aus, als müsse sie die Informationen verarbeiten. Es klang zu einfach und zu gut, um wahr zu sein. Selbst wenn es am Anfang nicht viel abwerfen würde, es wäre aber ein wichtiger Punkt, an den sie bereits denken mussten. Vielleicht wäre dies der Anfang, um ab nächstem Jahr auch ein paar andere Gewächse, so fern möglich, zu ziehen. „Und das klappt einfach so?“, fragte Willson.
„Pfff“, machte Brooks und winkte ab. „Klar, kann hier und da mal etwas nicht klappen, wie bei allem, aber glaub mir, das wird klappen. Ich komm vom Land.“

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