Team: Schwarz
Challenge: Charakterschwächen - weinerlich/immer am Jammern (fürs Team)
Fandom: Nocturne Whispers: Origins
Charaktere: Chikara, eine Tätowiererin
Die Tätowiererin, Stacey, sah Chikara aufmerksam an. „Man sollte mit fremden Schriftzeichen immer vorsichtig sein… ich hatte mal jemanden hier, der groß Hühnchenbrust auf dem Arm stehen hatte. Das Cover-Up war tricky.“
„Ich weiß, was es heißt“, erklärte Chikara leise und strich mit dem Zeigefinger über das Design. Yann hatte es gezeichnet, in dem Versuch, japanische Kalligraphie zu kopieren. Das Ergebnis kam nahe genug heran, um es zu verewigen. Was er wohl dazu sagen würde? Vermutlich würde er sie für verrückt erklären und es gleichzeitig ziemlich cool finden. Sie wusste selbst nicht, warum sie es tat. Aber es… war ihr einfach ein Bedürfnis.
„Was heißt es denn?“ Die Stimme schien von weit entfernt zu kommen und holte sie wieder in die Gegenwart. Es dauerte ein paar Sekunden, bis Chikara antworten konnte: „Herz. Oder Geist. Es ist recht vielschichtig.“ Wie so einiges im Japanischen, wenn man sich näher mit den Zeichen befasste.
„Das ist unser Wort ‚Herz‘ ja auch. Entweder ists unsere gute alte Pumpe oder ein rosarot verklärtes Ding, es steht für unsere Gefühle und so weiter.“
Dem konnte Chikara nicht widersprechen. So hatte sie es noch nie gesehen, aber sie hatte auch noch nie darüber nachgedacht. Warum auch? Es war nie wirklich nötig gewesen. Das Kanji dagegen hatte sie damals mit Yann regelrecht auseinandergenommen. Weil er die Schrift spannend fand. Im Gegensatz zu Chikara, die sie nicht ganz freiwillig gelernt hatte und nach japanischen Verhältnissen wohl immer noch eine halbe Analphabetin war.
„Stimmt“, murmelte sie darum nur mit etwas Verspätung und hoffte, dass Stacey das Thema nicht vertiefen wollte. Was sie auch nicht tat. „Möchtest du nur das Schriftzeichen? Oder noch eine Blume oder so dazu?“
Darüber dachte Chikara nur kurz nach, bevor sie den Kopf schüttelte. Vermutlich war die Frage legitim, Mädchen standen vermutlich auf Blumen auf ihrer Haut. Aber sie hatte es lieber schlicht. Es war so schon schwer genug, ihre Eltern davon zu überzeugen.
„Okay. Dann mal sehen, wo ich dich unterbringen kann… allzu lange wird das Tattoo jedenfalls nicht dauern“, murmelte Stacey eindeutig eher an sich selbst gewandt, als an Chikara. „Du hast dir übrigens eine recht empfindliche Stelle ausgesucht. Da zu stechen tut weh.“
„Ich weiß.“ Aber das Tattoo sollte genau da hin. Und Chikara war hart im Nehmen.
Zwei Wochen später stellte sie fest, dass es einen deutlichen Unterschied machte, ob man beim Kampfsport etwas abbekam, oder ob eine scharfe Nadel Tinte unter ihre Haut stach. Aber Chikara rührte keinen Muskel, während sie beobachtete, wie Stacey routiniert ihre Arbeit machte. Es übte eine gewisse Faszination auf sie aus. Die Tätowiererin bemerkte das natürlich. „Es kommt nicht so oft vor, dass ein Anfänger so fasziniert zuschaut“, meinte sie, ohne Chikara dabei anzusehen.
„Uhm… Entschuldigung?“ Sie wünschte sich die langen Haare zurück, hinter einem nur kinnlangen Bob konnte man sich nicht so gut verstecken. Das hatte sie nicht besonders gut durchdacht. Als Stacey lachte, wurde sie beinahe noch verlegener. Dann meinte sie: „Dafür musst du dich doch nicht entschuldigen. Darf ich fragen, warum du dich ausgerechnet für das Motiv entschieden hast?“
Mit der Frage hätte sie rechnen sollen, aber trotzdem erwischte sie Chikara auf dem falschen Fuß. „Mein… Freund hat es gezeichnet.“ Durfte sie Yann eigentlich noch als solchen bezeichnen? Aber auch nach zwei Monaten kam ihr sein Tod manchmal immer noch irreal vor.
„Na immerhin ist es kein Name. Die wird man nur schwer wieder los. Wollte er nicht mitkommen? Oder wird es eine Überraschung?“
„Er ist tot.“ Dass ihr die Stimme nur ein bisschen versagte, überraschte Chikara selbst. Dass ihr Tränen in den Augen brannten, lag bestimmt nur an der Nadel. Stacey hielt ganz kurz inne. „Shit… sorry. Ich und mein loses Mundwerk. Tut mir Leid.“
„Schon gut. Ich finds auch komisch, wenn jemand den Namen des Partners rumträgt…“ Kinder oder so konnte sie da schon eher verstehen. Stacey wollte das Thema ‚toter Freund‘ ganz sicher nicht vertiefen. Die wenigsten wollten das. Aber zu Chikaras Überraschung klang Stacey ehrlich interessiert, als sie fragte: „Willst du drüber reden? Du kannst die ganzen Floskeln doch sicher nicht mehr hören.“
Chikara zögerte. Es stimmte, sie hatte genug von den Beileidsbekundungen, die oft nicht so gemeint waren. Nicht so gemeint sein konnten. Wie auch? Aber sie waren ihr lieber als kluge Sprüche von ihrer Verwandtschaft. Beim letzten Skype-Gespräch mit ihrer Tante und der Großmutter hatte sie höflich gesagt bekommen, dass sie ja noch jung war und bald jemand anderen finden würde. Vorzugsweise einen Japaner diesmal. Als ihre Großmutter dann noch hinzugefügt hatte, dass sie sich an der Uni bei den angehenden Ärzten oder Anwälten umschauen sollte, war ihrer sonst so geduldigen Mutter der Kragen geplatzt. Was in ihrem Fall bedeutete, dass sie das Gespräch höflich und unter einem Vorwand beendet hatte. Und ihre Erlaubnis für das Tattoo gegeben hatte.
„Er ist vor zwei Monaten… gestorben. Alle sind der Meinung, dass ich endlich drüber hinwegkommen soll. Und ich muss immer noch an die Reise denken, die er mit mir nach dem Schulabschluss machen wollte.“
„Wo wolltet ihr denn hin?“
„Es gab noch keine genauen Pläne… aber er wollte unbedingt nach Arizona und sich den Krater dort ansehen. Ich habe nie verstanden, warum.“ Es war doch nur ein Loch im Boden. Aber bei Yann würde es sie auch nicht wundern, wenn er heimlich nach Aliens suchen wollte oder so.
„Mich würde es ja eher nach Miami ziehen. Oder L.A.“, lächelte Stacey, als Chikara eine Weile nichts mehr sagte. Die zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht… im Moment wäre es mir auch egal. Dass er fort ist… ist manchmal wie ein böser Traum… Und alle sagen, dass ich drüber hinwegkommen werde. Aber…“ Sie brach ab, als sie spürte, wie ihr die Stimme versagte. Diesmal sprang Stacey direkt ein. „Es fühlt sich nicht so an, hm?“
„Nein…“
„Es gibt recht viele, die verstorbene Angehörige oder Freunde oder auch Haustiere auf der Haut verewigen. Ich mag diese Art, sich zu erinnern. Und ich denke, es geht für einen Hinterbliebenen erstmal nicht darum, darüber hinwegzukommen. Sondern darum, trotzdem weiterzumachen.“ Sie wischte Tinte und Blut von Chikaras Handgelenk.
„Das ist schon schwer genug…“
„Eben. Einmal hatte ich jemanden hier, der sich die Lieblingsblume seiner verstorbenen Frau stechen lassen hat. Er wirkte erst vollkommen gelassen. Hat von ihr erzählt und dem gemeinsamen Kind. Als die Blume dann Form annahm, ist er plötzlich in Tränen ausgebrochen. Ihr Tod war da fast ein Jahr her. Was ich sagen will… es gibt keine Faustregel, wann man fertig getrauert haben muss. Sie kann immer wieder hervorbrechen.“
„Die Meinung hab ich bisher eher selten gehört…“
„Macht es sie deswegen falsch?“
„Wohl nicht.“ Chikara lächelte leicht.
Challenge: Charakterschwächen - weinerlich/immer am Jammern (fürs Team)
Fandom: Nocturne Whispers: Origins
Charaktere: Chikara, eine Tätowiererin
Die Tätowiererin, Stacey, sah Chikara aufmerksam an. „Man sollte mit fremden Schriftzeichen immer vorsichtig sein… ich hatte mal jemanden hier, der groß Hühnchenbrust auf dem Arm stehen hatte. Das Cover-Up war tricky.“
„Ich weiß, was es heißt“, erklärte Chikara leise und strich mit dem Zeigefinger über das Design. Yann hatte es gezeichnet, in dem Versuch, japanische Kalligraphie zu kopieren. Das Ergebnis kam nahe genug heran, um es zu verewigen. Was er wohl dazu sagen würde? Vermutlich würde er sie für verrückt erklären und es gleichzeitig ziemlich cool finden. Sie wusste selbst nicht, warum sie es tat. Aber es… war ihr einfach ein Bedürfnis.
„Was heißt es denn?“ Die Stimme schien von weit entfernt zu kommen und holte sie wieder in die Gegenwart. Es dauerte ein paar Sekunden, bis Chikara antworten konnte: „Herz. Oder Geist. Es ist recht vielschichtig.“ Wie so einiges im Japanischen, wenn man sich näher mit den Zeichen befasste.
„Das ist unser Wort ‚Herz‘ ja auch. Entweder ists unsere gute alte Pumpe oder ein rosarot verklärtes Ding, es steht für unsere Gefühle und so weiter.“
Dem konnte Chikara nicht widersprechen. So hatte sie es noch nie gesehen, aber sie hatte auch noch nie darüber nachgedacht. Warum auch? Es war nie wirklich nötig gewesen. Das Kanji dagegen hatte sie damals mit Yann regelrecht auseinandergenommen. Weil er die Schrift spannend fand. Im Gegensatz zu Chikara, die sie nicht ganz freiwillig gelernt hatte und nach japanischen Verhältnissen wohl immer noch eine halbe Analphabetin war.
„Stimmt“, murmelte sie darum nur mit etwas Verspätung und hoffte, dass Stacey das Thema nicht vertiefen wollte. Was sie auch nicht tat. „Möchtest du nur das Schriftzeichen? Oder noch eine Blume oder so dazu?“
Darüber dachte Chikara nur kurz nach, bevor sie den Kopf schüttelte. Vermutlich war die Frage legitim, Mädchen standen vermutlich auf Blumen auf ihrer Haut. Aber sie hatte es lieber schlicht. Es war so schon schwer genug, ihre Eltern davon zu überzeugen.
„Okay. Dann mal sehen, wo ich dich unterbringen kann… allzu lange wird das Tattoo jedenfalls nicht dauern“, murmelte Stacey eindeutig eher an sich selbst gewandt, als an Chikara. „Du hast dir übrigens eine recht empfindliche Stelle ausgesucht. Da zu stechen tut weh.“
„Ich weiß.“ Aber das Tattoo sollte genau da hin. Und Chikara war hart im Nehmen.
Zwei Wochen später stellte sie fest, dass es einen deutlichen Unterschied machte, ob man beim Kampfsport etwas abbekam, oder ob eine scharfe Nadel Tinte unter ihre Haut stach. Aber Chikara rührte keinen Muskel, während sie beobachtete, wie Stacey routiniert ihre Arbeit machte. Es übte eine gewisse Faszination auf sie aus. Die Tätowiererin bemerkte das natürlich. „Es kommt nicht so oft vor, dass ein Anfänger so fasziniert zuschaut“, meinte sie, ohne Chikara dabei anzusehen.
„Uhm… Entschuldigung?“ Sie wünschte sich die langen Haare zurück, hinter einem nur kinnlangen Bob konnte man sich nicht so gut verstecken. Das hatte sie nicht besonders gut durchdacht. Als Stacey lachte, wurde sie beinahe noch verlegener. Dann meinte sie: „Dafür musst du dich doch nicht entschuldigen. Darf ich fragen, warum du dich ausgerechnet für das Motiv entschieden hast?“
Mit der Frage hätte sie rechnen sollen, aber trotzdem erwischte sie Chikara auf dem falschen Fuß. „Mein… Freund hat es gezeichnet.“ Durfte sie Yann eigentlich noch als solchen bezeichnen? Aber auch nach zwei Monaten kam ihr sein Tod manchmal immer noch irreal vor.
„Na immerhin ist es kein Name. Die wird man nur schwer wieder los. Wollte er nicht mitkommen? Oder wird es eine Überraschung?“
„Er ist tot.“ Dass ihr die Stimme nur ein bisschen versagte, überraschte Chikara selbst. Dass ihr Tränen in den Augen brannten, lag bestimmt nur an der Nadel. Stacey hielt ganz kurz inne. „Shit… sorry. Ich und mein loses Mundwerk. Tut mir Leid.“
„Schon gut. Ich finds auch komisch, wenn jemand den Namen des Partners rumträgt…“ Kinder oder so konnte sie da schon eher verstehen. Stacey wollte das Thema ‚toter Freund‘ ganz sicher nicht vertiefen. Die wenigsten wollten das. Aber zu Chikaras Überraschung klang Stacey ehrlich interessiert, als sie fragte: „Willst du drüber reden? Du kannst die ganzen Floskeln doch sicher nicht mehr hören.“
Chikara zögerte. Es stimmte, sie hatte genug von den Beileidsbekundungen, die oft nicht so gemeint waren. Nicht so gemeint sein konnten. Wie auch? Aber sie waren ihr lieber als kluge Sprüche von ihrer Verwandtschaft. Beim letzten Skype-Gespräch mit ihrer Tante und der Großmutter hatte sie höflich gesagt bekommen, dass sie ja noch jung war und bald jemand anderen finden würde. Vorzugsweise einen Japaner diesmal. Als ihre Großmutter dann noch hinzugefügt hatte, dass sie sich an der Uni bei den angehenden Ärzten oder Anwälten umschauen sollte, war ihrer sonst so geduldigen Mutter der Kragen geplatzt. Was in ihrem Fall bedeutete, dass sie das Gespräch höflich und unter einem Vorwand beendet hatte. Und ihre Erlaubnis für das Tattoo gegeben hatte.
„Er ist vor zwei Monaten… gestorben. Alle sind der Meinung, dass ich endlich drüber hinwegkommen soll. Und ich muss immer noch an die Reise denken, die er mit mir nach dem Schulabschluss machen wollte.“
„Wo wolltet ihr denn hin?“
„Es gab noch keine genauen Pläne… aber er wollte unbedingt nach Arizona und sich den Krater dort ansehen. Ich habe nie verstanden, warum.“ Es war doch nur ein Loch im Boden. Aber bei Yann würde es sie auch nicht wundern, wenn er heimlich nach Aliens suchen wollte oder so.
„Mich würde es ja eher nach Miami ziehen. Oder L.A.“, lächelte Stacey, als Chikara eine Weile nichts mehr sagte. Die zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht… im Moment wäre es mir auch egal. Dass er fort ist… ist manchmal wie ein böser Traum… Und alle sagen, dass ich drüber hinwegkommen werde. Aber…“ Sie brach ab, als sie spürte, wie ihr die Stimme versagte. Diesmal sprang Stacey direkt ein. „Es fühlt sich nicht so an, hm?“
„Nein…“
„Es gibt recht viele, die verstorbene Angehörige oder Freunde oder auch Haustiere auf der Haut verewigen. Ich mag diese Art, sich zu erinnern. Und ich denke, es geht für einen Hinterbliebenen erstmal nicht darum, darüber hinwegzukommen. Sondern darum, trotzdem weiterzumachen.“ Sie wischte Tinte und Blut von Chikaras Handgelenk.
„Das ist schon schwer genug…“
„Eben. Einmal hatte ich jemanden hier, der sich die Lieblingsblume seiner verstorbenen Frau stechen lassen hat. Er wirkte erst vollkommen gelassen. Hat von ihr erzählt und dem gemeinsamen Kind. Als die Blume dann Form annahm, ist er plötzlich in Tränen ausgebrochen. Ihr Tod war da fast ein Jahr her. Was ich sagen will… es gibt keine Faustregel, wann man fertig getrauert haben muss. Sie kann immer wieder hervorbrechen.“
„Die Meinung hab ich bisher eher selten gehört…“
„Macht es sie deswegen falsch?“
„Wohl nicht.“ Chikara lächelte leicht.