Freestyle find ich gut.
Feb. 24th, 2008 06:29 pmTitel: Ich bin's doch!
Fandom: Digimon 02
Challenge: #02 – Freestyle
Charaktere: Matt, Tai, M!OC, „F!OC“
Warnings: gender bender/crossdressing
Summary: Manche Dinge lassen sich nicht ewig verstecken, und manchmal ist das auch besser so; manchmal und manche Dinge, wie gesagt.
A/N: Tomaten kosten drei Cent das Stück. Wer meine Nase trifft, kriegt einen virtuellen Keks!
Es gibt eine Sache, die tut man mit dem besten Freund nicht. Auch dann nicht, wenn sich der beste Freund über Nacht in ein Mädchen verwandelt hat und man ihn deswegen als jemand Fremden wahrnimmt.
Ich bin’s doch!
Das Kino war, wie jeden Abend, gut gefüllt, aber nicht so prallvoll wie das gleich um die Ecke. Klar, es war ja auch älter. Die meisten hippen jungen Leute gingen lieber in das moderne Kino. Das war auch der Grund gewesen, warum Ai darauf bestanden hatte, hierher zu gehen, als Shinta sie eingeladen hatte. Aber irgendwie war ihr Trick verreckt. Wieso musste denn auch ausgerechnet er hier sein? Und warum hatte er Shinta ansprechen müssen? Die beiden Jungen hatten sonst nichts miteinander am Hut!
Ai stand zwei Meter hinter Shinta und sah zu Boden. Wenn er sie erkennen würde, wäre alles aus. Dann würde es auffliegen, ihre Eltern würden sie rausschmeißen! Wenigstens würde Shinta sie bei sich aufnehmen. Er wollte ja sowieso, dass sie bei ihm lebte, damit sie sich freier bewegen konnte und sich nicht immer verstecken musste. Doch das konnte sie ihren Eltern nicht antun. Außerdem war da noch ihre Schwester... nie im Leben würde es gut gehen, wenn Ai einfach auszog und ihre Familie alleinließ.
Also versuchte sie, so gut wie möglich hinter Shinta zu verschwinden, während der sich mit einem ihnen beiden nur zu gut bekannten Jungen unterhielt. Shinta war mindestens 1,80m groß. Für Ai, die vier Köpfe kleiner war als er, war es einfach, sich hinter ihm so wegzuducken, dass sie kaum mehr auffiel.
Doch der Junge bog den Kopf um die Ecke (besser gesagt um Shinta) und grinste sie an. „Ist das deine Freundin?“
Ai wurde erst bleich und dann, so vermutete sie zumindest, weil ihr Kopf ganz schön heiß wurde, schrecklich rot im Gesicht. Der Kerl starrte ihr doch tatsächlich auf die Beine! Sie hätte doch keinen Minirock anziehen sollen. Aber in Shintas Gegenwart fühlte sie sich so wohl – und von ihm wollte sie ja auch, dass er ihre Beine anstarrte – dass sie es nicht in Erwägung gezogen hatte, auch Blicke von so einer Person auf sich zu ziehen. Einer, die sie zwar kannte, Ai aber noch nie im Minirock gesehen hatte. Und es war auch nicht geplant, dass irgendjemand außer Shinta sie je im Minirock sehen würde.
Shinta legte einen Arm um sie und zog sie eng an sich. Ai kämpfte gegen ihre Panik an und schenkte dem Jungen ein kurzes Lächeln, ehe sie wieder zu Boden sah. Wenn er ihr länger ins Gesicht schauen konnte, würde er sie mit Sicherheit erkennen, und dann! Nicht auszudenken!! Ai zählte die Fliesen, während Shinta antwortete: „Na ja, noch nicht.“
Der Junge nickte und wandte sich an Ai. „Wenn du ihn nicht willst, ich wäre auch noch frei.“ Er zwinkerte ihr zu. „Wie auch immer, ich geh dann mal. Viel Spaß noch – ich hab aber gehört, der Film soll echt schlecht sein!“
Ai atmete erleichtert aus, als der Junge endlich das Kino verlassen hatte. „Er hat mich nicht erkannt!“
„Bist du dir sicher, dass er dein bester Freund ist?“
Sie zog eine Schnute und sah zu Shinta auf. Bei seinem Lächeln bekam sie ganz weiche Knie und ihre Stimme zitterte, als sie ihn anmeckerte: „Ja. Ja, natürlich ist er das!“
Shinta zuckte die Achseln und küsste ihre Stirn. „Egal. Lass uns schauen, ob der Film wirklich so mies ist, wie er gesagt hat.“
„Ich hab gestern so ein süßes Mädel gesehen, das glaubst du gar nicht!“
Tai verdrehte die Augen. „Du siehst ständig irgendein süßes Mädel. Die rennen dir ja auch nach wie nichts auf der Welt.“ Obwohl, fügte er in Gedanken hinzu, dir auch die grottenhässlichen Weiber nachrennen. Er musste grinsen, aber Matt war so mit damit beschäftigt, ihm von dem gestern gesehenen Mädchen zu berichten, dass der das gar nicht bemerkte.
„Aber wenn Shinta schon an ihr dran ist, dann würde ich das sein lassen.“
„Wieso?“ Matt machte eine wegwerfende Bewegung mit der Hand, in der er das Mikrofon hielt. Es rutschte ihm aus der Hand und Tai fing es auf. „Danke.“
„Weil das nicht fair ist. Selbst wenn sie ihn nicht will oder wenn sie ihn will und sie sich irgendwann trennen, sie sollte tabu für dich sein.“ Tai gab Matt das Mikrofon zurück, stand auf und verschränkte die Arme.
„Ich bin ja nicht mal mit ihm näher bekannt, geschweige denn befreundet. Moralapostel.“
„Wir können jetzt mit der Probe loslegen!“, rief der Bassist, dessen Name Tai schon wieder entfallen war.
Matt nahm drei Stufen auf einmal und kletterte auf die Bühne.
Die Lichter wurden für die Proben nicht angeschaltet und Tai verzog sich in den hinteren Teil der Halle, wo er sich an die Wand lehnte und dem ersten Song lauschte, bevor er endgültig nach Hause ging. Das war einfach nicht seine Art Musik.
„Dass wir uns so bald schon wiedersehen würden!“
Ai zuckte zusammen. „Hi“, nuschelte sie. „Wer warst du noch mal?“ Vielleicht konnte sie ihn abwimmeln, wenn sie sich blöd stellte.
„Matt.“ Er schien ein wenig beleidigt, machte aber einen forschen Schritt auf sie zu. „Und du bist die süße Ai.“
Sie versuchte sich darauf zu konzentrieren, wann die Ampel auf grün umschaltete. „Einfach Ai reicht.“
„Gut, ‚einfach-Ai’, was macht ein hübsches Ding wie du so spät ganz allein...“
Sie biss sich auf die Unterlippe. „Ich bin auf dem Weg zu meinem, na ja,“ bei dem Gedanken an Shinta wurde ihr warm ums Herz und sie musste lächeln, „meinem Freund.“ Wie schön es gewesen war, letzte Woche, als sie den Film gesehen hatten. Danach hatte er sie noch zum Italiener ausgeführt, und später da hatten sie sich das erste Mal geküsst! Sie seufzte.
„Hey, hast du gehört? Die Ampel ist – nicht mehr grün.“
„Oh! Verdammt!!“ Ai machte eine Schnute. Gierig betrachtete sie das Fahrrad, auf dem Matt saß. Wenn er sie schon so toll fand und haben wollte, dann konnte er ihr ja einen kleinen Gefallen tun, richtig? „Würdest du mich vielleicht ein Stückchen mitnehmen?“
Er bewegte seinen Kopf so heftig auf und ab, dass Ai einen Moment lang fürchtete, sein Genick würde brechen.
Das Wohnhaus, in dessen vierten Stock Shinta schon auf sie wartete, kam immer näher, als sie eine SMS von ihm erhielt: „ACHTUNG!! Oma ist auf Besuch da!!“ Ai klappte der Mund auf. „Anhalten!“
Matt bremste so heftig, dass sie mit dem Kopf gegen seinen Rücken schlug. „Aua!“
„Entschuldigung. Aber was zum Teufel ist überhaupt los?“
„Ich kann nicht zu ihm. Seine Oma ist da.“ Nach Hause kann ich aber genauso wenig, dachte sie, das ist viel zu weit weg und meine anderen Klamotten müsste ich erst noch bei Rina abholen und die schläft jetzt sowieso schon... in ihrem Kopf drehte sich alles.
„Dann komm doch mit zu mir.“
Sie musste sich verhört haben. „Zu dir!?“ Richtig, er wohnte ganz in der Nähe und am nächsten Morgen könnte sie sich wegschleichen, zu Shinta gehen und alles wäre wieder in Butter. Matt würde sie schon nicht irgendwie... oder doch? Sie sah auf ihre Armbanduhr herab. Es war schon elf. Sie knirschte mit den Zähnen. „Na schön.“
Bloß aufpassen, dass ich mich nicht auffällig verhalte, dachte Ai, als sie Matts Wohnung betrat. „Wo ist denn die Toilette?“
„Das Bad ist die erste Tür rechts.“
Sie nickte ihm zu und verschwand im Badezimmer, das sie sofort absperrte. Nach fünf Minuten und einer geleerten Blase hatte sie sich beruhigt und kam wieder heraus.
„Mein Zimmer ist übrigens das da.“ Er zeigte auf eine Tür, an der ein Schild mit dem Aufdruck „Betreten verboten!“ hing. Das hatten sie gestern zusammen gekauft.
Ais Magen schien sich zu verknoten.
„Wir haben kein Gästezimmer und auch keine Matratze oder ein Schlafsofa.“
Lüge, du verdammter Mistkerl, dachte sie und biss sich auf die Zunge, um ihn nicht anzuschreien. „Aha.“
„Keine Sorge, ich werde dir schon nichts tun.“ Wieder dieses anzügliche Grinsen. Und dieses Zwinkern!
Ihr Magen musste inzwischen wie ein besonders seltener, schwer zu lösender Knoten aussehen.
„Du bist ein Gentleman, hm?“ Ai wusste nur zu gut, wie Matt mit den Mädchen umsprang. Sie wollte nicht zu ihnen gehören. Nie im Leben. Wenigstens war sie nicht, wie eins von seinen Groupies, freiwillig in diese Situation gelangt, mit ihm das Bett teilen zu müssen. Nein, es war einfach ein unglücklicher Umstand, der dazu geführt hatte. Zur Not konnte sie ihm ja immer noch den Schwanz brechen. Matt würde sie bestimmt nicht anzeigen. Viel zu peinlich. Also würde auch nichts auffliegen. Ganz bestimmt nicht.
Sie ließ sich also von ihm in sein Zimmer bugsieren und setzte sich auf die Bettkante. „Nettes Zimmer.“ Das Videospiel, in dem sie ihn abgezogen hatte, steckte immer noch in seinem roten N64.
„Also, du kannst dir ja eins von meinen T-Shirts ausleihen.“ Er kramte in seinem Schrank herum und zog ein riesiges weißes Zirkuszelt hervor. Das war bestimmt keins seiner Kleidungsstücke, aber sie nahm es an, ging wieder ins Badezimmer, zog sich um und betrachtete sich im Spiegel. Das Hemd fiel an ihr herunter wie ein Sandsack und wenn es nicht an der linken Schulter herunterrutschte, dann an der rechten. Wenigstens war es so lang, dass es selbst ihre Knie überdeckte.
Sie schlich sich zurück in sein Zimmer, wo er schon im Bett lag. Er hob die Decke und klopfte auf die Matratze. Im Dunkeln konnte er wenigstens nicht sehen, dass ihr Kopf glühte – hoffte sie inständig.
Ai legte ihre Klamotten auf seinen Schreibtisch und kletterte dann zu ihm ins Bett. Es war nicht gerade das breiteste Modell. Das war ihr früher nie so aufgefallen. Aber jetzt, wo sie Matts Oberkörper an ihrem Rücken spürte und etwas, das eher weniger wahrscheinlicher Weise eine Taschenlampe war an ihren Beinen, war es erschreckend überdeutlich, was für ein winziges Bett das war.
Sie räusperte sich, während er sich über sie beugte, um das Licht zu löschen. Im Dunkeln drückte er sich noch näher an sie und legte einen Arm über ihren Körper. Sie zuckte kurz; schweres, schnelles Atmen zu unterdrücken war gar nicht so einfach, merkte sie. Ai hielt die Luft an, redete sich gut zu, aber der Ständer (wenigstens war eine Unterhose drüber!) rieb weiter über ihre Beine. Sie rutschte weiter nach vorne, aber das half nicht viel. Erstens flog sie beinahe vom Bett, und zweitens rückte Matt sofort nach.
„Du hast so weiche Haut“, flüsterte er ihr ins Ohr.
„Depp“, gab sie zurück. Beim auf die Schulter klopfen und Raufen war ihm das wohl nie aufgefallen? Lächerlich, einfach lächerlich, die ganze Situation hier. Sie schniefte und schob seine Hand weg, die über ihren Bauch streichelte. „Lass das. Sofort.“
Matt griff nach ihrem Handgelenk und bog ihren Arm, drehte ihre Hand und legte sie auf seinen... Ai hustete erschrocken. Sie rollte sich einmal um sich selbst, zog die Decke um sich und fiel vom Bett, wo sie weiterrollte, sich aufsetzte und die Decke über ihren Kopf zog.
Ich kann das nicht, dachte sie. Die ganze Nacht übersteh ich hier nicht. Ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen, dass es mehr schmerzte, als der sich verknotende Magen von vor einer halben Stunde. Der war schon extrem unangenehm gewesen, aber jetzt wollte sie einfach nur noch tot umfallen oder wenigstens von einem Mokona in eine andere Dimension gebracht werden. Aber das hier war die Realität, kein CLAMP-Manga.
Sie konnte hören, wie Matt sich aus dem Bett quälte und sich vor ihr auf den Boden hockte. Er zog vorsichtig an der Decke, bis sie ihren Griff lockerte und sie es ihm erlaubte, ihr die Decke vom Kopf zu ziehen. Ai zog die Nase hoch und schielte ihn misstrauisch an.
„Hey, nicht so schreckhaft... hast du dir wehgetan?“
Sie schüttelte den Kopf.
„Gut, dann komm jetzt wieder zurück ins Bett.“
Ai schüttelte den Kopf noch einmal, dieses Mal heftiger. Selbst in der Dunkelheit konnte sie erkennen, dass er noch immer erregt war. Wenn sie sich wieder zu ihm legte, würde er es bestimmt auf ein Neues versuchen.
Er streichelte ihr über den Kopf und durch die Haare, bis zu ihrer Schulter, wo sich seine Finger einer nach dem anderen aus ihren Haaren löste und über die nackte Haut fuhr. Das Hemd war ihr schon wieder runtergerutscht. Sie fluchte innerlich. Äußerlich zitterte sie.
Sein Daumen fuhr über ihr Schlüsselbein. Er hob die andere Hand und zog an den kurzen Ärmeln.
Abrupt machte sie einen Satz nach hinten. Wenn sie seinen Ständer sehen konnte, dann würde er auch erkennen, was vor ihm saß, egal ob er gerade benebelt und es im Zimmer verdammt dunkel war.
„Ich werde auf dem Sofa draußen schlafen. Das ist kein Problem für mich. Wirklich.“ Ai stand auf und flüchtete aus dem Zimmer.
Auf der Couch angekommen, entfaltete sie in Ruhe die Wolldecke und sammelte sich die Kissen vom Sessel zusammen.
Matt kam ihr nicht hinterher. Die ganze Nacht kam er nicht aus seinem Zimmer – sie konnte die Augen zwar hin und wieder zumachen, aber nie länger als fünf Minuten.
Am nächsten Morgen stand sie schon um fünf Uhr auf, schlich sich in sein Zimmer, wo er friedlich vor sich hinschnarchte, schnappte sich ihre Klamotten und zog sich in Windeseile an. Als sie ihre Schuhe gebunden hatte, saß sie ein paar Sekunden da und starrte die Tür an. Dann erhob sie sich und schrieb ihm einen Zettel, ehe sie endgültig verschwand.
Entweder hatte er den Zettel weggeschmissen, bevor er ihn gelesen hatte, oder er hatte ihn nicht verstanden, oder es war ihm zu was auch immer, um es anzusprechen – auf alle Fälle sprach er Tai in der Schule nicht darauf an. Ai war heilfroh. Tai auch.
Fandom: Digimon 02
Challenge: #02 – Freestyle
Charaktere: Matt, Tai, M!OC, „F!OC“
Warnings: gender bender/crossdressing
Summary: Manche Dinge lassen sich nicht ewig verstecken, und manchmal ist das auch besser so; manchmal und manche Dinge, wie gesagt.
A/N: Tomaten kosten drei Cent das Stück. Wer meine Nase trifft, kriegt einen virtuellen Keks!
Es gibt eine Sache, die tut man mit dem besten Freund nicht. Auch dann nicht, wenn sich der beste Freund über Nacht in ein Mädchen verwandelt hat und man ihn deswegen als jemand Fremden wahrnimmt.
Das Kino war, wie jeden Abend, gut gefüllt, aber nicht so prallvoll wie das gleich um die Ecke. Klar, es war ja auch älter. Die meisten hippen jungen Leute gingen lieber in das moderne Kino. Das war auch der Grund gewesen, warum Ai darauf bestanden hatte, hierher zu gehen, als Shinta sie eingeladen hatte. Aber irgendwie war ihr Trick verreckt. Wieso musste denn auch ausgerechnet er hier sein? Und warum hatte er Shinta ansprechen müssen? Die beiden Jungen hatten sonst nichts miteinander am Hut!
Ai stand zwei Meter hinter Shinta und sah zu Boden. Wenn er sie erkennen würde, wäre alles aus. Dann würde es auffliegen, ihre Eltern würden sie rausschmeißen! Wenigstens würde Shinta sie bei sich aufnehmen. Er wollte ja sowieso, dass sie bei ihm lebte, damit sie sich freier bewegen konnte und sich nicht immer verstecken musste. Doch das konnte sie ihren Eltern nicht antun. Außerdem war da noch ihre Schwester... nie im Leben würde es gut gehen, wenn Ai einfach auszog und ihre Familie alleinließ.
Also versuchte sie, so gut wie möglich hinter Shinta zu verschwinden, während der sich mit einem ihnen beiden nur zu gut bekannten Jungen unterhielt. Shinta war mindestens 1,80m groß. Für Ai, die vier Köpfe kleiner war als er, war es einfach, sich hinter ihm so wegzuducken, dass sie kaum mehr auffiel.
Doch der Junge bog den Kopf um die Ecke (besser gesagt um Shinta) und grinste sie an. „Ist das deine Freundin?“
Ai wurde erst bleich und dann, so vermutete sie zumindest, weil ihr Kopf ganz schön heiß wurde, schrecklich rot im Gesicht. Der Kerl starrte ihr doch tatsächlich auf die Beine! Sie hätte doch keinen Minirock anziehen sollen. Aber in Shintas Gegenwart fühlte sie sich so wohl – und von ihm wollte sie ja auch, dass er ihre Beine anstarrte – dass sie es nicht in Erwägung gezogen hatte, auch Blicke von so einer Person auf sich zu ziehen. Einer, die sie zwar kannte, Ai aber noch nie im Minirock gesehen hatte. Und es war auch nicht geplant, dass irgendjemand außer Shinta sie je im Minirock sehen würde.
Shinta legte einen Arm um sie und zog sie eng an sich. Ai kämpfte gegen ihre Panik an und schenkte dem Jungen ein kurzes Lächeln, ehe sie wieder zu Boden sah. Wenn er ihr länger ins Gesicht schauen konnte, würde er sie mit Sicherheit erkennen, und dann! Nicht auszudenken!! Ai zählte die Fliesen, während Shinta antwortete: „Na ja, noch nicht.“
Der Junge nickte und wandte sich an Ai. „Wenn du ihn nicht willst, ich wäre auch noch frei.“ Er zwinkerte ihr zu. „Wie auch immer, ich geh dann mal. Viel Spaß noch – ich hab aber gehört, der Film soll echt schlecht sein!“
Ai atmete erleichtert aus, als der Junge endlich das Kino verlassen hatte. „Er hat mich nicht erkannt!“
„Bist du dir sicher, dass er dein bester Freund ist?“
Sie zog eine Schnute und sah zu Shinta auf. Bei seinem Lächeln bekam sie ganz weiche Knie und ihre Stimme zitterte, als sie ihn anmeckerte: „Ja. Ja, natürlich ist er das!“
Shinta zuckte die Achseln und küsste ihre Stirn. „Egal. Lass uns schauen, ob der Film wirklich so mies ist, wie er gesagt hat.“
„Ich hab gestern so ein süßes Mädel gesehen, das glaubst du gar nicht!“
Tai verdrehte die Augen. „Du siehst ständig irgendein süßes Mädel. Die rennen dir ja auch nach wie nichts auf der Welt.“ Obwohl, fügte er in Gedanken hinzu, dir auch die grottenhässlichen Weiber nachrennen. Er musste grinsen, aber Matt war so mit damit beschäftigt, ihm von dem gestern gesehenen Mädchen zu berichten, dass der das gar nicht bemerkte.
„Aber wenn Shinta schon an ihr dran ist, dann würde ich das sein lassen.“
„Wieso?“ Matt machte eine wegwerfende Bewegung mit der Hand, in der er das Mikrofon hielt. Es rutschte ihm aus der Hand und Tai fing es auf. „Danke.“
„Weil das nicht fair ist. Selbst wenn sie ihn nicht will oder wenn sie ihn will und sie sich irgendwann trennen, sie sollte tabu für dich sein.“ Tai gab Matt das Mikrofon zurück, stand auf und verschränkte die Arme.
„Ich bin ja nicht mal mit ihm näher bekannt, geschweige denn befreundet. Moralapostel.“
„Wir können jetzt mit der Probe loslegen!“, rief der Bassist, dessen Name Tai schon wieder entfallen war.
Matt nahm drei Stufen auf einmal und kletterte auf die Bühne.
Die Lichter wurden für die Proben nicht angeschaltet und Tai verzog sich in den hinteren Teil der Halle, wo er sich an die Wand lehnte und dem ersten Song lauschte, bevor er endgültig nach Hause ging. Das war einfach nicht seine Art Musik.
„Dass wir uns so bald schon wiedersehen würden!“
Ai zuckte zusammen. „Hi“, nuschelte sie. „Wer warst du noch mal?“ Vielleicht konnte sie ihn abwimmeln, wenn sie sich blöd stellte.
„Matt.“ Er schien ein wenig beleidigt, machte aber einen forschen Schritt auf sie zu. „Und du bist die süße Ai.“
Sie versuchte sich darauf zu konzentrieren, wann die Ampel auf grün umschaltete. „Einfach Ai reicht.“
„Gut, ‚einfach-Ai’, was macht ein hübsches Ding wie du so spät ganz allein...“
Sie biss sich auf die Unterlippe. „Ich bin auf dem Weg zu meinem, na ja,“ bei dem Gedanken an Shinta wurde ihr warm ums Herz und sie musste lächeln, „meinem Freund.“ Wie schön es gewesen war, letzte Woche, als sie den Film gesehen hatten. Danach hatte er sie noch zum Italiener ausgeführt, und später da hatten sie sich das erste Mal geküsst! Sie seufzte.
„Hey, hast du gehört? Die Ampel ist – nicht mehr grün.“
„Oh! Verdammt!!“ Ai machte eine Schnute. Gierig betrachtete sie das Fahrrad, auf dem Matt saß. Wenn er sie schon so toll fand und haben wollte, dann konnte er ihr ja einen kleinen Gefallen tun, richtig? „Würdest du mich vielleicht ein Stückchen mitnehmen?“
Er bewegte seinen Kopf so heftig auf und ab, dass Ai einen Moment lang fürchtete, sein Genick würde brechen.
Das Wohnhaus, in dessen vierten Stock Shinta schon auf sie wartete, kam immer näher, als sie eine SMS von ihm erhielt: „ACHTUNG!! Oma ist auf Besuch da!!“ Ai klappte der Mund auf. „Anhalten!“
Matt bremste so heftig, dass sie mit dem Kopf gegen seinen Rücken schlug. „Aua!“
„Entschuldigung. Aber was zum Teufel ist überhaupt los?“
„Ich kann nicht zu ihm. Seine Oma ist da.“ Nach Hause kann ich aber genauso wenig, dachte sie, das ist viel zu weit weg und meine anderen Klamotten müsste ich erst noch bei Rina abholen und die schläft jetzt sowieso schon... in ihrem Kopf drehte sich alles.
„Dann komm doch mit zu mir.“
Sie musste sich verhört haben. „Zu dir!?“ Richtig, er wohnte ganz in der Nähe und am nächsten Morgen könnte sie sich wegschleichen, zu Shinta gehen und alles wäre wieder in Butter. Matt würde sie schon nicht irgendwie... oder doch? Sie sah auf ihre Armbanduhr herab. Es war schon elf. Sie knirschte mit den Zähnen. „Na schön.“
Bloß aufpassen, dass ich mich nicht auffällig verhalte, dachte Ai, als sie Matts Wohnung betrat. „Wo ist denn die Toilette?“
„Das Bad ist die erste Tür rechts.“
Sie nickte ihm zu und verschwand im Badezimmer, das sie sofort absperrte. Nach fünf Minuten und einer geleerten Blase hatte sie sich beruhigt und kam wieder heraus.
„Mein Zimmer ist übrigens das da.“ Er zeigte auf eine Tür, an der ein Schild mit dem Aufdruck „Betreten verboten!“ hing. Das hatten sie gestern zusammen gekauft.
Ais Magen schien sich zu verknoten.
„Wir haben kein Gästezimmer und auch keine Matratze oder ein Schlafsofa.“
Lüge, du verdammter Mistkerl, dachte sie und biss sich auf die Zunge, um ihn nicht anzuschreien. „Aha.“
„Keine Sorge, ich werde dir schon nichts tun.“ Wieder dieses anzügliche Grinsen. Und dieses Zwinkern!
Ihr Magen musste inzwischen wie ein besonders seltener, schwer zu lösender Knoten aussehen.
„Du bist ein Gentleman, hm?“ Ai wusste nur zu gut, wie Matt mit den Mädchen umsprang. Sie wollte nicht zu ihnen gehören. Nie im Leben. Wenigstens war sie nicht, wie eins von seinen Groupies, freiwillig in diese Situation gelangt, mit ihm das Bett teilen zu müssen. Nein, es war einfach ein unglücklicher Umstand, der dazu geführt hatte. Zur Not konnte sie ihm ja immer noch den Schwanz brechen. Matt würde sie bestimmt nicht anzeigen. Viel zu peinlich. Also würde auch nichts auffliegen. Ganz bestimmt nicht.
Sie ließ sich also von ihm in sein Zimmer bugsieren und setzte sich auf die Bettkante. „Nettes Zimmer.“ Das Videospiel, in dem sie ihn abgezogen hatte, steckte immer noch in seinem roten N64.
„Also, du kannst dir ja eins von meinen T-Shirts ausleihen.“ Er kramte in seinem Schrank herum und zog ein riesiges weißes Zirkuszelt hervor. Das war bestimmt keins seiner Kleidungsstücke, aber sie nahm es an, ging wieder ins Badezimmer, zog sich um und betrachtete sich im Spiegel. Das Hemd fiel an ihr herunter wie ein Sandsack und wenn es nicht an der linken Schulter herunterrutschte, dann an der rechten. Wenigstens war es so lang, dass es selbst ihre Knie überdeckte.
Sie schlich sich zurück in sein Zimmer, wo er schon im Bett lag. Er hob die Decke und klopfte auf die Matratze. Im Dunkeln konnte er wenigstens nicht sehen, dass ihr Kopf glühte – hoffte sie inständig.
Ai legte ihre Klamotten auf seinen Schreibtisch und kletterte dann zu ihm ins Bett. Es war nicht gerade das breiteste Modell. Das war ihr früher nie so aufgefallen. Aber jetzt, wo sie Matts Oberkörper an ihrem Rücken spürte und etwas, das eher weniger wahrscheinlicher Weise eine Taschenlampe war an ihren Beinen, war es erschreckend überdeutlich, was für ein winziges Bett das war.
Sie räusperte sich, während er sich über sie beugte, um das Licht zu löschen. Im Dunkeln drückte er sich noch näher an sie und legte einen Arm über ihren Körper. Sie zuckte kurz; schweres, schnelles Atmen zu unterdrücken war gar nicht so einfach, merkte sie. Ai hielt die Luft an, redete sich gut zu, aber der Ständer (wenigstens war eine Unterhose drüber!) rieb weiter über ihre Beine. Sie rutschte weiter nach vorne, aber das half nicht viel. Erstens flog sie beinahe vom Bett, und zweitens rückte Matt sofort nach.
„Du hast so weiche Haut“, flüsterte er ihr ins Ohr.
„Depp“, gab sie zurück. Beim auf die Schulter klopfen und Raufen war ihm das wohl nie aufgefallen? Lächerlich, einfach lächerlich, die ganze Situation hier. Sie schniefte und schob seine Hand weg, die über ihren Bauch streichelte. „Lass das. Sofort.“
Matt griff nach ihrem Handgelenk und bog ihren Arm, drehte ihre Hand und legte sie auf seinen... Ai hustete erschrocken. Sie rollte sich einmal um sich selbst, zog die Decke um sich und fiel vom Bett, wo sie weiterrollte, sich aufsetzte und die Decke über ihren Kopf zog.
Ich kann das nicht, dachte sie. Die ganze Nacht übersteh ich hier nicht. Ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen, dass es mehr schmerzte, als der sich verknotende Magen von vor einer halben Stunde. Der war schon extrem unangenehm gewesen, aber jetzt wollte sie einfach nur noch tot umfallen oder wenigstens von einem Mokona in eine andere Dimension gebracht werden. Aber das hier war die Realität, kein CLAMP-Manga.
Sie konnte hören, wie Matt sich aus dem Bett quälte und sich vor ihr auf den Boden hockte. Er zog vorsichtig an der Decke, bis sie ihren Griff lockerte und sie es ihm erlaubte, ihr die Decke vom Kopf zu ziehen. Ai zog die Nase hoch und schielte ihn misstrauisch an.
„Hey, nicht so schreckhaft... hast du dir wehgetan?“
Sie schüttelte den Kopf.
„Gut, dann komm jetzt wieder zurück ins Bett.“
Ai schüttelte den Kopf noch einmal, dieses Mal heftiger. Selbst in der Dunkelheit konnte sie erkennen, dass er noch immer erregt war. Wenn sie sich wieder zu ihm legte, würde er es bestimmt auf ein Neues versuchen.
Er streichelte ihr über den Kopf und durch die Haare, bis zu ihrer Schulter, wo sich seine Finger einer nach dem anderen aus ihren Haaren löste und über die nackte Haut fuhr. Das Hemd war ihr schon wieder runtergerutscht. Sie fluchte innerlich. Äußerlich zitterte sie.
Sein Daumen fuhr über ihr Schlüsselbein. Er hob die andere Hand und zog an den kurzen Ärmeln.
Abrupt machte sie einen Satz nach hinten. Wenn sie seinen Ständer sehen konnte, dann würde er auch erkennen, was vor ihm saß, egal ob er gerade benebelt und es im Zimmer verdammt dunkel war.
„Ich werde auf dem Sofa draußen schlafen. Das ist kein Problem für mich. Wirklich.“ Ai stand auf und flüchtete aus dem Zimmer.
Auf der Couch angekommen, entfaltete sie in Ruhe die Wolldecke und sammelte sich die Kissen vom Sessel zusammen.
Matt kam ihr nicht hinterher. Die ganze Nacht kam er nicht aus seinem Zimmer – sie konnte die Augen zwar hin und wieder zumachen, aber nie länger als fünf Minuten.
Am nächsten Morgen stand sie schon um fünf Uhr auf, schlich sich in sein Zimmer, wo er friedlich vor sich hinschnarchte, schnappte sich ihre Klamotten und zog sich in Windeseile an. Als sie ihre Schuhe gebunden hatte, saß sie ein paar Sekunden da und starrte die Tür an. Dann erhob sie sich und schrieb ihm einen Zettel, ehe sie endgültig verschwand.
Entweder hatte er den Zettel weggeschmissen, bevor er ihn gelesen hatte, oder er hatte ihn nicht verstanden, oder es war ihm zu was auch immer, um es anzusprechen – auf alle Fälle sprach er Tai in der Schule nicht darauf an. Ai war heilfroh. Tai auch.