Seltsam. Wirklich seltsam.
Feb. 21st, 2008 09:09 pmChallenge: 1: Umleitung
Fandom: Original
Wörter: 1111
Autorenkommentar: Wenn ihr einen Sinn in der Geschichte findet oder sie zu verstehen beginnt, solltet ihr euch Sorgen über eure geistige Gesundheit machen. Ansonsten ist es wahrscheinlich nie eine gute Idde mit einer fast fertigen Idee im Kopf auf die Challenges zu warten und die dann irgendwie einzubauen. Dafür ist diese Geschichte das perfekte Beispiel, sprich: totaler Crap.
Eines Tages begann die Zeit um mich herum zu fließen. Zuerst bemerkte ich es kaum. Alle Dinge verweilten auf ihrem gewohnten, genormten, immerwährenden Lauf.
Bis sich dann, bald schon schneller; eher; rascher; das Wesen der Zeit verformte. Starre, scheinbar ewige Geraden verliefen sich im matschigen Grund. Nur der Regen verblieb als einende Kraft, die gestriges, morgiges, vorjähriges, baldig-ersehntes geschickt gekonnt verbannt.
Was konnte das fließendere Wasser ahnen, dass die Substanz der Zeit verwässerte? Wer hätte der Strömung, der von Natur aus Aufhaltsamen, Einhalt gebieten können?
So kam es, dass ich schließlich, bald nach Mitternacht, von einem Strom hinfortgerissen wurde, der einmal, fern vor uns’rer Zeit noch Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag, Sonntag, Januar, Februar, März, April, Mai, Juni, Juli, August, September, Oktober, November, Dezember hieß.
So zumindest kam es mir in meiner Gedanken!Kopf!Welt vor. Dort, in jenem fernen Abschnitt der Karte, hinter dem Gebirge, das noch voller Rätsel steckt, im Land das sich Real Life nennt, dort sah alles anders aus. Denn dort, so heißt es, ist die Zeit noch in unseren Tagen eingefroren in den Polkappen des Verstandes.
Dort lebte ich ein trostloses Leben in seltsamer Sklaverei: Ich war der Montagssklave des Mathematikunterrichts, der Dienstagssklave des Tischtennisvereins, der Mittwochssklave des Nebenjobs, der Donnerstagssklave der Schreibchallenges und immer so weiter und immer so fort. Es war einer dieser Donnerstage, als eine Tür des Internets ein wenig zu weit offen stand und ich mit einem waghalsigen Sprung meine Erkundung der irreellen Realität des WorldWideWeb begann.
Zunächst war ich etwas furchtsam, etwas unentschlossen, etwas zaghaft, etwas stumm. Doch dann entdeckte ich, gut versteckt wie ein kleiner Schatz im Walde, die Quelle fern des Lebens, aus der unsere Zeit entsprang. Ich suhlte mich im Wasser und wurde das Verlangen nach ihr nicht mehr los.
Eine Zeit des Entdeckens, eine Zeit des immer neuen Tatendrangs entstand. Sie war angefüllt mit Neugier, Wissensdurst, Lebensweisheit, Angst, Gefühlsverirrungen, Panik, Selbstvergessenheit. Und sie hält bis heute, morgen. Übermorgen, dann und wann, bis jetzt – zumindest – hält sie an.
Sanft schloss die Tür zum Real Life sich für immer hinter mir. Sanft vergaß die reale Realität mich von selbst und ganz alleine. Vor mir lagen Abenteuer, Abenteuer die ich unbedingt, für immer, bald erleben wollte: Eine Pirsch durch die stinkenden Müllhalden von Animexx-Stadt, wo der Zeitfluss braun ist und stinkt. Ein Tanz auf den Blumenfeldern und in der ewigen Prärie von LiveJournal, wo zwar mitunter gar nichts fließt, die Tautropfen, aufgereiht an den längsten Grashalmen, die es gibt, jedoch meine flüchtige nicht reale Realität vielmillionenfach spiegeln, in den Himmel, in die Sonne hinaus.
Ich wage einen Blick hinaus, hinaus in die Hochhäuser von Blogcity und Newstown, in die Welt der Nachrichtenmagazine, bis hinauf in den obersten Stock, wo der Leaky Cauldron fleißig schreibt. Gleich daneben: SpiegelOnline. Der Fluß dort ist domestiziert und zahm. Nichts erinnert mich mehr an das urige Gebirgsbächchen oder den reißenden Strom der Niederungen. Einbetoniert und leblos, von allen Fischen befreit, ist er doch viel präsenter als an jedem anderen Ort meiner Reise: In den Wasserrohren, als weitläufiger Kreislauf von Trink- und Schmutzwasser, die hinaufführen in die waghalsigsten Höhen, ist dem Fluss der Zeit ein würdiges Denkmal gebaut worden.
Ich entgleite den Welten und fühle mich glücklich dabei. Ich sehe riesige schillernde Fische im Wasser zu meinen Füßen und ihre Namen sind vielfältig, denn sie heißen Fandom. Sie erzählen stumm von Geschichten, deren Welten nie verblassen, deren Personal von Tag zu Tag Abenteuer erlebte, in Büchern, FFs, Fanarts, RPGs, in AUs, OOC oder IC, in Slash-Fics, FemmeSlash-Fics, het oder gen. Viele, viele millionen Tage lang und nie, nie wird es enden.
In diesem RealLife, das ich vor so vielen Regengüssen für immer verließ, hält mich nichts. Niemand greift dort nach meiner Hand, zieht mich hinfort aus meinen Abenteuern, und darüber, glaubt mir! Darüber bin ich froh. Was brauch ich Donnerstage, was brauch Herbst und Winter, was brauch denn ein Alter? Ich kann es doch alles gleichzeitig haben! Für immer und sofort! Mein Personalausweis sagt mir, ich sei sechzehn, aber was zählt das? In der wirklichsten Wirklichkeit bin ich zweiundzwanzig, neunzehn, dreiundzwanzig, alles was ich will, und immer, immer adult. Was auch immer das bedeutet: Ich bin frei.
Vor langer, langer Zeit, wenn man das so nennen darf, wollte ich nach Japan. Ich wollte Forscherin werden, ich wollte Gummibärchen. Ich wollte alle möglichen seltsamen Dinge.
Für die Reise hatte ich nicht genügend Geld, für den Beruf die richtigen Noten nicht und für die Gummibärchen fehlte mir die Figur.
Eigentlich müsste ich unglücklich sein und niedergeschlagen. Viele Leute erzählen mir, ich hätte zu nichts Lust, ich sei richtig langweilig geworden. Aber das stimmt nicht. Mir geht es gut, sehr gut sogar. Ich spüre das Leben um mich herum fließen. Ich sehe mich selbst in den strahlenden Gewändern einer Mary Sue und mein Leben gefällt mir, ich bin der Sklaventreiber in einem Rape!RPG und es gefällt mir sehr. Ich bin die einzige deutsche Shipperin eines CrossOver-Pairings, dessen Charaktere in ihren jeweiligen Ursprungswerken nur in Nebensätzen erwähnt werden. Ich könnte ein Patent darauf anmelden. Ich lache und tanze und schreibe und male und fühle mich unendlich, unendlich, unendlich wohl.
Ich träume noch. Ich sitze in einem Boot und schippere auf dem Meer der Zeit, dort wo alle Flüsse einmal hinführen, dort wo weit und breit alles gleich aussieht, wo mir schlecht wird vor lauter Wellen und Sonne. Ich will zurück, zurück in die Unendlichkeit, zurück auf den Fluss!
Am Horizont sehe ich mit Schrecken: Den Rand der Welt, wo ich herunterfallen kann. Eine Kehrtwende gibt es nicht mehr. Dahinter: Alles schwarz. Das Ende: Absehbar. Das Ende: Schwarz. Das Ende: Absehbar.
Und das in einer unendlichen Welt. Und das in einer unsterblichen Welt.
Ich suche nach einer Umleitung zurück ins Leben, zurück in meine vielen virtuellen Leben. Ich sehe keine.
Ich hoffe auf ein schweißnasses Erwachen. Dann werde ich den Einschaltknopf drücken und mich aufs neue in mein Leben stürzen, wo ich glücklich bin und froh und stolz auf mich und wo ich immer bleiben möchte und wo es Umleitungen gibt und wo es ganz viele Umleitungen gibt und wo es immer weiter geht und wo ich neu anfangen kann und wo ich nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie vom Abgrund stürzen kann.
Fandom: Original
Wörter: 1111
Autorenkommentar: Wenn ihr einen Sinn in der Geschichte findet oder sie zu verstehen beginnt, solltet ihr euch Sorgen über eure geistige Gesundheit machen. Ansonsten ist es wahrscheinlich nie eine gute Idde mit einer fast fertigen Idee im Kopf auf die Challenges zu warten und die dann irgendwie einzubauen. Dafür ist diese Geschichte das perfekte Beispiel, sprich: totaler Crap.
Eines Tages begann die Zeit um mich herum zu fließen. Zuerst bemerkte ich es kaum. Alle Dinge verweilten auf ihrem gewohnten, genormten, immerwährenden Lauf.
Bis sich dann, bald schon schneller; eher; rascher; das Wesen der Zeit verformte. Starre, scheinbar ewige Geraden verliefen sich im matschigen Grund. Nur der Regen verblieb als einende Kraft, die gestriges, morgiges, vorjähriges, baldig-ersehntes geschickt gekonnt verbannt.
Was konnte das fließendere Wasser ahnen, dass die Substanz der Zeit verwässerte? Wer hätte der Strömung, der von Natur aus Aufhaltsamen, Einhalt gebieten können?
So kam es, dass ich schließlich, bald nach Mitternacht, von einem Strom hinfortgerissen wurde, der einmal, fern vor uns’rer Zeit noch Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag, Sonntag, Januar, Februar, März, April, Mai, Juni, Juli, August, September, Oktober, November, Dezember hieß.
So zumindest kam es mir in meiner Gedanken!Kopf!Welt vor. Dort, in jenem fernen Abschnitt der Karte, hinter dem Gebirge, das noch voller Rätsel steckt, im Land das sich Real Life nennt, dort sah alles anders aus. Denn dort, so heißt es, ist die Zeit noch in unseren Tagen eingefroren in den Polkappen des Verstandes.
Dort lebte ich ein trostloses Leben in seltsamer Sklaverei: Ich war der Montagssklave des Mathematikunterrichts, der Dienstagssklave des Tischtennisvereins, der Mittwochssklave des Nebenjobs, der Donnerstagssklave der Schreibchallenges und immer so weiter und immer so fort. Es war einer dieser Donnerstage, als eine Tür des Internets ein wenig zu weit offen stand und ich mit einem waghalsigen Sprung meine Erkundung der irreellen Realität des WorldWideWeb begann.
Zunächst war ich etwas furchtsam, etwas unentschlossen, etwas zaghaft, etwas stumm. Doch dann entdeckte ich, gut versteckt wie ein kleiner Schatz im Walde, die Quelle fern des Lebens, aus der unsere Zeit entsprang. Ich suhlte mich im Wasser und wurde das Verlangen nach ihr nicht mehr los.
Eine Zeit des Entdeckens, eine Zeit des immer neuen Tatendrangs entstand. Sie war angefüllt mit Neugier, Wissensdurst, Lebensweisheit, Angst, Gefühlsverirrungen, Panik, Selbstvergessenheit. Und sie hält bis heute, morgen. Übermorgen, dann und wann, bis jetzt – zumindest – hält sie an.
Sanft schloss die Tür zum Real Life sich für immer hinter mir. Sanft vergaß die reale Realität mich von selbst und ganz alleine. Vor mir lagen Abenteuer, Abenteuer die ich unbedingt, für immer, bald erleben wollte: Eine Pirsch durch die stinkenden Müllhalden von Animexx-Stadt, wo der Zeitfluss braun ist und stinkt. Ein Tanz auf den Blumenfeldern und in der ewigen Prärie von LiveJournal, wo zwar mitunter gar nichts fließt, die Tautropfen, aufgereiht an den längsten Grashalmen, die es gibt, jedoch meine flüchtige nicht reale Realität vielmillionenfach spiegeln, in den Himmel, in die Sonne hinaus.
Ich wage einen Blick hinaus, hinaus in die Hochhäuser von Blogcity und Newstown, in die Welt der Nachrichtenmagazine, bis hinauf in den obersten Stock, wo der Leaky Cauldron fleißig schreibt. Gleich daneben: SpiegelOnline. Der Fluß dort ist domestiziert und zahm. Nichts erinnert mich mehr an das urige Gebirgsbächchen oder den reißenden Strom der Niederungen. Einbetoniert und leblos, von allen Fischen befreit, ist er doch viel präsenter als an jedem anderen Ort meiner Reise: In den Wasserrohren, als weitläufiger Kreislauf von Trink- und Schmutzwasser, die hinaufführen in die waghalsigsten Höhen, ist dem Fluss der Zeit ein würdiges Denkmal gebaut worden.
Ich entgleite den Welten und fühle mich glücklich dabei. Ich sehe riesige schillernde Fische im Wasser zu meinen Füßen und ihre Namen sind vielfältig, denn sie heißen Fandom. Sie erzählen stumm von Geschichten, deren Welten nie verblassen, deren Personal von Tag zu Tag Abenteuer erlebte, in Büchern, FFs, Fanarts, RPGs, in AUs, OOC oder IC, in Slash-Fics, FemmeSlash-Fics, het oder gen. Viele, viele millionen Tage lang und nie, nie wird es enden.
In diesem RealLife, das ich vor so vielen Regengüssen für immer verließ, hält mich nichts. Niemand greift dort nach meiner Hand, zieht mich hinfort aus meinen Abenteuern, und darüber, glaubt mir! Darüber bin ich froh. Was brauch ich Donnerstage, was brauch Herbst und Winter, was brauch denn ein Alter? Ich kann es doch alles gleichzeitig haben! Für immer und sofort! Mein Personalausweis sagt mir, ich sei sechzehn, aber was zählt das? In der wirklichsten Wirklichkeit bin ich zweiundzwanzig, neunzehn, dreiundzwanzig, alles was ich will, und immer, immer adult. Was auch immer das bedeutet: Ich bin frei.
Vor langer, langer Zeit, wenn man das so nennen darf, wollte ich nach Japan. Ich wollte Forscherin werden, ich wollte Gummibärchen. Ich wollte alle möglichen seltsamen Dinge.
Für die Reise hatte ich nicht genügend Geld, für den Beruf die richtigen Noten nicht und für die Gummibärchen fehlte mir die Figur.
Eigentlich müsste ich unglücklich sein und niedergeschlagen. Viele Leute erzählen mir, ich hätte zu nichts Lust, ich sei richtig langweilig geworden. Aber das stimmt nicht. Mir geht es gut, sehr gut sogar. Ich spüre das Leben um mich herum fließen. Ich sehe mich selbst in den strahlenden Gewändern einer Mary Sue und mein Leben gefällt mir, ich bin der Sklaventreiber in einem Rape!RPG und es gefällt mir sehr. Ich bin die einzige deutsche Shipperin eines CrossOver-Pairings, dessen Charaktere in ihren jeweiligen Ursprungswerken nur in Nebensätzen erwähnt werden. Ich könnte ein Patent darauf anmelden. Ich lache und tanze und schreibe und male und fühle mich unendlich, unendlich, unendlich wohl.
Ich träume noch. Ich sitze in einem Boot und schippere auf dem Meer der Zeit, dort wo alle Flüsse einmal hinführen, dort wo weit und breit alles gleich aussieht, wo mir schlecht wird vor lauter Wellen und Sonne. Ich will zurück, zurück in die Unendlichkeit, zurück auf den Fluss!
Am Horizont sehe ich mit Schrecken: Den Rand der Welt, wo ich herunterfallen kann. Eine Kehrtwende gibt es nicht mehr. Dahinter: Alles schwarz. Das Ende: Absehbar. Das Ende: Schwarz. Das Ende: Absehbar.
Und das in einer unendlichen Welt. Und das in einer unsterblichen Welt.
Ich suche nach einer Umleitung zurück ins Leben, zurück in meine vielen virtuellen Leben. Ich sehe keine.
Ich hoffe auf ein schweißnasses Erwachen. Dann werde ich den Einschaltknopf drücken und mich aufs neue in mein Leben stürzen, wo ich glücklich bin und froh und stolz auf mich und wo ich immer bleiben möchte und wo es Umleitungen gibt und wo es ganz viele Umleitungen gibt und wo es immer weiter geht und wo ich neu anfangen kann und wo ich nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie, nie vom Abgrund stürzen kann.
no subject
Date: 2008-02-22 08:29 am (UTC)Ich kann mich da selbt ein Stück weit wiedererkennen und es gab so vieles, worüber man schmunzeln konnte, dass ich es gar nicht alles aufzählen kann. Eine Gechichte voller interessanter Metaphern und schräger In-Jokes.
Dieser verspielte Stream-of-Thoughts Stil passt auch sehr gut zum Inhalt.
no subject
Date: 2008-02-22 02:33 pm (UTC)Ach, ich glaube, ich kann mich da auch etwas drin wiedererkennen XD Schön, dass dir die Story gefällt^^