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Team: Schwarz (Eisberg)
Challenge:  Crack/Humor: Selbsterfüllende Prophezeiung - fürs Team
Fandom: Original (Arbeitstitel: Square-san & Biker-san)
Charaktere: Wolfgang (ein Spießer), Horst (ein Biker)
Wörter: ~1340
Anmerkung: Teil 1, Teil 2.

„Inwiefern ist es für den Transport deiner Maschine relevant, ob ich zur Braut oder zum Bräutigam gehöre?“
Horsts Grinsen vertiefte sich. Je länger Wolfgang sich dagegen sträubte, ihm die Information zu geben, desto interessanter wurde sie. Die Ausrede war schnell gefunden, er brauchte nur der Scheinargumentation weiterzufolgen, mit der er die Diskussion angefangen hatte.
„Na ist doch klar“, behauptete er. „Ich muss deine Spur verfolgen können, falls du mit Susi durchbrennst.“
„Ich hab es nicht nötig, dein Motorrad zu klauen.“
„Du hast selbst gesagt, sie ist ein schönes Mädchen“, wandte Horst ein.
„Sei.“
„Hä?“
„Grammatikalisch korrekt ist: ‚Du hast gesagt, sie sei ein schönes Mädchen’.“
Horst runzelte die Stirn.
„Aber so redet doch keiner.“
„Ich rede so, weil es korrekt ist.“
„Was warst du nochmal von Beruf?“, frotzelte Horst. „Deutschlehrer?“
„Bankkaufmann“, antwortete Wolfgang nüchtern. Horst hatte nicht den Eindruck, dass er selbst bemerkte, wie er sich passend dazu die dünne Brille mit zwei Fingern zurechtrückte. Seine Augenbrauen waren ein bisschen asymmetrisch, fiel ihm auf. Er fragte sich, ob Wolfgang das wusste und ob es ihn wurmte, sich entscheiden zu müssen, ob er seine Brille wasserwaagengerade oder parallel zu den Augenbrauen ausrichten wollte. Bestimmt wusste er’s, spekulierte Horst, und fand die Vorstellung unglaublich charmant.
„Also, was ist jetzt? Braut oder Bräutigam?“, fragte er zum dritten Mal, einfach weil er’s konnte.
Wolfgangs theatralisches Stöhnen ließ ihn auflachen.
„Hör mal, in der Zeit, die du hier mit mir diskutierst, hättest du’s mir längst sagen können. Das Leid wäre kürzer.“
„Wäre es nicht. Die Antwort ist kompliziert.“
„Ich hab Zeit und jede Menge Geduld.“
Tatsächlich hatte er sogar zu viel davon. Jedenfalls hatte das Sabine immer über ihn gesagt. Dass er zu geduldig war – sei? – und deswegen den Arsch nicht vom Sofa kriegte. Aber das stimmte nicht, er hatte immerhin den Arsch hochgekriegt und war hergekommen, zu einer Hochzeit, auf der sich sein schier endlos dehnbarer Geduldsfaden als überlebenswichtig erwiesen hatte.
Wolfgang schien es damit eher nicht so zu haben. Er machte schon wieder den Theatralischen.
„Na komm schon“, ermunterte ihn Horst, „was immer du zu verlieren hast, es kann nicht schwerer wiegen als mein Leben, oder?“
Sein Grinsen bekam etwas Wölfisches, als er die Hand demonstrativ auf Susis Sattel legte.
„Das ist emotionale Erpressung!“, beschwerte sich Wolfgang.
Horst hatte keine Ahnung, was das war. Aber Wolf sah gebildet aus, also würde es schon stimmen. Daher zuckte er einfach zustimmend mit den Achseln. Das sah lässig aus und funktionierte eigentlich immer, wenn er sich nicht verplappern wollte. Seinetwegen musste Wolfgang nicht wissen, dass er ihn für einen klugen, vernünftigen Kerl hielt und seinen Rat daher sowieso befolgen würde.
Und weil er der Klügere von ihnen beiden war, gab er natürlich auch nach.
„Wenn ich’s dir sage, kann ich sicher sein, dass du nicht selbst nach Hause fährst, egal, wie dir die Antwort gefällt?“
„Großes Bikerehrenwort“, schwor Horst selig und klopfte Susi bestätigend auf den Sattel. Das bisschen Alkohol, das er sich im Laufe des Tages zusammengetrunken hatte, wirkte wohl doch langsam.
„Schön“, gab sich Wolfgang geschlagen. „Wo du schon dabei bist, schwör’ mir, dass du’s für dich behalten wirst.“
„Bei Susis Leben!“, verkündete Horst übermütig. Die Sache begann, ihm Spaß zu machen.
„Ich bin Brigittes Plus-Eins.“
Brigitte. Horst überlegte. Wer war das noch? Zu Sabines Mischpoke gehörte sie nicht, da war er sich relativ sicher. Aber bei Johanns Leuten hatte er keinen Überblick.
„Die Cousine vom Bräutigam“, half Wolfgang ihm auf die Sprünge. „Etwa so groß, rote Haare…“
„Oh! Die Dicke!“, freute sich Horst und kassierte dafür wieder dieses Augenrollen, dessen Radius ihn schon drinnen auf dem Klo beeindruckt hatte.
„Warum muss sie eigentlich immer die Dicke sein? Es gibt so viel schönere Schubladen, in die man sie stecken könnte! Sie könnte die rothaarige Brigitte sein, die witzige, die schlagfertige, oder die besser als jeder andere an diesem Abend angezogene Brigitte! Warum muss es immer die dicke Brigitte sein?“
„Ich finde, ‚dick’ ist eine sehr nette Schublade. Bei dicken Frauen hat man schön viel zum Anfassen.“
„Wenn du das sagst.“
Ein Zucken ging durch Wolfgangs Gesicht. Sah aus als würde er sich vor was ekeln. Vielleicht, dachte Horst, hatten gar nicht die anderen das Problem mit Brigittes Figur.
„Wenn du sie nicht schön findest, warum bist du dann mit ihr zusammen?“, fragte Horst in aller Unschuld. Erst das neuerliche Zucken ließ ihn zu dem Schluss kommen, dass er vielleicht doch besser wieder still die Schultern gehoben hätte.
„Wir sind nicht zusammen“, knirschte Wolfgang. „Das ist ja das Problem.“
„Äh, ich glaub, ich kann nicht folgen.“
„Ich… verdammt, ich steh nicht auf Frauen!“ Horst hob die Augenbrauen angesichts der Lautstärke, mit der Wolfgang das verkündete.
„Jeder und sein Hund weiß das!“, fuhr er ärgerlich fort. „Ich hasse es, wenn ich mich in eine Schublade zwängen muss, in die ich nicht gehöre!“
Horst lachte. Er lachte so laut, dass ihm das Bierbäuchlein wippte. Er konnte einfach nicht anders.
Das ist das ganze Drama?!“
„So was kann nur einer sagen, der nicht jahrelang nach seinem Platz im Leben suchen musste! Du machst dir keine Vorstellung davon, wie das ist, wenn du Jahre damit zugebracht hast, jedem klarzumachen, dass du schwul bist, egal wie das den anderen gefällt. Und dann musst du dich plötzlich wieder verbiegen, weil deine beste Freundin nicht schon wieder ohne Mann auftauchen kann!“
„Wenn dich das so stört, warum machst du’s dann?“, erkundigte sich Horst und schob sicherheitshalber ein Schulterzucken nach.
„Das frag ich mich inzwischen allerdings auch“, brummte Wolfgang und nahm einen Schluck aus seiner Wasserflasche. „Ich hätte sie als Single gehen lassen sollen. Das wäre weniger erniedrigend als wenn jemand unsere Farce durchschaute. Diese Hochzeit ist die Hölle!“
So was hatte Wolfgang heute schon einmal gesagt.
Nichts ist so, wie es sein soll!
Horst ging ein Licht auf. Anscheinend hatte Wolfgang nicht nur die Korianderkartoffeln gemeint, die sich als Salzkartoffeln tarnten.
„Selbsterfüllende Prophezeiung“, dachte er den Gedanken zu Ende.
„Bitte?“
„Wenn du die ganze Zeit denkst, dass euch jemand durchschauen wird, dann durchschaut euch jeder, weil du total verkrampfst. Wahrscheinlich ist es längst passiert und du machst dir völlig umsonst ’ne Platte.“
Wolfgang guckte ihn an wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Horst steckte sich die Hände zurück in die Taschen, weil er ihm schon wieder die Frisur glattstreichen wollte, in die ein wenig Wind gekommen war.
„Hm“, machte Wolf schließlich und ließ die Wasserflasche sinken. „Wie sicher bist du dir da?“
„Ziemlich sicher“, befand Horst. „Spießer oder Schwuler. Das ist das Erste, was man denkt, wenn man dich sieht.“
Und wenn man fünf Minuten mit ihm redete, stellte man fest, dass beides stimmte – sagte er nicht, weil er befürchtete, dann vielleicht doch erwürgt zu werden.
Zu seiner Überraschung ging Wolfgang jedoch nicht zur Verteidigung über, sondern schien im Gegenteil sehr angetan von der Feststellung.
„Ich bin ein derart schlechter Lügner“, stellte er mehr fest als er fragte.
Horst nickte bestätigend. „Nichts für ungut. Ich bin sicher, du hast viele andere Stärken.“
„Arme Gitte“, murmelte Wolfgang. Es klang eher erleichtert als beschämt.
„Sie wirkte auf mich jetzt nicht so unglücklich als sie mit Klaus zu Born In The USA abgetanzt ist.“
Wolfgang schnaubte. „Vermutlich nur, weil sie nicht auf den Text gehört hat.“
„Hä?“
„Nicht so wichtig.“
„Na gut.“
Wahrscheinlich wäre es Horst eh zu hoch. Englisch war nicht seine Stärke. Er war eher praktisch veranlagt.
„Da“, sagte er in diesem Sinne und warf Wolfgang den Schlüsselbund rüber, den er beim Händeverstecken eh schon in der Jackentasche gefunden hatte.
Hätte er lassen sollen. Bücherkind das er war, konnte Wolfgang natürlich nicht fangen und musste die Schlüssel vom Boden aufsammeln. Seine gute Laune schien das aber nicht im Mindesten zu trüben.
„So vertrauensselig auf einmal? Willst du nicht wenigstens meinen Führerschein sehen?“
„Nah“, machte Horst. „Schlechter Lügner, Eier aus Stahl. Mehr muss ich nicht wissen.“
Bitte?
„Nicht so wichtig“, beschwichtigte Horst. Er wollte Wolfgang lieber nicht ausgerechnet jetzt, kurz bevor er sich auf sein Motorrad setzte, darauf aufmerksam machen, dass ein Outing vor einem Biker in der Regel lebensgefährlicher war als eine kleine Blamage auf einer Hochzeit.

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