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[personal profile] luinaldawen posting in [community profile] 120_minuten
Team: Schwarz (Eisberg)
Challenge: Krimi/Thriller/Horror - Gesang in der Ferne (fürs Team)
Fandom: Voltron
Charaktere: Keith, Lance, Pidge, Matt


„Alter, wenn ichs dir doch sage! Hier spukt es!“ Keith verdrehte genervt die Augen. Spuk… so ein Blödsinn. Lance hatte schon immer eine blühende Fantasie gehabt und mit seinem Hang zum Melodramatischen war das Chaos eigentlich vorprogrammiert gewesen. Warum hatte er sich nochmal zu dieser dämlichen Urbex-Aktion breitschlagen lassen?
Achja, weil Lance ihn provoziert hatte. Das war alles seine Schuld. „Wer hat jetzt Angst?“, fragte er, woraufhin wenigstens Pidge amüsiert schnaubte. Lance dagegen schien es nicht einmal zu hören. Er starrte lieber konzentriert in die Richtung aus der gerade eben noch das Geräusch zu hören gewesen war. Ein Geräusch, dem Keith keine große Bedeutung beimaß. Sie waren hier schließlich in einem seit gut 10 Jahren verlassenem Gebäude. Wenn hier jemand sang, war es höchstens der Wind oder irgendwelche Obdachlosen, die es hier gemütlicher fanden als draußen.
„Schauen wir uns weiter um?“, fragte Matt, der bis eben noch Fotos mit seinem Handy gemacht hatte.
„Ist das dein Ernst? Keine Chance, dass ich noch länger in diesem Spukhaus bleibe!“
Keith sah Lance an. „Dann geh halt. Du kennst ja den Weg.“
„Allein?! Was ist mit dir? Du hattest doch eh keinen Bock!“
Womit er nicht Unrecht hatte. Es gab eine ganze Menge, was er jetzt lieber tun würde. Im Bett liegen zum Beispiel. Das teilte er sich im Moment zwar nur mit seinem Hund, aber war immer noch ein klares Upgrade hierzu. Aber… „Jetzt bin ich schon mal hier, da kann ichs auch durchziehen.“
„Das machst du doch nur, um mir einen reinzuwürgen.“
„Nimm dich nicht so wichtig.“ Er sah Pidge und Matt an. „Weiter?“
Die Geschwister nickten und im Licht der Taschenlampen war Keith sich ziemlich sicher, dass sie etwas zu viel Spaß an der Sache hatten.

Ihre knirschenden Schritte waren das einzige, was die Stille durchbrach, als sie tiefer in das Gebäude vordrangen. Keith ließ den Lichtkegel seiner Taschenlampe durch die Reste eines Büros schweifen. Viel war nicht mehr übrig. Ein paar halb verschimmelte Möbel. Vergessene Aktenschränke. Überall tanzte Staub im Lichtstrahl.
Jemand hatte eine Ecke freigeräumt, in der Staubschicht waren einige Fußabdrücke zu sehen. Mehr oder weniger frisch. Aber heute war keiner da. Jedenfalls nicht hier.
„Da hast du deine Geister“, meinte er aber trocken an Lance gewandt, der nur etwas Unverständliches murmelte.
„Jaja, mach dich nur über mich lustig…“
Pidge seufzte. „Hört auf rumzuzicken. Gehen wir weiter.“ Als sie weiterging murrte sie: „Warum habe ich euch nur mitgenommen?“
Das fragte Keith sich auch, aber er sagte lieber nichts, während sie langsam in den nächsten Raum gingen. Eine Tür gab es nicht mehr, falls hier überhaupt eine gewesen war. Jetzt fanden sie sich jedenfalls in einem ehemaligen Großraumbüro wieder, von dem aber eigentlich nur noch die Trennwände zu stehen schienen. Neugierig warf Keith einen Blick hinter eine und sah nur eine Menge Staub und Müll. Besonders spannend fand er es gerade wirklich nicht.
Als etwas raschelte, erstarrten alle und ein Lichtstrahl zuckte nervös hin und her. Keith war sich nicht sicher, was Lance damit bezweckte, aber es war unmöglich zu sagen, wo das Geräusch herkam. Dabei konnte er die Nervosität des Freundes gut nachvollziehen. Solche Orte waren nicht sein Fall. Schon gar nicht, wenn da noch komische Geräusche dazukamen. Dabei gab es ganz sicher eine vernünftige Erklärung. Eine Maus. Ganz sicher eine Maus.
„Was ist das?“, flüsterte Lance so plötzlich, dass Keith zusammenzuckte. Hoffentlich hatte das keiner gesehen. Als dann etwas großes viel zu nah an seinen Füßen vorbeihuschte, stolperte er einen zu schnellen Schritt zurück und stieß dabei mit Lance zusammen, der sich immer schön hinter ihm gehalten hatte. Warum auch immer. Der schien das aber gar nicht zu bemerken. „Was WAR das?“
„Nur eine Ratte“, erklärte Pidge trocken und so hörbar amüsiert, dass Keith ihr am liebsten den Hals umgedreht hatte. Lance räusperte sich. „Klar. Was sonst? Ich hatte keine Angst.“
Pidge seufzte. „Nächstes Mal nehme ich Allura mit. Die jammert weniger rum.“
„Hey! Keith war derjenige, der sich erschreckt hat!“
„Hättest du auch, wenn dir plötzlich eine Ratte über den Fuß rennt!“ Was jetzt vielleicht etwas übertrieben war, aber es ging schließlich ums Prinzip. Keith hatte schließlich einen Ruf zu verlieren.
„Seid mal still!“, zischte Matt so unvermittelt, dass es wohl eher die Überraschung war, die alle verstummen ließ. Keith wollte schon fragen, was los war, als er es schon selbst hörte.
Gesang. Mal lauter, mal leiser aber immer irgendwie unwirklich. Traurig, ein wenig sehnsüchtig… Eine eisige Kälte glitt über seine Haut und schien bis in seine Knochen vordringen zu wollen.
„Bitte sagt mir, dass ihr das auch hört…“ murmelte er und die anderen nickten. Als er Pidge ansah, merkte er, dass sie ziemlich blass um die Nase wirkte. Das konnte aber auch am fahlen Licht der Taschenlampen liegen. Trotzdem… das und die Tatsache, dass es Lance die Sprache verschlagen hatte, war gerade wenig beruhigend.
„Hey, es muss dafür eine rationale Erklärung geben“, versuchte Matt etwas zu offensichtlich die Stimmung zu lockern. „Pidge, stand was im Internet dazu?“
„Klar. Darum hab ich das hier ja ausgesucht.“
„Du hast uns in ein Spukhaus geschleppt? Ohne uns zu warnen?“, brauste Lance auf und ausnahmsweise war Keith vollkommen seiner Meinung.
„Blödsinn. Es gibt keine Geister.“ Für jemanden, die gerade eben noch ziemlich erschrocken gewirkt hatte, spuckte sie jetzt ganz schön große Töne.
Aber Keith meinte nur: „Achja? Und wir haben uns das gerade nur eingebildet?“ Und bildeten es sich immer noch ein. Der Gesang wehte immer noch durch das Gebäude. War er vorhin auch schon dagewesen?
„Jetzt fang du nicht auch noch an. Matt hat Recht, dafür gibt’s eine vernünftige Erklärung.“
Keith war sich sicher, dass er nicht der Einzige war, der den Hauch von Unsicherheit in ihrer Stimme hörte. Bevor aber irgendjemand Zweifel äußern konnte, fuhr sie schon überenthusiastisch fort: „Und wir werden die sein, die sie finden!“
Es gab so viele Dinge, die Keith gerade lieber tun würde… genau wie Lance, stellte er fest, als er einen kurzen Blick mit ihm tauschte. Matt dagegen wirkte viel zu interessiert. „Ich wollte schon immer Geisterjäger werden.“ Sein Grinsen war sogar fast überzeugend.
Lance dagegen murmelte an Keith gewandt: „Wenn wir uns jetzt drücken, hängt uns das ewig nach…“
„Ich weiß…“
„Dann wär das ja geklärt“, bestimmte Pidge etwas zu laut für Keiths Geschmack. „Der Gesang kommt von oben.“
Das hatte er irgendwie befürchtet.

Date: 2019-09-14 06:41 am (UTC)
der_jemand: (green)
From: [personal profile] der_jemand
Aww, von wegen keinen Horror schreiben können! Das war eine sehr schön atmosphärische Horrorkomödie. =D
Sehr cool, ich mag wieviel Charakterisierumg du in die kleine Szene packen konntest und der letzte Satz ist super! :)

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