Es gab nur einen Haken dabei...
Feb. 17th, 2008 05:32 pmChallenge: #1 "Was ich schon immer mal sagen wollte"
Fandom: "Catch22"
Personen: Yossarián, Kaplan Tappman
Kommentar: Also ich... ich weiß gar nicht, wie ich das erklären soll. Ich nehme an, das ist wahrscheinlich die einzige FF zu "Catch22" überhaupt. Ich habe gestern mit Nyx den Film gesehen und war sofort wieder geflasht.
Ich nehme mal an, dass kaum einer das Buch kennt, aber wer trotzdem Interesse daran hat, der Artikel auf Wikipedia dazu ist gar nicht mal so schlecht-
http://de.wikipedia.org/wiki/Catch-22
Und achja: Yossarián lebt!
Der Kaplan saß aufrecht und doch entspannt auf seinem Feldstuhl, leicht nach vorne gebeugt und die Handballen auf seine Knie gelegt.
Er konnte sich nicht daran erinnern, wann er das letzte Mal so förmlich und doch entspannt dagesessen hatte. Er hatte das Gefühl, dass es in Ordnung war zu atmen, den Blick im Zelt schweifen zu lassen, nicht zu schwitzen. Und er schwitzte beinahe immer.
In der Ferne donnerten die Propeller von Bombern am Horizont entlang.
Ein Einsatz, den Yossarián hätte mitfliegen müssen. Leider befand der Mann sich nicht an Bord der Maschine, er befand sich direkt hier vor ihm.
Er war vor etwa zehn Minuten in das Zelt gestürmt, so Hals über Kopf, dass der Kaplan schon Angst gehabt hatte, der Mann sei inzwischen völlig toll, hatte Corporal Whitcomp hinausgescheucht und sich auf den Stuhl gesetzt und gesagt: „Ich bewege mich keinen Zentimeter von hier weg.“
Der Kaplan war sich sicher, Yossarián hatte keinen blassen Schimmer davon, welchem Gefallen er ihm getan hatte. Er hatte Corporal Whitcomp aus dem Zelt entfernt, Corporal Whitcomp, in dessen Nähe der Kaplan stets schwitzte, sich am Kragen zerrte, Angst hatte zu atmen, in dessen Nähe immer alles, was er tat und dachte, falsch war. Er hatte sich nie getraut, etwas gegen den Corporal zu sagen.
Und nun war Yossarián wie ein rettender Erzengel ins Zelt gestürmt und hatte ihn befreit. Befreit für zehn Minuten, die dem Kaplan wie die süßeste Ewigkeit überhaupt vorkamen.
„Das hier ist doch wie wenn man in einer Kirche Schutz sucht.“
Yossariáns Worte waren hektisch gewesen, immer wieder hatte er sich umgesehen, ob am Zelteingang nicht jemand stand, der ihn am Schlafittchen nehmen und mich sich zerren würde.
„Ich bleibe hier, Kaplan, und wenn Sie Sich auf den Kopf stellen.“
Yossarián überforderte den Kaplan wie jeder andere Mensch, doch er war tatsächlich der einzige im ganzen Geschwader, der ihn mit Respekt behandelte. Und das, obwohl er der wahrscheinlich egoistischste und verrückteste von dem Haufen war.
Also hatte er ihn sitzen gelassen und versucht, sich mit ihm über sein Wohlbefinden zu unterhalten, was langsam, aber sicher in unsicheres Schweigen ausgeartet war.
„Sie müssen es nochmal bei Major Major versuchen.“, setzte der Mann vor ihm wieder an und strich sich unglücklich über die dreckigen, schwarzen Haare.
„Sie wollen mich alle umbringen. Ich muss vorher verschwinden.“
Der Kaplan wurde rot im Gesicht und räusperte sich umständlich aus Verlegenheit.
„Ich kann Sie verstehen, Captain, aber ich fürchte, dass ich den Major nie jemals zu Gesicht bekommen werde.“
Yossarián sah ihn müde an, mit einem Gesichtsausdruck, der „Auch du, Brutus!“ sagte und der dem Kaplan das Herz in die Hose rutschen ließ.
Der überlegte fieberhaft. Er konnte es nicht zulassen, dass man einen rettenden Engel, sei er nun verrückt oder nicht, hier über dem Meer oder dem Boden abschoss.
Er musste an die Szene mit Corporal Whitcomp von eben zurückdenken, der sich aufgeblasen hatte wie ein eitler Hahn und den Yossarián mit einem „Mach, dass du wegkommst, du Sauhund!“ davongejagt hatte. Einen Corporal.
„Ich...“, setzte der Kaplan an und schluckte leise.
„Ich kann es ja mal direkt bei Colonel Cathcart versuchen.“, murmelte er.
„Oder vielleicht sogar General Dreedle. Bei so vielen Feindflügen- wie viele waren es nochmal?- bei so vielen Feindflügen muss man Ihnen einen Marschbefehl geben.“
Yossarián ignorierte die Zwischenfrage.
Er schaute wieder auf, starrte den Kaplan müde und hoffnungslos, dennoch ein wenig erleichtert, an und nickte schließlich schwach.
Der Kaplan fühlte sich dem einzigen Menschen, der ihn mit Respekt behandelte, sehr verbunden und nahe.
Er legte sanft und väterlich eine Hand auf Yossariáns und tätschelte sie unbeholfen wie man einen Gast auf einer Beerdigung tätschelt.
„Tun Sie, was Sie können.“, sagte Yossarián und blinzelte nicht einmal.
Seine Hand war rau und schmutzig.
Er bedankte sich nicht, er lächelte auch nicht.
Und doch fühlte der Kaplan sich so wohl wie seit Jahren, vor denen er seine Familie hatte verlassen müssen, nicht mehr.
Er wollte ihm auf die Schulter klopfen und sagen: „Was ich Ihnen schon immer mal sagen wollte: Sie Sind ein toller Kerl.“
Er versuchte es, er hob die Hand und ließ sie für einen Bruchteil einer Sekunde in der Luft schweben als wäre sie an einem Marionettenfaden befestigt.
Und dann sagte er es doch nicht.
Vielleicht würde er bald wieder anfangen zu schwitzen.
Fandom: "Catch22"
Personen: Yossarián, Kaplan Tappman
Kommentar: Also ich... ich weiß gar nicht, wie ich das erklären soll. Ich nehme an, das ist wahrscheinlich die einzige FF zu "Catch22" überhaupt. Ich habe gestern mit Nyx den Film gesehen und war sofort wieder geflasht.
Ich nehme mal an, dass kaum einer das Buch kennt, aber wer trotzdem Interesse daran hat, der Artikel auf Wikipedia dazu ist gar nicht mal so schlecht-
http://de.wikipedia.org/wiki/Catch-22
Und achja: Yossarián lebt!
Der Kaplan saß aufrecht und doch entspannt auf seinem Feldstuhl, leicht nach vorne gebeugt und die Handballen auf seine Knie gelegt.
Er konnte sich nicht daran erinnern, wann er das letzte Mal so förmlich und doch entspannt dagesessen hatte. Er hatte das Gefühl, dass es in Ordnung war zu atmen, den Blick im Zelt schweifen zu lassen, nicht zu schwitzen. Und er schwitzte beinahe immer.
In der Ferne donnerten die Propeller von Bombern am Horizont entlang.
Ein Einsatz, den Yossarián hätte mitfliegen müssen. Leider befand der Mann sich nicht an Bord der Maschine, er befand sich direkt hier vor ihm.
Er war vor etwa zehn Minuten in das Zelt gestürmt, so Hals über Kopf, dass der Kaplan schon Angst gehabt hatte, der Mann sei inzwischen völlig toll, hatte Corporal Whitcomp hinausgescheucht und sich auf den Stuhl gesetzt und gesagt: „Ich bewege mich keinen Zentimeter von hier weg.“
Der Kaplan war sich sicher, Yossarián hatte keinen blassen Schimmer davon, welchem Gefallen er ihm getan hatte. Er hatte Corporal Whitcomp aus dem Zelt entfernt, Corporal Whitcomp, in dessen Nähe der Kaplan stets schwitzte, sich am Kragen zerrte, Angst hatte zu atmen, in dessen Nähe immer alles, was er tat und dachte, falsch war. Er hatte sich nie getraut, etwas gegen den Corporal zu sagen.
Und nun war Yossarián wie ein rettender Erzengel ins Zelt gestürmt und hatte ihn befreit. Befreit für zehn Minuten, die dem Kaplan wie die süßeste Ewigkeit überhaupt vorkamen.
„Das hier ist doch wie wenn man in einer Kirche Schutz sucht.“
Yossariáns Worte waren hektisch gewesen, immer wieder hatte er sich umgesehen, ob am Zelteingang nicht jemand stand, der ihn am Schlafittchen nehmen und mich sich zerren würde.
„Ich bleibe hier, Kaplan, und wenn Sie Sich auf den Kopf stellen.“
Yossarián überforderte den Kaplan wie jeder andere Mensch, doch er war tatsächlich der einzige im ganzen Geschwader, der ihn mit Respekt behandelte. Und das, obwohl er der wahrscheinlich egoistischste und verrückteste von dem Haufen war.
Also hatte er ihn sitzen gelassen und versucht, sich mit ihm über sein Wohlbefinden zu unterhalten, was langsam, aber sicher in unsicheres Schweigen ausgeartet war.
„Sie müssen es nochmal bei Major Major versuchen.“, setzte der Mann vor ihm wieder an und strich sich unglücklich über die dreckigen, schwarzen Haare.
„Sie wollen mich alle umbringen. Ich muss vorher verschwinden.“
Der Kaplan wurde rot im Gesicht und räusperte sich umständlich aus Verlegenheit.
„Ich kann Sie verstehen, Captain, aber ich fürchte, dass ich den Major nie jemals zu Gesicht bekommen werde.“
Yossarián sah ihn müde an, mit einem Gesichtsausdruck, der „Auch du, Brutus!“ sagte und der dem Kaplan das Herz in die Hose rutschen ließ.
Der überlegte fieberhaft. Er konnte es nicht zulassen, dass man einen rettenden Engel, sei er nun verrückt oder nicht, hier über dem Meer oder dem Boden abschoss.
Er musste an die Szene mit Corporal Whitcomp von eben zurückdenken, der sich aufgeblasen hatte wie ein eitler Hahn und den Yossarián mit einem „Mach, dass du wegkommst, du Sauhund!“ davongejagt hatte. Einen Corporal.
„Ich...“, setzte der Kaplan an und schluckte leise.
„Ich kann es ja mal direkt bei Colonel Cathcart versuchen.“, murmelte er.
„Oder vielleicht sogar General Dreedle. Bei so vielen Feindflügen- wie viele waren es nochmal?- bei so vielen Feindflügen muss man Ihnen einen Marschbefehl geben.“
Yossarián ignorierte die Zwischenfrage.
Er schaute wieder auf, starrte den Kaplan müde und hoffnungslos, dennoch ein wenig erleichtert, an und nickte schließlich schwach.
Der Kaplan fühlte sich dem einzigen Menschen, der ihn mit Respekt behandelte, sehr verbunden und nahe.
Er legte sanft und väterlich eine Hand auf Yossariáns und tätschelte sie unbeholfen wie man einen Gast auf einer Beerdigung tätschelt.
„Tun Sie, was Sie können.“, sagte Yossarián und blinzelte nicht einmal.
Seine Hand war rau und schmutzig.
Er bedankte sich nicht, er lächelte auch nicht.
Und doch fühlte der Kaplan sich so wohl wie seit Jahren, vor denen er seine Familie hatte verlassen müssen, nicht mehr.
Er wollte ihm auf die Schulter klopfen und sagen: „Was ich Ihnen schon immer mal sagen wollte: Sie Sind ein toller Kerl.“
Er versuchte es, er hob die Hand und ließ sie für einen Bruchteil einer Sekunde in der Luft schweben als wäre sie an einem Marionettenfaden befestigt.
Und dann sagte er es doch nicht.
Vielleicht würde er bald wieder anfangen zu schwitzen.
no subject
Date: 2008-02-17 05:12 pm (UTC)(Viel gesprochen, aber nichts gesagt XD)
Win! I luv it! Moar! XDD
no subject
Date: 2008-02-17 05:27 pm (UTC)Ich finde, du hast den Charakter des Kaplan toll getroffen! X3 Irgendwie ist es, als würde man das echte Buch lesen xD
no subject
Date: 2008-02-17 06:35 pm (UTC)Ich glaub, ich werd mir auch das Buch dazu besorgen- das macht wirklich Lust auf mehr! ^_~
no subject
Date: 2008-02-17 09:17 pm (UTC)Ja, mach das =)
Es ist zwar etwas schwer zu lesen, aber einfach unglaublich.
=)