Team: Weiß (Titanic)
Challenge: AUs: Seelenverwandte [fürs Team]
Fandom: Original
Wörter: 1.007
Sprache: Deutsch
Warnungen: bisher sehr harmlos
Inhalt: Kira fürchtet, ihr Verfolger hat sie gefunden.
Anmerkungen: Idee ist nicht meine, sondern ich hab sie von einem Tumblr-Post, den ich leider nicht mehr finden kann :( (wenn jemand nen Link hat, wäre ich sehr dankbar!). Wird irgendwann zu Femslash, nehme ich mal an. Falls ich die zig Mehrteiler irgendwann alle weiterschreibe *hust*
Von all den Jahrzehnten des zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhunderts mochte Kira bisher das aktuelle am liebsten. Bei der Flut an Informationen, der gigantischen menschlichen Population und all der Angebote und Werbungen war es ein Leichtes, eine anonyme Gestalt zu bleiben. Falsche Informationen waren leichter denn je gesäht und unterzutauchen war bei den richtigen Kontakten nicht allzu schwer. Um all diese Sicherheitsvorkehrungen kam Kira nicht drumrum. Es war zu gefährlich, auch nur einen kleinen Brotkrumen übrig zu lassen, der ihren Verfolger auf ihre Spur bringen konnte.
Doch heute war sie bereits mit einem verheißungsvoll mulmigen Gefühl aufgewacht und es war im Laufe des Tages nicht besser geworden. Die Härchen in ihrem Nacken stellten sich ständig auf und sie hatte am Laufenden Band Gänsehaut.
Früher einmal, als sie noch jung und so so naiv war, hätte sie diese Vorahnungen vielleicht ignoriert, abgetan als Hirngespinste, als Einbildung hervorgerufen durch ihre Sorge, ihr Verfolger könnte sie doch eingeholt haben.
Heute war sie schlauer.
Die Dämmerung war bereits eingebrochen und die Straßenlaternen eingeschaltet, obwohl sie bei dem Dämmerlicht kaum etwas ausrichteten. Bis auf die Laterne links direkt neben dem Eingang zu ihrem Wohnungskomplex, die schon seit mindestens einer Woche defekt war. Heute flackerte sie bedrohlich.
Kira zerknüllte ihre Wohnungsschlüssel wie ein Stück Papier und entschied sich anders, ging am Eingang vorbei weiter die Straße entlang und bog in eine Seitengasse, die weit weniger erleuchtet war, sodass Kira kaum mehr erkennen konnte als Schemen. Einige Minuten ging sie die Straße entlang, bis sie scheinbar in einer Sackgasse voller Bäume und Sträucher endete. Ging man jedoch an der Backsteinmauer der Garage am letzten Haus vorbei, konnte man den kleinen Pfad erkennen, der nach links abging und sich in einem Bogen um die Sträucher und Bäume herum wand. Kira folgte ihm ohne langsamer zu werden.
Sie hatte nie gelernt, durch Gestrüpp und im Wald zu schleichen, und so Raschelte und Knackte es in einer Tour als sie über Äste und Gestrüpp stapfte und besonders fiese Sträucher mit Dornen ihre Hose streiften und kurz an ihr hängen blieben. Dennoch fand sie es nicht schwer, die Geräusche, die sie selbst verursachte, von den Geräuschen ihres Verfolgers zu unterscheiden. Ihre eigenen waren zwar lauter und häufiger, doch auch ihr Verfolger war kein Experte.
Ihr Verfolger holte sie die ganze Strecke lang nicht ein, bis sie auf der anderen Seite wieder herauskam. Ziemlich nah am Ufer des Flusses. Es gab kaum Wind an diesem Abend und das sanfte Rauschen des Wassers war gut zu hören, wenn man sich konzentrierte und es nicht ausblendete.
Nicht weit vom Ufer entfernt blieb Kira abrupt stehen und wirbelte herum.
Es war die andere Person, die erschrocken zusammenfuhr.
“Sorry, ich wollte nicht-”, fing sie an und strich sich nervös ihr blondes Haar hinter die Ohren. Ihr Blick hüpfte umher, landete nie in Kiras Gesicht. Es war Kira so vertraut und doch konnte sie sich nie daran gewöhnen. Wie ihr eigener Körper darauf reagierte. Jedes Mal ging eine Art Ruck durch ihre Glieder und ihre Haut kribbelte, als hätte sie endlich gefunden, wonach sie gesucht hatte. Ihr Herz zog sich zusammen und wollte nichts sehnlicher, als näher heran, als wüsste es, es würde endlich Ruhe finden, weil es sein Zuhause gefunden hatte.
Doch Kira würde niemals Ruhe finden. Sie würde dieses Szenario in vielen verschiedenen Varianten immer wieder wiederholen, ad absurdum. Und das alles nur, weil sie ihrem Schicksal entfliehen wollte. Weil sie nicht verlieren wollte, was sie sich so mühsam aufgebaut hatte, die ganzen Jahrhunderte.
“Es war so schwer, dich zu finden, ich- ich glaubs nicht, dass ich dich tatsächlich gefunden habe… wow”, sagte ihr Gegenüber leise, sanft, mit ganz leicht bebender Stimme, an der Kira erkannte, dass es auch ihr genauso ergehen musste.
“Es war schwer, mich zu finden, weil ich nicht gefunden werden wollte…”, erwiderte Kira. Das tat sie jedes Mal. Auf jede erdenkliche Art und Weise hatte sie es bereits versucht. Wütend, freundlich, schüchtern, vorwurfsvoll - es hatte nie den Effekt, den Kira sich gewünscht hätte.
Die Augen ihres Gegenüber weiteten sich. Kira konnte bei dem verschwindenden Dämmerlicht kaum noch erkennen, dass sie tiefblau waren. Eigentlich eine Verschwendung, wenn sie es Kira nicht abverlangen würde, das zu tun, was sie jedes Mal tat.
“Aber warum-? Bist du in Schwierigkeiten?”
Kira seufzte. “Nein, ich wollte von dir nicht gefunden werden.”
Einige Momente verstrichen, ohne dass ihr Gegenüber etwas sagte. Sie sah aus, als würde sie nicht ganz folgen. Etwas, das ebenfalls jedes Mal aufs Neue passierte.
“Aber warum…?”
“Weil ich keine Seelenverwandte will.” Kira kramte die Pistole aus ihrer Handtasche und kontrollierte den Schalldämpfer. Alles war an seinem Platz. Ohne Umschweife richtete sie die Pistole auf ihren Gegenüber. Auf Luise Dabel, ihre unfreiwillige Seelenverwandte.
Normalerweise hob Luise immer abweherend die Hände und versuchte, sie zu beschwichtigen. Aber nicht dieses Mal. Nein, sie musste sich den heutigen Tag aussuchen, um vom Skript abzuweichen.
Sie zog ihre eigene Pistole, ohne Schalldämpfer, und richtete diese ihrerseits auf Kira.
“Ich hatte befürchtet, dass so etwas passiert. Davon hört man heutzutage ab und zu, weißt du”, sagte Luise. Ihre Stimme zitterte, doch ihre Hand war ruhig.
Es war seltsam. Kira konnte sich nicht erklären, warum sie keinerlei negative Emotionen trafen. Sie fühlte sich geradezu freudig überrascht, beinahe schon stolz, doch stolz auf was, das konnte sie nicht sagen. Auch das Zucken ihres Mundwinkels konnte sie nicht unterdrücken. Luise musste es gesehen und richtig als kleines Lächeln interpretiert haben.
Kira senkte ihre Waffe. “Ich muss sagen, du hast mich überrascht.”
Auch Luise lächelte nun und senkte ihre eigene Waffe. “Zum ersten Mal?”
Kira lächelte nun richtig. “Zum ersten Mal seit wir uns kennen.”
“Dann wird dich vielleicht auch mein Angebot überraschen”, fuhr Luise fort. “Gib mir ein Jahr, dich umzustimmen. Wenn du dann immer noch nicht mit mir zusammen sein willst, verlasse ich dich freiwillig, ohne Blutvergießen.”
Kiras Lächeln starb. Es war ein gutes Angebot. Zu gut, bei ihrer gemeinsamen Geschichte. Doch so gut, dass Kira es nicht abschlagen konnte.
“Deal”, hörte Kira sich selbst sagen, auch wenn es sich anfühlte, als machte sie einen Deal mit dem Teufel.