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[identity profile] nyx-chan.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Schwarz
Challenge: Genre+Kartoffel - Piraten (für mich)
Fandom: Original
Anmerkung: Ich hab 90% meines Gehirns beim Eingang gelassen, um das schreiben zu können, ohne es in eine Abhandlung zu verwandeln... Entsprechend ist es geworden.

Heuer an, haben sie gesagt.
Das wird lustig, haben sie gesagt.
Und John Brown hatte es auch noch geglaubt.

Inzwischen waren es fast 3 Jahre vergangen seitdem er seine Mutter und Geschwister das letzte Mal gesehen hatte und er hatte immer noch weder Reichtum, noch Ruhm, noch in jedem Hafen eine Frau. Stattdessen war er nicht mehr nur einer der Schiffsjungen - bis es den nächsten Idioten erwischte und er aushelfen musste. Vielleicht hatte er Glück, vielleicht war John auch einfach nicht lebensmüde genug für diesen Job. John hätte sich um das zu wenig Acker und die drei sterbenden Ziegen kümmern sollen, wie seine Mutter ihn darum gebeten hatte.
Es herrschte Trubel auf dem Kai des kleinen Hafens. Die Mannschaft schleppte Kisten, Ballen, Fässer und Sklaven vom Schiff und belud gleichzeitig mit neuer Fracht. All das musste John beobachten. Fiebrig von seiner Fleischwunde und angefressen für zehn saß er auf einem Fass mit seinem Langdolch in der verkrampften Hand. Eine Aufgabe, die ihm der Quartiermeister George Taylor selbst übergeben hatte. “Bleib auf dem Fass und lass keinen ran”, war die klare Anweisung gewesen. Das würde John schon hinkriegen.
Das Hin und Her der Mannschaft war monoton genug, um die Zeit vergessen zu lassen. Oder das Fieber begann an ihm zu nagen, während er nach und nach Wasser aus seinem Schlauch nippte. Als zu all dem Trubel auch noch Fremde hinzugesellten, die nach und nach die ausgeladene Ware wegtrugen, versuchte sich John zur Aufmerksamkeit zu tadeln. Es würde ihn schon keiner auf seinem Fass wegtragen, denn er würde auch niemanden die Chance zu lassen. Hin und wieder führte John kleine Stich- und Parierführungen mit seinem Dolch durch und schnitt sich ein Mal fast in den Oberschenkel. Danach beließ er es doch für den Härtefall und seinem Überlebenswillen, der schon sein übliches Wunder tätigen würde. Als Tom sich dann wortlos ihm näherte und schon einige Fuß vor ihm anfing John von seinem Fass verscheuchen zu wollen, hob John seinen Dolch.
“Ey, was willst du?”, maulte er und versuchte sich besonders groß zu machen.
“Verschwinde, Johnny, geh woanders krepieren”, murrte Tom und war drauf und dran ihn zu packen und einfach vom Fass zu werfen. John fühlte sich bestätigt, warum er Tom noch nie leiden konnte. Es schien auf Gegenseitigkeit zu beruhen.
“Mal nicht so schnell, Großer, Taylor selbst hat mich hier als Wache gesetzt! Keiner soll ran, sagte er, KEINER!” John fuchtelte etwas mit seinem Dolch und kassierte einen unamüsierten, irritierten Blick.
Bevor Tom doch handgreiflich werden konnte, kam George Taylor hinzu und John begann sich sofort zu beschweren: “Der will an mein Fass!”
Taylor trat ohne Zögern an John heran und nahm ihm den Dolch ab, den er sich in den Gürtel steckte. “Ok, Brown, komm schon runter, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit.” Er war schon im Begriff sich auf der Ferse umzudrehen als er merkte, wie John sich nicht vom Fass bewegte. “Jetzt”, setzte er genervt nach.
Es dauerte etwas ehe John die Kraft hatte, sich vom Fass zu schieben, aber mit der grobmotorischen und wenig sensiblen Hilfe von Tom hatte er so viel Schwung, dass er fast auf dem Kai landete. Mit einem zufriedenen Grunzen wandt sich Tom dem Fass zu, das er zur Seite kippte und zum Schiff rollte. Es rumorte aus dem Bauch des Fasses, als würden dumpfe Steine darin herumrollen.
Taylor und John sahen dem Fass fast schon nachdenklich hinterher.
“Das klang nicht wie Gold”, sagte John matt und fühlte sich enttäuscht. Irgendwann hatte er sich darauf fixiert gehabt, dass er auf einem Goldschatz saß, von dem keiner etwas wissen durfte. Gold, das die Spanier aus diesem neuen Land herausgeholt haben. Hin und wieder hatte er es bei den Beuten gesehen. Es hätte wieder sein können, schließlich war es spanische Beute gewesen.
Als Antwort bekam er nur ein Lachen von Taylor. Er richtete seine Weste und Gürtel und klopfte John leicht auf die Schulter, bevor der ihm wirklich auf dem Kai zusammenbrach. “Nein, definitiv kein Gold! Aber was Exotisches, das wir der Königin bringen können und wofür die Spanier Interesse zeigten.”
John sah zum Quartiermeister mit offener Neugierde an. Vielleicht würde John doch noch an seinen Ruhm und Reichtum kommen, wenn die Königin es als wertvoll erachtete und er als wichtiger Wächter dieses Gutes sicherlich vom Kapitän bedacht werden würde. Vielleicht. “Was?”, hauchte er.
“Eine komische, unschöne Frucht. Pakara oder Patata oder irgendwie ähnlich nennen sie die Spanier und Wilden. Irgendwas daran soll besonders sein. Aber da weiß Jacob mehr. Vielleicht erzählt er es dir, solltest du gesund werden. Ehrlich, John, du siehst fürchterlich aus. Ich weiß nicht, ob wir dich mitnehmen können in dem Zustand.”
“Aber wir fahren nach England zurück!” Demonstrativ richtete sich John so gerade wie möglich auf und starrte mit aufgerissenen, entschlossenen Augen den Quartiermeister an. “Das schaff ich jetzt auch noch.” Mit starrem, wackeligen Schritten marschierte John Richtung Planke.
“Unverwüstlich”, murmelte Taylor und überlegte den Bursch zu erlösen, indem er ihn gleich ins Wasser warf.

Date: 2019-08-28 02:25 pm (UTC)
servena: (Default)
From: [personal profile] servena
Oh, ich mag den Humor hier, besonders den letzten Satz!
Und Kartoffeln waren damals schon ziemlich besonders, John darf sich also vielleicht doch wichtig fühlen. ;)

Date: 2019-08-28 07:55 pm (UTC)
From: [identity profile] tsutsumi.livejournal.com
Wundervoll und so niedlich! Der arme kleine John. Ich hatte ja das Vorwort gelesen, aber dann die Kartoffel sofort wieder vergessen - damit wurde die Erwähnung nachher ein richtig guter Twist. XD Kartoffeln, das neue Gold!

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