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[identity profile] nyx-chan.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Schwarz
Challenge: Romantik/Intimität – Auf den zweiten Blick (für mich)
Fandom: Hereos of Olympus (PokémonGO-AU)
Charaktere: Annabeth, Clarisse
Anmerkung. Das Prequel hierzu quasi.



Es begann bereits zu dämmern und eigentlich war Annabeth knapp im Zeitrahmen für ihre Feierabendroutine, die etwas kochen, etwas aufräumen, etwas Sport und etwas Ablenkung beinhalten sollten. Eigentlich versuchte sie auch Meditation, aber ehrlich, wer hatte schon die Ruhe und Zeit für Medidation, wenn man auch noch seinen Abwasch machen musste und nicht vergessen sollte, die eine oder andere Rechnung zu bezahlen oder im Internet ein Geschenk für die Stiefmutter zu bestellen? Je knapper ihre Feierabende wurden, desto schwieriger wurde es für sie, dies einzuhalten. Je frustrierter sie von der Arbeit kam, desto schwieriger wurde es dies einzuhalten. Umso weniger verstand sie sich selbst, als sie statt nach dem nötigen Wäscheabhängen nicht um den eingeplanten Sport kümmerte, sondern stattdessen hast ihre Turnschuhe anzog und heruntereilte. Wenn jemand fragen würde, hätte sie gute Entschuldigungen wie „Ich wollte mal wieder Joggen“ oder „Ich sitze den ganzen Tag im Büro, da tut mir ein Abendspaziergang gut“. Aber es war selbst ihrem routinierten Selbstbetrug zu fadenscheinig. Es war albern. Es war völlig albern in den kleinen Park nebenan zu hasten und zu erwarten in jemanden reinzurennen. Nur, weil es eine übliche Uhrzeit war, nur weil sie sah, dass ein Arenakampf in Gange war.
Als sie die Grünanlage betrat und etwas schneller atmete, wusste sie, dass es nicht vom kleinen Sprint war, auch wenn das für Außenstehende plausibel wäre. Falls sie jemand bestimmtes fragen würde, könnte sie das sagen. Stattdessen pumpte das Adrenalin. Sie wollte ihren Arbeitsfrust nicht mit Pilates oder ein paar Kickboxübungen abbauen, sie wollte jemanden in die Ecke drängen, sie wollte kämpfen und sie wollte triumphieren – wenigstens hier.

Clarisse sah von ihrem Smartphone verdutzt auf und begann zu lachen. „Hast du irgendwie einen Alarm eingebaut oder so?“

Das war eine valide Frage und Annabeth brauchte einen Moment zu lange, um darauf zu antworten. „Zufall.“

„Darum bist du gerannt?“

„Gejoggt.“

Clarisse wiegte den Kopf kurz zu Seite und grinste Annabeth weiterhin an, als hätte sie sie schon längst durchschaust. „Wenn du meinst, Blondie.“ Sie stand auf, steckte sich das Smartphone in die Hosentasche und verrenkte kurz ihren Hals, bis es laut knackte. „Wenn du schon hier bist: Hast du Lust auf ein Bier? Mein Akku ist gleich tot, also hättest du eh nicht viel von mir. Außerdem...“ das Grinsen wandelte sich in ein schiefes Lächeln und Clarisse zuckte mit einer Schulter. „Wenn wir einander schon so ein gutes Match liefern, könnten wir auch drauf anstoßen.“

Annabeth sah sie verdattert an und verarbeitete die Informationen. „Ich hab kein Geld mit!“, wandt sie ein.

„Ich lade dich ein.“

„Wenn ich es dir das nächste Mal zurückzahlen kann“, beschloss Annabeth und kniff die Augenbrauen zusammen.

Clarisse musste wieder breit grinsen. „Dafür finden sich sicherlich verschiedene Möglichkeiten.“

Im letzten Moment konnte sich Annabeth die Rückfrage verkneifen, als in ihrem Kopf sich mögliche Antworten überschlugen, von unschuldigen Gefallen zu überzogenen Gegenleistungen bis hin zu Aufmerksamkeiten anderer Natur. Annabeths Adrenalinspiegel bekam einfach keine Chance sich wieder zu senken.
„Ok“, antwortete sie stattdessen simpel, ehe sie zu viel darüber nachdachte und es sich andersüberlegte.


Die kleine Kneipe, die an den Platz angrenzte und von außen immer einen absolut schäbigen Eindruck machte, war auch von innen schäbig, aber auf eine charmante Art und Weise. Von selbst wäre Annabeth nie reingegangen und wusste noch nicht so recht, was sie davon hielt, Clarisse hineinzufolgen. Sie kannte sie nicht. Was wusste sie schon über sie, außer, dass sie einen merkwürdigen Tagesrhyhthmus hatte, mindestens genauso wie sie besessen von Wettkampf auf einem gelegentlich ungesundem Niveau und dass sie größer war, kräftig gebaut, einschüchternd wirken konnte, mit einem manchmal einfachen Humor.

„Irgendwelche speziellen Wünsche?“, fragte Clarisse sie, als sie mehr oder minder in der Mitte des Raumes standen. „Sonst hol ich uns was von der Bar und du suchst schon einen Platz.“

In Annabeth schrie das Bedürfnis nach Kontrolle und sah sich schon um, wo es mögliche Informationen gab. Beim Absuchen blieb sie an Clarisse hängen und sah zu ihr auf. Was auch immer sie vorhin angeschoben hatte, bekam es wieder hin und Annabeth ließ sich drauf ein.
„Ok.“

Es gab nicht mehr all zu viel Auswahl an völlig freien Tischen, also steuerte sie den an, der ihr am ruhigsten erschien. Bis Clarisse zurückkam mit zwei kalten Flaschen hatte Annbeth genug Zeit sich in der Kneipfe umzusehen und einen ersten Eindruck der durchwachsenen Deko aus Emailleschildern, alten Radios und einem Hirschgeweih aufzunehmen.

Statt des direkt vor ihr abzusetzen hielt Clarisse ihr das Flaschenbier mit einem Grinsen hin, bis Annabeth es annahm. Bevor sie sich setzte und Annabeth die Chance hatte es abzustellen stieß Clarisse vorsichtig ihre Flasche gegen ihre.
„Auf den Wettkampf“, toastet sie.

„Auf den Wettkampf“, wiederholte Annabeth und konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Es war schön jemanden zu treffen, der ihren Wetteifer zu verstehen schien. Das zwischen Percy und Jason war eine komische Kiste zwischen Kerlen und hatte nichts mit dieser allgemeinen Freude eines guten Kampfes zu tun, wo man Strategien entwickeln musste, den Gegner studieren, aufmerskam sein, das Beste aus sich rausholen.
Annabeth nahm genüsslich einen Schluck vom Bier und ließ den bitteren Geschmack auf der Zunge zergehen. Etwas in ihr löste sich endlich und sie konnte sich entspannter in den Stuhl sinken lassen.
„Was machst du eigentlich sonst so, wenn du mich nicht aus Arenen kickst?“, fragte Annabeth offensiv und beobachtete Clarisse sorgsam.

Die Frage schien die andere weder aus der Ruhe zu bringen, noch gänzlich einfach von den Lippen zu gehen. Nach kurzem Zögern, das Clarisse mit einem weiteren Schluck kaschierte, antwortete sie: „Derzeit nicht viel. Ich bin eigentlich in der Armee.“

Das machte verdammt viel Sinn.
„Machst du grad Urlaub?“

Ihre Blicke trafen sich und Annabeth sah den Widerstand in Clarisse, aber auch die Aufmerksamkeit, mit der sie versuchte ihren Gegenüber einzuschätzen.
„Verwundet im Einsatz. Ist aber schon eine Weile her. Trotzdem muss ich noch warten, bis ich zurückdarf.“

„Du klingst nicht sehr glücklich darüber“, stocherte Annabeth nach und konnte die Finger nicht von ihrer kalten Flasche lassen.

Mit einem entnervten Stöhnen ließ sich Clarisse gegen die Stuhllehne fallen und sank tiefer in den Sitz. „Natürlich nicht – ist doch ätzend! Was soll ich hier? Ist doch zum Kotzen! Ich langweile mich zu Tode, selbst wenn ich es nutze, um Freunde zu besuchen. Ich will zurück zu meiner Einheit.“

Fasziniert beobachtete Annabeth die vielen Gesichtsausdrücke, die ihr Clarisse lieferte – von Gelassenheit und leichter Wehmut bis hin zu Frust. Neue Facetten zu ihrer sonst hämisch-kindlichen Freude, wenn sie einander wieder im Park trafen. Annabeth wurde sich dem merkwürdigen Prozess bewusst, wie aus dieser Nachbarschaftsrivalin, die ihr täglich einen Grund gab, ein paar Umwege zu laufen und sich irgednwo hineinsteigern zu können, nur für 5 Minuten sich kindisch über jemand anderen ärgern, den man unangespitzt in den Boden rammen will, zu einer Person, zu einer jungen Frau, etwa ihr Alter, mit einem völlig anderen Beruf, einem anderen Leben, mit mehr als nur Häme und Ehrgeiz. Während Clarisse sich mit der Flasche beschäftige und wieder runterkühlte, nutze Annabeth die Chance sie genauer anzusehen, mit ihrer sportlichen Kleidung, dem kurzen braunblonden Haar und breiten, expressiven Gesicht. Sie war noch ganz vertieft, als Clarisse aufsah, zu ihr, und sie sich nur ansahen. Nicht ihr breites Grinsen, sondern erst ihre Frage rissen Annabeth aus dem unhöflichen Starren: „Hab ich dich verschreckt mit der Berufsinfo oder gefällt es dir so gut, was du siehst?“

Annabeth schnaubte automatisch, verdrehte die Augen und griff nach ihrem Bier, von dem sie einen ordentlichen Schluck nahm. „Warum sollte mich ein Berufssoldat verschrecken? Es ist ein Beruf wie andere, wenn auch ein sehr riskanter.“

„Also ist es zweites.“

„Es ist gar nichts, ich war einfach in Gedanken versunken, das ist alles.“

Clarisse schien nicht weiter nachbohren zu wollen, aber ihr Blick verriet, dass die Sache für sie noch nicht geklärt war. Annabeth versuchte sich davon nicht nervös machen zu lassen und war dankbar für eine andere Frage: „Was machst du, Blondie?“

„Architektin. Oder ich strebe es an. Derzeit bin ich noch Mädchen für alles in dem Büro, in dem ich angefangen habe.“

Statt einer verbalen Antwort sah Clarisse sie nur einen Moment länger an und verzog den Mund zu einer Miene. „Interessant. Das wäre nicht meine erste Idee gewesen.“

Annabeth horchte auf und fragte möglichst nicht zu offenkundig neugierig: „Auf was hast du getippt?“

Erst zuckt sie mit den Schultern ehe sie antwortete. „Jurist vielleicht? Keine Ahnung.“

„Jurist?“, stutzte Annabeth.

„Na ja, die ganze selbstbewusste Art, das nicht verlieren können, schlechte Witze – könnte ein Jurist sein“, erklärte Clarisse mit etwas Genugtuung und Amüsement.

Annabeth schnaubte wieder und fixierte ihre Bierflasche. „Das hat mit Temperament wenig zu tun. Mir macht Konstruieren Spaß. Gebäude haben was ganz Eigenes. Ich kann es schlecht erklären, aber ich liebe meinen Job.“

„Hast du schon etwas entworfen, das gebaut wurde?“

„Nein, noch lange nicht“, antwortete Annabeth mit einem Seufzen. „Du hast vermutlich eher eine coole Narbe vorzuzeigen als ich eine langweilige Barracke.“

Ehe sich Annabeth versah schob Clarisse in ihrer zurückgelehnten Position ihr Shirt etwas hoch und Annabeth musste wieder starren. Nicht nur auf die lange Narbe, die noch am Heilen war, sondern auch auf den angespannten Bauch, der deutlich von Training definiert war. Es war nicht als wäre Annabeth besessen von trainierten Körpern, aber etwas an dieser selbstzufriedenen Art, wie Clarisse sich ihr präsentierte, eine Hand locker im Hosenbund eingehakt, die andere knapp unter ihrem Busen ruhend. Es reizte Annabeth – negativ wie positiv. Es imponierte ihr. Es ging ihr gegen den Strich. Es ließ sie aber nicht los, bis Clarisse wieder ihr Shirt drüber schob.
„Hab eine Machete reinbekommen und kann froh sein, dass der Kerl mich nicht gleich Köpfen wollte, sondern eigentlich auf eine Hand mit der Granate gezielt hat. Spoiler: Er war ein Stümper und wir sind fast beide in die Luft geflogen.“

Mit aufgerissenen Augen starrte Annabeth Clarisse nun ins Gesicht und konnte kaum glauben, was sie hörte.
Aber statt die Geschichte en detail zu erzählen, zog Clarisse ihren Kragen zur Seite und deutete auf eine vernarbte Stelle. „Kugel.“ Dann hielt sie ihr die linke Hand entgegen, deren Fingerinnenseiten einige helle Punkte hatten. „Training.“
Ehe Clarisse die Hand zurückziehen konnte, griff Annabeth automatisch noch dieser, legte ihre Handfläche über die andere und ließ langsam ihre Fingerkuppen über Handteller und Finger gleiten. Deutlicher als der Blick es zunächst verriet spürte sie kleinen Unebenheiten in der Haut. Wie Brailleschrift, dachte sich Annabeth, nur wärmer und weicher und unregelmäßiger. Je wurde sie aus ihrer Faszination gerissen, als Clarisses Daumen sich auf einen ihrer Finger legte. Zwar ohne großen Nachdruck, aber eindeutig, um sie festzuhalten.

In Annabeth gingen sofort alle höheren und niedern Gehirnfunktionen auf Station. Es fühlte sich zunächst wie Angst an, bis sie sich klar wurde, dass es nur Aufregung war. Ungewohnt, weil sie zwar schon ein Mal solche kleinen Schübe von Nervosität und Unsicherheit erlebt hatte, aber es war anders, es war mit Percy und sie waren beide jung, neugierig, auf eine komische Art und Weise womöglich ineinander verliebt. Das in diesem Moment dagegen war wie ein Blitzschlag und Annabeth wollte mit aller Macht ignorieren, was es in ihr auslöste. Sie wollte ihren Blick auf ihre Hand fixieren, aber sie musste, musste, musste wissen, was los war, ob Clarisse irgendwas verriet, ob Annabeth irgendwas falsch verstand, weil es bisher noch nicht genug zu verstehen gab, Gott, sie brauchte mehr Anhaltspunkte und Fakten und sie hasste, hasste, hasste das alles so sehr. Sie wollte ihre Kontrolle wieder haben und kein Herz, das wie wahnsinnig raste, nur weil eine praktisch Fremde nicht mal richtig mit ihr Händchen hielt.
Aber das wurde alles für einen Moment egal als der Daumen über den Fingerrücken strich.

Sie sahen einander schweigend an, gespannt auf die Reaktion des anderen.

Vermutlich spielte sich alles in Bruchteilen von Sekunden ab, was Annabeth wie eine kleine Ewigkeit schien. Als ihr Hirn endlich auch mit Logik operieren wollte, kam es nur zu einem Schluss: Hand nicht sofort weggezogen? Tja, Chance vertan, also mach keine halben Sachen und benimm dich nicht wie ein Schisser!
In einzig logischer Konsequenz schob Annabeth also wieder ihre Finger zurück in Richtung des Handtellers und wusste nicht, wie ihr geschah, als auf Clarisse angespannten Pokerface ein verschmitztes Lächeln zum Vorschein kam.

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