luinaldawen: (Default)
[personal profile] luinaldawen posting in [community profile] 120_minuten
Team: Schwarz (Eisberg)
Challenge: Romantik/Intimität - Auf den zweiten Blick (für mich)
Fandom: Original
Charaktere: Ein Haus, ein Pärchen, ein Makler, ein Geist


Das trübe Wetter tat dem Anblick nicht besonders gut, sie wusste das. Die abgeblätterte Farbe von der Haustür und den Fensterrahmen war noch prägnanter, der Efeu noch wilder. Und sie war sich sicher, dass sich hinter einem der trüben Fenster etwas bewegt hatte. Kinder bei einer Mutprobe? Eine Ratte? Ihre durchgedrehte Fantasie? Bitte keine Ratte… das wäre beinahe noch schlimmer als die Aussicht, dass es irgendwo reinregnete, so heruntergekommen wie das kleine Haus wirkte. Dabei hatte sie wirklich nicht viel erwartet. Eigentlich gar nichts. Sie war nur hier, weil Sam darauf bestanden hatte. Ein Häuschen im Grünen! Mit Garten!!! Dass der Garten mehr einem Urwald glich als allen anderen, hatte sie natürlich unter den Tisch fallen lassen.
Zu gerne hätte Laura ihre Verlobte (Verlobte! Fucking! V.E.R.L.O.B.T.E!) mit einem vielsagenden Blick bedacht, aber die war vollkommen in das Gespräch mit dem Makler vertieft, der im Moment so wirkte, als wäre er lieber woanders. Sie konnte ihn verstehen, ihr ging es kaum anders. Es war noch nicht mal richtig Frühling, es war kalt, es drohte nass zu werden und so sehr sie es dem armen Häuschen gönnte, dass sich jemand darum kümmerte, sie wollte es nicht sein. Leben auf dem Land schön und gut, aber sie erwartete auch ein Mindestmaß an Komfort. Und ein Haus, in dem es nicht spukte. Jedenfalls war sie sich sicher, dass sich da gerade wieder etwas bewegt hatte, diesmal hinter einem anderen Fenster, das dringend geputzt gehörte. Der Efeu hatte es auch fast zugewuchert und sorgte für einen etwas mythischen Eindruck. Als würde da jeden Moment eine Hexe herauskommen. Oder ein paar winzige Feen, die in dem Gestrüpp lebten.
“Was hälst du davon?”, fragte Samantha, als wäre ihr vollkommen entgangen, was in Laura vor sich ging. Dabei war das eher unwahrscheinlich. “Wir müssen natürlich etwas streichen und das Grünzeug zurückstutzen… und ein bisschen mehr machen… aber du kannst dich dann in den Garten setzen um zu arbeiten, ich hab mein Büro unterm Dach… du bekommst auch einen hübschen Pavillon! Weißt du noch, wie du dich damals so in den im Park verliebt hast?”
Dabei hatte sie sich eher in Sam verliebt, aber das spielte irgendwie auch zusammen. Allein die Tatsache, dass Sam das noch wusste, war einfach… unfair!
“Das Ding ist ne Bruchbude”, merkte sie an, bevor sie sich endgültig um den Finger wickeln ließ.
“Eigentlich nicht. Es ist von außen gerade nicht sehr hübsch, das stimmt. Aber ich hab mir das Haus schon von innen angesehen, da ist alles top. Klar, wir müssen noch gut Geld reinstecken, aber ich denke, dass wir da auch einiges auf alternative Energien umstellen können. Ich habe da schon einige Ideen… auf dem Dach bringen wir Solarpanele unter…” Laura blendete den Rest aus. Sam war in ihrem Element und würde da nicht so schnell wieder rauskommen. Das war okay. Aber sie hatte an den technischen Details wenig Interesse.
Sams Begeisterung für das Haus war beinahe ansteckend, wie so oft. Dabei war sie eigentlich gar nicht der Typ, der so aus sich herausging. Sie war eher pragmatisch. Laura war diejenige mit den verrückten Ideen. Aber Samantha war gerade die mit dem Geld und den Fachkenntnissen. Wenn sie etwas schönes in dem Haus sah, dann war es vielleicht nicht so schlimm?
Die Sonne brach durch die Wolken, nur für einen kurzen Augenblick. Aber es reichte, um den Anblick vollkommen zu verändern. Das satte Grün des Efeus schien zu leuchten, dabei waren es ganz sicher nur ein paar letzte Wassertropfen vom Regen, die so glänzten. Die Fenster waren immer noch dreckig, aber im Sonnenlicht war es weniger schlimm. Nichts was Wasser, Seife und ein Putzlappen nicht beheben konnten. Nur der Garten… der blieb ein Dschungel. Wenn auch ein etwas hellerer.
“Gehen wir rein”, forderte Samantha sie auf und griff nach ihrer Hand, bevor sie überhaupt antworten konnte.
Drinnen war es - natürlich - staubig und muffig, aber immerhin trocken. Der Schimmel, den Laura insgeheim befürchtet hatte, war nirgendwo zu sehen. Sogar das Licht funktionierte. Als der Makler einen Raum betrat und es einschaltete, bewegte sich etwas an der Fensterbank und Laura zuckte zurück. “Scheiße, es spukt hier!”
Der Geist sprang auf den Boden und gähnte, bevor er die drei Menschen mit einem herablassenden Blick bedachte. Erst dann beschloss die Katze, dass sie von dieser Überraschung nicht das Geringste hielt und stob davon.

Date: 2019-08-20 01:26 pm (UTC)
From: [identity profile] nebel-kraehe.livejournal.com
Ein Haus, ein Pärchen, ein Makler, ein Geist Damit war ich bereits überzeugt :D

Ich finde Laura und Sam total sympathisch und mag besonders wie Laura sich bedacht-reflektiert dagegen wehrt von Sam um den Finger gewickelt zu werden und wenig später dann doch genau das passiert!
Ich habe tatsächlich mit einem paranormalen Ereignis am Schluss gerechnet und fand die phlegmatische Katze dann umso schöner :)

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