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[personal profile] luinaldawen posting in [community profile] 120_minuten
Team: Schwarz (Eisberg)
Challenge: h/c - Ein Virus geht um/Ansteckungsgefahr
Fandom: Our Own World (auch hier mal eine Harepocalypse!Now-AU)
Charaktere: Liang, Verena, Sabine



“Habe ich irgendwas verpasst, oder ist der erste April umgezogen?” Verena runzelte die Stirn. Etwas, was nur halb zu sehen war, das meiste von ihrem Gesicht wurde von einem ziemlich dem guten Geschmack schmerzenden Übergang zwischen neongrün und knallpinken Haaren verdeckt. Es war die Alternative zu Dreads gewesen, deswegen hatte Liang sich dafür ausgesprochen. Vermutlich hatte sie inzwischen selbst gemerkt, dass die Idee nicht zu ihren besten gehört hatte, aber es würde wohl noch ne Weile dauern, bis sie bereit war, es zuzugeben.
Liang sah mäßig beeindruckt von den Klassenarbeiten auf, die er gerade korrigierte. “Was ist los?” Die Fragte stellte er eigentlich nur, weil er seine Schwester kannte. Sie würde nicht eher Ruhe geben, bis sie ihre Story losgeworden war.
“In Amerika sind die Kaninchen durchgedreht.”
“Aha. Dann sind sie ja in guter Gesellschaft.” Er konzentrierte sich wieder auf Deutscharbeit und wog das Für und Wider einer 5 ab. Das Thema war ziemlich verfehlt, aber mit beiden Augen zugedrückt könnte er die bssere Note geben. Manche Schüler sahen das als Ansporn. Andere als Freifahrtsschein. Warum waren Teenager nur so unberechenbar? War er auch so gewesen?
“Ich mein das Ernst!” Das Heft wurde ihm unter der Nase weggezogen. “Da werden Menschen von fucking Kaninchen gefressen!”
“Quatsch.” Aber als Scherz es wohl recht originell. Nach Zombies krähte kein Hahn mehr. Also mussten Kaninchen herhalten.

Drei Wochen später hielt es keiner mehr für einen Scherz. Sämliche Kaninchenzüchter und -halter hatten sich von ihren Tieren trennen müssen und diverse gezielt verbreitete Seuchen sorgten schon jetzt dafür, dass man sich kaum aufs Land trauen konnte, ohne auf tote und verwesende Kaninchenkadaver zu stoßen. Es gab immer noch Leute, die der Meinung waren, dass die Maßnahmen überzogen waren. Das Virus musste ja erstmal von den USA nach Europa kommen. Die ersten krähten schon wieder nach strengerer Kontrolle der EU-Außengrenze. Als ob Viren sich heutzutage jemals um Ozeane und Zollkontrollen scherten.
“Meinst du, es geht Nat gut?”, fragte Sabine, die sich etwas zu betont auf ihren Kaffee konzentrierte. Liang zog es eigentlich vor, nicht darüber nachzudenken. Aber Nathalie war seit sechs Wochen in den USA und hatte eigentlich vorgehabt, nächste Woche zurückzukommen. Aber der Verkehr zwischen Europa und Amerika war vollständig eingestellt worden. Keine Schiffe, keine Flugzeuge, gar nichts kam über den Atlantik. Oder wenigstens ans Ziel. Angeblick war es schon zu Abschüssen gekommen, aber Liang hatte gelernt, die Nachrichten mit einer gewissen Vorsicht zu sehen und zu lesen. Noch war die “Kaninchenapokalypse”, wie es zuletzt bei einer gewissen populistischen Zeitung genannt worden war, eher eine gute Story. Aber es gab eben auch hier Leute, die es persönlich betraf. Liang war heilfroh, dass er wusste, wo sich der Rest seiner Freunde herumtrieb. Und sein Freund.
“Die quatscht jedes Kaninchen in die Flucht.” Dabei bemühte er sich nicht mal so zu klingen, als fänd er seine Worte selbst lustig. Halbherzig ging er die Nachrichtenseiten durch und fragte sich dabei selbst, warum er sich die Schlagzeilen antat. Die kannten im Moment nichts anderes als Nager. Nager und noch mehr Nager. Und immer wieder die Frage, ob das Virus auch auf Menschen überspringen konnte. Dafür müsste man aber wissen, wie es sich verbreitete und das wusste man vielleicht in Amerika, aber der Kontakt war weitestgehend unterbrochen. Was natürlich Verschwörungstheorien anfachte. Als ob sie davon nicht schon mehr als genug hätten. Liang legte das Smartphone zur Seite und musterte seinen eigenen Kaffee. Vermutlich wirkte er, als hätte er Sorge, dass ihn die Tasse jeden Moment anfiel. Was Blödsinn war, aber heutzutage konnte man wohl nie so genau wissen. Kaninchen hatten einen früher auch nie angefallen.
“Hast du Angst?” Die Frage kam, bevor er sich selbst bremsen konnte. Aber dafür hätte er sie kommen sehen müssen?
“Keine Ahnung.” Sabine nippte endlich an ihrem Kaffee. “Ich denke lieber nicht darüber nach. Wenn ich anfange zu grübeln…” Sie brach ab und schüttelte nach einigen Sekunden nur den Kopf. “Besser nicht. Es gibt zu viele offene Fragen. Wir haben immerhin den Vorteil… dass wir gewarnt sind. Ich bin mir sicher, dass das Virus auch hier auftauchen wird. Aber wenn wir Glück haben, kommen wir glimpflich davon. Auch wenns schade um die kleinen Flauschkugeln ist. Ich hatte früher selbst Kaninchen.” Liang war sich nicht sicher, was gerade in Sabines Kopf vorging. Oder gar, wie er ihre Worte interpretieren sollte.
“Machen wir irgendwie das beste draus. Nat würde uns was erzählen, wenn wir hier Trübsal blasen”, meinte Sabine dann unvermittelt und zwang sich zu einem Grinsen. “Sie wäre eher dafür, dass du Oliver…” Liang warf eine zerknüllte Serviette nach ihr.

Date: 2019-08-13 12:26 pm (UTC)
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Oh Gott, ich hoffe es geht Nat gut! Das ist irgendwie noch viel schlimmer, wenn man es sich aus der Ferne ansehen muss und ahnt, was auf einen zukommt...

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