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[identity profile] nyx-chan.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Schwarz
Challenge: Romantik/Intimität – signifikante Größenunterschiede (für mich)
Fandom: Nocturne Whispers Harepocalypse Now!-AU
Charaktere: Velasquez & Partridge (+ Kelsey W.)
Anmerkung: Spielt ca. 2-3 Tage hiernach. Ich hab keine Entschuldigung für diese Dynamik. Es war etwas anders geplant. Dann kamen die beiden.



Was in Sofias Kopf herumgingen, waren die Nachbesprechung, die bald stattfinden sollte, und all die Dinge, die sie vorher noch erledigt wissen wollte, wie die aktualisierte Liste der Nahrungsmittel, Waffen und anderer Utensilien, eine Revision ihrer Liste für die nächsten Wächterdienste und nach Canan Rafati sehen. Worauf sie sich weniger einstellen konnte war ein Arzttermin, wo sie sich wieder zu sehr auf ihren Schmerz konzentrierte und zu sehr bei sich war.
Um sich zu erden atmete Sofia kurz durch ehe sie anklopfte und sofort hereingebeten wurde. Die Tür knartschte bei jeder Bewegung, tat aber ihren Dienst mehr als zu genüge.

Mitten im saubersten und funktionalsten Raum des derzeitigen Quartiers stand Dr. Partridge und grinste sie breit an. „Miss Genia bewirkt immer wieder Wunder.“

Sofia verkniff sich ein Seufzen oder Augenrollen. Normalerweise würde sie ein automatisches, schmales Lächeln aus sich herauspressen, aber ihr Gesicht gab es derzeit nicht her. Stattdessen nickte sie nur knapp. Mit Miss Genia war nicht zu scherzen, besonders wenn sie soeben erst in der Abenddämmerung aufgewacht war.

„Bitte ein Mal Platz nehmen“, wies er routiniert an und deutete auf den Stuhl ihm gegenüber.

Sofia setzte sich möglichst aufrecht, damit der Arzt nicht wieder halb über ihr hing wie bei der letzten Untersuchung. An sich war sie es gewohnt, dass die meisten Leute etwas Vorsprung ihr gegenüber hatten, aber Partridge gehörte zu denen, wo es ihr wirklich auffiel. Seitdem sie ihn auch noch verwandelt gesehen hatte, konnte sie es auch in seiner menschlichen Gestalt nicht übersehen.

„Wie fühlen Sie sich?“, begann er mit seinem Standartprotokoll. „Irgendwelche besonderen Beschwerden?“

Sofia schüttelte leicht den Kopf.

„Helfen die Schmerzmittel, die ich Ihnen gegeben habe?“

Ein Nicken.

„Funktioniert es mit dem eingeschränkten Sprechen?“

Sie hob ihre Hand und machte eine wackelnde Geste. Geht so.

Er verzog nachdenklich die Mundwinkel und rutschte mit seinem Stuhl ein Stück vor. Vorsichtig berührte er mit je zwei, drei Fingern einer Hand, und auch nur mit den Fingerspitzen, ihren Schädel, um sie vorsichtig zu navigieren. Beim Betrachten der Nähte, sich langsam schließenden Wunden und Kratzer, wie sie sich bewegten oder rot und angeschwollen waren, machte er einige summende Geräusche.
Sofia schloss die Augen und ging ihre To Do-Liste durch, um sich vom Schmerz abzulenken.

„Den Umständen entsprechend gut. Ich bin froh, dass sich scheinbar nichts schlimm entzündet hat.“

Er ließ ihren Kopf los und stand auf. Langsam umschritt er sie und Sofia fühlte sich unwohl in ihrer Haut, wie unter einem Vergrößerungsglas. Zwar waren Tag täglich nun die Augen auf sie gerichtet, aber es war anders. In den Momenten war sie Velasquez, Teamleiter, Überlebende, Verantwortliche, große Schwester, nicht Sofia.

„Geht‘s mit dem Schlafen?“

Geht so.

Als Partridge sich wieder auf seinen Platz setzte, seufzte er. „Es heilt gut, aber ich fänd es besser, wenn Sie sich etwas mehr ausruhen, Velasquez.“

Sofia öffnete die Augen und sah ihn so ausdruckslos wie möglich an.

„Wissen Sie, dass sogar in Star Trek der Arzt die Anweisungen des Captains aushebeln konnte?“, begann Partridge dann doch etwas seine professionelle Ader zu verlieren. Patienten wie Sofia Velasuqez waren der Albtraum jedes Arztes. Hätte er nicht eine griesgrämige alte Vampirin auf sie gehetzt, wäre sie ihm vermutlich weiterhin weggelaufen. „Ärztliche Anordnungen! Ich versuche hier meinen Job zu machen und der ist, alle hier weiterhin am Leben zu erhalten und dafür müssen Sie auch fit sein! Velasquez, ich muss Ihnen nicht erklären, welche Bedeutung Sie für diese Gruppe haben, oder? Ich-“

Sofia unterbrach ihn mit einer gehobenen Hand und er war so kurz davor, sie anzumaulen. Stattdessen schloss er sofort den Mund und zog scharf Luft durch die Nase ein.
Langsam senkte sie die Hand und schien kurz zu hadern, wie sie weiterführen sollte. Anstelle von gesprochenen Worten senkte sie langsam den Blick und legte ihre Hände auf ihre Knie, dann drehte sie sie langsam aufwärts. Ein wenig, als würde sie sie inspizieren oder viel mehr das offen legen, was alles darin metaphorisch lag. Sie seufzte und sah ihn wieder an.

„Tabletten“, murmelte sie zwischen kaum geöffneten Lippen hervor.

Am liebsten hätte Partridge sie geschüttelt.

Im gleichen Moment öffnete sich die knartschende Praxistür nach zwei heftigen Klopfgeräuschen. Durch den Spalt sah Kelsey Willson herein. „Oh, gut, Sie sind hier!“, sagte sie eilig und sah nur zu Velasquez. „Die Scouts sind jetzt schon zurück und es gibt beunruhigende Nachrichten.“

Velasquez erhob sich bereits vom Stuhl, als Partridge förmlich von seinem hochschoss.

„Hallo? Privatssphäre? Wir haben hier gerade ein Arzt-Patienten-Gespräch am Laufen?“

„Entschuldigen Sie, Doktor, aber es ist dringend“, sagte Willson mit einiger Standhaftigkeit. Sie hatte genug Selbstbewusstsein, um sich selbst eingestehen zu können, dass wenn sich ein etwa 6,4 Fuß hoher Hühne sich vom Stuhl riss und sie wusste, was er sonst noch für Tricks drauf hatte, dass ein kurzes Zusammenzucken eine völlig natürliche Reaktion war.

„Raus!“, maulte er und deutete auf Willson und die Tür. Gleich danach drehte er sich zu Velasquez um und ignorierte ihren giftigen Todesblick von einer Etage tiefer. „Setzen! Wir sind nicht fertig!“

„Partridge!“, knurrte sie und ballte die Fäuste.

„Ärztliche Anweisungen!“

Statt sich hinzusetzen, stemmte sie die Fäuste in die Seiten und reckte ihr Kinn etwas höher. „Ich muss hin!“

„Wenn nicht gerade Alarm geschlagen wird, weil uns Scheiß-Lagos überfallen, können die da draußen noch 5 Minuten warten!“

Sofia presste ihre Kiefer zu fest aufeinander, dass es kurz knirschte. Es vergingen zwei angespannte Sekunden, ehe sie die Arme in die Luft warf und sich auf den Stuhl zurückplumpsen ließ. Mit einer gerade zu bedrohlichen Frage in den Augen starrte sie zu ihm rauf. Und nun? Und nun?, signalisierte sie ihm mit ihren Armen ungeduldig. Es war ihr egal, ob sie wie ein bockiges Kind sich benahm. Er benahm sich mindestens genauso schlimm.

Mit grimmiger Miene setzte er sich wieder auf seinen Platz, deutlich langsamer.

„Sie haben nach Schmerztabletten gefragt. Haben Sie die schon aufgebraucht, die ich Ihnen gegebene habe?“, fragte Partridge kühl.

Es nahm etwas Luft aus ihren Segeln. Sie verschränkte die Arme vor der Brust und nickte.

Er hob eine Augenbraue und sah sie streng an: „Die hätten für noch mindestens einen weiteren Tag reichen müssen.“

Das nahm den Rest ihrer protestierenden Wut aus ihr und Sofia fühlte sich bei etwas ertappt, von dem sie nicht wusste, dass sie falsch gemacht hatte.

„Vielleicht kann ich Ihnen mit den Tabletten nicht trauen und sollte genauer darauf achten, ob-“

Sofia platze der Kragen. Im Nu war sie wieder auf den Beinen und baute sich vor Partridge auf. Es war einer der wenigen Momente, wo sie physisch auf ihn herabsehen konnte und sie versuchte das beste daraus zu machen. „Nein.“ Die Perspektive gab ihr wieder etwas mehr Ruhe und Sicherheit und das befremdete sie. Sofia hatte das nicht nötig. Velasquez hatte das nicht nötig.
Sie atmete ein Mal tief ein und aus und spürte den missbilligenden Blick von Partridge, der aber zum Glück geduldig den Mund hielt.
„Sie meinen es gut. Ich versteh es. Aber ich muss jetzt so gut anpacken, wie es geht – wie jeder andere auch“, murmelte sie bemüht deutlich.

„Nicht jedem hier wurde vor etwas mehr als 48 Stunden das Gesicht von Scheiß-Lagos zerfetzt.“

Sofort musste Sofia an Mehrdad denken und biss wieder die Zähne zusammen, ehe sie zulassen konnte, dass die Schuld wieder in ihr hochkroch. Trotzdem sackten ihre Schultern etwas ab. Scheiß-Lagos. Scheiß-Leben.
Sie zuckte zusammen als Partridge nach ihrer Hand griff und ihr ernst in die Augen sah.
„Die ganzen Callcenter-Mitarbeiter folgen Ihnen wie Gänse und alle anderen, die sich seitdem angeschlossen haben, tun es auch. Mich eingeschlossen. Wir brauchen Sie. Aber das heißt nicht, dass Sie immer und überall sein müssen. Delegieren Sie mehr. Passen Sie auf sich auf. Sonst muss ich es tun oder noch schlimmer: sonst muss ich Miss Genia auf Sie ansetzen. Wollen Sie das wirklich?“

Sofia zog ihre Hand aus dem Griff und wich ein Stück zurück.
„Ich muss“, murmelte sie. „Ich hol die Tabletten später ab.“

Partridge machte keine Anstalten sie aufzuhalten, wofür sie dankbar war. Sie nickten einander kurz zu, ehe sie bemüht nicht fluchtartig die improvisierte Praxis verließ.

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