Angst - vergeben, nicht vergessen
Aug. 7th, 2019 08:29 pmTeam: Schwarz (Eisberg)
Challenge: Angst - vergeben, nicht vergessen (für mich)
Fandom: Las Chicas del Cable
Charaktere: Carlota
“Shit. Shitshitshit!” Der spitze Schuh traf die ohnehin schon zerbeulte Dose mit voller Wucht und schleuderte sie auf die Straße. Natürlich hatte die Dose ihr rein gar nichts getan, aber irgendetwas musste eben herhalten. Carlota war da gerade nicht wählerisch. Sie hatte wirklich geglaubt, dass mit ihren Eltern wieder alles okay gewesen war. Dass sie akzeptiert hatten, dass sie nicht in ihr kleines, erzkatholisches Weltbild passte. Aber das hatte wohl allein daran gelegen, dass sie nur selten dort gewesen war. Dass sie für das Studium in ein Wohnheim gezogen war, war die beste Entscheidung ihres Lebens gewesen war. Sara die andere. Oder Oscar. Oder eben beide. Sie hatte noch gewisse Schwierigkeiten, sich an diese neue… Situation zu gewöhnen.
Gott, zum Glück wussten ihre Eltern nichts davon! Die hätten wohl direkt nen Exorzisten geholt.
“Ich kann dir vergeben, dass du so egoistisch bist.” Das waren die Worte ihrer Mutter gewesen. Carlota hatte sich nicht getraut, zu fragen, ob sie es auch tat. Weil es nichts zu vergeben geben sollte! Sie wollte ihr Leben führen und nicht das, das ihre Eltern für sie ausgesucht hatten. Ins Familienunternehmen einsteigen. Am besten den achso vielversprechenden, karrierebesessenen Typen heiraten, den ihr Vater so toll fand.
Carlota hatte sich auf die Diskussion nicht eingelassen. Weil sie es leid war. So unglaublich leid.
Und jetzt stand sie hier. In für die Situation unangemessenen High Heels und zu dünnem Mantel. Der war für den Weg hierher okay gewesen, aber am späten Abend, wenn es zu allem Überfluss auch noch anfing zu regnen viel zu kalt. Und nicht wasserdicht. Über ihre Schulter hing eine große Tasche mit etwas zu vielen Fransen, aber sie hatte Marga so gut gefallen… und sie hatte Platz. Für ihr Portmonee, Tablet, Notizbuch und… ihr Handy. Sie könnte Sara anrufen… oder vielleicht war Lidia in der Stadt, aber bei der wusste man nie. Außerdem würde sie nur wissen wollen, was los war. Und dann wussten es binnen weniger Stunden alle. Ob es sie nun interessierte oder nicht.
Nein, Lidia fiel weg. Marga war mit Pablo in den Flitterwochen und Angeles hatte sich nach der hässlichen Trennung von ihrem Mann geschworen, nie wieder auch nur einen Fuß in diese Stadt zu setzen.
Also würde sie wohl einfach nur heimfahren. Also ins Studentenwohnheim, wo mit etwas Glück Sara daheim war und sich hoffentlich nur darüber wundern würde, dass sie jetzt schon zurück war. Wo sie doch eigentlich über Nacht hatte bleiben wollen. Außerdem war sie in der U-Bahn erstmal vor dem stärker werdenden Regen geschützt.
Unten angekommen kramte sie aber erstmal nach ihrem Portmonee, sie könnte eine Zigarette vertragen, aber die waren natürlich leer. Wie immer, wenn man es wirklich brauchte. Was als noch etwas gelassenes Kramen begann, wurde schnell erst hektisch, dann panisch. Wo war ihr verdammtes Portmonee? Zu spät fiel es ihr siedend heiß wieder ein. Sie hatte es für den Weg zu ihren Eltern in die Seitentasche ihrer Reisetasche gesteckt, weil sie natürlich in der Bahn kontrolliert worden war. Und… was auch immer sie sich dabei gedacht hatte. Aber die Reisetasche war noch im Elternhaus. Und sie hatte nicht vor, dorthin zurückzugehen. Für mindestens hundert Jahre.
“Shit!”, fluchte sie und zog damit einige Blicke auf sich. Ein Typ fing sich für das Starren den Mittelfinger ein und konnte sich gar nicht schnell genug abwenden. Gut für ihn.
Frustriert ließ Carlota sich auf eine Bank sinken und stützte den Kopf auf ihre Hände. Das war doch alles ätzend… sie hatte gehofft, mit ihrer Mutter darüber reden zu können, was nach dem Studium war. Dass sie Journalistin werden wollte. Klarstellen, dass sie auf keinen Fall wieder nach der Pfeife ihres Vaters tanzen würde. Und jetzt saß sie hier. Ohne Geld und mit wenig Hoffnung darauf, dass ihre Eltern sie bei ihrem Ziel unterstützen würden. Die hatten ja schon von Anfang an etwas gegen ihr Interesse am Journalismus gehabt. Weil es in ihren Augen ein Job ohne Zukunft war. Und sie ohnehin nichts von den liberalen Medien hielten, für die Carlota schreiben wollte. Wenn sie da einen Job fand.
Sie hatte nie Angst vor der Zukunft gehabt, hatte nie darüber nachdenken wollen. Warum auch? Sie kam aus einer reichen Familie. Aber die Wirtschaftslage war nicht besonders gut. Viele Absolventen fanden keinen Job. Was, wenn sie dazugehörte? Und ihre Eltern beschlossen, sie nicht mehr zu unterstützen?
Dabei war das letzte, was sie wollte, von ihren Eltern abhängig zu sein. Trotzdem hatte sie sich daran gewöhnt. Hatte sich damit abgefunden, dass sie für die monatliche Überweisung mit einem Teil ihres Stolzes und noch viel mehr Nerven bezahlte.
Natürlich war ihr klargewesen, dass das nicht ewig so weitergehen würde. Aber jetzt sank zum ersten Mal langsam ein, was es für sie bedeuten könnte. Nebenjob. Also… einen bezahlten Nebenjob. Nicht einen wie der für das Uniradio, wo sie sich natürlich abrackerte, ohne einen Cent zu sehen. Einfach nur, weil es ihr Spaß machte (und es sich gut im Lebenslauf machen würde. Vermutlich.) Klar, sie könnte in dem Callcenter anfangen, wo Sara und Marga arbeiteten. Es gab schlimmere Jobs oder? Selbst die meist schüchterne Marga bekam das hin. Aber sie wurde es auch nicht müde zu versichern, dass die Bankkunden meistens nett waren. Anders als die von Orange, die gefühlt nur dann anriefen, wenn sie jemanden anbrüllen wollten. Nicht dass Carlota ein Problem damit hätte, zurückzubrüllen… aber es war befriedigender, sich mit Leuten zu streiten, die einem nicht einfach auflegen konnten. Außerdem… sie seufzte. Es brachte nichts, sich jetzt darüber den Kopf zu zerbrechen. Sie hatte noch ein dreiviertel Jahr bis zum Abschluss. Dann konnte sie sich immer noch Gedanken machen. Jetzt musste sie nur nochmal zu ihren Eltern und am besten ungesehen ihre Reisetasche holen, damit sie heimfahren konnte.
Challenge: Angst - vergeben, nicht vergessen (für mich)
Fandom: Las Chicas del Cable
Charaktere: Carlota
“Shit. Shitshitshit!” Der spitze Schuh traf die ohnehin schon zerbeulte Dose mit voller Wucht und schleuderte sie auf die Straße. Natürlich hatte die Dose ihr rein gar nichts getan, aber irgendetwas musste eben herhalten. Carlota war da gerade nicht wählerisch. Sie hatte wirklich geglaubt, dass mit ihren Eltern wieder alles okay gewesen war. Dass sie akzeptiert hatten, dass sie nicht in ihr kleines, erzkatholisches Weltbild passte. Aber das hatte wohl allein daran gelegen, dass sie nur selten dort gewesen war. Dass sie für das Studium in ein Wohnheim gezogen war, war die beste Entscheidung ihres Lebens gewesen war. Sara die andere. Oder Oscar. Oder eben beide. Sie hatte noch gewisse Schwierigkeiten, sich an diese neue… Situation zu gewöhnen.
Gott, zum Glück wussten ihre Eltern nichts davon! Die hätten wohl direkt nen Exorzisten geholt.
“Ich kann dir vergeben, dass du so egoistisch bist.” Das waren die Worte ihrer Mutter gewesen. Carlota hatte sich nicht getraut, zu fragen, ob sie es auch tat. Weil es nichts zu vergeben geben sollte! Sie wollte ihr Leben führen und nicht das, das ihre Eltern für sie ausgesucht hatten. Ins Familienunternehmen einsteigen. Am besten den achso vielversprechenden, karrierebesessenen Typen heiraten, den ihr Vater so toll fand.
Carlota hatte sich auf die Diskussion nicht eingelassen. Weil sie es leid war. So unglaublich leid.
Und jetzt stand sie hier. In für die Situation unangemessenen High Heels und zu dünnem Mantel. Der war für den Weg hierher okay gewesen, aber am späten Abend, wenn es zu allem Überfluss auch noch anfing zu regnen viel zu kalt. Und nicht wasserdicht. Über ihre Schulter hing eine große Tasche mit etwas zu vielen Fransen, aber sie hatte Marga so gut gefallen… und sie hatte Platz. Für ihr Portmonee, Tablet, Notizbuch und… ihr Handy. Sie könnte Sara anrufen… oder vielleicht war Lidia in der Stadt, aber bei der wusste man nie. Außerdem würde sie nur wissen wollen, was los war. Und dann wussten es binnen weniger Stunden alle. Ob es sie nun interessierte oder nicht.
Nein, Lidia fiel weg. Marga war mit Pablo in den Flitterwochen und Angeles hatte sich nach der hässlichen Trennung von ihrem Mann geschworen, nie wieder auch nur einen Fuß in diese Stadt zu setzen.
Also würde sie wohl einfach nur heimfahren. Also ins Studentenwohnheim, wo mit etwas Glück Sara daheim war und sich hoffentlich nur darüber wundern würde, dass sie jetzt schon zurück war. Wo sie doch eigentlich über Nacht hatte bleiben wollen. Außerdem war sie in der U-Bahn erstmal vor dem stärker werdenden Regen geschützt.
Unten angekommen kramte sie aber erstmal nach ihrem Portmonee, sie könnte eine Zigarette vertragen, aber die waren natürlich leer. Wie immer, wenn man es wirklich brauchte. Was als noch etwas gelassenes Kramen begann, wurde schnell erst hektisch, dann panisch. Wo war ihr verdammtes Portmonee? Zu spät fiel es ihr siedend heiß wieder ein. Sie hatte es für den Weg zu ihren Eltern in die Seitentasche ihrer Reisetasche gesteckt, weil sie natürlich in der Bahn kontrolliert worden war. Und… was auch immer sie sich dabei gedacht hatte. Aber die Reisetasche war noch im Elternhaus. Und sie hatte nicht vor, dorthin zurückzugehen. Für mindestens hundert Jahre.
“Shit!”, fluchte sie und zog damit einige Blicke auf sich. Ein Typ fing sich für das Starren den Mittelfinger ein und konnte sich gar nicht schnell genug abwenden. Gut für ihn.
Frustriert ließ Carlota sich auf eine Bank sinken und stützte den Kopf auf ihre Hände. Das war doch alles ätzend… sie hatte gehofft, mit ihrer Mutter darüber reden zu können, was nach dem Studium war. Dass sie Journalistin werden wollte. Klarstellen, dass sie auf keinen Fall wieder nach der Pfeife ihres Vaters tanzen würde. Und jetzt saß sie hier. Ohne Geld und mit wenig Hoffnung darauf, dass ihre Eltern sie bei ihrem Ziel unterstützen würden. Die hatten ja schon von Anfang an etwas gegen ihr Interesse am Journalismus gehabt. Weil es in ihren Augen ein Job ohne Zukunft war. Und sie ohnehin nichts von den liberalen Medien hielten, für die Carlota schreiben wollte. Wenn sie da einen Job fand.
Sie hatte nie Angst vor der Zukunft gehabt, hatte nie darüber nachdenken wollen. Warum auch? Sie kam aus einer reichen Familie. Aber die Wirtschaftslage war nicht besonders gut. Viele Absolventen fanden keinen Job. Was, wenn sie dazugehörte? Und ihre Eltern beschlossen, sie nicht mehr zu unterstützen?
Dabei war das letzte, was sie wollte, von ihren Eltern abhängig zu sein. Trotzdem hatte sie sich daran gewöhnt. Hatte sich damit abgefunden, dass sie für die monatliche Überweisung mit einem Teil ihres Stolzes und noch viel mehr Nerven bezahlte.
Natürlich war ihr klargewesen, dass das nicht ewig so weitergehen würde. Aber jetzt sank zum ersten Mal langsam ein, was es für sie bedeuten könnte. Nebenjob. Also… einen bezahlten Nebenjob. Nicht einen wie der für das Uniradio, wo sie sich natürlich abrackerte, ohne einen Cent zu sehen. Einfach nur, weil es ihr Spaß machte (und es sich gut im Lebenslauf machen würde. Vermutlich.) Klar, sie könnte in dem Callcenter anfangen, wo Sara und Marga arbeiteten. Es gab schlimmere Jobs oder? Selbst die meist schüchterne Marga bekam das hin. Aber sie wurde es auch nicht müde zu versichern, dass die Bankkunden meistens nett waren. Anders als die von Orange, die gefühlt nur dann anriefen, wenn sie jemanden anbrüllen wollten. Nicht dass Carlota ein Problem damit hätte, zurückzubrüllen… aber es war befriedigender, sich mit Leuten zu streiten, die einem nicht einfach auflegen konnten. Außerdem… sie seufzte. Es brachte nichts, sich jetzt darüber den Kopf zu zerbrechen. Sie hatte noch ein dreiviertel Jahr bis zum Abschluss. Dann konnte sie sich immer noch Gedanken machen. Jetzt musste sie nur nochmal zu ihren Eltern und am besten ungesehen ihre Reisetasche holen, damit sie heimfahren konnte.