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Team: Schwarz (Eisberg)
Challenge: Angst - Unerwarteter Rückfall (für mich)
Fandom Nocturne Whispers (Harepocalypse Now-AU, Masterpost)
Charaktere: Faith, ihre Tochter (die sie im rpg noch nicht hat)
Anmerkung: Ich hab den Schauplatz mal etwas woandershin verlegt, weil mir nicht aus dem Kopf ging, wie es woanders in der Welt aussehen könnte…


Es war wohl mehr Glück als alles andere, dass sich die Kaninchenprobleme in Europa bisher in Grenzen hielten. Aber es hatte wohl auch gewisse Vorteile, wenn die Biester auf einem anderen Kontinent zuerst durchdrehten. Die EU hatte überraschend schnell reagiert, was schon erstaunlich war, wenn man bedachte, wie die Regierungen sich sonst fetzten. Dass man dabei in Kauf nahm, mit Myxomatose die Kaninchen praktisch auszurotten, bevor sie sich mit dem Virus, das Nord- und Südamerika so ins Chaos gestürzt hatte, war zwar bei Tierfreunden nicht so gut angekommen, aber Faith sah das als das kleinere Übel an. Blöderweise schienen infizierte Langohren gegen die Kaninchenpest immun zu sein und Hasen konnten es auch nicht bekommen. Daher war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch hier alles den Bach runterging.
Aber noch lief es in Paris recht geordnet, auch wenn von der Stadt der Liebe nicht mehr besonders viel übrig war. In der Dämmerung traute sich außer den Kaninchenjägern keiner mehr raus. Und Faith gehörte zu ihnen. Das Geheimnis von Vampiren und Werwölfen hatte sich natürlich nicht mehr bewahren lassen, aber die Menschen fanden menschenfressende Nager gerade viel gruseliger als die Monster in Menschengestalt. Was es Faith, Peter und Tess einfacher gemacht hatte, sich ein neues Leben aufzubauen. Gerade Tess sollte nicht darunter leiden, dass man ihre Mutter lieber in nen Zoo oder so gesperrt hätte. Es war schlimm genug, dass sie Fremde hier waren. Als sie hier gestrandet waren, war sie zum Glück noch jung genug gewesen um die USA nicht zu sehr zu vermissen. Sich keine Sorgen um die Freunde drüben zu machen.
Faith hasste es. Die Ungewissheit. Am Anfang war der Kontakt komplett abgebrochen. Inzwischen war wieder Kommunikation möglich, aber wenn Schiffe rüberkamen, wurden sie gnadenlos abgewiesen. Sogar versenkt, wenn nötig. Wer vorher hiergewesen war, konnte sich glücklich schätzen. Jetzt war die EU dicht. Das Virus war aus den USA gekommen, wer wusste schon, was sonst noch aus den anderen Ländern überschwappen konnte. Das jedenfalls war die Argumentation gewesen. Ausländer hatten es schwer… Faith war heilfroh, dass Tess mit ihren sechs Jahren schnell Französisch lernte, sie selbst tat sich mit der Sprache schwer und hatte schon einige Anfeindungen erleben müssen. Auch wenn sie hier inzwischen einen Job hatte UND auf vier Pfoten Nager jagen konnte. Sie wollte sich lieber nicht ausmalen, wie es in den USA aussah.
Sie wollte nur wissen, wie es Aidan ging. Ob er überhaupt noch am Leben war. Er musste. Er kannte Leute. Und er war teamfähiger als sie. Was nicht schwierig war. Verflucht, sie wollte nach Hause! Und ginge es nicht auch um Peter und Tess, hätte sie einen Weg gefunden. Irgendwie. Aber das war ihre Familie… und ihre Tochter war hier sehr viel sicherer als in den USA, wo der ganze Mist angefangen hatte.
Automatisch sah sie zu Tess, die sich neben ihr auf dem Sofa zusammengerollt hatte und schlief. Es war schwierig, nicht durch die halblangen blonden Haare zu streichen, aber das würde das Mädchen aufwecken. Also verzichtete sie lieber. Es war selten genug, dass sie so ruhig schlief, gerade bei ihrer Mutter. Tess war ein klassisches Papa-Kind und Faith wusste, dass sie es sich selbst zuzuschreiben hatte. Daheim wars ihr Job gewesen, der sie so viele Abende ferngehalten hatte. Hier war es ähnlich. Wenn sie von der Kaninchenjagd heimkam, schlief Tess oft schon. Aber heute hatte sie frei und da Peter es nicht vor der Ausgangssperre heimgeschafft hatte, waren sie alleine. Durch das geöffnete Fenster drang die Frühlingsluft, nur leicht durchsetzt von dem Gestank brennenden Fleischs. Tess würde es zum Glück nicht riechen können. Sie hatte auch schon genug durchgemacht. In der ersten Zeit hier.
“Yvy meinte heute, dass es die Schuld der Ausländer ist, dass alles… so ist”, murmelte Tess und Faith sah sie überrascht an. Sie hatte gar nicht gemerkt, dass sie wieder aufgewacht war. Zu abgelenkt… leise knurrte sie. “Yvette hat keine Ahnung, wovon sie redet.”
“Sie sagt, dass wir alle verschwinden sollen.”
“Dann frag sie mal, wie viele Kaninchen ihre Eltern so in der Woche erlegen.” Faith wusste es ganz genau. Keine. Weil Yvettes Eltern Feiglinge waren, die sich lieber in die Masse von Nationalisten einreihten, als etwas konstruktives zu tun. Leider wurden es immer mehr. Genau wie die Kaninchen.

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