K/H/T - Splitter/Scherben
Aug. 3rd, 2019 09:53 pmTeam: Schwarz
Challenge: Krimi/Horror/Thriller - Splitter/Scherben (für mich)
Fandom: Puella Magi Madoka Magica (Kyubey-free AU)
Charaktere: Mami Tomoe
“Oh, wow, du bist ja weder auf den Beinen! Haha, Beinen!”, begrüßte Tomoe ein Klassenkamerade in der Pause, dessen Namen sie nicht kannte. Instinktiv verlagerte sie ihr Gewicht runter von der Krücke. Durch die Posenänderung spürte sie den Schmerz erst wie kleine Blitze, die zunächst durch ihre Beine hochschossen und schließlich bis hinter ihre Agen reichten. Sie blinzelte und lächelte. Sie blinzelte und lächelte und spürte für einen Moment wieder, wer sie war. Sie war Schmerz und Verlust und ein Knallen im Hinterkopf, das niemals aufhörte seine Schleife zu wiederholen. Sie war Narben und Flüstern und vertuschte Blicke.
“Wenn du Hilfe brauchst-”, begann die eine Mitschülerin, mit der sie letztes Jahr ein Referat zusammen gehalten hatte. Sie war bemüht, aber sie konnte Tomoe nicht in länger als 2 Sekunden in die Augen sehen. Hilfe, weil keiner mehr da war? Hilfe, die zu spät war?
Hilfe oder Mitleid?
Die Lehrerin tätschelte ihre Schulter und sah sie voller Mitgefühl und Traurigkeit an. Tomoe lächelte und dankte und schrie innerlich, hörte nicht auf zu schreien und kniff die Augen zusammen, lächelte etwas breiter. Hasste, hasste, hasste die Hand auf der Schulter, weil das die Stelle war, die ihre Mutter immer berührt hatte mit der Hand, die leblos dagehangen hatte, schlaff am blutigen Arm. Sie schrie weiter innerlich, weil sie nicht ihre Mutter vor sich sehen konnte, sondern nur diesen blutigen Arm, die rote Schulter, das verklebte Haar, das leise Gurgeln ihrer perforierten Lungen, ehe sie völlig aufgaben. Wenn Tomoe an ihre Mutter versuchte zu denken, sah sie nur den letzten Moment, bevor sie aus dem Wrack geholt wurde, selber zerbrochen und voller Schmerz, orientierungslos, hilflos. Hilfesuchend hatte sie zu ihren Eltern geschaut, aber sie reagierten nicht.
“Mein aufrichtiges Mitgefühl”, murmelte die Schulsekräterin, als sie sich bei ihr melden musste. Es klang betroffen, aber es klang genauso automatisch wie alles. Alle um Tomoe herum waren zu leblosen Automaten verkommen. Mit dem gleichen Tonfall sprachen alle Erwachsenen, alle Kinder mit dem gleichen falschen Gesang. Sie humpelte in einem Wald voller Untoter. Das erschien ihr so viel logischer als anzunehmen, dass sich für den Rest der Welt nichts verändert hatte. Das einzige, was sie noch fühlen konne, war Schmerz, daher konnte sie genauso untot sein.
“Tragisch”, wiederholte die alte Dame vom kleinen Gemüsestand zum fünften Mal und schüttelte nachdenklich den Kopf. Sie sprach von ihrem Vater, wie er schon als Kind bei ihr einkaufte, wie er zum Einkaufen verdonnert wurde und manchmal, zu besonderen Anlässen, doch mal ein Bonbon von ihr bekam. Für Tomoe war nur tragisch, dass diese Frau mehr von ihrem Vater gehabt hatte als sie selbst. Er war, ähnlich wie ihre Mutter, zu einer toten, blutigen Masse vor ihrem inneren Auge verkommen. Die Erinnerungen an ihn, die anderen, die guten, schienen so weit und abstrakt zu sein. Wie er am Wochenende kochte, wie er ihr zeigte, wie man Gemüse am besten schnitt, ganz klein und fein. Wie sie aber sonst nicht noch mehr Zeit mit ihm verbracht hatte. Wie sie ihn nicht am Frühstückstisch angestarrt hat, wie er Zeitung laß, um diese Erinnerung einzubrennen.
Es dröhnte laut und das endlos verzerrte Hupen schien auf sie zuzuschlittern. Erst krachte es, dann folgten viele winzige Töne. Der eine große Lärm war wie ein Kaleidoskop in vielfältige Klänge zersplittert. In Klirren, in Kratzen, in Schreie, in Knirschen. Die Eindrücke explodierten und blendeten sie. Glitzer in Form von Kristallen aus der Scheibe flogen um sie. Gerade, als Tomoe dachte, es sei zu viel, wachte sie auf. Neben ihrem Bett lief ein Lied im Radiowecker. Die Decke war die gleiche, wie immer. Sie strich mit ihrer Hand unter ihr Nachthemd, über ihre Hüfte, über ihren Bauch, spürte die vielen Furchen, Hubbel und Geschwulste, spürte die Realität, und schloss noch ein Mal die Augen.
Challenge: Krimi/Horror/Thriller - Splitter/Scherben (für mich)
Fandom: Puella Magi Madoka Magica (Kyubey-free AU)
Charaktere: Mami Tomoe
“Oh, wow, du bist ja weder auf den Beinen! Haha, Beinen!”, begrüßte Tomoe ein Klassenkamerade in der Pause, dessen Namen sie nicht kannte. Instinktiv verlagerte sie ihr Gewicht runter von der Krücke. Durch die Posenänderung spürte sie den Schmerz erst wie kleine Blitze, die zunächst durch ihre Beine hochschossen und schließlich bis hinter ihre Agen reichten. Sie blinzelte und lächelte. Sie blinzelte und lächelte und spürte für einen Moment wieder, wer sie war. Sie war Schmerz und Verlust und ein Knallen im Hinterkopf, das niemals aufhörte seine Schleife zu wiederholen. Sie war Narben und Flüstern und vertuschte Blicke.
“Wenn du Hilfe brauchst-”, begann die eine Mitschülerin, mit der sie letztes Jahr ein Referat zusammen gehalten hatte. Sie war bemüht, aber sie konnte Tomoe nicht in länger als 2 Sekunden in die Augen sehen. Hilfe, weil keiner mehr da war? Hilfe, die zu spät war?
Hilfe oder Mitleid?
Die Lehrerin tätschelte ihre Schulter und sah sie voller Mitgefühl und Traurigkeit an. Tomoe lächelte und dankte und schrie innerlich, hörte nicht auf zu schreien und kniff die Augen zusammen, lächelte etwas breiter. Hasste, hasste, hasste die Hand auf der Schulter, weil das die Stelle war, die ihre Mutter immer berührt hatte mit der Hand, die leblos dagehangen hatte, schlaff am blutigen Arm. Sie schrie weiter innerlich, weil sie nicht ihre Mutter vor sich sehen konnte, sondern nur diesen blutigen Arm, die rote Schulter, das verklebte Haar, das leise Gurgeln ihrer perforierten Lungen, ehe sie völlig aufgaben. Wenn Tomoe an ihre Mutter versuchte zu denken, sah sie nur den letzten Moment, bevor sie aus dem Wrack geholt wurde, selber zerbrochen und voller Schmerz, orientierungslos, hilflos. Hilfesuchend hatte sie zu ihren Eltern geschaut, aber sie reagierten nicht.
“Mein aufrichtiges Mitgefühl”, murmelte die Schulsekräterin, als sie sich bei ihr melden musste. Es klang betroffen, aber es klang genauso automatisch wie alles. Alle um Tomoe herum waren zu leblosen Automaten verkommen. Mit dem gleichen Tonfall sprachen alle Erwachsenen, alle Kinder mit dem gleichen falschen Gesang. Sie humpelte in einem Wald voller Untoter. Das erschien ihr so viel logischer als anzunehmen, dass sich für den Rest der Welt nichts verändert hatte. Das einzige, was sie noch fühlen konne, war Schmerz, daher konnte sie genauso untot sein.
“Tragisch”, wiederholte die alte Dame vom kleinen Gemüsestand zum fünften Mal und schüttelte nachdenklich den Kopf. Sie sprach von ihrem Vater, wie er schon als Kind bei ihr einkaufte, wie er zum Einkaufen verdonnert wurde und manchmal, zu besonderen Anlässen, doch mal ein Bonbon von ihr bekam. Für Tomoe war nur tragisch, dass diese Frau mehr von ihrem Vater gehabt hatte als sie selbst. Er war, ähnlich wie ihre Mutter, zu einer toten, blutigen Masse vor ihrem inneren Auge verkommen. Die Erinnerungen an ihn, die anderen, die guten, schienen so weit und abstrakt zu sein. Wie er am Wochenende kochte, wie er ihr zeigte, wie man Gemüse am besten schnitt, ganz klein und fein. Wie sie aber sonst nicht noch mehr Zeit mit ihm verbracht hatte. Wie sie ihn nicht am Frühstückstisch angestarrt hat, wie er Zeitung laß, um diese Erinnerung einzubrennen.
Es dröhnte laut und das endlos verzerrte Hupen schien auf sie zuzuschlittern. Erst krachte es, dann folgten viele winzige Töne. Der eine große Lärm war wie ein Kaleidoskop in vielfältige Klänge zersplittert. In Klirren, in Kratzen, in Schreie, in Knirschen. Die Eindrücke explodierten und blendeten sie. Glitzer in Form von Kristallen aus der Scheibe flogen um sie. Gerade, als Tomoe dachte, es sei zu viel, wachte sie auf. Neben ihrem Bett lief ein Lied im Radiowecker. Die Decke war die gleiche, wie immer. Sie strich mit ihrer Hand unter ihr Nachthemd, über ihre Hüfte, über ihren Bauch, spürte die vielen Furchen, Hubbel und Geschwulste, spürte die Realität, und schloss noch ein Mal die Augen.