Angst - "Ich kann nicht mehr"
Jul. 24th, 2019 11:17 pmTeam: Schwarz
Challenge: Angst - „Ich kann nicht mehr“ (für mich)
Fandom: Original
Anmerkung: Depressiver Scheiß, wirklich. Challenge etwas interpretiert, aber definitiv da.
Es war nicht die Ruhe vor dem Sturm, die am gefährlichsten war, sondern wenn man das Auge des Wirbelsturms erreicht hatte. Inmitten von Chaos und Zerstörung gab es ein erschreckend ruhiges Zentrum, das kein Entrinnen bot.
Inzwischen hatte sie endlich diesen Punkt erreicht. In ihrem Kopf klarten sich einige Nebelschwaden auf, drumherum tobende Emotionen, die sie für den Moment von außen betrachten konnte. Diese Wut, Verletzheit, Verwirrung, Angst, alles, was Tag ein, Tag aus, mal stärker, mal schwächer, aus unterschiedlichsten Richtungen böenartig durch ihren Kopf wehte und sie mal mehr, mal weniger ins Wanken brachten. Jetzt sah sie, wie es sie so vieler Dinge beraubte, Dinge, die sie hätte haben können, Dinge, die sie halten würden. Stattdessen war Ödnis und Ruinen und dazwischen sie, ein wandelndes schwarzes Loch.
Ihr Kopf pochte noch etwas vom Weinen, aber es wurde zu einem Pulsieren im Hintergrund, das sie wie ein Herzschlag vorwärtstrug.
Noch etwas benommen begann sie durch ihre Wohnung langsam zu tapsen. Es begann draußen zu dämmern, aber noch musste sie sich nicht sorgen, in etwas zu treten, dass sie mal wieder achtlos auf dem Boden hat liegen lassen oder etwas Umgefallenes oder etwas Vergessenes. Sie sah sich um und sah sie überall, die umgefallenen und vergessenen Dinge, die Stapel, die Wirren. Ihre Socken zogen über einen staubigen Boden und ihre Zimmerpflanzen haben bessere Tage gesehen. Seit zwei Wochen stand der Wäschetrockner und wurde von ihr wie ein Geier langsam kahl gepickt, um doch noch etwas sauberes anzuziehen. Was kümmerten sie noch Falten. Hauptsache sie funktionierte und brachte gelegentlich Leute zum Lachen, um sich selbst abzulenken.
Alles, was sie sah, war eine Bestätigung dessen, was sie fühlte: eine Sackgasse, Überforderung, etwas Unerträgliches.
Inmitten des Chaos standen kleine Lichtpunkte, Erinnerungsstücke. Eine alte Postkarte, eine kleine Katzenfigur, ein verblasste, gerahmte Foto, ein Buch, das sie noch immer nicht gelesen hatte. Es waren kleine Fäden, die in die Welt hinausgingen zu anderen Menschen – Verbindungen, die gekappt, verloren, nie vorhanden gewesen schienen. Sie verursachten ein Brennen unter ihrer Haut.
Ein letztes Mal ging sie ihre inneren Argumente durch, war aber eigentlich schon entschlossen. Sie hatte 20 Jahre darüber nachgedacht. Andere Menschen entschieden sich schneller für permanente Veränderungen, ob Tattoos oder Kinder. 20 Jahre schienen ihr eine gute Zeitspanne zu sein, um behaupten zu können, sie hätte es sich gut überlegt, sollte es irgendjemand schaffen sie danach zu fragen.
Zielstrebig ging sie auf ihren Nachttisch zu. Aus dem untersten Fach, weit hinten vergraben, holte sie einen bereits etwas mitgenommenen Zettel hervor, den sie auffaltete. Eigentlich hätte sie ihn schon längst wegwerfen sollen. Sie war sich sicher, dass sie ohne ihn auch klar käme. Aber sie fühlte sich mit der Liste sicherer. Sie mochte Listen.
Ohne große Eile begann sie alle Objekte auf der Liste hervorzuholen und an ihren neuen Platz zu legen. Der Brief, die Instruktionen, die wichtigsten Dokumenten, Ausweise. Schließlich suchte sie ihre letzten nötigen Mittel und den Ersatzschlüssel, den sie vor der Wohnung platzieren würde.
Sie legte die Hand auf die Klinke der Haustür und atmete noch ein letztes Mal tief durch, während sie sich innerlich von diesem Ort verabschiedete. „Ich kann das endlich“, flüsterte sie sich selber zu und öffnete die Wohnungstür.
Challenge: Angst - „Ich kann nicht mehr“ (für mich)
Fandom: Original
Anmerkung: Depressiver Scheiß, wirklich. Challenge etwas interpretiert, aber definitiv da.
Es war nicht die Ruhe vor dem Sturm, die am gefährlichsten war, sondern wenn man das Auge des Wirbelsturms erreicht hatte. Inmitten von Chaos und Zerstörung gab es ein erschreckend ruhiges Zentrum, das kein Entrinnen bot.
Inzwischen hatte sie endlich diesen Punkt erreicht. In ihrem Kopf klarten sich einige Nebelschwaden auf, drumherum tobende Emotionen, die sie für den Moment von außen betrachten konnte. Diese Wut, Verletzheit, Verwirrung, Angst, alles, was Tag ein, Tag aus, mal stärker, mal schwächer, aus unterschiedlichsten Richtungen böenartig durch ihren Kopf wehte und sie mal mehr, mal weniger ins Wanken brachten. Jetzt sah sie, wie es sie so vieler Dinge beraubte, Dinge, die sie hätte haben können, Dinge, die sie halten würden. Stattdessen war Ödnis und Ruinen und dazwischen sie, ein wandelndes schwarzes Loch.
Ihr Kopf pochte noch etwas vom Weinen, aber es wurde zu einem Pulsieren im Hintergrund, das sie wie ein Herzschlag vorwärtstrug.
Noch etwas benommen begann sie durch ihre Wohnung langsam zu tapsen. Es begann draußen zu dämmern, aber noch musste sie sich nicht sorgen, in etwas zu treten, dass sie mal wieder achtlos auf dem Boden hat liegen lassen oder etwas Umgefallenes oder etwas Vergessenes. Sie sah sich um und sah sie überall, die umgefallenen und vergessenen Dinge, die Stapel, die Wirren. Ihre Socken zogen über einen staubigen Boden und ihre Zimmerpflanzen haben bessere Tage gesehen. Seit zwei Wochen stand der Wäschetrockner und wurde von ihr wie ein Geier langsam kahl gepickt, um doch noch etwas sauberes anzuziehen. Was kümmerten sie noch Falten. Hauptsache sie funktionierte und brachte gelegentlich Leute zum Lachen, um sich selbst abzulenken.
Alles, was sie sah, war eine Bestätigung dessen, was sie fühlte: eine Sackgasse, Überforderung, etwas Unerträgliches.
Inmitten des Chaos standen kleine Lichtpunkte, Erinnerungsstücke. Eine alte Postkarte, eine kleine Katzenfigur, ein verblasste, gerahmte Foto, ein Buch, das sie noch immer nicht gelesen hatte. Es waren kleine Fäden, die in die Welt hinausgingen zu anderen Menschen – Verbindungen, die gekappt, verloren, nie vorhanden gewesen schienen. Sie verursachten ein Brennen unter ihrer Haut.
Ein letztes Mal ging sie ihre inneren Argumente durch, war aber eigentlich schon entschlossen. Sie hatte 20 Jahre darüber nachgedacht. Andere Menschen entschieden sich schneller für permanente Veränderungen, ob Tattoos oder Kinder. 20 Jahre schienen ihr eine gute Zeitspanne zu sein, um behaupten zu können, sie hätte es sich gut überlegt, sollte es irgendjemand schaffen sie danach zu fragen.
Zielstrebig ging sie auf ihren Nachttisch zu. Aus dem untersten Fach, weit hinten vergraben, holte sie einen bereits etwas mitgenommenen Zettel hervor, den sie auffaltete. Eigentlich hätte sie ihn schon längst wegwerfen sollen. Sie war sich sicher, dass sie ohne ihn auch klar käme. Aber sie fühlte sich mit der Liste sicherer. Sie mochte Listen.
Ohne große Eile begann sie alle Objekte auf der Liste hervorzuholen und an ihren neuen Platz zu legen. Der Brief, die Instruktionen, die wichtigsten Dokumenten, Ausweise. Schließlich suchte sie ihre letzten nötigen Mittel und den Ersatzschlüssel, den sie vor der Wohnung platzieren würde.
Sie legte die Hand auf die Klinke der Haustür und atmete noch ein letztes Mal tief durch, während sie sich innerlich von diesem Ort verabschiedete. „Ich kann das endlich“, flüsterte sie sich selber zu und öffnete die Wohnungstür.