Angst - "Ich kann nicht mehr"
Jul. 21st, 2019 11:30 pmTeam: Schwarz (Eisberg)
Challenge: Angst - "Ich kann nicht mehr" (für mich)
Fandom: Nocturne Whispers (Harepocalype Now-AU, Masterpost)
Charaktere: Chikara, Chloe, Lewis, Nina
Widmung: Selbstverständlich für
alea
Fortsetzung hiervon von
alea =D
Außerdem:
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Nervös strich Chikara sich mit den Fingern durch ihren langen Pferdeschwanz. Nina hatte sie offenbar nicht bemerkt und das war auch ganz gut so. Chikara hatte auch gar nicht gewusst, wie sie damit umgehen sollte. Jeder Aufmerksamkeit durch die Opernsängerin würde auch Blicke aus dem Publikum auf sie lenken. Und dann würde Chikara ganz sicher vor Scham im Boden versinken.
Trotzdem blieb sie stehen und merkwürdigerweise ließ Chloe es zu. Dabei hatte die ja noch etwas anders zu tun. Als Chikara sich zu der Werwölfin umdrehte, lauschte die zwar nicht verzückt, aber doch ziemlich fasziniert. “Es ist nicht meine Musik, aber im Moment bin ich echt nicht wählerisch. Ich verstehe langsam, wo ihr Spitzname herkommt. Du kennst sie?”
Chikara nickte und wusste nicht, was sie sagen sollte. Dabei war sie Chloe im Grunde keine Rechenschaft über ihre Bekanntschaften schuldig. Über die Leute, die sie liebte. Auch wenn Chikara immer etwas Respekt vor Nina gehabt hatte. War bei ihr auf eine Weise angespannt, die sie bei Yann und Touya nicht war. Sie wusste selbst nicht, woran das lag. Vielleicht, weil Nina so viel älter war. Wie alt genug, wusste Chikara selbst nicht genau. Aber sie hatte sich auch nie getraut, nachzufragen. Ihr Wissen über Vampire war immer noch ausbaufähig, aber sie wusste sehr wohl, dass es eine wichtige Regel gab, die sowohl für Vampire als auch für Frauen galt: Man fragte nicht nach dem Alter.
Dann war das Konzert vorbei und Chikara ertappte sich dabei, dass ihr Applaus begeisterter war, als sie selbst erwartet hatte. Aber selbst sie als eine vollkommen unmusikalische Person musste zugeben, dass Ninas Stimme einfach… unglaublich war. Sollte jemals wieder eine Oper geöffnet werden, sollte sie vielleicht mal hingehen. Chloe aber wurde schnell wieder unruhig. “Wir sollten weiter. Je eher wir wieder zurück sind, desto besser.” Damit hatte sie natürlich Recht. Trotzdem wandte Chikara sich nur widerstrebend ab und sah nicht mehr, wie jemand hinter ihr herrannte. Was sie aber merkte war, dass sie am Arm festgehalten wurde. Der Rest war reiner Instinkt. Der junge Mann landete mit einem hörbaren “Uff” auf den Boden und Chloe war schneller zwischen ihnen als Chikara die Situation überhaupt verarbeiten konnte.
“Wer bist du und was willst du?”
Der Mann blinzelte etwas benommen zu ihnen auf und schien erst mit ziemlicher Verspätung zu merken, dass er drauf und dran war, ein Monster gegen sich aufzubringen. “Hey… moment! Ich will ihr nichts tun! Scheiße, das könnte ich ja nicht mal! Konntest du schon immer… diese Karate Kid-Nummer?”
Immer schon? Chikara versuchte ihn besser zu erkennen, aber als Mensch war ihre Nachtsicht nunmal nicht besonders gut. Darum schaltete sie am Ende einfach die Taschenlampe an und leuchtete in ein Gesicht, das schon bessere (aber auch schlechtere) Tage gesehen hatte. Und das ihr bekannt vorkam. Aber woher? Sie war in den letzten Jahren ziemlich vielen Leuten begegnet. Es war schwer, da den Überblick zu behalten.
“Ich bins, Lewis. Erinnerst du dich? Das Drop-In? Damals? Vor der Invasion der Kuscheltiere?”
Auch jetzt dauerte es noch ein paar Sekunden, bis der Groschen fiel. Der Straßenjunge, der Cory und sie damals erwischt hatte. Es war so unglaublich lange her…
“Chloe… er ist okay”, hoffte sie jedenfalls. Man wusste heute kaum mehr, wem man noch vertrauen konnte. Sie hatte sich fast daran gewöhnt. Aber nur fast.
Chloe schnaubte, ging aber einen Schritt zurück, damit Lewis aufstehen konnte. Der schien sich im ersten Moment noch nicht ganz zu trauen, erhob sich dann aber doch. “Nina hat mich hinter dir hergeschickt. Die Sängerin. Sie will dich sehen. Ich kann dich hinbringen.” Die Worte stolperten so schnell aus seinem Mund, dass sie beinahe übereinander fielen.
“Warum?”, war alles, was Chikara dazu einfiel. Erst dann fiel ihr ein, wie dämlich diese Frage war. Schließlich lebten sie in einer Zeit, wo es ein Geschenk war, alte Bekannte wiederzusehen. Und vielleicht… nein, bestimmt wusste Nina, wie sie wieder Kontakt zu Yann bekam. Oder konnte ihm wenigstens ausrichten, dass sie okay war.
“Sie sagt, sie hat dich vermisst.”
“O-okay…” Jedes Wort, das ihr einfiel war irgendwie unzureichend. Aber ihr Gehirn schien gerade ohnehin auf Sparflamme zu laufen. Als müsste es zu viele Informationen auf einmal verarbeiten, dabei war das eigentlich gar nicht der Fall. Nicht wirklich jedenfalls. Fast ein wenig hilfesuchend sah sie zu Chloe, die seufzte. “Okay. Aber ich komme mit.”
“Ihr passiert ni-”
“Das war keine Frage.”
Folgsam nickte Lewis. “Ja. Klar. Kein Thema. Dann kommt.” Er wartete noch ihr Einverständnis ab und ging los, wobei er sich nach einer Weile murrend den Arm rieb. Chikara hoffte, dass sie ihn nicht verletzt hatte. Nicht zu schwer jedenfalls. Der Boden war ziemlich hart. Logischerweise. Und sie wusste aus dem Training, dass schon der Fall auf eine Matte unangenehm war. Und sie hatte das gelernt.
Das Café war klein und dunkel. Nein, nicht dunkel, sondern so geschickt ganz hinten beleuchtet, dass nichts nach draußen drang. Mit einem hörbaren Zähneknirschen betrat Chloe es hinter ihr. Sie fühlte sich auf dem fremden Terrain nicht wohl, das war klar. Aber sie hielt sich bemerkenswert zurück. “Nina?”, fragte Chikara vorsichtig und eine imposante Silhouette erschien aus der Ecke mit dem Licht. Imposant vor allem wegen der Haltung. Eine Diva durch und durch.
Endlich jemand, den sie kannte und bei dem nicht irgendeine Katastrophe im Hintergrund lauerte. Sei es ein irrer Vampir oder die Unsicherheit darüber, was aus ihr werden würde. Chikara merkte erst, dass sie weinte, als ihr die ersten Tränen vom Kinn tropften. “Nina…”
“Schsch…” Die Vampirin kam vorsichtig näher, als würde sie sich einem verschreckten Reh nähern. “Alles wird gut. Alles ist gut.” Als Chikara die Hand auf ihrer Wange spürte, ließ sie jede Zurückhaltung fallen und warf sich Nina in die Arme. “Ich kann nicht mehr, Nina… ich kann einfach nicht mehr…”
Challenge: Angst - "Ich kann nicht mehr" (für mich)
Fandom: Nocturne Whispers (Harepocalype Now-AU, Masterpost)
Charaktere: Chikara, Chloe, Lewis, Nina
Widmung: Selbstverständlich für
Fortsetzung hiervon von
Außerdem:
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Nervös strich Chikara sich mit den Fingern durch ihren langen Pferdeschwanz. Nina hatte sie offenbar nicht bemerkt und das war auch ganz gut so. Chikara hatte auch gar nicht gewusst, wie sie damit umgehen sollte. Jeder Aufmerksamkeit durch die Opernsängerin würde auch Blicke aus dem Publikum auf sie lenken. Und dann würde Chikara ganz sicher vor Scham im Boden versinken.
Trotzdem blieb sie stehen und merkwürdigerweise ließ Chloe es zu. Dabei hatte die ja noch etwas anders zu tun. Als Chikara sich zu der Werwölfin umdrehte, lauschte die zwar nicht verzückt, aber doch ziemlich fasziniert. “Es ist nicht meine Musik, aber im Moment bin ich echt nicht wählerisch. Ich verstehe langsam, wo ihr Spitzname herkommt. Du kennst sie?”
Chikara nickte und wusste nicht, was sie sagen sollte. Dabei war sie Chloe im Grunde keine Rechenschaft über ihre Bekanntschaften schuldig. Über die Leute, die sie liebte. Auch wenn Chikara immer etwas Respekt vor Nina gehabt hatte. War bei ihr auf eine Weise angespannt, die sie bei Yann und Touya nicht war. Sie wusste selbst nicht, woran das lag. Vielleicht, weil Nina so viel älter war. Wie alt genug, wusste Chikara selbst nicht genau. Aber sie hatte sich auch nie getraut, nachzufragen. Ihr Wissen über Vampire war immer noch ausbaufähig, aber sie wusste sehr wohl, dass es eine wichtige Regel gab, die sowohl für Vampire als auch für Frauen galt: Man fragte nicht nach dem Alter.
Dann war das Konzert vorbei und Chikara ertappte sich dabei, dass ihr Applaus begeisterter war, als sie selbst erwartet hatte. Aber selbst sie als eine vollkommen unmusikalische Person musste zugeben, dass Ninas Stimme einfach… unglaublich war. Sollte jemals wieder eine Oper geöffnet werden, sollte sie vielleicht mal hingehen. Chloe aber wurde schnell wieder unruhig. “Wir sollten weiter. Je eher wir wieder zurück sind, desto besser.” Damit hatte sie natürlich Recht. Trotzdem wandte Chikara sich nur widerstrebend ab und sah nicht mehr, wie jemand hinter ihr herrannte. Was sie aber merkte war, dass sie am Arm festgehalten wurde. Der Rest war reiner Instinkt. Der junge Mann landete mit einem hörbaren “Uff” auf den Boden und Chloe war schneller zwischen ihnen als Chikara die Situation überhaupt verarbeiten konnte.
“Wer bist du und was willst du?”
Der Mann blinzelte etwas benommen zu ihnen auf und schien erst mit ziemlicher Verspätung zu merken, dass er drauf und dran war, ein Monster gegen sich aufzubringen. “Hey… moment! Ich will ihr nichts tun! Scheiße, das könnte ich ja nicht mal! Konntest du schon immer… diese Karate Kid-Nummer?”
Immer schon? Chikara versuchte ihn besser zu erkennen, aber als Mensch war ihre Nachtsicht nunmal nicht besonders gut. Darum schaltete sie am Ende einfach die Taschenlampe an und leuchtete in ein Gesicht, das schon bessere (aber auch schlechtere) Tage gesehen hatte. Und das ihr bekannt vorkam. Aber woher? Sie war in den letzten Jahren ziemlich vielen Leuten begegnet. Es war schwer, da den Überblick zu behalten.
“Ich bins, Lewis. Erinnerst du dich? Das Drop-In? Damals? Vor der Invasion der Kuscheltiere?”
Auch jetzt dauerte es noch ein paar Sekunden, bis der Groschen fiel. Der Straßenjunge, der Cory und sie damals erwischt hatte. Es war so unglaublich lange her…
“Chloe… er ist okay”, hoffte sie jedenfalls. Man wusste heute kaum mehr, wem man noch vertrauen konnte. Sie hatte sich fast daran gewöhnt. Aber nur fast.
Chloe schnaubte, ging aber einen Schritt zurück, damit Lewis aufstehen konnte. Der schien sich im ersten Moment noch nicht ganz zu trauen, erhob sich dann aber doch. “Nina hat mich hinter dir hergeschickt. Die Sängerin. Sie will dich sehen. Ich kann dich hinbringen.” Die Worte stolperten so schnell aus seinem Mund, dass sie beinahe übereinander fielen.
“Warum?”, war alles, was Chikara dazu einfiel. Erst dann fiel ihr ein, wie dämlich diese Frage war. Schließlich lebten sie in einer Zeit, wo es ein Geschenk war, alte Bekannte wiederzusehen. Und vielleicht… nein, bestimmt wusste Nina, wie sie wieder Kontakt zu Yann bekam. Oder konnte ihm wenigstens ausrichten, dass sie okay war.
“Sie sagt, sie hat dich vermisst.”
“O-okay…” Jedes Wort, das ihr einfiel war irgendwie unzureichend. Aber ihr Gehirn schien gerade ohnehin auf Sparflamme zu laufen. Als müsste es zu viele Informationen auf einmal verarbeiten, dabei war das eigentlich gar nicht der Fall. Nicht wirklich jedenfalls. Fast ein wenig hilfesuchend sah sie zu Chloe, die seufzte. “Okay. Aber ich komme mit.”
“Ihr passiert ni-”
“Das war keine Frage.”
Folgsam nickte Lewis. “Ja. Klar. Kein Thema. Dann kommt.” Er wartete noch ihr Einverständnis ab und ging los, wobei er sich nach einer Weile murrend den Arm rieb. Chikara hoffte, dass sie ihn nicht verletzt hatte. Nicht zu schwer jedenfalls. Der Boden war ziemlich hart. Logischerweise. Und sie wusste aus dem Training, dass schon der Fall auf eine Matte unangenehm war. Und sie hatte das gelernt.
Das Café war klein und dunkel. Nein, nicht dunkel, sondern so geschickt ganz hinten beleuchtet, dass nichts nach draußen drang. Mit einem hörbaren Zähneknirschen betrat Chloe es hinter ihr. Sie fühlte sich auf dem fremden Terrain nicht wohl, das war klar. Aber sie hielt sich bemerkenswert zurück. “Nina?”, fragte Chikara vorsichtig und eine imposante Silhouette erschien aus der Ecke mit dem Licht. Imposant vor allem wegen der Haltung. Eine Diva durch und durch.
Endlich jemand, den sie kannte und bei dem nicht irgendeine Katastrophe im Hintergrund lauerte. Sei es ein irrer Vampir oder die Unsicherheit darüber, was aus ihr werden würde. Chikara merkte erst, dass sie weinte, als ihr die ersten Tränen vom Kinn tropften. “Nina…”
“Schsch…” Die Vampirin kam vorsichtig näher, als würde sie sich einem verschreckten Reh nähern. “Alles wird gut. Alles ist gut.” Als Chikara die Hand auf ihrer Wange spürte, ließ sie jede Zurückhaltung fallen und warf sich Nina in die Arme. “Ich kann nicht mehr, Nina… ich kann einfach nicht mehr…”