[identity profile] thots-tochter.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Titel: Zweifel
Team: Weiß (Titanic)
Challenge: Krimi/Thriller/Horror: Splitter/Scherben – Fürs Team
Fandom: Doppelter Einsatz
Rating: PG-13
Genre: Angst, emotional hurt/no comfort
Warnungen: None
Zusammenfassung: Sabrinas Gedanken nach Bergers Selbstmordversuch...
Wörter: ~550
Anmerkungen: Bezieht sich auf die Folge "Missbraucht", eine der wirklich großen Doppelter-Einsatz-Folgen. Ich möchte anmerken, daas ich nach einem 14-Stunden-Trip durch das halbe Sauerland und einen Großteil des Münsterlands inklusive Fußmarsch quer durch die Fahrradmetropole selbst, weder psychisch noch physisvh zurechnungsfähig bin. Dieser Text ist folglich absolut unbeta'ed und möglicherweise etwas wirr. Ich hoffe, man versteht ihn trotzdem.


Zweifel

Es ist wie der Blick durch den Spiegel in den Verhörraum. Dabei sein und trotzdem keinen Einfluss haben, zusehen müssen, egal was kommt. Die Sanitäter versorgen Berger, untersuchen seine Verletzungen, legen Zugänge, spritzen Medikamente. Sie hieven ihm auf die Trage, machen sich bereit für den Abtransport.

Es passiert direkt vor ihren Augen, kaum ein Armlänge entfernt. Stimmen dringen zu ihr, halb verschluckt durch den strömenden Regen, einzelne Worte nur. Es reicht um zu verstehen, wie es um ihn steht. Seine Chancen sind schlecht. Sie rechnen nicht damit, dass er durchkommt.

„Ich hab’s nicht getan.“

Bergers letzte Worte laufen in Endlosschleife durch ihren Kopf. Wie er sie anschaut, dann das Fenster, dann wieder sie. Sie begreift, was er vorhat und hat doch keine Chance. Berger stürmt auf das Fenster zu, schlägt die Hände vor dem Gesicht zusammen und springt. Springt durch die geschlossene Scheibe. Drei Stockwerke tief.

Der Regen prasselt auf sie herunter, rinnt ihr durchs Haar, den Nacken hinab und bis in den Kragen. Sabrina schließt die Augen, versucht tief durchzuatmen, schlägt die Hand vor den Mund. Das war ihr Werk.

„Kommt er durch?“

Evas Frage holt sich in die Wirklichkeit zurück. Dorthin, wo der Regen nass und kalt ist. Wo sie einen Mann in den Selbstmord getrieben hat. Sie schieben die Trage in den Wagen, schlagen die Türen zu, rasen mit Blaulicht und Martinshorn davon.

‚Zu spät, zu spät, zu spät…‘

Sabrina lehnt sich gegen die Wand, schlingt die Arme um sich selbst, starrt dem Rettungswagen hinterher. Eva steht hinter ihr. Der Regenschirm bietet ein bisschen Schutz. Die Kälte kriecht Sabrina trotzdem in alle Knochen. Sie sucht nach den richtigen Worten. Eva wartet.

„Kennst du das? Du hast alles getan. Dein Verdächtiger hatte die Gelegenheit, ein Motiv, kein Alibi und ist geständig.“

Wann, wie, warum ist dieser Fall so fürchterlich schief gegangen? Schon damals, als sie viel zu motiviert war, denn All zu lösen? Als sie alle Zweifel an Kesslers Methoden wieder und wieder geschluckt hat, weil sie so unbedingt Erfolg haben wollte? Gut sein wollte, gesehen werden wollte. Mehr sein wollte, als nur die Erfüllung eine Quote. Frau. Ausländerin. Alibi. Warum hatte sie nichts gesagt?

„Alle klopfen sie dir auf die Schulter, alle sind sie deiner Meinung, Staatsanwalt, Richter, alle.“

Evas Hand liegt auf ihrer Schulter, drückt sie sanft. Es macht die Sache nicht einfacher. Sie hat diesen Trost nicht verdient. Sie hat ein Menschenleben zerstört.

„Der Mann geht in den Knast und …“ Sabrina legt den Kopf in den Nacken, lacht bitter auf. „… und du bleibst zurück und glaubst es selbst nicht.“

Sie hast es kaum glauben können – und hat doch den Mund gehalten. Hat die lauten Zweifel in ihrem Kopf übertönt mit noch lauteren Sprüchen, hat geschwiegen und weggeschaut.

„Ich hab’ nie meine letzten Zweifel verloren. Berger… ich weiß bis heut’ nicht, ob er’s war.“

Ja, Berger hat gestanden. Aber ist das irgendetwas wert? Nach fast achtundvierzig Stunden Verhör. Ohne Schlaf, ohne Essen, ohne Anwalt. Beschimpft, bedrängt, bedroht. Berger hätte alles gestanden, ganz gleich, was Kessler ihn gefragt hätte. Er hat es wiederholt, vor dem Haftrichter. War das ein Beweis seiner Schuld? Oder doch nur für Kesselers Verhörtaktiken.

„Ich weiß nur ein, wenn er’s nicht war, dann muss ich das rauskriegen. Bevor er stirbt.“

Das ist das mindeste, was sie ihm schuldig ist. Sie hat sein Leben zerstört. Er verdient es, die Wahrheit zu erfahren. Es ist das einzige, was sie noch für ihn tun kann.

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