Titel:Verwandte Seelen
Team: Weiß (Titanic)
Challenge: AU: Seelenverwandte – Fürs Team
Fandom: SK Kölsch
Rating: PG-13
Genre: AU, (Pre)Slash, Romance
Warnungen: Haftung für Beeinträchtigungen der geistigen Gesundheit wird nicht übernommen
Zusammenfassung: Fünf Mal, in denen Klaus nach Kräften ignoriert, dass Jupp und er seelenverwandt sind und das eine Mal, in dem es nicht mehr geht…
Wörter: ~2000
Anmerkungen: Okay, ich habe noch nie ein wirklich echtes AU geschrieben, also mehr als nur die üblichen canon divergence Sachen, von daher ist das jetzt eine Premiere. Ich glaube, die Zeitstruktur ist komplett wirr. Es sollte eigentlich Präsenz sein, aber ich bin zwischendurch glaube ich immer mal wieder ins Präteritum gefallen.
Vielleicht kurz zur Einordnung: Ich habe so ein gewisses Problem mit der Idee vieler Soulmate-AUs, dass Soulmates quasi ab Geburt oder ab dem frühesten Kindesalter feststehen, weil ich den Gedanken, dass das gesamte Wesen eine Menschen schon bei der Geburt festgelegt sein soll, ganz erschreckend deterministisch und furchtbar finde. Deshalb habe ich die Idee hier etwas anders interpretiert. Es gibt Soulmates, aber sie entstehen quasi durch einen „Gewöhnungsprozess“ in dem sich Menschen (platonisch oder romantisch) näher kommen und ihre Seelen quasi in Gleichklang bringen. Resonanz habe ich dieses Phänomen getauft. Daher erscheinen Seelenmale auch langsam und über einen längeren Zeitraum und können auch wieder verblassen. Ein Mensch kann durchaus mehrere Soulmates haben, sowohl gleichzeitig oder nacheinander, und auch Menschen ganz ohne Soulmates sind völlig normal.
Das nur zur Erklärung. Ich hoffe, es zählt damit noch in die Soulmate-Trope.
Verwandte Seelen
Seelenverwandtschaft – gibt es etwas auf dieser Welt, was das Leben der Menschen mehr beeinflusst und über das doch gleichzeitig so viele Fehlinformationen in Umlauf sind, wie dieses Konzept? Vermutlich nicht. Klaus hat sich immer bemüht, rational damit umzugehen, logisch, auch wenn Seele und Logik auf den ersten Blick nicht unbedingt kompatibel scheinen. Sein Studium der Psychologie und sein Job als Profiler haben ihm dabei geholfen, haben ein ums andere Mal bestätigt, was er sich schon in früher Kindheit logisch selbst zurechtgelegt hatte.
Nein, der Seelenverwandte eines Menschen steht nicht schon bei der Geburt fest – was für ein furchtbares Menschenbild wäre das auch, wenn man annähme, dass alles, was einen Menschen ausmacht schon bei seiner Geburt unumstößlich definiert wäre. Nein, ein Mensch hat nicht nur einen einzigen Seelenverwandten in seinem Leben – er hat gar nicht so viele Worte, wie er gegen diesen gefährlichen Irrglauben anschreien will, der immer noch von hunderttausenden sogenannter Experten vertreten wird. Viel zu oft hat er schon die Trümmer aufsammeln müssen, wenn der Verlust seines Seelenverwandten wieder einen Menschen zum Äußersten getrieben hat. Nein, nicht alle Seelenpartnerschaften sind romantischer Natur und nur weil Menschen seelenverwandt sind, sind sie auch nicht dafür bestimmt, ihr ganzes Leben miteinander zu verbringen – sie haben eine ganz besondere Beziehung, ihre Seelen schwingen gleich, Resonanz nennt die Wissenschaft das, aber wie genau das in den einzelnen Partnerschaften aussieht, geht nur die Involvierten etwas an.
Logisch, rational im Kopf, weiß Klaus das alles, und trotzdem findet er sich manchmal empfänglich für diese romantischen Vorstellungen die überall kursieren, die ihn fast jeden Tag von der Titelseite, Plakaten, Werbeclips und Filmen anspringen. Diese Idee von der großen Liebe, von der ganz und gar erfüllten Beziehung mit seinem Seelenpartner. Insgeheim wünscht er sich das, so ehrlich ist er immerhin zu sich selbst. Aber es ist in den letzten 40 Jahren nicht passiert und die Chancen werden kleiner, je älter er wird. Deswegen schiebt er die Sehnsucht weg, mit Erklärungen und mit Logik. Vielleicht hat er es deswegen erst nicht bemerkt, gar nicht wahrhaben wollen, mit aller Gewalt ignoriert. Denn wenn eins noch schlechter zusammenpasst als Seelen und Logik, dann ist es Jupp und Logik. Dabei waren die Anzeichen doch da. Wie hatte er nur so blind sein können? Es stand ihm doch quasi vor Augen. Jeden Tag.
Schon damals, bei ihrem ersten Treffen, als Klaus nur Berater war, nur für den Fall hinzugezogen, hier nach Köln, als Jupp und er sich noch gesiezt hatten, als sie die Gegenwart des anderen kaum ertragen hatten. Schon damals war da etwas gewesen. Oder vielleicht ist das jetzt auch nur eine Missinterpretation, im Rückblick, weil er so verzweifelt will, dass das alles irgendwie Sinn ergibt. Aber dann steht ihm die Szene wieder so klar vor Augen und er ist sich sicher, dass er sich nichts einbildet, nichts missinterpretiert. Wie sie da damals in der Küche gesessen haben, in dieser Nacht, als er mal wieder nicht geschlafen hat, nicht schlafen konnte, wegen der Albträume. Wie Jupp ihm die heiße Milch mit Honig angeboten hat und wie Klaus ihm dann die Wahrheit gesagt hat, über die Träume, einfach so, fast ohne Zögern. Wie Jupp es einfach zur Kenntnis genommen hat, nicht gespottet hat, es nicht kleingeredet hat, nur genickt hat, langsam, bedächtig und dann gebrummt hat „Kenne ich.“ Wie Klaus ihm plötzlich mehr erzählt hat, als er je gewollt hat, mehr als er selbst Andreas erzählt hat, mehr als er jemals irgendwem erzählt hat. Wie Jupp ihm am Ende doch noch die Milch gemacht hat, wie sie schweigend am Tisch gesessen haben, dieses ruhige, verbindende Schweigen, jeder in seinen Gedanken und doch nicht peinlich berührt von der Gegenwart des anderen und wie er dann tatsächlich ein paar Stunden geschlafen hat, ohne Albträume, ohne Angst.
Da hat er es zum ersten Mal gespürt, dieses Gefühl unter dem Schlüsselbein, dieses seltsame Prickeln, als ob da etwas unter seiner Haut gewesen wäre. Er hat es ignoriert damals, hat nur irritiert darüber gerieben und als er am nächsten Morgen diesen seltsamen Schatten gesehen hat, irgendwo zwischen dunkelviolett und grau, da hat er es nur für einen alten Bluterguss gehalten und ganz schnell wieder vergessen.
Das zweite Mal war erst eine ganze Weile später gewesen, damals, als er Jan wieder getroffen hatte. Im Krankenhaus war das gewesen, nachdem Jan versucht hatte, ihn umbringen zu lassen. Mit einem dicken Verband um die Schulter und ziemlich zugedröhnt mit Schmerzmitteln. Da hatte sowieso alles gekribbelt und geprickelt und sich überhaupt einfach komisch angefühlt. Trotzdem war er sich im Rückblick ziemlich sicher, dass da noch etwas anderes gewesen war. Als Jupp reingestürmt kam, im Blaumann, Jacke über dem Arm, völlig zerwühlte Frisur, und sich ohne zu zögern als sein Bruder ausgegeben hatte. Da war es wieder gewesen, das warme Gefühl im Bauch und das Prickeln unter dem Schlüsselbein. Und am nächsten Morgen war der seltsame Fleck ein bisschen dunkler gewesen, ein bisschen prominenter. Und wieder hatte er es ignoriert, hatte es weggeschoben. Sein Oberkörper war ja sowieso grün und blau gewesen, von seinem Sprung ins Wasser, alles hatte wehgetan, gekribbelt und gebrannt. Was sollte er da so einem dummen Fleck irgendwelche Bedeutung zumessen, nur weil er ein bisschen weit weg von den anderen war.
Das dritte Mal war es ihm noch viel leichter gefallen, es zu ignorieren. Da in dem Steinbruch, nachdem sie dem Arp endlich das Handwerk gelegt hatten. Da war er sowieso vollkommen neben der Spur gewesen. Sein ganzer Körper kribbelte, alles tat weh nach drei Tagen Geiselhaft und Folter. Dann noch die Sorge um Jupp, mit seinem Oberschenkeldurchschuss. Da war es wenig verwunderlich, dass ihm das komische Prickeln unter dem Schlüsselbein erst viel, viel später im Rückblick aufgefallen war. Und dass der Fleck nicht aufgefallen war, so wie er aussah, grün und blau geprügelt, mit den Blutergüssen und Platzwunden, das war wohl noch viel weniger verwunderlich. Auch wenn er da schon eine komische Form gehabt hatte – und so seltsame Linien zeigte, wie ein keltischer Knoten. Ob die Kelten die Formen ihrer mystischen Knoten von Seelenmalen abgeleitet hatten?
Vielleicht, er wusste es nicht wirklich, aber es war auch eigentlich nicht wichtig. Wichtig war, dass er damals zum ersten Mal daran gedacht hatte, dass es vielleicht ein Seelenmal sein könnte. Nur hatte er es damals nicht mit Jupp assoziiert. Da war er ja noch mit Christian zusammen gewesen. Eigentlich hätte es ihm ein Zeichen sein sollen, dass das Mal nicht verblasst war, nachdem Christian ihn so übel betrogen hatte, aber vielleicht hatte er das in dem Moment auch einfach nicht wissen wollen. Er war viel zu beschäftigt damit gewesen, dass ihn einmal mehr ein Partner für einen anderen Mann verlassen hatte.
Das vierte Mal war dann ganz und gar unauffällig gewesen, aber eigentlich auch ziemlich eindeutig. Er hatte es nur einmal mehr nicht wahrhaben wollen. Als er Jupp zum Eishockey geschleift hatte, nachdem sie den Mord an dem russischen Profi aufgeklärt hatten. Das war das erste Mal gewesen, das Jupp ihn zu etwas begleitet hatte, wo er gerne hinwollte, nicht umgekehrt, und es hatte sich gut angefühlt, extrem gut. Natürlich hatte er das Kribbeln unter seinem Schlüsselbein bemerkt, natürlich hatte er am nächsten Tag bemerkt, dass der Fleck schon wieder deutlicher geworden war, die Linien feiner, das Muster besser erkennbar. Feine, verschlungene Linien, kein Anfang, kein Ende, ein perfekter, dunkelvioletter Knoten. Wenn er ganz ehrlich war, dann war ihm da schon klar gewesen, was das war, was es bedeuten sollte, aber er hatte es vorgezogen, das zu ignorieren.
Genauso wie beim fünften Mal, obwohl es noch eindeutiger gewesen war, noch klarer, obwohl es da eigentlich schon nichts mehr zu leugnen, zu ignorieren gab. Es war der berühmte Wink mit dem Zaunpfahl gewesen, nein, eigentlich war es schon ein Brückenpfeiler gewesen, da in dem Dojo, als Flo seine Karatestunde hatte. Wie er Jupp damals das Aikuchi gezeigt hatte, das er geschenkt bekommen hatte. Wie Jupp darübergestrichen hatte, nur mit den Fingerspitzen, ganz ehrfürchtig, vorsichtig, als würde er etwas Zerbrechliches berühren. Da war es schon kein Kribbeln mehr gewesen, auch kein Prickeln, mehr ein Brennen, scharf und kaum mehr zu ignorieren. Danach war das Mal voll ausgeformt gewesen, kräftig gefärbt und gestochen scharf. Ganz und gar eindeutig, kein Zweifel mehr möglich. Und trotzdem hat er es ignoriert, hat nichts unternommen, hat es nach Kräften verleugnet, vor sich selbst und vor anderen.
Und deswegen steht er jetzt hier, in den Katakomben des Müngersdorfer Radstadions, nur mit einem Handtuch um die Hüften, und starrt auf Jupps bloßen Rücken. Um ihn herum rauschen die Duschen, es ist warm und feucht, Wasserdampf hängt in der Luft und macht alles ein bisschen dunstig, fast unwirklich. Das Mal auf Jupps Schulter aber bleibt gestochen scharf. In feinen, violetten Linien, getreu bis ins kleinste Detail, prangt das das exakte Gegenstück zu seinem eigenen Mal. Ein paar Wassertropfen rinnen darüber und Klaus spürt sie auf seiner Brust, obwohl er doch noch gar nicht unter der Dusche war.
Seine Kehle ist mit einem Mal ganz eng, er kann nicht mehr atmen. Blut rauscht in seinen Ohren, die Konturen verschwimmen vor seinen Augen, selbst Jupps Silhouette wird ganz unscharf. Das Mal scheint sich auszudehnen, wird immer größer, nimmt schließlich sein ganzes Sichtfeld ein. Sein Duschgel gleitet ihm aus der Hand, fällt scheppernd zu Boden. Jupp fährt herum. Das Mal verschwindet aus Klaus’ Blick und für einen Moment kann er wieder atmen. Dann erinnert er sich, dass er nur noch ein Handtuch um die Hüften hat und er schließt ergeben die Augen.
„Klaus, was… oh…“
Mehr sagt Jupp nicht. Seine Stimme bricht, klingt am Ende fast tonlos. Klaus erwidert nichts, bleibt einfach stehen, mit geschlossenen Augen und wartet. Will nichts sehen, schon gar nicht Jupps Gesichtsausdruck und will auch nichts hören, aber er weiß schon, dass Jupp ihm das nicht ersparen wird. Jupp mag viele Qualitäten haben, aber Takt gehört nicht dazu.
Plötzlich sind da Fingerspitzen auf seiner Brust, streichen zart über das Mal. Ein Kribbeln jagt durch Klaus’ Körper. Er fährt zusammen, reißt die Augen wieder auf. Jupp steht jetzt ganz dich vor ihm, legt den Kopf schief, studiert das Mal ganz genau.
Warum hast du nichts gesagt?“, fragt er schließlich.
Er hebt den Blick, schaut Klaus jetzt direkt in die Augen. Unsicher, ein bisschen zweifelnd, fast wie ein kleiner Junge und der Macho mit der großen Klappe, der sonst alles und jeden auf Distanz hält, ist in diesem Augenblick meilenweit weg. Klaus zuckt nur hilflos die Schultern.
„Ich… ich war … also … ich meine…“ Er schüttelt den Kopf, atmet einmal tief durch und setzt neu an. „Willst du das denn überhaupt?“
„Was?“
Jupp Finger ruhen noch immer auf Klaus’ Seelenmal, ihrem Seelenmal, und machen das Denken irgendwie schwierig.
„Na … na … das hier…“
Klaus gerät wieder ins Schwimmen. Die Worte wollen sich einfach nicht formen, sein Gehirn ist wie Wackelpudding und die Knie auch und er macht nur eine vage Geste, die alles umfassen kann aber auch gar nichts bedeuten muss. Jupp zuckt die Schultern, streicht mit den Fingern an Klaus Brust hinab, bis er schließlich auf der Kante des Handtuchs zur Ruhe kommt.
„Ich weiß nicht.“ Er zuckt die Schultern, legt die andere Hand an Klaus’ Hüfte, zieht ihn leicht zu sich. „Aber ich… ich würd’ gern herausfinden, was es eigentlich ist.“
Das ist kein „Ja“, aber auch kein „Nein“, mehr ein großes „Vielleicht“ mit dezent positiver Tendenz. Klaus schluckt trocken und nickt langsam. Jupp zieht ihn zu sich, streicht mit den Händen seinen Rücken hinauf, drückt ihn fest an sich, hält ihn einfach nur fest. Klaus vergräbt das Gesicht in Jupps Halsbeuge, erwiderte die Umarmung.
Er weiß nicht, wie lange sie so dort stehen, wieviel Zeit verrinnt. Sekunden, Minuten, vielleicht gar Stunden. Es ist unwichtig. Wichtig ist nur das Prickeln unter seinem Schlüsselbein und die Gewissheit, dass es gut ist, was auch immer es sein wird zwischen ihnen.
Team: Weiß (Titanic)
Challenge: AU: Seelenverwandte – Fürs Team
Fandom: SK Kölsch
Rating: PG-13
Genre: AU, (Pre)Slash, Romance
Warnungen: Haftung für Beeinträchtigungen der geistigen Gesundheit wird nicht übernommen
Zusammenfassung: Fünf Mal, in denen Klaus nach Kräften ignoriert, dass Jupp und er seelenverwandt sind und das eine Mal, in dem es nicht mehr geht…
Wörter: ~2000
Anmerkungen: Okay, ich habe noch nie ein wirklich echtes AU geschrieben, also mehr als nur die üblichen canon divergence Sachen, von daher ist das jetzt eine Premiere. Ich glaube, die Zeitstruktur ist komplett wirr. Es sollte eigentlich Präsenz sein, aber ich bin zwischendurch glaube ich immer mal wieder ins Präteritum gefallen.
Vielleicht kurz zur Einordnung: Ich habe so ein gewisses Problem mit der Idee vieler Soulmate-AUs, dass Soulmates quasi ab Geburt oder ab dem frühesten Kindesalter feststehen, weil ich den Gedanken, dass das gesamte Wesen eine Menschen schon bei der Geburt festgelegt sein soll, ganz erschreckend deterministisch und furchtbar finde. Deshalb habe ich die Idee hier etwas anders interpretiert. Es gibt Soulmates, aber sie entstehen quasi durch einen „Gewöhnungsprozess“ in dem sich Menschen (platonisch oder romantisch) näher kommen und ihre Seelen quasi in Gleichklang bringen. Resonanz habe ich dieses Phänomen getauft. Daher erscheinen Seelenmale auch langsam und über einen längeren Zeitraum und können auch wieder verblassen. Ein Mensch kann durchaus mehrere Soulmates haben, sowohl gleichzeitig oder nacheinander, und auch Menschen ganz ohne Soulmates sind völlig normal.
Das nur zur Erklärung. Ich hoffe, es zählt damit noch in die Soulmate-Trope.
Verwandte Seelen
Seelenverwandtschaft – gibt es etwas auf dieser Welt, was das Leben der Menschen mehr beeinflusst und über das doch gleichzeitig so viele Fehlinformationen in Umlauf sind, wie dieses Konzept? Vermutlich nicht. Klaus hat sich immer bemüht, rational damit umzugehen, logisch, auch wenn Seele und Logik auf den ersten Blick nicht unbedingt kompatibel scheinen. Sein Studium der Psychologie und sein Job als Profiler haben ihm dabei geholfen, haben ein ums andere Mal bestätigt, was er sich schon in früher Kindheit logisch selbst zurechtgelegt hatte.
Nein, der Seelenverwandte eines Menschen steht nicht schon bei der Geburt fest – was für ein furchtbares Menschenbild wäre das auch, wenn man annähme, dass alles, was einen Menschen ausmacht schon bei seiner Geburt unumstößlich definiert wäre. Nein, ein Mensch hat nicht nur einen einzigen Seelenverwandten in seinem Leben – er hat gar nicht so viele Worte, wie er gegen diesen gefährlichen Irrglauben anschreien will, der immer noch von hunderttausenden sogenannter Experten vertreten wird. Viel zu oft hat er schon die Trümmer aufsammeln müssen, wenn der Verlust seines Seelenverwandten wieder einen Menschen zum Äußersten getrieben hat. Nein, nicht alle Seelenpartnerschaften sind romantischer Natur und nur weil Menschen seelenverwandt sind, sind sie auch nicht dafür bestimmt, ihr ganzes Leben miteinander zu verbringen – sie haben eine ganz besondere Beziehung, ihre Seelen schwingen gleich, Resonanz nennt die Wissenschaft das, aber wie genau das in den einzelnen Partnerschaften aussieht, geht nur die Involvierten etwas an.
Logisch, rational im Kopf, weiß Klaus das alles, und trotzdem findet er sich manchmal empfänglich für diese romantischen Vorstellungen die überall kursieren, die ihn fast jeden Tag von der Titelseite, Plakaten, Werbeclips und Filmen anspringen. Diese Idee von der großen Liebe, von der ganz und gar erfüllten Beziehung mit seinem Seelenpartner. Insgeheim wünscht er sich das, so ehrlich ist er immerhin zu sich selbst. Aber es ist in den letzten 40 Jahren nicht passiert und die Chancen werden kleiner, je älter er wird. Deswegen schiebt er die Sehnsucht weg, mit Erklärungen und mit Logik. Vielleicht hat er es deswegen erst nicht bemerkt, gar nicht wahrhaben wollen, mit aller Gewalt ignoriert. Denn wenn eins noch schlechter zusammenpasst als Seelen und Logik, dann ist es Jupp und Logik. Dabei waren die Anzeichen doch da. Wie hatte er nur so blind sein können? Es stand ihm doch quasi vor Augen. Jeden Tag.
Schon damals, bei ihrem ersten Treffen, als Klaus nur Berater war, nur für den Fall hinzugezogen, hier nach Köln, als Jupp und er sich noch gesiezt hatten, als sie die Gegenwart des anderen kaum ertragen hatten. Schon damals war da etwas gewesen. Oder vielleicht ist das jetzt auch nur eine Missinterpretation, im Rückblick, weil er so verzweifelt will, dass das alles irgendwie Sinn ergibt. Aber dann steht ihm die Szene wieder so klar vor Augen und er ist sich sicher, dass er sich nichts einbildet, nichts missinterpretiert. Wie sie da damals in der Küche gesessen haben, in dieser Nacht, als er mal wieder nicht geschlafen hat, nicht schlafen konnte, wegen der Albträume. Wie Jupp ihm die heiße Milch mit Honig angeboten hat und wie Klaus ihm dann die Wahrheit gesagt hat, über die Träume, einfach so, fast ohne Zögern. Wie Jupp es einfach zur Kenntnis genommen hat, nicht gespottet hat, es nicht kleingeredet hat, nur genickt hat, langsam, bedächtig und dann gebrummt hat „Kenne ich.“ Wie Klaus ihm plötzlich mehr erzählt hat, als er je gewollt hat, mehr als er selbst Andreas erzählt hat, mehr als er jemals irgendwem erzählt hat. Wie Jupp ihm am Ende doch noch die Milch gemacht hat, wie sie schweigend am Tisch gesessen haben, dieses ruhige, verbindende Schweigen, jeder in seinen Gedanken und doch nicht peinlich berührt von der Gegenwart des anderen und wie er dann tatsächlich ein paar Stunden geschlafen hat, ohne Albträume, ohne Angst.
Da hat er es zum ersten Mal gespürt, dieses Gefühl unter dem Schlüsselbein, dieses seltsame Prickeln, als ob da etwas unter seiner Haut gewesen wäre. Er hat es ignoriert damals, hat nur irritiert darüber gerieben und als er am nächsten Morgen diesen seltsamen Schatten gesehen hat, irgendwo zwischen dunkelviolett und grau, da hat er es nur für einen alten Bluterguss gehalten und ganz schnell wieder vergessen.
Das zweite Mal war erst eine ganze Weile später gewesen, damals, als er Jan wieder getroffen hatte. Im Krankenhaus war das gewesen, nachdem Jan versucht hatte, ihn umbringen zu lassen. Mit einem dicken Verband um die Schulter und ziemlich zugedröhnt mit Schmerzmitteln. Da hatte sowieso alles gekribbelt und geprickelt und sich überhaupt einfach komisch angefühlt. Trotzdem war er sich im Rückblick ziemlich sicher, dass da noch etwas anderes gewesen war. Als Jupp reingestürmt kam, im Blaumann, Jacke über dem Arm, völlig zerwühlte Frisur, und sich ohne zu zögern als sein Bruder ausgegeben hatte. Da war es wieder gewesen, das warme Gefühl im Bauch und das Prickeln unter dem Schlüsselbein. Und am nächsten Morgen war der seltsame Fleck ein bisschen dunkler gewesen, ein bisschen prominenter. Und wieder hatte er es ignoriert, hatte es weggeschoben. Sein Oberkörper war ja sowieso grün und blau gewesen, von seinem Sprung ins Wasser, alles hatte wehgetan, gekribbelt und gebrannt. Was sollte er da so einem dummen Fleck irgendwelche Bedeutung zumessen, nur weil er ein bisschen weit weg von den anderen war.
Das dritte Mal war es ihm noch viel leichter gefallen, es zu ignorieren. Da in dem Steinbruch, nachdem sie dem Arp endlich das Handwerk gelegt hatten. Da war er sowieso vollkommen neben der Spur gewesen. Sein ganzer Körper kribbelte, alles tat weh nach drei Tagen Geiselhaft und Folter. Dann noch die Sorge um Jupp, mit seinem Oberschenkeldurchschuss. Da war es wenig verwunderlich, dass ihm das komische Prickeln unter dem Schlüsselbein erst viel, viel später im Rückblick aufgefallen war. Und dass der Fleck nicht aufgefallen war, so wie er aussah, grün und blau geprügelt, mit den Blutergüssen und Platzwunden, das war wohl noch viel weniger verwunderlich. Auch wenn er da schon eine komische Form gehabt hatte – und so seltsame Linien zeigte, wie ein keltischer Knoten. Ob die Kelten die Formen ihrer mystischen Knoten von Seelenmalen abgeleitet hatten?
Vielleicht, er wusste es nicht wirklich, aber es war auch eigentlich nicht wichtig. Wichtig war, dass er damals zum ersten Mal daran gedacht hatte, dass es vielleicht ein Seelenmal sein könnte. Nur hatte er es damals nicht mit Jupp assoziiert. Da war er ja noch mit Christian zusammen gewesen. Eigentlich hätte es ihm ein Zeichen sein sollen, dass das Mal nicht verblasst war, nachdem Christian ihn so übel betrogen hatte, aber vielleicht hatte er das in dem Moment auch einfach nicht wissen wollen. Er war viel zu beschäftigt damit gewesen, dass ihn einmal mehr ein Partner für einen anderen Mann verlassen hatte.
Das vierte Mal war dann ganz und gar unauffällig gewesen, aber eigentlich auch ziemlich eindeutig. Er hatte es nur einmal mehr nicht wahrhaben wollen. Als er Jupp zum Eishockey geschleift hatte, nachdem sie den Mord an dem russischen Profi aufgeklärt hatten. Das war das erste Mal gewesen, das Jupp ihn zu etwas begleitet hatte, wo er gerne hinwollte, nicht umgekehrt, und es hatte sich gut angefühlt, extrem gut. Natürlich hatte er das Kribbeln unter seinem Schlüsselbein bemerkt, natürlich hatte er am nächsten Tag bemerkt, dass der Fleck schon wieder deutlicher geworden war, die Linien feiner, das Muster besser erkennbar. Feine, verschlungene Linien, kein Anfang, kein Ende, ein perfekter, dunkelvioletter Knoten. Wenn er ganz ehrlich war, dann war ihm da schon klar gewesen, was das war, was es bedeuten sollte, aber er hatte es vorgezogen, das zu ignorieren.
Genauso wie beim fünften Mal, obwohl es noch eindeutiger gewesen war, noch klarer, obwohl es da eigentlich schon nichts mehr zu leugnen, zu ignorieren gab. Es war der berühmte Wink mit dem Zaunpfahl gewesen, nein, eigentlich war es schon ein Brückenpfeiler gewesen, da in dem Dojo, als Flo seine Karatestunde hatte. Wie er Jupp damals das Aikuchi gezeigt hatte, das er geschenkt bekommen hatte. Wie Jupp darübergestrichen hatte, nur mit den Fingerspitzen, ganz ehrfürchtig, vorsichtig, als würde er etwas Zerbrechliches berühren. Da war es schon kein Kribbeln mehr gewesen, auch kein Prickeln, mehr ein Brennen, scharf und kaum mehr zu ignorieren. Danach war das Mal voll ausgeformt gewesen, kräftig gefärbt und gestochen scharf. Ganz und gar eindeutig, kein Zweifel mehr möglich. Und trotzdem hat er es ignoriert, hat nichts unternommen, hat es nach Kräften verleugnet, vor sich selbst und vor anderen.
Und deswegen steht er jetzt hier, in den Katakomben des Müngersdorfer Radstadions, nur mit einem Handtuch um die Hüften, und starrt auf Jupps bloßen Rücken. Um ihn herum rauschen die Duschen, es ist warm und feucht, Wasserdampf hängt in der Luft und macht alles ein bisschen dunstig, fast unwirklich. Das Mal auf Jupps Schulter aber bleibt gestochen scharf. In feinen, violetten Linien, getreu bis ins kleinste Detail, prangt das das exakte Gegenstück zu seinem eigenen Mal. Ein paar Wassertropfen rinnen darüber und Klaus spürt sie auf seiner Brust, obwohl er doch noch gar nicht unter der Dusche war.
Seine Kehle ist mit einem Mal ganz eng, er kann nicht mehr atmen. Blut rauscht in seinen Ohren, die Konturen verschwimmen vor seinen Augen, selbst Jupps Silhouette wird ganz unscharf. Das Mal scheint sich auszudehnen, wird immer größer, nimmt schließlich sein ganzes Sichtfeld ein. Sein Duschgel gleitet ihm aus der Hand, fällt scheppernd zu Boden. Jupp fährt herum. Das Mal verschwindet aus Klaus’ Blick und für einen Moment kann er wieder atmen. Dann erinnert er sich, dass er nur noch ein Handtuch um die Hüften hat und er schließt ergeben die Augen.
„Klaus, was… oh…“
Mehr sagt Jupp nicht. Seine Stimme bricht, klingt am Ende fast tonlos. Klaus erwidert nichts, bleibt einfach stehen, mit geschlossenen Augen und wartet. Will nichts sehen, schon gar nicht Jupps Gesichtsausdruck und will auch nichts hören, aber er weiß schon, dass Jupp ihm das nicht ersparen wird. Jupp mag viele Qualitäten haben, aber Takt gehört nicht dazu.
Plötzlich sind da Fingerspitzen auf seiner Brust, streichen zart über das Mal. Ein Kribbeln jagt durch Klaus’ Körper. Er fährt zusammen, reißt die Augen wieder auf. Jupp steht jetzt ganz dich vor ihm, legt den Kopf schief, studiert das Mal ganz genau.
Warum hast du nichts gesagt?“, fragt er schließlich.
Er hebt den Blick, schaut Klaus jetzt direkt in die Augen. Unsicher, ein bisschen zweifelnd, fast wie ein kleiner Junge und der Macho mit der großen Klappe, der sonst alles und jeden auf Distanz hält, ist in diesem Augenblick meilenweit weg. Klaus zuckt nur hilflos die Schultern.
„Ich… ich war … also … ich meine…“ Er schüttelt den Kopf, atmet einmal tief durch und setzt neu an. „Willst du das denn überhaupt?“
„Was?“
Jupp Finger ruhen noch immer auf Klaus’ Seelenmal, ihrem Seelenmal, und machen das Denken irgendwie schwierig.
„Na … na … das hier…“
Klaus gerät wieder ins Schwimmen. Die Worte wollen sich einfach nicht formen, sein Gehirn ist wie Wackelpudding und die Knie auch und er macht nur eine vage Geste, die alles umfassen kann aber auch gar nichts bedeuten muss. Jupp zuckt die Schultern, streicht mit den Fingern an Klaus Brust hinab, bis er schließlich auf der Kante des Handtuchs zur Ruhe kommt.
„Ich weiß nicht.“ Er zuckt die Schultern, legt die andere Hand an Klaus’ Hüfte, zieht ihn leicht zu sich. „Aber ich… ich würd’ gern herausfinden, was es eigentlich ist.“
Das ist kein „Ja“, aber auch kein „Nein“, mehr ein großes „Vielleicht“ mit dezent positiver Tendenz. Klaus schluckt trocken und nickt langsam. Jupp zieht ihn zu sich, streicht mit den Händen seinen Rücken hinauf, drückt ihn fest an sich, hält ihn einfach nur fest. Klaus vergräbt das Gesicht in Jupps Halsbeuge, erwiderte die Umarmung.
Er weiß nicht, wie lange sie so dort stehen, wieviel Zeit verrinnt. Sekunden, Minuten, vielleicht gar Stunden. Es ist unwichtig. Wichtig ist nur das Prickeln unter seinem Schlüsselbein und die Gewissheit, dass es gut ist, was auch immer es sein wird zwischen ihnen.
no subject
Date: 2019-07-02 07:35 am (UTC)Das hast du wunderschön zusammen gefasst!
Ich liebe den Begriff der Resonanz.
Auch die Beschreibung wie Klaus sich an sein Kennenlernen mit Jupp erinnert und ihre ersten Gespräche und das Kribbeln direkt unter dem Schlüsselbein ... das ist alles so schön.
(Ich habe übrigens immer noch keine Ahnung von SK Kölsch und weiß nicht mal wie die Charas aussehen, aber ich merke auch immer, das macht nichts. *g* Es klingt auf jeden Fall superdramatisch und nach sehr viel h/c!)
Ich bin entzückt, dass dich unsere Prompts so inspirieren. ;)
no subject
Date: 2019-07-02 10:14 am (UTC)Die SK Kölsch ist eines meiner absoluten Lieblingsfandoms (zusammen mit dem Tatort Stuttgart) und damit du Bilder zu den Namen hast, nimm doch einfach diese:
Jupp
Klaus
(Und nein, ich habe nicht die absolut slashigsten ausgewählt, die ich finden konnte. Das würde ich niemals tun. XD )
Eure Prompts sind gar absolut wunderbar. die Bunnies kommen aus allen Ecken und sie werden immer schwärzer... und kinkiger. *gg*
no subject
Date: 2019-07-02 10:22 am (UTC)Sehr süß die beiden!
Ist es denn wirklich auch so dramatisch und voller hurt/comfort wie es bei dir immer klingt?
no subject
Date: 2019-07-02 10:29 am (UTC)Die Szenen in der Fic sind alle mehr oder weniger canon, ich habe sie halt nur ein bisschen interpretiert. Die Milch-Szene und die Aikuchi-Szene sind meine absoluten Lieblingsszenen.
Klaus ist auch im canon schwul und gegen Ende hin gibt es einige Szenen, aus denen ich die Theorie entwickelt habe, dass die ihn nur deswegen aus der Serie geschrieben haben, weil die einzig logische Fortsetzung eine Beziehung zwischen den beiden gewesen wäre.
no subject
Date: 2019-07-02 02:13 pm (UTC)Aber ja, vermutlich war das Vorabendfernsehen da grade mal bereit für einen schwulen Charakter, aber Gott bewahre nicht für ein schwules Paar.
no subject
Date: 2019-07-02 06:57 pm (UTC)Ich meine, sie haben 3 Staffeln gebraucht, bis Klaus mal OnScreen eine Beziehung haben durfte. Aber die Folge war sehr, sehr süß. Und Jupp führt sich auf, wie ein gehörnter Ehemann. Er tritt seinen Dienstwagen in einem Anfall von Wut zusammen, als er erfährt, das Klaus die Nacht mit den Kerl verbracht hat. Und nimmt den Typen dann hinterher in Schutzhaft, damit ihm nix passiert, weil er weiß, dass Klaus ihn liebt. XD
no subject
Date: 2019-07-04 07:04 am (UTC)Oh mein Gott! Das klingt wahnsinnig eifersüchtig.
Okay, srsly, hast du mal was geschrieben, wo der erste Typ von Klaus ein Arsch ist und Jupp ist die ganze abwechselnd sauer und besorgt, weil Klaus verdient einfach mal was Besseres?
Oder etwas, wo Jupp einen Freund nach dem anderen von Klaus doof findet, weil die NIE gut genug sind und Klaus ist irgendwann total frustriert, aber Jupp ist einfach nur ... "ja ne, du verdienst was Besseres."
"Was denn?"
"Na, BESSER!"
"Wie dich oder was?"
".......................... ja."
no subject
Date: 2019-07-04 08:49 am (UTC)Noch nicht, aber wenn du mich jetzt so fragst... Es gibt da so eine Folge, in der Klaus total fertig aus dem Urlaub zurückkommt, weil er seinen Freund mit dem Surflehrer im Bett erwischt hat. Er erzählt Jupp davon (weil Jupp doch manchmal mehr mitbekommt, als man so denkt...) und Jupp erklärt ihm dann, dass der Typ ein Scheißkerl ist und Klaus gar nicht verdient hat (Und wie ich jetzt so darüber nachdenke, sehen ich schon, wie sich da die Ohren eines Plotbunnies aus dem Loch schieben... XD)
no subject
Date: 2019-07-04 10:46 am (UTC)