Charakterschwächen – Joker
Jul. 1st, 2019 07:18 pmTeam: Schwarz
Challenge: Charakterschwächen – Joker (geliehenes AU-Fandom-Setting von Akus FF) (für mich)
Fandom: Heroes of Olympus (PokémonGo-AU)
Charaktere: Annabeth, Percy, Clarisse
Wörter: ~1900
Anmerkung: Die Welt ist in Ordnung (ohne Götter und Monster), wenn man gerade nicht zu viel Energie in AppSpiele steckt, wie PokémonGo – auf Wunsch für
der_jemand <3
„Das gibt‘s doch nicht!“, schnaufte Annabeth. Das Eis in ihrer Hand begann bereits zu schmelzen, aber das interessierte sie in dem Moment wenig. Stattdessen starrte sie wütend auf ihr Smartphone.
Percy stellte sich neben Annabeth, leckte sein blaues Eis und schaute ihr über die Schulter. „Ich glaub, du hast ein Suchtproblem.“
„Ich? Sei nicht lächerlich!“, konterte sie höhnisch und warf ihm einen bösen Blick zu. „Ich kann doch wie jeder andere etwas Spaß mit einem Spiel haben, oder?“
„Dein Eis.“
„Verd-“ Annabeth unterbrach sich beim Fluchen, um über ihre Finger zu lecken und Schadensbegrenzung zu betreiben.
„Klar ist Spaß ´ne gute Sache – ich wär‘ der letzte, um dir das auszureden! Du musst sowas von dich manchmal entspannen, ehrlich. Ehrlich.“ Annabeth schaute angefressen Percy an für so viel Nachdruck bezüglich ihres Entspannungszustandes, aber er sprach weiter, ehe sie ihn unterbrechen konnte. „Aber das klang eben nicht nach Spaß. Und in letzter Zeit redest du nur noch von PokémonGo und wie dir der Kerl da ans Bein pisst.“
„Weil es mich ankotzt! Er stalkt mich!“, versuchte sie sich zu verteidigen. „Egal wo ich hingehe, welche Arena ich erobere, da kommt dieser Wicht und kickt mich überall raus! Echt, ich bin keine Stunde in einer Arena und bin schon raus! Was soll das? Hat der Mensch kein eigenes Leben? Ich wette, dass ist so ein kleiner Pimpf, der noch nicht mal in die Pubertät gekommen ist und sich über seinen Lvl 40-Charakter profiliert. Bestimmt spielt er zuhause World of Warcraft!“
„Heey~ Sag nichts gegen WoW“, intervenierte Percy.
Annabeth schielte zu ihm rüber. „Du spielst kein WoW.“
„Nein, aber ich könnte. Vielleicht tu ich‘s und du weißt nichts davon.“
„Klar, als wenn du Mario Cart untreu werden könntest“, prustete sie ungläubig und stieß danach sofort ein Fluch raus. „Verdammt! Noch eine Arena!“
„Ok, weißt du was?“ Percy legte seinen Arm um ihre Schultern und nahm einen Biss von seiner Waffel. Annabeth hatte dafür nur wenig übrig, als er mit Krümeln weitersprach. „Wir gehen deinen Stalker stalken. Ich muss ihn jetzt sehen.“
„Das ist bescheuert“, widersprach sie.
„Nein, ich glaube, das wird therapeutisch. Du fügst ihn hinzu und dann könnt ihr es mal richtig zwischen euch auskämpfen. Du kannst ihm zeigen, wie überlegen du ihm bist, weil du viel besser strategisch deine Teams zusammenstellst und deine Pokémon teilweise kranke Attacke drauf haben. Ramm ihn unangespitzt in den Boden und sieh ihm beim Heulen zu.“
An diesem Punkt hatte Percy mit mehr Widerstand und Moral gerechnet, aber stattdessen hat sich ein merkwürdiger, aggressiver Glanz in Annabeths Augen geschlichen. Percy hätte nie gerechnet, dass ihr Blutdurst sich so einfach auch auf Grundschulschüler übertragen ließ. Ein Grund mehr, warum er sich gelegentlich sicher war, dass er vermutlich von ihrer Hand sterben würde und es vielleicht gerechtfertigt war.
Nach einer viel zu langen Pause, die Annabeth mit ihrem Eis kaschierte, versuchte sie etwas entrüstet zu klingen: „Sowas würde ich niemals tun.“
„Ihn unangespitzt in den Boden rammen oder ihm beim Heulen zuzusehen?“
„Letzteres“, gab sie prompt zu.
So bisschen war er schon stolz darauf, wie cool Annabeth war, und dass er auf der richtigen Seite der Freundschaftsgrenze stand. „Komm, wir gehen jetzt los. Ich wette, du kannst mir sagen, wo du vermutet oder – ha! Weißt! -, wo deine kleine Nemesis als nächstes auftaucht!“
„Sei nicht lächerlich, das ist völlige Zeitverschwendung! Ich stehe drüber, Percy, ich stehe sowas von drüber. Aber es wäre echt kein Umweg-“
Bevor sie den Satz beenden konnte lachte Percy schallend und mampfte das letzte Stück Waffel weg.
Keine 5 Minuten später betraten sie eine kleine Grünanlage. Annabeth tippte die umkämpfte blaue Arena auf ihrem Bildschirm an und sah die Punkte förmlich vor ihren Augen verpuffen. Percy dagegen hat sich von einem gespawnten Ponita ablenken lassen, weil oh mein Gott, mir fehlen nur noch diese 4 Bonbons! Während also ihre moralische Unterstützung mit kleinen, widerspenstigen Pferdchen beschäftigt war, scannte Annabeth die Grünanlage mit ihrem Blick. Sie bestand praktisch nur aus einem kleinen Brunnen, etwas Blumen, etwas mehr Rasen, vier Bänken und Büschen und mageren Bäumchen, die alles einrahmten. Auf einer der Bänken saß eine ältere Frau mit einem kleinen hechelnden Hund zu ihren Füßen. Es schien sonst niemand hier zu sein, bis sie auf gleicher Höhe, aber am anderen Ende des Parkes eine hochgewachsene Gestalt bemerkte. Sie hat im Schatten fast regungslos gestanden und setze sich wieder in Bewegung, den Kopf wieder gehoben. Eine Brise ließ die längeren Haare aufwehen. Die Figur wirkte sehr kompakt, aber Annabeth glaubte, eine Frau zu erkennen. Ungläubig sah sie ihr nach, ehe sie auf ihrem Smartphone nachprüfte, dass die Arena nun durch das rote Team eingenommen wurde.
„Ich glaube, wir haben uns im Alter verschwätzt“, sagte Percy unerwartet neben ihr und schreckte Annabeth auf. Nach einem kurzen Moment stimmte sie ihm ernst zu, was Überraschung seinerseits mit sich brachte. „Mit einer Oma hätte ich zumindest nicht gerechnet bei dem Nick DrakenSlayer33.“
„Hä?“ Mehr Eloquenz bekam Annabeth nicht zusammen und sah ihn an, als wäre auch nun die letzte Schraube bei ihm rausgefallen. „Was redest du wieder für einen Müll?“
„Das war ein Scherz! Oder siehst du einen besseren Kandidaten für deine Nemesis? Wir müssen ihn knapp verpasst haben.“
„Sie.“
„Sie? Sie sitzt noch da.“
„Nein, man, meine Nemesis! Ich glaube, es ist eine sie!“
„Oh man, ich wusste, dass du auch keine Skrupel hast kleine Mädchen zu hauen.“
„Da hast du völlig recht.“ Demonstrativ boxte ihm Annabeth gegen die Schulter.
„Au!“
„Und es ist keine Schülerin. Zumindest keine Grundschulschülerin. Sie wirkte älter, mindestens so groß wie ich.“
„...ok?“ Percy rieb sich die Schulter und sah sich aufmerksam um. „Ich seh aber niemanden, auf den die Beschreibung passt.“
„Weil sie grad gegangen ist!“
Überrascht und genervt warf er die Arme in die Luft. „Warum stehen wir hier dann noch rum?? Wir müssen ihr hinterher!“
„Ich könnte zuerst die Ar-“
„Nein, Annabeth, uh-uh, no, nada, nied, wir haben gesagt, wir stalken deinen Stalker, also stalken wir weiter!“
„Das ist albern.“ Es wurde Annabeth deutlich peinlicher. Einem Grundschüler einen Denkzettel zu verpassen fühlte sich doch ganz anders an als sich jemand Erwachsenen gegenüber zu blamieren, dass man so besessen von dem Spiel ist. Es war nur ein Spiel! Und kein besonderes clevers, sondern nur herumlaufen und sammeln. Annabeth wollte die ohnehin schon zu beginn lächerlich Mission endlich abbrechen. Wenn da nicht schon Percy sich unter ihren Arm gehakt hätte und verschwörerisch zuraunte: „In welche Richtung nehmen wir die Verfolgung auf?“
Nach kurzem zögern deutete Annabeth wortlos in die Richtung und wurde prompt von Percy mitgezerrt. Ohne genau zu wissen, wohin es wirklich gehen sollte, steuerte Percy die nächste blaue Arena in der Umgebung an, die auch nah genug von Annabeths Wohnung lag. Auf dem Weg dahin versuchte Annabeth noch mindestens zwei Mal sich aus der Sache herauszureden, dass es nicht so wichtig sei, dass das peinlich sei, völlig überzogen, aber er glaubte an den heilsamen Effekt. Oder viel mehr den wichtigsten Effekt, dass nach dieser Aktion Annabeth vielleicht bisschen entspannter dieses Spiel nehmen würde.
Gerade als sie um eine Ecke ziehen wollten, vibrierten ihre Smartphones. Instinktiv schauten sie gleich auf den Bildschirm ohne anzuhalten, mit der Konsequenz, dass beide gegen jemanden liefen, der es sofort mit fluchen kommentierte.
„Guckt, wohin ihr geht, ihr Idioden!“, maulte die junge Frau mit grimmigen Blick.
Vielleicht war Annabeth selbst nur zu überrascht gewesen, etwas aus dem Gleichgewicht zu kommen, während ihr Gegenüber praktisch unbeeindruckt stehen geblieben ist. Perplex versuchte Annabeth die Situation zu erfassen, sah die Frau an, sah zu Percy, der wie ein Fisch guckte, dann zurück zu der Frau in sportlicher Kleidung, Rucksack und Smartphone und schoss zurück. „Dann steh nicht so im Weg, du Klotz!“
„Klotz?“
„Clarisse?“
„Wer?“
„Jackson?“
„Oh mein Gott! Bist du das wirklich? Du musst es sein, dieser zerstörende, unschmeichelhafte Blick – wow, Clarisse La Rue!“ Percy erholte sich eindeutig von allen am besten von der Situation. Mit seiner Art aus Charme und Dreistigkeit schaute er sich Clarisse nochmal genauer an, die eindeutig kurz davor war, ihm den Hals umzudrehen. „Ewig! Nicht lang genug, aber ewig her! Wie geht‘s dir?“
„Jetzt eindeutig schlechter. Was willst du, Jackson?“, fagte Clarisse mit deutlicher Beherrschung, aber knirschendem Ton.
„Wir-“, begann er und wurde von Annabeth unterbrochen.
„Nichts!“, sprang sie sofort dazwischen und kassierte von beiden verwirrte Blicke. „Blödes Versehen. Es tut uns leid, echt, aber wir haben es eilig. Man sieht sich!“
Sie begann ihn schon wegzuziehen, als sein Blick auf das Smartphone in Calrisses Hand fiel. „Oh“, begann er mit einem unverhohlenen Starren auf das Gerät. „Sag bloß, du spielst auch PokémonGo!“
Percy blieb mit einem Mal wie ein Maulesel stehen und Annabeth erstarrte beim Widerstand zur Salzsäule. Sie sah ihr Leben vor ihrem inneren Auge vorbeiziehen. Gleichzeitig versuchte sie sich zu sagen, dass es egal war. Wer war schon diese Fremde, diese Clarisse, die Percy wohl kannte und nur mittelmäßig mochte? Percy mochte jeden, oder viele, also konnte diese Clarisse nicht besonders sein. Annabeth würde nie wieder etwas mit ihr zu tun haben und daher musste sie sich keine Sorgen um ihr Image oder ihren Stolz machen. Sie stand drüber!
„Das geht dich einen Dreck an, Jackson.“
„Oh, ich glaub, es geht mich was an, wenn du zufällig DrakenSlayer33 bist.“
Annabeth traute sich nicht zu Clarisse rüberzuschauen, aber diese war plötzlich kurz sehr still geworden.
„Wieso interessiert dich das?“, fragte Clarisse und sie klang nicht mehr genervt, sondern viel mehr kühl. Annabeth dachte an die Ruhe vor dem Sturm und konnte sich die Neugierde nicht verkneifen, das zu sehen. Als sie sich den beiden wieder richtig zuwand, grinste Percy wie ein völlig Wahnsinniger und Clarisses Ausdruck verriet nichts. Ohne die verkniffenen Züge konnte man ihr Gesicht viel besser erkennen. Nichts, was Annabeth unbedingt schön bezeichnen würde, aber mit Charakter.
„Ooooh“, begann Percy wieder und bereitete sich vor für den verbalen Schlag auszuholen. „Mich interessiert es nur, weil sie völlig besessen von dem Typen ist.“ Mit einem kurzen Lachen zeigte er auf Annabeth. Sie spürte, wie ihr Gesicht rot wurde.
„Percy!“, zischte Annabeth aufgebracht und musste sich beherrschen ihn nicht vor Zeugen zu töten. Sie versuchte erneut ihn wegzuzerren, aber ihn schien nichts zu bewegen und er ignorierte Annabeth weiter.
„Also wenn du einen Hinweis hast, wer sich hinter dem Nick verbirgt, sag Bescheid, und sie kann ihn nachts mit dem Kissen ersticken oder so. Sie verliert SO ungern, weißt du?“
1… 2… 3… 4... Nein, die Erde öffnete sich leider nicht unter ihr.
Annabeth bemühte sich um einen stoischen Gesichtsausdruck, um Schadensbegrenzung zu betreiben. Doch bevor sie den Mund öffnen konnte, traf sich ihr Blick mit dem von Clarisse, und etwas in dem Blick der anderen ließ sie kurz verstummen. Es war nicht Geringschätzung oder Belustigung. Annabeth fühlte sich für einen Moment so, als würde Clarisse sie wie einen zu bekämpfenden Gegener ansehen, wie ein Beutetier für ihre Trophäenwand. Und dann sagte sie nur ein Wort: „0w1Gir1“.
Annebeth spürte nicht nur ihre Zähne klacken, sondern hörte das Geräusch. Sofort verkrampfte ihr Kiefer und ihr Rücken drückte sich durch.
Für einen Moment sagte niemand ein Wort, bis Percy schallend lachen musste. „Sagt Bescheid, wenn ich euch allein lassen und schon den Krankenwagen rufen soll. Oh, das ist soo viel besser als ich es erhofft hatte!“
„Halt die Klappe, Percy/Jackson!“, blafften beide, ohne einander aus den Augen zu lassen.
Challenge: Charakterschwächen – Joker (geliehenes AU-Fandom-Setting von Akus FF) (für mich)
Fandom: Heroes of Olympus (PokémonGo-AU)
Charaktere: Annabeth, Percy, Clarisse
Wörter: ~1900
Anmerkung: Die Welt ist in Ordnung (ohne Götter und Monster), wenn man gerade nicht zu viel Energie in AppSpiele steckt, wie PokémonGo – auf Wunsch für
„Das gibt‘s doch nicht!“, schnaufte Annabeth. Das Eis in ihrer Hand begann bereits zu schmelzen, aber das interessierte sie in dem Moment wenig. Stattdessen starrte sie wütend auf ihr Smartphone.
Percy stellte sich neben Annabeth, leckte sein blaues Eis und schaute ihr über die Schulter. „Ich glaub, du hast ein Suchtproblem.“
„Ich? Sei nicht lächerlich!“, konterte sie höhnisch und warf ihm einen bösen Blick zu. „Ich kann doch wie jeder andere etwas Spaß mit einem Spiel haben, oder?“
„Dein Eis.“
„Verd-“ Annabeth unterbrach sich beim Fluchen, um über ihre Finger zu lecken und Schadensbegrenzung zu betreiben.
„Klar ist Spaß ´ne gute Sache – ich wär‘ der letzte, um dir das auszureden! Du musst sowas von dich manchmal entspannen, ehrlich. Ehrlich.“ Annabeth schaute angefressen Percy an für so viel Nachdruck bezüglich ihres Entspannungszustandes, aber er sprach weiter, ehe sie ihn unterbrechen konnte. „Aber das klang eben nicht nach Spaß. Und in letzter Zeit redest du nur noch von PokémonGo und wie dir der Kerl da ans Bein pisst.“
„Weil es mich ankotzt! Er stalkt mich!“, versuchte sie sich zu verteidigen. „Egal wo ich hingehe, welche Arena ich erobere, da kommt dieser Wicht und kickt mich überall raus! Echt, ich bin keine Stunde in einer Arena und bin schon raus! Was soll das? Hat der Mensch kein eigenes Leben? Ich wette, dass ist so ein kleiner Pimpf, der noch nicht mal in die Pubertät gekommen ist und sich über seinen Lvl 40-Charakter profiliert. Bestimmt spielt er zuhause World of Warcraft!“
„Heey~ Sag nichts gegen WoW“, intervenierte Percy.
Annabeth schielte zu ihm rüber. „Du spielst kein WoW.“
„Nein, aber ich könnte. Vielleicht tu ich‘s und du weißt nichts davon.“
„Klar, als wenn du Mario Cart untreu werden könntest“, prustete sie ungläubig und stieß danach sofort ein Fluch raus. „Verdammt! Noch eine Arena!“
„Ok, weißt du was?“ Percy legte seinen Arm um ihre Schultern und nahm einen Biss von seiner Waffel. Annabeth hatte dafür nur wenig übrig, als er mit Krümeln weitersprach. „Wir gehen deinen Stalker stalken. Ich muss ihn jetzt sehen.“
„Das ist bescheuert“, widersprach sie.
„Nein, ich glaube, das wird therapeutisch. Du fügst ihn hinzu und dann könnt ihr es mal richtig zwischen euch auskämpfen. Du kannst ihm zeigen, wie überlegen du ihm bist, weil du viel besser strategisch deine Teams zusammenstellst und deine Pokémon teilweise kranke Attacke drauf haben. Ramm ihn unangespitzt in den Boden und sieh ihm beim Heulen zu.“
An diesem Punkt hatte Percy mit mehr Widerstand und Moral gerechnet, aber stattdessen hat sich ein merkwürdiger, aggressiver Glanz in Annabeths Augen geschlichen. Percy hätte nie gerechnet, dass ihr Blutdurst sich so einfach auch auf Grundschulschüler übertragen ließ. Ein Grund mehr, warum er sich gelegentlich sicher war, dass er vermutlich von ihrer Hand sterben würde und es vielleicht gerechtfertigt war.
Nach einer viel zu langen Pause, die Annabeth mit ihrem Eis kaschierte, versuchte sie etwas entrüstet zu klingen: „Sowas würde ich niemals tun.“
„Ihn unangespitzt in den Boden rammen oder ihm beim Heulen zuzusehen?“
„Letzteres“, gab sie prompt zu.
So bisschen war er schon stolz darauf, wie cool Annabeth war, und dass er auf der richtigen Seite der Freundschaftsgrenze stand. „Komm, wir gehen jetzt los. Ich wette, du kannst mir sagen, wo du vermutet oder – ha! Weißt! -, wo deine kleine Nemesis als nächstes auftaucht!“
„Sei nicht lächerlich, das ist völlige Zeitverschwendung! Ich stehe drüber, Percy, ich stehe sowas von drüber. Aber es wäre echt kein Umweg-“
Bevor sie den Satz beenden konnte lachte Percy schallend und mampfte das letzte Stück Waffel weg.
Keine 5 Minuten später betraten sie eine kleine Grünanlage. Annabeth tippte die umkämpfte blaue Arena auf ihrem Bildschirm an und sah die Punkte förmlich vor ihren Augen verpuffen. Percy dagegen hat sich von einem gespawnten Ponita ablenken lassen, weil oh mein Gott, mir fehlen nur noch diese 4 Bonbons! Während also ihre moralische Unterstützung mit kleinen, widerspenstigen Pferdchen beschäftigt war, scannte Annabeth die Grünanlage mit ihrem Blick. Sie bestand praktisch nur aus einem kleinen Brunnen, etwas Blumen, etwas mehr Rasen, vier Bänken und Büschen und mageren Bäumchen, die alles einrahmten. Auf einer der Bänken saß eine ältere Frau mit einem kleinen hechelnden Hund zu ihren Füßen. Es schien sonst niemand hier zu sein, bis sie auf gleicher Höhe, aber am anderen Ende des Parkes eine hochgewachsene Gestalt bemerkte. Sie hat im Schatten fast regungslos gestanden und setze sich wieder in Bewegung, den Kopf wieder gehoben. Eine Brise ließ die längeren Haare aufwehen. Die Figur wirkte sehr kompakt, aber Annabeth glaubte, eine Frau zu erkennen. Ungläubig sah sie ihr nach, ehe sie auf ihrem Smartphone nachprüfte, dass die Arena nun durch das rote Team eingenommen wurde.
„Ich glaube, wir haben uns im Alter verschwätzt“, sagte Percy unerwartet neben ihr und schreckte Annabeth auf. Nach einem kurzen Moment stimmte sie ihm ernst zu, was Überraschung seinerseits mit sich brachte. „Mit einer Oma hätte ich zumindest nicht gerechnet bei dem Nick DrakenSlayer33.“
„Hä?“ Mehr Eloquenz bekam Annabeth nicht zusammen und sah ihn an, als wäre auch nun die letzte Schraube bei ihm rausgefallen. „Was redest du wieder für einen Müll?“
„Das war ein Scherz! Oder siehst du einen besseren Kandidaten für deine Nemesis? Wir müssen ihn knapp verpasst haben.“
„Sie.“
„Sie? Sie sitzt noch da.“
„Nein, man, meine Nemesis! Ich glaube, es ist eine sie!“
„Oh man, ich wusste, dass du auch keine Skrupel hast kleine Mädchen zu hauen.“
„Da hast du völlig recht.“ Demonstrativ boxte ihm Annabeth gegen die Schulter.
„Au!“
„Und es ist keine Schülerin. Zumindest keine Grundschulschülerin. Sie wirkte älter, mindestens so groß wie ich.“
„...ok?“ Percy rieb sich die Schulter und sah sich aufmerksam um. „Ich seh aber niemanden, auf den die Beschreibung passt.“
„Weil sie grad gegangen ist!“
Überrascht und genervt warf er die Arme in die Luft. „Warum stehen wir hier dann noch rum?? Wir müssen ihr hinterher!“
„Ich könnte zuerst die Ar-“
„Nein, Annabeth, uh-uh, no, nada, nied, wir haben gesagt, wir stalken deinen Stalker, also stalken wir weiter!“
„Das ist albern.“ Es wurde Annabeth deutlich peinlicher. Einem Grundschüler einen Denkzettel zu verpassen fühlte sich doch ganz anders an als sich jemand Erwachsenen gegenüber zu blamieren, dass man so besessen von dem Spiel ist. Es war nur ein Spiel! Und kein besonderes clevers, sondern nur herumlaufen und sammeln. Annabeth wollte die ohnehin schon zu beginn lächerlich Mission endlich abbrechen. Wenn da nicht schon Percy sich unter ihren Arm gehakt hätte und verschwörerisch zuraunte: „In welche Richtung nehmen wir die Verfolgung auf?“
Nach kurzem zögern deutete Annabeth wortlos in die Richtung und wurde prompt von Percy mitgezerrt. Ohne genau zu wissen, wohin es wirklich gehen sollte, steuerte Percy die nächste blaue Arena in der Umgebung an, die auch nah genug von Annabeths Wohnung lag. Auf dem Weg dahin versuchte Annabeth noch mindestens zwei Mal sich aus der Sache herauszureden, dass es nicht so wichtig sei, dass das peinlich sei, völlig überzogen, aber er glaubte an den heilsamen Effekt. Oder viel mehr den wichtigsten Effekt, dass nach dieser Aktion Annabeth vielleicht bisschen entspannter dieses Spiel nehmen würde.
Gerade als sie um eine Ecke ziehen wollten, vibrierten ihre Smartphones. Instinktiv schauten sie gleich auf den Bildschirm ohne anzuhalten, mit der Konsequenz, dass beide gegen jemanden liefen, der es sofort mit fluchen kommentierte.
„Guckt, wohin ihr geht, ihr Idioden!“, maulte die junge Frau mit grimmigen Blick.
Vielleicht war Annabeth selbst nur zu überrascht gewesen, etwas aus dem Gleichgewicht zu kommen, während ihr Gegenüber praktisch unbeeindruckt stehen geblieben ist. Perplex versuchte Annabeth die Situation zu erfassen, sah die Frau an, sah zu Percy, der wie ein Fisch guckte, dann zurück zu der Frau in sportlicher Kleidung, Rucksack und Smartphone und schoss zurück. „Dann steh nicht so im Weg, du Klotz!“
„Klotz?“
„Clarisse?“
„Wer?“
„Jackson?“
„Oh mein Gott! Bist du das wirklich? Du musst es sein, dieser zerstörende, unschmeichelhafte Blick – wow, Clarisse La Rue!“ Percy erholte sich eindeutig von allen am besten von der Situation. Mit seiner Art aus Charme und Dreistigkeit schaute er sich Clarisse nochmal genauer an, die eindeutig kurz davor war, ihm den Hals umzudrehen. „Ewig! Nicht lang genug, aber ewig her! Wie geht‘s dir?“
„Jetzt eindeutig schlechter. Was willst du, Jackson?“, fagte Clarisse mit deutlicher Beherrschung, aber knirschendem Ton.
„Wir-“, begann er und wurde von Annabeth unterbrochen.
„Nichts!“, sprang sie sofort dazwischen und kassierte von beiden verwirrte Blicke. „Blödes Versehen. Es tut uns leid, echt, aber wir haben es eilig. Man sieht sich!“
Sie begann ihn schon wegzuziehen, als sein Blick auf das Smartphone in Calrisses Hand fiel. „Oh“, begann er mit einem unverhohlenen Starren auf das Gerät. „Sag bloß, du spielst auch PokémonGo!“
Percy blieb mit einem Mal wie ein Maulesel stehen und Annabeth erstarrte beim Widerstand zur Salzsäule. Sie sah ihr Leben vor ihrem inneren Auge vorbeiziehen. Gleichzeitig versuchte sie sich zu sagen, dass es egal war. Wer war schon diese Fremde, diese Clarisse, die Percy wohl kannte und nur mittelmäßig mochte? Percy mochte jeden, oder viele, also konnte diese Clarisse nicht besonders sein. Annabeth würde nie wieder etwas mit ihr zu tun haben und daher musste sie sich keine Sorgen um ihr Image oder ihren Stolz machen. Sie stand drüber!
„Das geht dich einen Dreck an, Jackson.“
„Oh, ich glaub, es geht mich was an, wenn du zufällig DrakenSlayer33 bist.“
Annabeth traute sich nicht zu Clarisse rüberzuschauen, aber diese war plötzlich kurz sehr still geworden.
„Wieso interessiert dich das?“, fragte Clarisse und sie klang nicht mehr genervt, sondern viel mehr kühl. Annabeth dachte an die Ruhe vor dem Sturm und konnte sich die Neugierde nicht verkneifen, das zu sehen. Als sie sich den beiden wieder richtig zuwand, grinste Percy wie ein völlig Wahnsinniger und Clarisses Ausdruck verriet nichts. Ohne die verkniffenen Züge konnte man ihr Gesicht viel besser erkennen. Nichts, was Annabeth unbedingt schön bezeichnen würde, aber mit Charakter.
„Ooooh“, begann Percy wieder und bereitete sich vor für den verbalen Schlag auszuholen. „Mich interessiert es nur, weil sie völlig besessen von dem Typen ist.“ Mit einem kurzen Lachen zeigte er auf Annabeth. Sie spürte, wie ihr Gesicht rot wurde.
„Percy!“, zischte Annabeth aufgebracht und musste sich beherrschen ihn nicht vor Zeugen zu töten. Sie versuchte erneut ihn wegzuzerren, aber ihn schien nichts zu bewegen und er ignorierte Annabeth weiter.
„Also wenn du einen Hinweis hast, wer sich hinter dem Nick verbirgt, sag Bescheid, und sie kann ihn nachts mit dem Kissen ersticken oder so. Sie verliert SO ungern, weißt du?“
1… 2… 3… 4... Nein, die Erde öffnete sich leider nicht unter ihr.
Annabeth bemühte sich um einen stoischen Gesichtsausdruck, um Schadensbegrenzung zu betreiben. Doch bevor sie den Mund öffnen konnte, traf sich ihr Blick mit dem von Clarisse, und etwas in dem Blick der anderen ließ sie kurz verstummen. Es war nicht Geringschätzung oder Belustigung. Annabeth fühlte sich für einen Moment so, als würde Clarisse sie wie einen zu bekämpfenden Gegener ansehen, wie ein Beutetier für ihre Trophäenwand. Und dann sagte sie nur ein Wort: „0w1Gir1“.
Annebeth spürte nicht nur ihre Zähne klacken, sondern hörte das Geräusch. Sofort verkrampfte ihr Kiefer und ihr Rücken drückte sich durch.
Für einen Moment sagte niemand ein Wort, bis Percy schallend lachen musste. „Sagt Bescheid, wenn ich euch allein lassen und schon den Krankenwagen rufen soll. Oh, das ist soo viel besser als ich es erhofft hatte!“
„Halt die Klappe, Percy/Jackson!“, blafften beide, ohne einander aus den Augen zu lassen.