(no subject)
Feb. 18th, 2007 05:23 pmAutor: Grisu
Fandom: Weiß Kreuz
Challenge: Karma
Warnungen: allgemeine Morbidität
Anmerkungen: Es müsste eine viel längere Geschichte sein und ich will hier an dieser Stelle mal meiner Liebe zum Chestnut-Plot Ausdruck verleihen.
Schuldig hatte nie an Karma geglaubt. Was sollte das auch sein? Die geringste deiner Taten löst etwas aus, von dem du zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen kannst, was es ist. So ungefähr? Nun ja. Selbst wenn er dieses Konzept nicht anzweifeln würde, wenn du es nicht wissen kannst, lohnt es sich auch nicht, darüber nachzudenken.
Crawford glaubte auf eine Weise an Karma, die mit Aberglauben nichts zu tun hatte, aber Crawford war eben auf diese Art seltsam, nichts für ungut.
Auf jeden Fall fing alles mit einer Leiche an. Viele Anekdoten in Schuldigs Leben fingen mit Leichen an. Ob nun zum Guten oder zum Schlechten, wer möchte das entscheiden. Auf jeden Fall war der betreffende siebenundvierzig, Geschäftsmann und mausetot. Soweit war alles wie geplant. Weiterhin sah der Plan vor, die Leiche im Heizungskeller, genauer in der Heizung (Was machte er überhaupt in einem Land, das noch mit Kohle heizte?) verschwinden zu lassen.
So weit, so gut, oder besser so schwer. Weight Watchers wäre für alle Beteiligten eine gute Idee gewesen. Aber dafür war es jetzt zu spät. War das Karma? Ein ungesunder Lebensstil führte dazu, dass dein Mörder schwer zu schleppen hatte. Nein, vermutlich kein Karma.
Worüber denkt man nach, wenn man mit einer circa hundert Kilo schweren Leiche auf den Schultern im Hausflur eines heruntergekommenen britischen Apartmenthauses steht und auf den Fahrstuhl wartet? Die unwahrscheinliche Hässlichkeit der Nachkriegsarchitektur? Die betäubende Banalität des Fernsehprogramms, das im scheinbar leeren Schädel eines Zuschauers im Apartment über ihm widerhallte? Die langsam schlimmer werdenden Rückenschmerzen?
Der Fahrstuhl kam nicht. Das Licht am Knopf leuchtete, aber kein Geräusch ließ darauf schließen, dass der Fahrstuhl sich in Bewegung setzte. Es war absolut still, als wäre da nie ein Fahrstuhl im Schacht gewesen. (Und was war das nun wieder für ein Gedanke?)
Also die Treppe. Auf halbem Wege ging das Flurlicht automatisch aus. Schuldig stand im dunkeln, hörte seinen Atem, hörte Autos, die draußen vorbeifuhren. Wenn er jetzt fiele, würde er sich vielleicht das Genick brechen. Es war unwahrscheinlich, aber es waren schon seltsamere Dinge geschehen. Man muss sich das mal vorstellen: Der tote Moby Dick und Schuldig wegen eines kleinen Fehltritts gemeinsam verwesend in einem verdammt hässlichen Treppenhaus. (Natürlich würde man sie ziemlich schnell finden, diese Vorstellung sprach Schuldig allerdings weniger an.) Wäre das Karma?
Er setzte seinen Weg fort, eine Etage, zwei Etagen, dann war er im Erdgeschoss. Von da aus weiter hinunter. Und in den Heizungskeller. Es war stickig warm und roch nach angesengtem Staub und rostigem Metall. Es knackte und knirschte und Schuldig hoffte, dass da keine Ratten waren, das wäre einfach nur zu klischee, um es zu ertragen.
Er zögerte einen Augenblick, bevor er die Leiche auf den Boden gleiten ließ. Da war tatsächlich ein Kohlekessel. Und Kohle. Er hatte bis zum Schluss daran gezweifelt, dass so was hier und diesseits der Jahrtausendwende möglich war. Es war einer dieser Fakten, die man einfach nicht fassen konnte, bevor man den Beweis nicht mit eigenen Augen sah.
Schuldig überlegte, wie er den dicken Kerl in den Kessel bekommen sollte, ohne sich die Finger zu verbrennen, als eine Gestalt durch die angelehnte Tür in den Raum schlüpfte, die Tür schloss und auf die Geräusche draußen im Gang horchte. Da Schuldig kein Licht angeschaltet hatte, als er hereingekommen war, war es stockduster.
„Ich fass es nicht.“, murmelte Schuldig genervt, hörte ein erschrecktes Stocken im Atem des anderen und das Rascheln von Kleidung, bevor das Licht anging.
„Ich fass es nicht.“, wiederholte Schuldig vorwurfsvoll, als er den Eindringling erkannte. Was machte Abyssinian hier?
„Du! Was machst du hier?“
Schuldig sah zur Leiche runter, die fett und groß auf dem Boden lag, dann wieder zu Aya und sparte sich eine Antwort. „Was machst du hier?“
„Scheinbar das gleiche.“, gab Aya mit sichtlichem Widerwillen zu. Na was für ein Zufall. Oder auch nicht, wenn man bedachte, wie unbeliebt der nun Tote sich zu Lebzeiten gemacht hatte.
„Nein, was tust du hier in England? Ist das irgendwie Absicht?“ Ehrlich, er freute sich keineswegs, jemandem von Weiß zu begegnen. Diese Leute drückten die Preise auf einem ohnehin überlaufenen Markt. Niemand zahlte willig, wenn es reichte, den Gegner bei selbsternannten Gerechtigkeitskillern anzuschwärzen.
Aya antwortete nicht, sondern stand nur da und sah auf die Leiche. „Was willst du jetzt machen?“, fragte er schließlich.
Schuldig setzte zu einer Antwort an, als auf dem Gang Schritte zu hören waren, ein Knirschen an der Tür und das unmissverständliche Klicken des Schlosses.
Aya war als erster an der Tür, probierte die Klinke, aber die Tür war abgeschlossen. Er überlegte, ob er an die Tür klopfen sollte, aber Schuldig hielt ihn davon ab, bevor er zu einem Schluss kam.
„Kannst du dir sparen. Der Hausmeister ist taub. Hilf mir lieber, die Leiche zu verbrennen.“
Fandom: Weiß Kreuz
Challenge: Karma
Warnungen: allgemeine Morbidität
Anmerkungen: Es müsste eine viel längere Geschichte sein und ich will hier an dieser Stelle mal meiner Liebe zum Chestnut-Plot Ausdruck verleihen.
Schuldig hatte nie an Karma geglaubt. Was sollte das auch sein? Die geringste deiner Taten löst etwas aus, von dem du zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen kannst, was es ist. So ungefähr? Nun ja. Selbst wenn er dieses Konzept nicht anzweifeln würde, wenn du es nicht wissen kannst, lohnt es sich auch nicht, darüber nachzudenken.
Crawford glaubte auf eine Weise an Karma, die mit Aberglauben nichts zu tun hatte, aber Crawford war eben auf diese Art seltsam, nichts für ungut.
Auf jeden Fall fing alles mit einer Leiche an. Viele Anekdoten in Schuldigs Leben fingen mit Leichen an. Ob nun zum Guten oder zum Schlechten, wer möchte das entscheiden. Auf jeden Fall war der betreffende siebenundvierzig, Geschäftsmann und mausetot. Soweit war alles wie geplant. Weiterhin sah der Plan vor, die Leiche im Heizungskeller, genauer in der Heizung (Was machte er überhaupt in einem Land, das noch mit Kohle heizte?) verschwinden zu lassen.
So weit, so gut, oder besser so schwer. Weight Watchers wäre für alle Beteiligten eine gute Idee gewesen. Aber dafür war es jetzt zu spät. War das Karma? Ein ungesunder Lebensstil führte dazu, dass dein Mörder schwer zu schleppen hatte. Nein, vermutlich kein Karma.
Worüber denkt man nach, wenn man mit einer circa hundert Kilo schweren Leiche auf den Schultern im Hausflur eines heruntergekommenen britischen Apartmenthauses steht und auf den Fahrstuhl wartet? Die unwahrscheinliche Hässlichkeit der Nachkriegsarchitektur? Die betäubende Banalität des Fernsehprogramms, das im scheinbar leeren Schädel eines Zuschauers im Apartment über ihm widerhallte? Die langsam schlimmer werdenden Rückenschmerzen?
Der Fahrstuhl kam nicht. Das Licht am Knopf leuchtete, aber kein Geräusch ließ darauf schließen, dass der Fahrstuhl sich in Bewegung setzte. Es war absolut still, als wäre da nie ein Fahrstuhl im Schacht gewesen. (Und was war das nun wieder für ein Gedanke?)
Also die Treppe. Auf halbem Wege ging das Flurlicht automatisch aus. Schuldig stand im dunkeln, hörte seinen Atem, hörte Autos, die draußen vorbeifuhren. Wenn er jetzt fiele, würde er sich vielleicht das Genick brechen. Es war unwahrscheinlich, aber es waren schon seltsamere Dinge geschehen. Man muss sich das mal vorstellen: Der tote Moby Dick und Schuldig wegen eines kleinen Fehltritts gemeinsam verwesend in einem verdammt hässlichen Treppenhaus. (Natürlich würde man sie ziemlich schnell finden, diese Vorstellung sprach Schuldig allerdings weniger an.) Wäre das Karma?
Er setzte seinen Weg fort, eine Etage, zwei Etagen, dann war er im Erdgeschoss. Von da aus weiter hinunter. Und in den Heizungskeller. Es war stickig warm und roch nach angesengtem Staub und rostigem Metall. Es knackte und knirschte und Schuldig hoffte, dass da keine Ratten waren, das wäre einfach nur zu klischee, um es zu ertragen.
Er zögerte einen Augenblick, bevor er die Leiche auf den Boden gleiten ließ. Da war tatsächlich ein Kohlekessel. Und Kohle. Er hatte bis zum Schluss daran gezweifelt, dass so was hier und diesseits der Jahrtausendwende möglich war. Es war einer dieser Fakten, die man einfach nicht fassen konnte, bevor man den Beweis nicht mit eigenen Augen sah.
Schuldig überlegte, wie er den dicken Kerl in den Kessel bekommen sollte, ohne sich die Finger zu verbrennen, als eine Gestalt durch die angelehnte Tür in den Raum schlüpfte, die Tür schloss und auf die Geräusche draußen im Gang horchte. Da Schuldig kein Licht angeschaltet hatte, als er hereingekommen war, war es stockduster.
„Ich fass es nicht.“, murmelte Schuldig genervt, hörte ein erschrecktes Stocken im Atem des anderen und das Rascheln von Kleidung, bevor das Licht anging.
„Ich fass es nicht.“, wiederholte Schuldig vorwurfsvoll, als er den Eindringling erkannte. Was machte Abyssinian hier?
„Du! Was machst du hier?“
Schuldig sah zur Leiche runter, die fett und groß auf dem Boden lag, dann wieder zu Aya und sparte sich eine Antwort. „Was machst du hier?“
„Scheinbar das gleiche.“, gab Aya mit sichtlichem Widerwillen zu. Na was für ein Zufall. Oder auch nicht, wenn man bedachte, wie unbeliebt der nun Tote sich zu Lebzeiten gemacht hatte.
„Nein, was tust du hier in England? Ist das irgendwie Absicht?“ Ehrlich, er freute sich keineswegs, jemandem von Weiß zu begegnen. Diese Leute drückten die Preise auf einem ohnehin überlaufenen Markt. Niemand zahlte willig, wenn es reichte, den Gegner bei selbsternannten Gerechtigkeitskillern anzuschwärzen.
Aya antwortete nicht, sondern stand nur da und sah auf die Leiche. „Was willst du jetzt machen?“, fragte er schließlich.
Schuldig setzte zu einer Antwort an, als auf dem Gang Schritte zu hören waren, ein Knirschen an der Tür und das unmissverständliche Klicken des Schlosses.
Aya war als erster an der Tür, probierte die Klinke, aber die Tür war abgeschlossen. Er überlegte, ob er an die Tür klopfen sollte, aber Schuldig hielt ihn davon ab, bevor er zu einem Schluss kam.
„Kannst du dir sparen. Der Hausmeister ist taub. Hilf mir lieber, die Leiche zu verbrennen.“
no subject
Date: 2007-02-19 08:41 pm (UTC)Das ist... woah. Destillierte Genialität?
Allein der Schreibstil macht es zu einem reinen Vergnügen, das Szenario ist einfach irgendwie hübsch und diese wunderbaren 'Kommentare'... Hell yeah.
Mir fehlen einmal zu oft die Worte. Das ist einfach so verflucht gut.
Eine wunderbare Einleitung, ein wunderbar genervter Protagonist, Sätze wie Viele Anekdoten in Schuldigs Leben fingen mit Leichen an. und eine wunderhübsche Situation, in der er da gelandet ist, inklusive scheußlicher Architektur (was ein Detail ist, das mir wirklich seeehr viel Freude macht). Hach ja.^^
Und auch wenn ich mich rückwirkend für diesen Teil des Kommentars hassen werde: Ja, mehr dazu wäre wirklich eine seeehr gute Idee. =)
^///^
Date: 2007-02-21 09:05 pm (UTC)Und der letzte Teil deines Kommis ist total berechtigt, weil ich Schu und Aya eingeschlossen in einem Keller auch total verlockend finde... hoffentlich muss ich keine Lemon schreiben, das würde mich in Verlegenheit bringen... nächste Woche hab ich Ferien und ich will nur schreiben. Bin zurzeit noch voll entschlossen. Mal sehen, was daraus wird (aus der Entschlossenheit, meine ich...)
no subject
Date: 2008-03-24 10:48 pm (UTC)und als ob der ganze mist von wegen aufzug usw. nicht gereicht hätte taucht auch noch ran-chan auf,vom tauben hausmeister ganz zu schweigen (der hat dem ganzen noch die krone aufgesetzt!!!)
für mich war ja der anfang schon ein highlight...
"Viele Anekdoten in Schuldigs Leben fingen mit Leichen an." ^-^"""
was soll nach so einem satz noch schief gehen?