Kiffen und Kekse
Apr. 17th, 2019 10:51 pmFandom: Youtuber (Berliner Cluster, RPF)
Personen: FroJar (Jako und Frodo)
Challenge: Gefühlscocktail vom 27.05.2017
Wörter: ~1.000
Anmerkung: [Edit: Lol, nachdem ich hier eben wieder reingeguckt habe, ist mir aufgefallen, wie aufgeblasen meine Anmerkung gestern war. Verzeihung. Anyway, das hier ist eine Fortsetzung zu der Knäckebrot-Story gebaut.] Ähäm, ich höre dann auch auf, über Essen und Drogen zu schreiben.
Kekse geben mir Gefühle.
Natürlich weiß ich, dass das Quatsch ist. Ganz so neurotisch bin ich nun auch wieder nicht.
Doch ich bin high und das ist ein Zustand, in dem mir alles Gefühle gibt – butterweiche, wattedicke Gefühle. Ich bin in einem Stadium der absoluten Ruhe und der höchsten Erquickung, ich liebe die Frühlingswärme, die draußen noch zwischen den Bäumen und den Straßen hängt, ich bin gut drauf.
Heute ist ein gutdraufiger Tag.
Von außen hält man mich womöglich für einen Penner.
Frodo kommt auf mich zu und hält Packungen in der Hand. Das Weed verlangsamt ihn auf ein angenehmes Maß, so dass meine Augen, selbst heruntergetunt auf eine ewige Zeitlupe, lesen können, was er dabei ist, zu kaufen.
Othello und Doppelkekse mit Zitronencreme zwischen den Hälften.
Mir ist es egal, ich habe inzwischen einen unfassbaren Hunger auf Kohlenhydrate.
„Vielleicht solltest du aufhören, das Brot zärtlich zu streicheln“, sagt Frodo sehr ernsthaft und deutet mit der Othello-Kekspackung auf meine Hand.
Ich kann nichts dafür, denke ich. Das Zwiebelbrot, eingepackt und gut verschweißt, ist ganz weich und warm unter meinen Fingern.
„Da hinten guckt schon eine, die muss denken, wir sind irgendwie bescheuert oder so“, raunt er.
„Soll sie doch“, gebe ich zurück.
„Als ob sie meine Liebe zu Brot verstehen könnte.“
„Deine Liebe zu Brot hat jetz' mal Pause. Na komm.“
Er zieht mich sanft und in Zeitlupe mit sich.
Das Piepen der Kassen kommt näher, ich streife mit dem Blick Leute, die mich augenscheinlich für meine Gefühle zu Brot und Keksen verurteilen.
„Halt mal kurz“, sagt Frodo und drückt mir die Kekse in die Hand.
Er durchforstet seine Jacken- und Hosentaschen nach seinem Portemonnaie. Es rutscht ihm durch die Finger und landet auf dem Supermarktboden.
Ich fange an zu kichern.
„Alter“, murmelt Frodo.
„Bist du durch.“
Er müsste an seinem Penner-Look arbeiten, sinniere ich, als er die Kekse über den Scanner schieben lässt und bezahlt. Vielleicht wieder hellblonde Haare, nur diesmal ohne sie schneiden zu lassen. Als hätte er meine Gedanken gehört, schiebt er sich sein Basecap zurecht.
Oder hab ich das laut gesagt?
Wir sitzen am See und knabbern auf Keksen herum.
Ich sollte die Session genießen. Wir sind beide schwer beschäftigte Typen. Wir haben uns das hier als Termine in unseren Kalendern geblockt.
So steht das in meinem Google-Kalender: Kiffen und Kekse mit Frodo, weil wir es damals vor zwei Monaten in der UWG nicht mehr hinbekommen haben.
Sonst hätten wir das nie mehr nachgeholt.
„Ich kann morgen nich'“, habe ich gestern im Studio zu Felix gesagt.
„Ich muss mit Frodo Kekse kaufen gehen.“
„Wenn ich's nich' besser wüsste, würde ich mich fragen, wofür das stehen soll“, hat er erwidert und sich wieder seinem Modul zugewandt.
Während ich auf den See hinausschaue, über den der Frühlingswind Babywellen treibt, beschleunigt sich die Zeit wieder, und mit ihr mein Kauen, mein Atem. Das Gefühl, wattigweich und warm eingepackt zu sein, bleibt noch etwas. Könnte auch an der Abenddämmerung liegen.
„Is' doch eigentlich bescheuert“, nuschelt Frodo kauend.
„Wieso denn?“, gebe ich zurück.
„Das hier is'n Moment, von dem wirst du noch deinen Enkeln erzählen.“
Ich zerre mir den Haargummi raus, weil sich unzählige Strähnen aus dem Dutt gelöst haben und mir dauernd in den Mund wehen.
„Ein Mal bin ich mit einem Kumpel an den See gefahren und hab Kekse gegessen.“
Ich höre ihn kichernd schnauben.
„Deine Geschichte ist genauso spartanisch eingerichtet wie die Band-Shirts, die ihr verkauft“, gluckst er.
Ich zucke mit den Schultern. Der Wind raschelt im jungen Schilf, in den Ästen der Bäume.
Er raschelt mir durch die Haare und die Gedanken und meine keksüberwältigen Gefühle.
Ich wende mich Frodo zu, ich streiche mir Haare aus dem Gesicht und küsse ihn.
Selbst sein überraschtes Zucken ist langsamer als sonst. Da sind Kekskrümel auf seinen Lippen, die wie Rollsplit kratzen. Ich lasse von ihm ab und er macht pustend-spuckende Geräusche, weil ihm ein paar meiner Haare in den Mund geweht sind.
Für ein paar Sekunden kriege ich mich nicht mehr. Ich lache lautlos, muss mich krümmen.
„Sorry“, japse ich.
Na komm schon, denke ich. Bring it on, gib mir all deine dummen Sprüche, die ich noch von früher kenne, als du noch auf Tease gemacht hast, aber dich vor gay panic überstürzt hast, wenn mal jemand mitspielte.
Doch nichts dergleichen geschieht.
„Bind dir die zurück, Medusa“, ist, was er stattdessen von sich gibt.
Er schiebt sich noch einen Keks in den Mund, während ich gegen den Wind kämpfe und das Haar zurück in den Gummi stopfe, er guckt auf den See und fixiert etwas.
Die Enten habe ich bis eben gar nicht gesehen. Wie sie vor uns auf den Wellen sitzen, leise naken.
Frodo bricht Stücke von seinem Keks ab. Mit ausholender Bewegung wirft er ihnen die Krümel ins Wasser.
Dann wendet er sich mir zu.
„Fertig?“
Er wartet meine Antwort nicht ab, sondern spiegelt meine Bewegungen von eben.
Wir küssen uns erneut und ich denke, dass all das hier sicherlich besser wäre ohne Keksteig zwischen den Zähnen, ohne Marihuana im Blut und mit geordneten Gefühlen.
Ich müsste darüber nachdenken, zu wem meine Liebe größer ist. Zu Keksen, zu Brot oder zu Frodo.
Wir lassen voneinander ab und er geht dazu über, weiter Enten zu füttern.
Über diesen Moment werden wir nie reden.
Jetzt und hier sind nur die Vögel unsere Zeugen.
Wir konservieren den Augenblick schon jetzt gerade in uns. Wir kochen ihn ein in metaphorische, luftdicht verschlossene Gläser.
„Fuck“, murmelt er, teils amüsiert, teils überrascht.
„Das war gut.“
Ich lehne mich zurück und grinse. Der Abendwind fährt ein erstes Frösteln über meine Arme.
Der Moment verfliegt.
„Sag Bescheid, wenn du wieder Bock drauf hast“ , sage ich.
„Dann suchen wir uns einen Termin.“
Wir sind schließlich schwer beschäftigte Typen.
Personen: FroJar (Jako und Frodo)
Challenge: Gefühlscocktail vom 27.05.2017
Wörter: ~1.000
Anmerkung: [Edit: Lol, nachdem ich hier eben wieder reingeguckt habe, ist mir aufgefallen, wie aufgeblasen meine Anmerkung gestern war. Verzeihung. Anyway, das hier ist eine Fortsetzung zu der Knäckebrot-Story gebaut.] Ähäm, ich höre dann auch auf, über Essen und Drogen zu schreiben.
Kekse geben mir Gefühle.
Natürlich weiß ich, dass das Quatsch ist. Ganz so neurotisch bin ich nun auch wieder nicht.
Doch ich bin high und das ist ein Zustand, in dem mir alles Gefühle gibt – butterweiche, wattedicke Gefühle. Ich bin in einem Stadium der absoluten Ruhe und der höchsten Erquickung, ich liebe die Frühlingswärme, die draußen noch zwischen den Bäumen und den Straßen hängt, ich bin gut drauf.
Heute ist ein gutdraufiger Tag.
Von außen hält man mich womöglich für einen Penner.
Frodo kommt auf mich zu und hält Packungen in der Hand. Das Weed verlangsamt ihn auf ein angenehmes Maß, so dass meine Augen, selbst heruntergetunt auf eine ewige Zeitlupe, lesen können, was er dabei ist, zu kaufen.
Othello und Doppelkekse mit Zitronencreme zwischen den Hälften.
Mir ist es egal, ich habe inzwischen einen unfassbaren Hunger auf Kohlenhydrate.
„Vielleicht solltest du aufhören, das Brot zärtlich zu streicheln“, sagt Frodo sehr ernsthaft und deutet mit der Othello-Kekspackung auf meine Hand.
Ich kann nichts dafür, denke ich. Das Zwiebelbrot, eingepackt und gut verschweißt, ist ganz weich und warm unter meinen Fingern.
„Da hinten guckt schon eine, die muss denken, wir sind irgendwie bescheuert oder so“, raunt er.
„Soll sie doch“, gebe ich zurück.
„Als ob sie meine Liebe zu Brot verstehen könnte.“
„Deine Liebe zu Brot hat jetz' mal Pause. Na komm.“
Er zieht mich sanft und in Zeitlupe mit sich.
Das Piepen der Kassen kommt näher, ich streife mit dem Blick Leute, die mich augenscheinlich für meine Gefühle zu Brot und Keksen verurteilen.
„Halt mal kurz“, sagt Frodo und drückt mir die Kekse in die Hand.
Er durchforstet seine Jacken- und Hosentaschen nach seinem Portemonnaie. Es rutscht ihm durch die Finger und landet auf dem Supermarktboden.
Ich fange an zu kichern.
„Alter“, murmelt Frodo.
„Bist du durch.“
Er müsste an seinem Penner-Look arbeiten, sinniere ich, als er die Kekse über den Scanner schieben lässt und bezahlt. Vielleicht wieder hellblonde Haare, nur diesmal ohne sie schneiden zu lassen. Als hätte er meine Gedanken gehört, schiebt er sich sein Basecap zurecht.
Oder hab ich das laut gesagt?
Wir sitzen am See und knabbern auf Keksen herum.
Ich sollte die Session genießen. Wir sind beide schwer beschäftigte Typen. Wir haben uns das hier als Termine in unseren Kalendern geblockt.
So steht das in meinem Google-Kalender: Kiffen und Kekse mit Frodo, weil wir es damals vor zwei Monaten in der UWG nicht mehr hinbekommen haben.
Sonst hätten wir das nie mehr nachgeholt.
„Ich kann morgen nich'“, habe ich gestern im Studio zu Felix gesagt.
„Ich muss mit Frodo Kekse kaufen gehen.“
„Wenn ich's nich' besser wüsste, würde ich mich fragen, wofür das stehen soll“, hat er erwidert und sich wieder seinem Modul zugewandt.
Während ich auf den See hinausschaue, über den der Frühlingswind Babywellen treibt, beschleunigt sich die Zeit wieder, und mit ihr mein Kauen, mein Atem. Das Gefühl, wattigweich und warm eingepackt zu sein, bleibt noch etwas. Könnte auch an der Abenddämmerung liegen.
„Is' doch eigentlich bescheuert“, nuschelt Frodo kauend.
„Wieso denn?“, gebe ich zurück.
„Das hier is'n Moment, von dem wirst du noch deinen Enkeln erzählen.“
Ich zerre mir den Haargummi raus, weil sich unzählige Strähnen aus dem Dutt gelöst haben und mir dauernd in den Mund wehen.
„Ein Mal bin ich mit einem Kumpel an den See gefahren und hab Kekse gegessen.“
Ich höre ihn kichernd schnauben.
„Deine Geschichte ist genauso spartanisch eingerichtet wie die Band-Shirts, die ihr verkauft“, gluckst er.
Ich zucke mit den Schultern. Der Wind raschelt im jungen Schilf, in den Ästen der Bäume.
Er raschelt mir durch die Haare und die Gedanken und meine keksüberwältigen Gefühle.
Ich wende mich Frodo zu, ich streiche mir Haare aus dem Gesicht und küsse ihn.
Selbst sein überraschtes Zucken ist langsamer als sonst. Da sind Kekskrümel auf seinen Lippen, die wie Rollsplit kratzen. Ich lasse von ihm ab und er macht pustend-spuckende Geräusche, weil ihm ein paar meiner Haare in den Mund geweht sind.
Für ein paar Sekunden kriege ich mich nicht mehr. Ich lache lautlos, muss mich krümmen.
„Sorry“, japse ich.
Na komm schon, denke ich. Bring it on, gib mir all deine dummen Sprüche, die ich noch von früher kenne, als du noch auf Tease gemacht hast, aber dich vor gay panic überstürzt hast, wenn mal jemand mitspielte.
Doch nichts dergleichen geschieht.
„Bind dir die zurück, Medusa“, ist, was er stattdessen von sich gibt.
Er schiebt sich noch einen Keks in den Mund, während ich gegen den Wind kämpfe und das Haar zurück in den Gummi stopfe, er guckt auf den See und fixiert etwas.
Die Enten habe ich bis eben gar nicht gesehen. Wie sie vor uns auf den Wellen sitzen, leise naken.
Frodo bricht Stücke von seinem Keks ab. Mit ausholender Bewegung wirft er ihnen die Krümel ins Wasser.
Dann wendet er sich mir zu.
„Fertig?“
Er wartet meine Antwort nicht ab, sondern spiegelt meine Bewegungen von eben.
Wir küssen uns erneut und ich denke, dass all das hier sicherlich besser wäre ohne Keksteig zwischen den Zähnen, ohne Marihuana im Blut und mit geordneten Gefühlen.
Ich müsste darüber nachdenken, zu wem meine Liebe größer ist. Zu Keksen, zu Brot oder zu Frodo.
Wir lassen voneinander ab und er geht dazu über, weiter Enten zu füttern.
Über diesen Moment werden wir nie reden.
Jetzt und hier sind nur die Vögel unsere Zeugen.
Wir konservieren den Augenblick schon jetzt gerade in uns. Wir kochen ihn ein in metaphorische, luftdicht verschlossene Gläser.
„Fuck“, murmelt er, teils amüsiert, teils überrascht.
„Das war gut.“
Ich lehne mich zurück und grinse. Der Abendwind fährt ein erstes Frösteln über meine Arme.
Der Moment verfliegt.
„Sag Bescheid, wenn du wieder Bock drauf hast“ , sage ich.
„Dann suchen wir uns einen Termin.“
Wir sind schließlich schwer beschäftigte Typen.
no subject
Date: 2019-04-19 02:11 am (UTC)Und süß ist das Ergebnis hier auf jeden Fall geworden ;) Im wahrsten Sinne des Wortes.
no subject
Date: 2019-04-22 07:41 pm (UTC)Ja, über süße Dinge und putzige Kerle schreibt es sich immer ganz gut. <3
no subject
Date: 2019-04-25 09:07 am (UTC)no subject
Date: 2019-04-26 06:50 pm (UTC)Die Liebe zu Keksen wird auch definitiv unterschätzt :D
no subject
Date: 2019-04-26 08:44 pm (UTC)