Ein Traum [22. Türchen]
Dec. 22nd, 2018 05:33 pmFandom: Original (Leute mit so ner Art Superkräften)
Charaktere: Lea Schatz, Lidia Górski
Sprache: Deutsch
Wörter: 914
Warnungen: Erwähnung von Temporary Character Death, aber sonst sollte es ganz harmlos sein
Inhalt: Lidia stellt Lea zur Rede.
A/N: Es ist wieder einmal etwas spät, sorry! Das ist eine Art Fortsetzung zu dem hier. Und damit ist die Story immer noch nicht beendet. Die eigentliche Hauptstory hat auch andere Protagonisten, aber Lea hats mir irgendwie angetan ^^°
Lea weiß, dass Lidia auch in Hannover studiert, genau wie sie selbst. Jedoch studieren sie zwei völlig unterschiedliche Fächer - Lea Anglistik und Biologie, und Lidia Rechtswissenschaften - und Lea hat es unter anderem auch deshalb bisher immer geschafft, Lidia erfolgreich zu vermeiden.
Bis jetzt. Bis sie beide, wie es der Zufall so will, gleichzeitig in der Mensa essen gehen und Lidia plötzlich neben Lea Platz nimmt.
Lea erstarrt wortwörtlich, ihre Gabel dicht über ihrem Nudelauflauf hängend. Sie hält ihren Kopf gesenkt und fühlt sich generell als stünde sie wie ein Kaninchen vor der Schlange.
"Lea… können wir bitte reden?", fragt Lidia direkt, ohne Umschweife, und Lea fällt fast die Gabel ins Essen. Aus den Augenwinkeln sieht sie jedoch, dass Lidia ihr Tablett immer noch an den Seiten festhält, obwohl sie es schon auf dem Tisch abgestellt hat.
Lea hat diesen Moment geübt. Sie hat vor dem Spiegel wieder und wieder wiederholt, Lidias Bitte abzulehnen. "Tut mir Leid, es gibt nichts, was ich dir noch zu sagen hätte."
Aber Lidias honigsüße Stimme, ihre Nähe, ihr Wunsch, überhaupt mit Lea zu sprechen, all das lullt Lea ein, und statt ihrer geprobten Absage antwortet sie mit einem "Okay…" und macht den Fehler, aufzusehen.
Lidia lächelt sie zaghaft an, und Lea kann nicht anders, als zurückzulächeln.
Sie essen in Stille und einigen sich danach, in ein Café zu gehen. Lea kann den ganzen Weg lang ihr pochendes Herz fühlen. Egal wie sehr sie das geübt hat, sie fühlt sich nicht bereit dazu.
Vermutlich wehrt sie sich zu wenig, gibt Lidia zu sehr nach, einfach weil sie kein Rückgrat hat, nicht widersprechen kann, weshalb es für Lidia ein Leichtes ist, von ihr das zu bekommen, was sie will.
"Warum hast du mir damals keine Chance gegeben?", ist Lidias erste Frage, die Lea nicht beantworten dürfte, aber so sehr will.
"Ich… ich hatte Angst", gibt sie die halbe Wahrheit zu, hält sich an ihrer Tasse mit schwarzem Kaffee fest wie an einem Rettungsring.
Lidia ist für eine kurze Weile still, bevor sie etwas sagt. "Kann ich verstehen"; sagt sie, selbst den Blick gesenkt. "Aber du hättest doch wissen müssen, dass meine zig Versuche, mit dir zu reden, wohl heißen müssen, dass ich dich nicht plötzlich hasse."
Lidia sieht wieder zu ihr auf, direkt in ihre Augen. "Du wusstest das, nicht wahr? Warum also?"
Lea beobachtet Lidias Gesicht genau, ihre aufmerksamen, weichen grünen Augen, die Furchen auf ihrer Stirn.
Die ganze Situation wirkt so unwirklich auf Lea, als wäre es bloß ein Traum, und gleichzeitig spürt sie es bis auf die Knochen - wie die Kälte damals in der Silvesternacht - dass dieser Moment real ist, echt, wichtig.
Ihre Augen fangen an, zu brennen, und ihr Hals schnürt sich zu, doch sie zwingt die Worte trotzdem irgendwie aus ihrem Mund. "Ich kann es dir hier nicht sagen."
Lidia runzelt die Stirn. "Warum…", fängt sie an, doch hält direkt wieder inne, sieht Lea nachdenklich und fragend an.
"Können wir bei mir oder dir reden?"
Lea legt ihren Kopf in ihre Hände, weil sie das Gefühl hat, von zwei Kräften in verschiedene Richtungen gezerrt zu werden. Beichten oder Geheimhalten? Sich anvertrauen oder Lidia von sich stoßen?
Sie wünschte, jemand könnte ihr die Entscheidung abnehmen.
Schließlich lugt sie zwischen ihren FIngern hervor, sieht, dass Lidia sie immer noch geduldig abwartend ansieht, und seufzt in ihre Hände hinein, bevor sie diese wieder von ihrem Gesicht nimmt.
"Okay… bei mir ist es besser…"
Auf dem Weg wechseln sie wieder kein Wort. Es gibt Lea die Zeit, über die Konsequenzen ihrer Entscheidung nachzudenken. Sie ist sich mittlerweile fast sicher, dass die Frau im weißen Gewand und all die Dunkelheit nur ein Traum gewesen ist - hervorgerufen durch ihren doch größeren Zeitsprung und die Geschichten, die Lidias Mutter ihnen als Kinder erzählt hat.
Dennoch sitzt da eine Angst in ihrem Herzen, die sie nicht vertreiben kann, die an ihr nagt mit der Frage: Was wenn doch?
Aber sie hat sich entschieden, auf Gedeih und Verderb.
In ihrer kleinen Wohnung fühlt sie sich besser, sicherer, und selbst Lidias Anwesenheit verunsichert sie nicht mehr ganz so stark, selbst mit Lidia direkt neben ihr auf ihrem Klappsofa.
Die Beichte selbst geht ihr seltsam leicht über die Lippen.
"Ich bin eine Zeitspringerin."
Lidias ohnehin schon recht blasses Gesicht wird noch blasser. Ihre Augen weiten sich fast komisch langsam, und allem Anschein nach hat es ihr die Sprache verschlagen.
"Wow… Deshalb also…"
Lea nickt. "Wir haben alle die Geschichten über Zeitspringer gehört. Ich habe darüber gelesen und recherchiert. Es geht nie gut für uns aus, wenn wir uns stellen und registrieren lassen."
Lidias Augen glänzen verräterisch. "Das ist unfair."
Es bringt ein Lächeln in Leas Gesicht.
"Aber warum…", fährt Lidia fort, doch Lea kommt ihr zuvor.
"Du bist gestorben."
"Ich… was?"
"Du bist gestorben und ich habe die Zeit zurückgedreht und es verhindert, aber ich musste… nicht mit dir befreundet sein, damit es nicht trotzdem passiert."
Lidia rückt auf dem Sofa etwas näher an Lea heran. "Du hast das für mich getan?"
Lea nickt und ihre Augen brennen wieder.
"Und jetzt… können wir jetzt wieder Freunde sein?"
Sie sieht so voller Hoffnung in Leas Augen, dass Lea, fast wie von einer fremden Macht kontrolliert, nickt. "Ich denke schon."
Sie weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass sie ihre Entscheidung erst bitter bereuen wird. Sie weiß nur, dass Lidias glückliches Lächeln und ihre Umarmung und ihr geflüstertes "Ich habe dich vermisst" ihr gebrochenes Herz wieder zusammensetzen, so wie nichts anderes es vermocht hätte.