Was vergangen ist [20. Türchen]
Dec. 20th, 2018 09:15 pmChallenge: Rauhnächte
Fandom: Original (Leute mit so ner Art Superkräften... mir ist immer noch kein Titel eingefallen ^^°)
Charaktere: Lea Schatz, Lidia Górski
Sprache: Deutsch
Wörter: 1.319
Warnungen: es ist eher deprimierend? Temporary Character Death kommt auch vor, ganz kurz
A/N: Es ist sehr spät, I know, aber es kam was dazwischen ^^° Uuund es kommt vermutlich noch ein zweiter Teil, morgen dann. Mal sehen. (Die Challenge hab ich glaub ich nur so halb erfüllt *hust*)
Lea ist 10 als sie zum ersten Mal merkt, dass etwas nicht stimmt mit ihr.
Es sind nur ein paar Sekunden. Nur ein paar kurze Augenblicke. Im einen Monent noch ist sie auf der Straße und sieht in die Scheinwerfer eines sich rasch nähernden Autos, und im nächsten ist sie wieder am Straßenrand, wie festgefroren, während das Auto, dem sie gerade noch entgegen gesehen hatte, einige Momente später an ihr vorbeifuhr.
Als hätte alles seine Richtigkeit. Als wäre nichts gewesen.
Lidia kommt neben ihr zum Stehen. "Lea! Ich dachte schon, du rennst weiter!"
Einen kurzen Moment lang will Lea ihr alles erzählen. Was sie gerade getan hat, was wirklich passiert ist. Doch sie findet nicht die Worte dafür, und weiß tief im Innern bereits, dass es ein Geheimnis bleiben muss, dass Übernatürliche nicht akzeptiert waren. Ausgegrenzt. Verlassen.
"Haha, natürlich nicht! Bin doch nicht lebensmüde!", lügt sie deshalb mit einem Lächeln und für den Moment ist sie aus dem Schneider, denn Lidia glaubt ihr.
Sie bemüht sich, ihre Kräfte nicht zu zeigen, sie nicht einzusetzen, aus Angst, jemand könnte es doch irgendwie bemerken, doch natürlich verrät sie sich eines Tages. Lidia und ihrer eigenen Familie.
Sie sind in der Küche, zusammen mit Leas Mutter. Lidia, ganz die Liebe, bietet ihre Hilfe an und darf die gläzend roten Tomaten für den Salat schneiden.
Es ist Leas Schuld, dass sie Lidia ablenkt, als ihr ein Löffel auf den Boden fällt.
"Au!", schreit Lidia plötzlich auf und auch ihr Messer landet klappernd am Boden, mit ihrem Blut an der Klinge.
Lidias Augen sind fest zugekniffen und sie hat ihre rechte Hand um ihren linken Zeigefinger geschlossen, doch das Blut kommt trotzdem zwischen den Schlitzen hervorgequollen.
Leas Mutter ist bereits aufgesprungen, doch sie schafft es nicht, mehr zu tun, bevor Lea ihre Augen schließt und sich konzentriert.
Als sie ihre Augen wieder öffnet, ist sie vor der Besteck-Schublade, Löffel noch nicht in den Händen.
"Lidia?", fragt sie und bekommt ein vergnügtes "Hm?" zur Antwort.
"Könntest du kurz das Messer weglegen?"
Das hackende Geräusch des Messers auf dem Schneidebrett verstummt.
"Wieso? Was ist denn?"
"Ich will nicht, dass du dich schneidest", sagt Lea leise und sieht zu Lidia, die das Messer immer noch hält. Lea kann die Augen nicht vom Messer nehmen, so als könnte sie es Kraft ihrer Gedanken davon abhalten, ihrer besten Freundin weh zu tun.
Lidia runzelt verwirrt die Stirn, doch als sie zu der Schublade runter sieht, legt sie das Messer zur Seite und hebt abwehrend die Hände. "Okay?"
Lea bemerkt jetzt erst, dass ihre Hände zittern.
"Lea…" Ihre Mutter ist aufgestanden und baut sich vor ihr auf. "Was ist mit dir?"
Doch Lea kann ihr nicht in die Augen sehen und umschließt den Griff der Schublade noch fester mit der Hand. Es hilft nicht ein Bisschen gegen das Zittern.
"Bist du…", fängt ihre Mutter an, hält dann jedoch inne und Lea sieht aus den Augenwinkeln, wie sie den Kopf schüttelt. "Kannst du in die Zukunft sehen?"
Lea hebt langsam ihren Kopf, sieht ihre Mutter an, auch wenn sie weiß, dass es ein Fehler ist. Sie sieht den strengen Blick, die Enttäuschung.
"Ja", lügt sie, weil sie genau weiß, dass bloß in die Zukunft zu sehen noch lange nicht so schlimm ist wie das, was sie wirklich getan hat.
Nach der Beichte bricht ihr Leben Stück für Stück zusammen.
Lidia ist der einzige Anker, der ihr noch bleibt. Nach einem recht kurzen Streit, der fast ausschließlich von Lea herrührt und ihrer eigenen Unsicherheit bezüglich ihrer Kräfte und ihrer neuen Stellung allen gegenüber, sind sie noch unzertrennlicher als vorher. Lidia akzeptiert Lea, selbst mit ihren Kräften. Sogar Lidias Mutter ist immer noch sehr nett zu ihr, noch fürsorglicher als vorher, und Lea nimmt an, dass sie weiß, wie es um ihre Beziehung zu ihrer eigenen Mutter bestellt ist. Ohne Lidia wäre Lea verloren.
Lea ist sechzehn, es ist die Silvesternacht, und Lidia ist tot.
Lea kann sich, ihre Arme fest um Lidias leblosen Körper geschlungen, nicht zusammenreimen, was passiert ist. Ob es der Alkohol in ihrem Körper ist oder der Schock weiß sie nicht. Der einzige klare Gedanke, den sie fassen kann ist der, dass Lidia tot ist.
Um sie herum herrscht wilde Aufregung inmitten der nach außen dringenden Partymusik, ein Geruch nach verbranntem Gummi liegt in der Luft, und die Kälte nagt an Leas Haut und geht ihr bis in die Knochen, doch das alles ist ihr in diesem Moment ganz egal.
Sie weiß, dass sie ihre Kräfte nicht einsetzen sollte. Sie hat genug Literatur darüber gelesen, um sich der Gefahren bewusst zu sein. Doch in diesem Moment rückt das alles in den Hintergrund, und alles, was zählt, ist Lidia.
Also schließt sie ihre Augen und konzentriert sich.
Doch statt sich wieder im Haus zu befinden, ist es um sie herum duster und nebelig und sie kann nichts in der Dunkelheit erkennen. Ein Rascheln jagt ihren Puls in die Höhe, doch egal wohin sie sich dreht und wendet, die Dunkelheit verschluckt alles.
Das Rascheln wird lauter und es kommen Stimmen hinzu, aus allen Richtungen, als umkreisen sie Lea. Dann tritt plötzlich eine Frau aus dem Nebel, die Lea klar erkennen kann, auch wenn alles andere weiterhin vernebelt ist. Die Frau ist gekleidet wie eine mittelalterliche Jägerin, in weißem Gewand und mit Bogen auf dem Rücken und Köcher an der Seite. Sie blickt Lea direkt in die Augen und Lea befiel ein Schaudern.
"Du willst etwas, das nun zu uns gehört", sagt die Frau. Sie strahlt eine unglaubliche Ruhe aus, was Lea jedoch nur noch mehr Angst einjagt.
"Ich verstehe nicht…", fängt Lea leise und vorsichtig an, doch die Frau hebt ihre Hand und Lea verstummt augenblicklich.
"Wir sind nicht das Böse, meine Liebe. Aber es gibt Dinge, die unangetastet bleiben sollten. Was vergangen ist, sollte vergangen bleiben. Wer dennoch die Gesetze der Natur brechen will, muss die Konsequenzen akzeptieren."
Lea dämmert es langsam, worum es hier geht, auch wenn sie immer noch nicht weiß, wer die Frau ist und warum sie in der dritten Person von sich spricht.
"Was für Konsequenzen?", fragt sie, dieses Mal mit festerer Stimme.
Die Frau lächelt milde. "Um deinen Wunsch zu erfüllen, sind weitere Änderungen an der Geschichte nötig. Eure Beziehung muss zerrüttet werden, damit sie sich nicht wiederholt."
Aus irgendeinem Grund ist Lea genau bewusst, was diese Worte bedeuten, worauf das alles hinauslaufen wird, und ihr schießen Tränen in die Augen. "Ich tue alles."
"Du bist ein gutes Kind," fährt die Frau fort. "Wir, die Wilde Jagt, sind bereit, eine von uns zu erlösen." Sie schnipst mit den Fingern und aus der Dunkelheit, wie als würde der Nebel von ihr herabfallen, tritt eine gigantische weiße Eule, die ihre Flügel vor sich gestreckt hat und entwas zu verdecken scheint. Die Frau schnipst erneut und die Eule zieht ihre Flügel zurück.
"Lidia!" Lea will zu ihr eilen, doch die Frau hebt erneut ihre Hand und Lea bleibt stehen. Lidia scheint allerdings durch sie hindurchzusehen, als würde sie all das hier gar nicht mitbekommen.
"Wir geben sie frei und du kehrst an den Punkt zurück, an dem ihr zerstritten wart. Du versöhnst dich nicht mit ihr, ihr geht eure separaten Wege. Andernfalls wird sich die Geschichte wiederholen."
Lea sieht Lidia noch einen langen Moment an, dann nickt sie. "Bitte."
Das letzte Lächeln, das die Frau Lea schenkt, ist eher traurig, doch die Frau verschwindet und die Dunkelheit zieht sich zurück, noch bevor Lea sichergehen kann.
Dann wacht sie auf und sie ist dreizehn, es ist kurz nach ihrem Outing als Übersinnliche, kurz nach dem Streit mit Lidia.
Den sie niemals wird klären dürfen. Sie ist sich nicht sicher, ob das alles nur ein Traum gewesen ist, was real ist und was nicht. Dennoch hält sie sich an die Worte der Frau.
Sie denkt, beim Abiturabschluss sieht sie Lidia zum letzten Mal, und sie trägt diesen Schmerz zwei Jahre lang mit sich.
Bis sich ihre Wege wieder kreuzen.
no subject
Date: 2019-01-04 09:24 am (UTC)Ich bin noch gar nicht dazu gekommen dir frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr zu wünschen. Und dabei bin ich direkt über die Geschichte gestolpert.
Ist das tragisch - au au au!
Jetzt will ich doch wissen wie es weitergeht und ob sie sich wieder versöhnen!
no subject
Date: 2019-05-01 09:31 pm (UTC)Ja. Also. Es ist sehr spät LOL (I'm sorry *hust*) aberrr omg, ich freu mich so, dass jemand das hier gelesen hat? Die Story ist mir mit Lea zusammen ans Herz gewachsen, haha. (Ich muss sie nur mal irgendwann zu Papier bringen)
Es ist zwar spät... aber ich hoffe, du hattest auch ein angenehmes neues Jahr :'D