11. Türchen
Dec. 11th, 2018 10:35 amChallenges: 1. zeitlos 2. "Ich dachte, das war so abgesprochen!" 3. ein Mal zu viel
Fandom: Sailor Moon
Charaktere: Chibiusa, Endymion, Makoto
Weihnachten gehörte zu den Dingen, die sich wohl nie ändern würden. Einmal im Jahr wurde die ganze Welt still. Friedlich auf eine andere Art als die, an die die Menschen in Kristall-Tokyo und im ganzen Sonnensystem sich gewöhnt hatten. Chibiusa liebte es. Nicht auf dieselbe Art wie als Kind, als sie vor allem auf die Geschenke scharf gewesen war. Genauso wie ihre damals so unreife Mutter, übrigens.
In letzter Zeit dachte sie aber oft an diese Zeit zurück. Als ihre Welt noch nicht so von bonbonfarbenen Zuckerguß übergossen gewesen war. Als sie sich mit Usagi um Süßigkeiten hatte streiten können, mit Makoto Plätzchen backen (nachdem sie vorher mit Minako irgendwie das Mehl zum explodieren gebracht hatte). Rei, die grummelnd so tat, als wäre das alles unter ihrer Würde und dann doch das größte Geschenk rausholte. Und natürlich Ami, die jedem irgendein Buch zum Lernen schenkte.
Jetzt war Usagi die Königin und streiten gehörte sich nicht. Ebenso wie Ami, Rei, Makoto und Minako hatte sie kaum noch Zeit für sie, gerade in der Vorweihnachtszeit gab es einen Termin nach dem anderen. Von Chibiusa wurde erwartet, dass sie sich ebenfalls zeigte und höflich lächelte.
Die ganze Welt war still und friedlich, nur sie hatte nichts davon.
Aber heute würde es anders laufen, oder? Es war der zweite Advent und ihre Mutter hatte es versprochen. Dass sie gemeinsam den Baum schmücken würden, nachdem es die letzten Jahre kurzfristig immer ausgefallen war. Letztes Jahr hatte Hotaru ihr geholfen, aber das Ergebnis war irgendwie deprimierend gewesen. Davor war Minako eingesprungen, was in einem totalen Chaos geendet hatte, der ihnen aber immerhin beiden Spaß gemacht hatte. Es war aber nicht dasselbe gewesen. Chibiusa wollte ihre Mama. Ja, sie war siebzehn Jahre alt, aber trotzdem. Wenigstens für einen Tag wollte sie ihre Mutter ganz für sich haben, wenn sie sie sonst mit der ganzen Welt teilen musste.
Dieses Jahr würde es klappen, sagte sie sich, als sie zum Frühstück ging. Das fand wie immer recht spät statt, einer der wenigen Zugeständnisse, die die Langschläferin Usagi sich jetzt noch genehmigte. Chibiusa hatte dieses Angewohnheit übernommen, und wenn sie nicht zur Schule musste, nutzte sie es auch gründlich aus. Irgendwo mussten ihre Mutter und sie sich ja auch noch ähnlich sein. Mit den Jahren schienen sie sich ziemlich auseinandergelebt zu haben…
Als sie den kleinen Raum betrat, in dem sie immer aßen, sah sie aber erstmal nur ihren Vater, der von der Zeitung aufsah und lächelte. “Guten Morgen.” Er war ebenso wie ihre Mutter immer sehr beschäftigt, aber hierfür war immer Zeit. Das machte die Abwesenheit ihrer Mutter nur umso deutlicher. “Wo ist Mama?”, fragte Chibiusa daher anstatt einer Antwort und ihr Vater seufzte, als hätte er gehofft, um dieses Gespräch noch ein wenig herumzukommen. Da kannte er sie aber schlecht.
“Sie ist kurzfristig zu der neuen Kolonie auf dem Mars gereist. Es gibt dort Probleme, die ihre Anwesenheit erfordern.”
“Aber… sie hatte versprochen, dass sie heute da ist…” Es war albern. Kindisch. Sie war zu alt für so eine Reaktion, aber das war ihr egal. Ihre Mutter hatte sie wieder versetzt.
“Es tut ihr auch Leid, aber es geht einfach nicht. Das musst du verstehen.”
“Ich muss gar nichts!”, brach es ganz undamenhaft aus ihr heraus und es war ihr vollkommen egal, dass die Dienerin, die gerade ihren Tee brachte, es mitbekam.
“Kleine Lady.” Ihr Vater musste nie die Stimme erheben, damit sie sich wirklich klein fühlte. Nur war Chibiusa dafür gerade nicht im empfänglich. Sie wollte nicht vernünftig sein. Nicht heute. Nicht nachdem sie schon wieder alleine gelassen wurde. Ihr war egal wie kindisch es wirkte, als sie herumfuhr und aus dem Raum stürmte. Auf keinen Fall sollte irgendjemand sehen, dass sie kurz davor war, in Tränen auszubrechen.
Sie blieb gerade lange genug in ihrem Zimmer, um sich umziehen. Hier drin war es warm genug für das leichte Kleid, sie hatte nicht vor, hier auf die Standpauke ihres Vaters zu warten. Darum wechselte sie nur in Jeans und den hässlichen Rentierpulli, den Makoto ihr letztes Jahr gestrickt hatte und zog sich eine warme Jacke an, deren Kapuze ihre zu verräterischen Haare wenigstens halbwegs verstecken konnte. Dann machte sie sich auf den Weg nach draußen, wobei sie aber am Arbeitszimmer ihres Vaters vorbeimusste. Der war um diese Zeit normalerweise nicht dort, diesmal aber hörte sie durch die nur angelehnte Tür seine Stimme. “Ich dachte, das war so abgesprochen… Serenity, sie ist wirklich verletzt.”
Chibiusa wollte nicht lauschen. Ehrlich nicht. Aber sie blieb trotzdem stehen. Noch nie hatte sie gehört, wie ihr Vater so mit seiner Frau redete. So vorwurfsvoll. Das Seufzen ihrer Mutter klang weit entfernt. Natürlich, der Mars war nicht um die Ecke. “Meinst du, mir macht das Spaß? Aber das hier ist wichtig.”
“Unsere Tochter ist auch wichtig. Vergiss sie nicht, wenn du wieder mal die Welt rettest.”
“Endymion…”
Chibiusa war sich sicher, dass dieses Gespräch nicht für ihre Ohren bestimmt war. Ganz besonders nicht für ihre. Als eine Hand sich auf ihre Schulter legte, zuckte sie zusammen und murrte, als sie in Makotos Gesicht sah. Die legte sich warnend einen Finger auf die Lippen und schob Chibiusa den Flur entlang, in den Garten und in das Gewächshaus, in dem sie einen Großteil ihrer Freizeit verbrachte. Das Lächeln war fast unmerklich, als sie sagte: “Man lauscht doch nicht, wenn die Eltern sich streiten.”
“Das wollte ich nicht aber…” Makoto schüttelte den Kopf und unterbrach sie so. “Schon gut. Ich hätte auch gelauscht.” Dabei zupfte sie etwas am Saum von Chibiusas Pulli. “Er wird dir langsam zu klein.”
“Ich mag ihn aber.” Er war wirklich, wirklich hässlich, aber Makoto hatte ihn selbst gestrickt und Setsuna hatte die Pailetten aufgenäht. Und genau das machte ihn zum schönsten Pulli der Welt.
“Wir machen dir einen neuen.” Die Selbstverständlichkeit mit der Makoto das versprach, trieb fast die Tränen in Chibiusas Augen. Vielleicht war das auch der Grund, warum sie flüsterte: “Warum hat Mama nie Zeit für mich? Ihr schafft das doch auch immer.” Heftiger platzte es aus ihr heraus: “Wenn ihr etwas versprecht, dann haltet ihr es auch!” Betroffenheit zeigte sich auf Makotos Gesicht. “Ich weiß nicht, was auf dem Mars los ist… Rei ist direkt zu Serenity gegangen und die beiden sind sofort aufgebrochen. Ich bin sicher, sie wäre geblieben, hätte sie gekonnt.”
“Sie hätte mir wenigstens selbst sagen können, dass es wieder nicht klappt.” Stattdessen hatte sie diese undankbare Aufgabe auf ihren Vater abgewälzt. Chibiusas Augen brannten und ehe sie sich versah, hatte Makoto sie in eine feste Umarmung gezogen. Sagen tat sie nichts, das war aber auch nicht nötig. Sie zeigte auf diese Art Unterstützung und das war es, was zählte. “Hilfst du mir mit dem Baum?”, flüsterte Chibiusa und Makoto lachte leise. “Was für eine Frage. Komm, gehen wir wieder rein. Und vielleicht sollten wir auch Endymion fragen, der kann etwas Weihnachtsglitzer sicher auch brauchen.”
“Okay. Ich weiß, wo Minako das Lametta aufbewahrt.”
Fandom: Sailor Moon
Charaktere: Chibiusa, Endymion, Makoto
Weihnachten gehörte zu den Dingen, die sich wohl nie ändern würden. Einmal im Jahr wurde die ganze Welt still. Friedlich auf eine andere Art als die, an die die Menschen in Kristall-Tokyo und im ganzen Sonnensystem sich gewöhnt hatten. Chibiusa liebte es. Nicht auf dieselbe Art wie als Kind, als sie vor allem auf die Geschenke scharf gewesen war. Genauso wie ihre damals so unreife Mutter, übrigens.
In letzter Zeit dachte sie aber oft an diese Zeit zurück. Als ihre Welt noch nicht so von bonbonfarbenen Zuckerguß übergossen gewesen war. Als sie sich mit Usagi um Süßigkeiten hatte streiten können, mit Makoto Plätzchen backen (nachdem sie vorher mit Minako irgendwie das Mehl zum explodieren gebracht hatte). Rei, die grummelnd so tat, als wäre das alles unter ihrer Würde und dann doch das größte Geschenk rausholte. Und natürlich Ami, die jedem irgendein Buch zum Lernen schenkte.
Jetzt war Usagi die Königin und streiten gehörte sich nicht. Ebenso wie Ami, Rei, Makoto und Minako hatte sie kaum noch Zeit für sie, gerade in der Vorweihnachtszeit gab es einen Termin nach dem anderen. Von Chibiusa wurde erwartet, dass sie sich ebenfalls zeigte und höflich lächelte.
Die ganze Welt war still und friedlich, nur sie hatte nichts davon.
Aber heute würde es anders laufen, oder? Es war der zweite Advent und ihre Mutter hatte es versprochen. Dass sie gemeinsam den Baum schmücken würden, nachdem es die letzten Jahre kurzfristig immer ausgefallen war. Letztes Jahr hatte Hotaru ihr geholfen, aber das Ergebnis war irgendwie deprimierend gewesen. Davor war Minako eingesprungen, was in einem totalen Chaos geendet hatte, der ihnen aber immerhin beiden Spaß gemacht hatte. Es war aber nicht dasselbe gewesen. Chibiusa wollte ihre Mama. Ja, sie war siebzehn Jahre alt, aber trotzdem. Wenigstens für einen Tag wollte sie ihre Mutter ganz für sich haben, wenn sie sie sonst mit der ganzen Welt teilen musste.
Dieses Jahr würde es klappen, sagte sie sich, als sie zum Frühstück ging. Das fand wie immer recht spät statt, einer der wenigen Zugeständnisse, die die Langschläferin Usagi sich jetzt noch genehmigte. Chibiusa hatte dieses Angewohnheit übernommen, und wenn sie nicht zur Schule musste, nutzte sie es auch gründlich aus. Irgendwo mussten ihre Mutter und sie sich ja auch noch ähnlich sein. Mit den Jahren schienen sie sich ziemlich auseinandergelebt zu haben…
Als sie den kleinen Raum betrat, in dem sie immer aßen, sah sie aber erstmal nur ihren Vater, der von der Zeitung aufsah und lächelte. “Guten Morgen.” Er war ebenso wie ihre Mutter immer sehr beschäftigt, aber hierfür war immer Zeit. Das machte die Abwesenheit ihrer Mutter nur umso deutlicher. “Wo ist Mama?”, fragte Chibiusa daher anstatt einer Antwort und ihr Vater seufzte, als hätte er gehofft, um dieses Gespräch noch ein wenig herumzukommen. Da kannte er sie aber schlecht.
“Sie ist kurzfristig zu der neuen Kolonie auf dem Mars gereist. Es gibt dort Probleme, die ihre Anwesenheit erfordern.”
“Aber… sie hatte versprochen, dass sie heute da ist…” Es war albern. Kindisch. Sie war zu alt für so eine Reaktion, aber das war ihr egal. Ihre Mutter hatte sie wieder versetzt.
“Es tut ihr auch Leid, aber es geht einfach nicht. Das musst du verstehen.”
“Ich muss gar nichts!”, brach es ganz undamenhaft aus ihr heraus und es war ihr vollkommen egal, dass die Dienerin, die gerade ihren Tee brachte, es mitbekam.
“Kleine Lady.” Ihr Vater musste nie die Stimme erheben, damit sie sich wirklich klein fühlte. Nur war Chibiusa dafür gerade nicht im empfänglich. Sie wollte nicht vernünftig sein. Nicht heute. Nicht nachdem sie schon wieder alleine gelassen wurde. Ihr war egal wie kindisch es wirkte, als sie herumfuhr und aus dem Raum stürmte. Auf keinen Fall sollte irgendjemand sehen, dass sie kurz davor war, in Tränen auszubrechen.
Sie blieb gerade lange genug in ihrem Zimmer, um sich umziehen. Hier drin war es warm genug für das leichte Kleid, sie hatte nicht vor, hier auf die Standpauke ihres Vaters zu warten. Darum wechselte sie nur in Jeans und den hässlichen Rentierpulli, den Makoto ihr letztes Jahr gestrickt hatte und zog sich eine warme Jacke an, deren Kapuze ihre zu verräterischen Haare wenigstens halbwegs verstecken konnte. Dann machte sie sich auf den Weg nach draußen, wobei sie aber am Arbeitszimmer ihres Vaters vorbeimusste. Der war um diese Zeit normalerweise nicht dort, diesmal aber hörte sie durch die nur angelehnte Tür seine Stimme. “Ich dachte, das war so abgesprochen… Serenity, sie ist wirklich verletzt.”
Chibiusa wollte nicht lauschen. Ehrlich nicht. Aber sie blieb trotzdem stehen. Noch nie hatte sie gehört, wie ihr Vater so mit seiner Frau redete. So vorwurfsvoll. Das Seufzen ihrer Mutter klang weit entfernt. Natürlich, der Mars war nicht um die Ecke. “Meinst du, mir macht das Spaß? Aber das hier ist wichtig.”
“Unsere Tochter ist auch wichtig. Vergiss sie nicht, wenn du wieder mal die Welt rettest.”
“Endymion…”
Chibiusa war sich sicher, dass dieses Gespräch nicht für ihre Ohren bestimmt war. Ganz besonders nicht für ihre. Als eine Hand sich auf ihre Schulter legte, zuckte sie zusammen und murrte, als sie in Makotos Gesicht sah. Die legte sich warnend einen Finger auf die Lippen und schob Chibiusa den Flur entlang, in den Garten und in das Gewächshaus, in dem sie einen Großteil ihrer Freizeit verbrachte. Das Lächeln war fast unmerklich, als sie sagte: “Man lauscht doch nicht, wenn die Eltern sich streiten.”
“Das wollte ich nicht aber…” Makoto schüttelte den Kopf und unterbrach sie so. “Schon gut. Ich hätte auch gelauscht.” Dabei zupfte sie etwas am Saum von Chibiusas Pulli. “Er wird dir langsam zu klein.”
“Ich mag ihn aber.” Er war wirklich, wirklich hässlich, aber Makoto hatte ihn selbst gestrickt und Setsuna hatte die Pailetten aufgenäht. Und genau das machte ihn zum schönsten Pulli der Welt.
“Wir machen dir einen neuen.” Die Selbstverständlichkeit mit der Makoto das versprach, trieb fast die Tränen in Chibiusas Augen. Vielleicht war das auch der Grund, warum sie flüsterte: “Warum hat Mama nie Zeit für mich? Ihr schafft das doch auch immer.” Heftiger platzte es aus ihr heraus: “Wenn ihr etwas versprecht, dann haltet ihr es auch!” Betroffenheit zeigte sich auf Makotos Gesicht. “Ich weiß nicht, was auf dem Mars los ist… Rei ist direkt zu Serenity gegangen und die beiden sind sofort aufgebrochen. Ich bin sicher, sie wäre geblieben, hätte sie gekonnt.”
“Sie hätte mir wenigstens selbst sagen können, dass es wieder nicht klappt.” Stattdessen hatte sie diese undankbare Aufgabe auf ihren Vater abgewälzt. Chibiusas Augen brannten und ehe sie sich versah, hatte Makoto sie in eine feste Umarmung gezogen. Sagen tat sie nichts, das war aber auch nicht nötig. Sie zeigte auf diese Art Unterstützung und das war es, was zählte. “Hilfst du mir mit dem Baum?”, flüsterte Chibiusa und Makoto lachte leise. “Was für eine Frage. Komm, gehen wir wieder rein. Und vielleicht sollten wir auch Endymion fragen, der kann etwas Weihnachtsglitzer sicher auch brauchen.”
“Okay. Ich weiß, wo Minako das Lametta aufbewahrt.”
no subject
Date: 2018-12-11 07:27 pm (UTC)Für einen so asozialen Menschen wie mich machen mich so Sachen à la "Freundeskreis-Familien-Kollektivaufgabe Kindererziehung und Life Managment" irgendwie immer schwach *husthusthust*Das hab ich irgendwie gebraucht grad <3no subject
Date: 2018-12-11 07:55 pm (UTC)no subject
Date: 2018-12-14 03:37 pm (UTC)no subject
Date: 2018-12-15 08:08 pm (UTC)