Angst - "Wieso glaubst du mich nicht?"
Sep. 30th, 2018 06:35 pmTeam: Mond
Challenge: Angst - “Wieso glaubst du mir nicht?” (für mich und: Weltherrschaft!)
Fandom: Voltron
Charaktere: Keith, Shiro, Commander Iverson
Wörter: 1501
Gelangweilt saß Keith über seinen Aufgaben und kaute an seinem Stift herum. Gerade kotzte ihn so ziemlich alles tierisch an. Das war doch unfair! Er konnte doch kaum etwas dafür, dass er besser war als jeder seiner Klassenkameraden. Außerdem hatte man ihn doch nur hier aufgenommen, weil er gut war. Okay, und weil Shiro sich für ihn eingesetzt hatte. Aber jetzt wurde er genau dafür bestraft und durfte sich in öden Simulationsübungen zu Tode langweilen.
Vielleicht hätte er beim letzten Mal nicht am Programm herumpfuschen dürfen, aber so war es wenigstens mal unterhaltsam gewesen. Keith seufzte und sah auf sein Blatt. Jetzt war er sich nicht mehr, ob es die Sache wert gewesen war. Von den nächsten Trainingsstunden war er jedenfalls ausgeschlossen worden. Nicht, dass das ein großer Verlust für ihn gewesen wäre, aber Shiro würde das nicht gefallen. Und der war die einzige Person, die er nicht enttäuschen wollte.
In Gedanken malte er ein paar Kringel auf das Blatt, konzentrierte sich dann aber doch lieber auf die Strafarbeit. Schließlich sollte er sich besser nicht noch mehr Ärger einhandeln. Für eine gute halbe Stunde ging das auch gut, bis ein paar Klassenkameraden in den Gemeinschaftsraum kamen, in den er sich verzogen hatte. Also war der Unterricht im Simulator für heute vorbei. Und natürlich unterhielten sie sich gerade so laut, dass er jedes Wort verstehen konnte. Idioten. Er wollte schon seine Sachen zusammenpacken und gehen, als er das Wort “Dieb” hörte. Seit einiger Zeit verschwanden immer wieder Sachen. Mal Geld, dann eine Uhr… einmal das Armband einer Rekrutin. Anfangs hatte man noch geglaubt, dass die Leute einfach schusselig gewesen waren, aber solche Häufungen waren nicht normal.
“Diesmal sind Tessas Ohrringe weg. Die waren nicht billig”, erklärte einer der Jungen, “Sie schwört, dass sie in ihrer Schublade waren.”
“Selbst Schuld. Man lässt seinen Kram nicht einfach liegen, wenn ein Dieb unterwegs ist.” Die Sprecherin klang nicht besonders interessiert. Eher als würde sie sich ziemlich amüsieren. Keith interessierte das alles herzlich wenig. Als er im Heim gewesen war, waren auch immer Kleinigkeiten geklaut worden. Was kein Wunder war, wenn man einen Haufen Waisen und Problemkinder zusammensteckte. Sein wertvollster Besitz war gut versteckt, der Rest war ihm egal. Außerdem war es eher unwahrscheinlich, dass jemand seinen Dolch klauen würde. Die Chance war größer, dass ein Lehrer von der Waffe Wind bekam und er wirklich rausflog.
“Und die wissen immer noch nicht, wer es war?”
“Nein. Dabei ist das doch ziemlich klar.” Der Junge gab sich jetzt nicht einmal Mühe, leiser zu sprechen und aus dem Augenwinkel bemerkte Keith, dass er angsehen wurde. Die anderen folgten dem Blick und das Mädchen lachte unsicher. “Mit sowas wäre ich echt vorsichtig…”
“Wieso? Der gehört nicht hierher. Und jeder weiß, wo er herkommt.”
Das reichte Keith. Er sah den Jungen an. “Wenn du mir was zu sagen hast, tu es.” Zu spät bemerkte er, dass er damit in die Falle getappt war. Sein Klassenkamerad ging zu ihm und blieb in provozierend geringer Distanz stehen. “Kein Problem. Keiner hier hat nen Grund zu klauen. Du bist hier der Niemand, der einfach nur das Glück hat, dass er halbwegs gut fliegen kann.”
Keith stand auf. “Ich fliege besser als jeder von euch.” Er musste sich zusammenreißen. Der wollte nur, dass er wieder Ärger machte. Aber das war leichter gesagt als getan.
“Talent macht jemanden nicht zu einem guten Piloten. Jemand wie du hat hier nichts verloren. Schon gar nicht, wenn er klaut.”
“Ich bin kein Dieb!” Er hatte ja viele Fehler, Keith wäre der letzte, der das leugnete. Aber er das gehörte ganz sicher nicht dazu.
“So? Also hast du nicht mal Shiroganes Wagen geklaut?”
Woher wusste der Typ das? Die anderen jedenfalls hatten davon keine Ahnung gehabt, das verriet das aufgeregte Getuschel deutlich. Keith ballte die Hände zu Fäusten und sah zur Seite. “Das war etwas anderes.”
“Natürlich.” Der sarkastische Unterton hätte Keith beinahe alle Vorsätze vergessen lassen, aber zu seinem Glück kam einer der Lehrer rein und vor dem wollte er sich ganz sicher nicht prügeln.
“Lass mich einfach in Ruhe”, murrte er darum nur, schnappte sich seine Sachen und verließ den Raum. Dabei spürte er regelrecht, wie die anderen ihm nachsahen. Das flaue Gefühl von Angst begann sich breitzumachen. Was, wenn das Gerücht weitergeplappert wurde? Wer würde ihm schon glauben? Ihm, dem Waisenjungen, der nichts als Ärger machte? Sein Rauswurf wäre dann jedenfalls gesichert.
Am Ende ging es schneller als erwartet. Schon beim Frühstück am nächsten Morgen merkte Keith, dass etwas nicht stimmte. Er wurde von den anderen angesehen… nicht von allen, aber genug. Das dumme Gerede machte schon die Runde. Mist… dann tauchte auch schon Iverson auf, der es sich natürlich nicht verkneifen konnte, Keith vor allen anderen Kadetten mitzunehmen. Jetzt wussten natürlich alle, dass er wieder etwas ausgefressen hatte. Nur, dass er diesmal vollkommen unschuldig war. Aber er hielt die Klappe, Iverson konnte ihn ohnehin schon nicht leiden und Keith war sich ziemlich sicher, dass ein falsches Wort ihn postwendend zurück ins Heim bringen würde.
Zehn Minuten später saß er in Iversons Büro und wartete darauf, dass der endlich etwas sagte. Stattdessen sortierte der Typ erstmal eine Akte, von der Keith eine sehr gute Vorstellung hatte, wem die gehörte. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit sah der Mann ihn an und fragte: “Kannst du dir vorstellen, warum du diesmal hier bist?”
Sollte er das bejahen? Keith war sich nicht sicher. Er wollte nicht schuldbewusst wirken, schließlich hatte er nichts getan. Aber egal was er jetzt sagte… es würde sowieso gegen ihn verwendet werden. Also schwieg er lieber, wohl wissend dass das genauso falsch war.
“Es heißt, du bist der Dieb.” Eigentlich hatte Keith erwartet, dass Iverson triumphierender klingen würde. Schließlich bekam er gerade den perfekten Grund, ihn loszuwerden, auf dem Silbertablett geliefert. Aber er wirkte ganz ruhig, fast ein wenig enttäuscht. Das brachte Keith dazu, ihn anzusehen und zu sagen: “Ich war es aber nicht.”
“So?”
“Ich stehle nicht!” Jetzt könnte Iverson auch die Sache mit Shiros Auto ansprechen, überraschenderweise tat er es aber nicht, sondern seufzte. “Ich würde dir gerne glauben. Aber du machst es einem nicht einfach.”
Keith zuckte mit den Schultern und sah weg. “Wenn ich Mist baue, stehe ich dazu.” Und das kam nun wirklich oft genug vor. Wieder überraschte Iverson, indem er meinte: “Das stimmt. Aber wir können nicht einfach über die Vorwürfe hinwegsehen. In diesem Moment wird dein Zimmer durchsucht.”
Jetzt starrte Keith ihn wieder an. “Was?” Okay, es war zu erwarten gewesen aber, dieser Eingriff in seine Privatsphäre… das ging gar nicht!
“Angst, dass meine Kollegen ein paar Pornos finden? Keine Sorge, du wärst nicht der erste.”
Deswegen machte Keith sich keine Sorgen, aber sein Dolch… das könnte unangenehm werden. Hoffentlich hatte er ihn genug versteckt. Iverson musterte ihn nun eindringlicher: “Oder hast du doch etwas zu verbergen?”
“Nein…”
“Gut. Dann warte draußen.”
Keith nickte und stand auf. Vor dem Büro ignorierte er die Stühle und lehnte sich an die Wand. Hoffentlich fanden sie den Dolch nicht… und was, wenn jemand ihm etwas untergeschoben hatte? Nur weil Iverson ihm zu glauben schien, bedeutete das nicht, ob das anhalten würde, wenn doch Diebesgut bei ihm gefunden wurde.
“Keith”, Shiros Stimme erreichte ihn unerwartet, aber nicht unwillkommen. Sofort sah Keith ihn an, jede Erleichterung verschwand aber sofort, als er Shiros ernstes Gesicht sah. “Hast du etwas mit den Diebstählen zu tun?”
Alles in ihm gefror. Shiro klang nicht so, als wäre er auf seiner Seite. Hatte er sein Wohlwollen etwa so sehr auf die Probe gestellt? “Nein!”, entfuhr es ihm heftiger als beabsichtigt. Wieso? Wieso sah Shiro ihn so an? Sie waren doch… waren sie Freunde? Nur weil Keith damit begonnen hatte, in Shiro eine Art großer Bruder zu sehen, bedeutete das ja noch lange nicht, dass der es ähnlich sah.
“Schwör es mir.”
“Ich schwöre!” Shiros Blick blieb unverändert und Keith war sich sicher, dass etwas in jedem Moment brechen würde. “Wieso glaubst du mir nicht?” Seine Stimme jedenfalls tat es. Wenn Shiro ihm nicht glaubte… dann könnte er auch gleich freiwillig gehen. Shiro war die einzige Person, die sich wirklich für ihn interessierte. Auf die er sich verlassen konnte, nachdem alle anderen ihn verlassen hatten. Der Gedanke, sein Vertrauen zu verlieren… das wäre mehr als er ertragen konnte.
Dann seufzte Shiro und sein Blick wurde weicher. “Natürlich glaube ich dir. Aber das gilt längst nicht für jeden hier.”
“Ich weiß… das mit deinem Wagen war was ganz anderes.” Er hatte einfach rausgemusst. Weg von dem ganzen Scheiß. Von der Schule, den Blicken der anderen, denen er viel von sich selbst gezeigt hatte. Von der Lehrerin, die keinen Hehl daraus gemacht hatte, dass sie ihn hasste.
Aus irgendeinem Grund brachte das Shiro zum Lachen. “Und du warst am Ende nicht sehr geschickt bei diesem Diebstahl.” Er legte eine Hand auf Keiths Schulter und sah ihn an. “Ich weiß, dass du kein Dieb bist.” Mehr hatte Keith gar nicht hören wollen. Aber: “Hoffentlich merken die anderen das auch.” Jetzt konnte er nichts weiter tun als warten. Und hoffen, dass er entlastet wurde.
Challenge: Angst - “Wieso glaubst du mir nicht?” (für mich und: Weltherrschaft!)
Fandom: Voltron
Charaktere: Keith, Shiro, Commander Iverson
Wörter: 1501
Gelangweilt saß Keith über seinen Aufgaben und kaute an seinem Stift herum. Gerade kotzte ihn so ziemlich alles tierisch an. Das war doch unfair! Er konnte doch kaum etwas dafür, dass er besser war als jeder seiner Klassenkameraden. Außerdem hatte man ihn doch nur hier aufgenommen, weil er gut war. Okay, und weil Shiro sich für ihn eingesetzt hatte. Aber jetzt wurde er genau dafür bestraft und durfte sich in öden Simulationsübungen zu Tode langweilen.
Vielleicht hätte er beim letzten Mal nicht am Programm herumpfuschen dürfen, aber so war es wenigstens mal unterhaltsam gewesen. Keith seufzte und sah auf sein Blatt. Jetzt war er sich nicht mehr, ob es die Sache wert gewesen war. Von den nächsten Trainingsstunden war er jedenfalls ausgeschlossen worden. Nicht, dass das ein großer Verlust für ihn gewesen wäre, aber Shiro würde das nicht gefallen. Und der war die einzige Person, die er nicht enttäuschen wollte.
In Gedanken malte er ein paar Kringel auf das Blatt, konzentrierte sich dann aber doch lieber auf die Strafarbeit. Schließlich sollte er sich besser nicht noch mehr Ärger einhandeln. Für eine gute halbe Stunde ging das auch gut, bis ein paar Klassenkameraden in den Gemeinschaftsraum kamen, in den er sich verzogen hatte. Also war der Unterricht im Simulator für heute vorbei. Und natürlich unterhielten sie sich gerade so laut, dass er jedes Wort verstehen konnte. Idioten. Er wollte schon seine Sachen zusammenpacken und gehen, als er das Wort “Dieb” hörte. Seit einiger Zeit verschwanden immer wieder Sachen. Mal Geld, dann eine Uhr… einmal das Armband einer Rekrutin. Anfangs hatte man noch geglaubt, dass die Leute einfach schusselig gewesen waren, aber solche Häufungen waren nicht normal.
“Diesmal sind Tessas Ohrringe weg. Die waren nicht billig”, erklärte einer der Jungen, “Sie schwört, dass sie in ihrer Schublade waren.”
“Selbst Schuld. Man lässt seinen Kram nicht einfach liegen, wenn ein Dieb unterwegs ist.” Die Sprecherin klang nicht besonders interessiert. Eher als würde sie sich ziemlich amüsieren. Keith interessierte das alles herzlich wenig. Als er im Heim gewesen war, waren auch immer Kleinigkeiten geklaut worden. Was kein Wunder war, wenn man einen Haufen Waisen und Problemkinder zusammensteckte. Sein wertvollster Besitz war gut versteckt, der Rest war ihm egal. Außerdem war es eher unwahrscheinlich, dass jemand seinen Dolch klauen würde. Die Chance war größer, dass ein Lehrer von der Waffe Wind bekam und er wirklich rausflog.
“Und die wissen immer noch nicht, wer es war?”
“Nein. Dabei ist das doch ziemlich klar.” Der Junge gab sich jetzt nicht einmal Mühe, leiser zu sprechen und aus dem Augenwinkel bemerkte Keith, dass er angsehen wurde. Die anderen folgten dem Blick und das Mädchen lachte unsicher. “Mit sowas wäre ich echt vorsichtig…”
“Wieso? Der gehört nicht hierher. Und jeder weiß, wo er herkommt.”
Das reichte Keith. Er sah den Jungen an. “Wenn du mir was zu sagen hast, tu es.” Zu spät bemerkte er, dass er damit in die Falle getappt war. Sein Klassenkamerad ging zu ihm und blieb in provozierend geringer Distanz stehen. “Kein Problem. Keiner hier hat nen Grund zu klauen. Du bist hier der Niemand, der einfach nur das Glück hat, dass er halbwegs gut fliegen kann.”
Keith stand auf. “Ich fliege besser als jeder von euch.” Er musste sich zusammenreißen. Der wollte nur, dass er wieder Ärger machte. Aber das war leichter gesagt als getan.
“Talent macht jemanden nicht zu einem guten Piloten. Jemand wie du hat hier nichts verloren. Schon gar nicht, wenn er klaut.”
“Ich bin kein Dieb!” Er hatte ja viele Fehler, Keith wäre der letzte, der das leugnete. Aber er das gehörte ganz sicher nicht dazu.
“So? Also hast du nicht mal Shiroganes Wagen geklaut?”
Woher wusste der Typ das? Die anderen jedenfalls hatten davon keine Ahnung gehabt, das verriet das aufgeregte Getuschel deutlich. Keith ballte die Hände zu Fäusten und sah zur Seite. “Das war etwas anderes.”
“Natürlich.” Der sarkastische Unterton hätte Keith beinahe alle Vorsätze vergessen lassen, aber zu seinem Glück kam einer der Lehrer rein und vor dem wollte er sich ganz sicher nicht prügeln.
“Lass mich einfach in Ruhe”, murrte er darum nur, schnappte sich seine Sachen und verließ den Raum. Dabei spürte er regelrecht, wie die anderen ihm nachsahen. Das flaue Gefühl von Angst begann sich breitzumachen. Was, wenn das Gerücht weitergeplappert wurde? Wer würde ihm schon glauben? Ihm, dem Waisenjungen, der nichts als Ärger machte? Sein Rauswurf wäre dann jedenfalls gesichert.
Am Ende ging es schneller als erwartet. Schon beim Frühstück am nächsten Morgen merkte Keith, dass etwas nicht stimmte. Er wurde von den anderen angesehen… nicht von allen, aber genug. Das dumme Gerede machte schon die Runde. Mist… dann tauchte auch schon Iverson auf, der es sich natürlich nicht verkneifen konnte, Keith vor allen anderen Kadetten mitzunehmen. Jetzt wussten natürlich alle, dass er wieder etwas ausgefressen hatte. Nur, dass er diesmal vollkommen unschuldig war. Aber er hielt die Klappe, Iverson konnte ihn ohnehin schon nicht leiden und Keith war sich ziemlich sicher, dass ein falsches Wort ihn postwendend zurück ins Heim bringen würde.
Zehn Minuten später saß er in Iversons Büro und wartete darauf, dass der endlich etwas sagte. Stattdessen sortierte der Typ erstmal eine Akte, von der Keith eine sehr gute Vorstellung hatte, wem die gehörte. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit sah der Mann ihn an und fragte: “Kannst du dir vorstellen, warum du diesmal hier bist?”
Sollte er das bejahen? Keith war sich nicht sicher. Er wollte nicht schuldbewusst wirken, schließlich hatte er nichts getan. Aber egal was er jetzt sagte… es würde sowieso gegen ihn verwendet werden. Also schwieg er lieber, wohl wissend dass das genauso falsch war.
“Es heißt, du bist der Dieb.” Eigentlich hatte Keith erwartet, dass Iverson triumphierender klingen würde. Schließlich bekam er gerade den perfekten Grund, ihn loszuwerden, auf dem Silbertablett geliefert. Aber er wirkte ganz ruhig, fast ein wenig enttäuscht. Das brachte Keith dazu, ihn anzusehen und zu sagen: “Ich war es aber nicht.”
“So?”
“Ich stehle nicht!” Jetzt könnte Iverson auch die Sache mit Shiros Auto ansprechen, überraschenderweise tat er es aber nicht, sondern seufzte. “Ich würde dir gerne glauben. Aber du machst es einem nicht einfach.”
Keith zuckte mit den Schultern und sah weg. “Wenn ich Mist baue, stehe ich dazu.” Und das kam nun wirklich oft genug vor. Wieder überraschte Iverson, indem er meinte: “Das stimmt. Aber wir können nicht einfach über die Vorwürfe hinwegsehen. In diesem Moment wird dein Zimmer durchsucht.”
Jetzt starrte Keith ihn wieder an. “Was?” Okay, es war zu erwarten gewesen aber, dieser Eingriff in seine Privatsphäre… das ging gar nicht!
“Angst, dass meine Kollegen ein paar Pornos finden? Keine Sorge, du wärst nicht der erste.”
Deswegen machte Keith sich keine Sorgen, aber sein Dolch… das könnte unangenehm werden. Hoffentlich hatte er ihn genug versteckt. Iverson musterte ihn nun eindringlicher: “Oder hast du doch etwas zu verbergen?”
“Nein…”
“Gut. Dann warte draußen.”
Keith nickte und stand auf. Vor dem Büro ignorierte er die Stühle und lehnte sich an die Wand. Hoffentlich fanden sie den Dolch nicht… und was, wenn jemand ihm etwas untergeschoben hatte? Nur weil Iverson ihm zu glauben schien, bedeutete das nicht, ob das anhalten würde, wenn doch Diebesgut bei ihm gefunden wurde.
“Keith”, Shiros Stimme erreichte ihn unerwartet, aber nicht unwillkommen. Sofort sah Keith ihn an, jede Erleichterung verschwand aber sofort, als er Shiros ernstes Gesicht sah. “Hast du etwas mit den Diebstählen zu tun?”
Alles in ihm gefror. Shiro klang nicht so, als wäre er auf seiner Seite. Hatte er sein Wohlwollen etwa so sehr auf die Probe gestellt? “Nein!”, entfuhr es ihm heftiger als beabsichtigt. Wieso? Wieso sah Shiro ihn so an? Sie waren doch… waren sie Freunde? Nur weil Keith damit begonnen hatte, in Shiro eine Art großer Bruder zu sehen, bedeutete das ja noch lange nicht, dass der es ähnlich sah.
“Schwör es mir.”
“Ich schwöre!” Shiros Blick blieb unverändert und Keith war sich sicher, dass etwas in jedem Moment brechen würde. “Wieso glaubst du mir nicht?” Seine Stimme jedenfalls tat es. Wenn Shiro ihm nicht glaubte… dann könnte er auch gleich freiwillig gehen. Shiro war die einzige Person, die sich wirklich für ihn interessierte. Auf die er sich verlassen konnte, nachdem alle anderen ihn verlassen hatten. Der Gedanke, sein Vertrauen zu verlieren… das wäre mehr als er ertragen konnte.
Dann seufzte Shiro und sein Blick wurde weicher. “Natürlich glaube ich dir. Aber das gilt längst nicht für jeden hier.”
“Ich weiß… das mit deinem Wagen war was ganz anderes.” Er hatte einfach rausgemusst. Weg von dem ganzen Scheiß. Von der Schule, den Blicken der anderen, denen er viel von sich selbst gezeigt hatte. Von der Lehrerin, die keinen Hehl daraus gemacht hatte, dass sie ihn hasste.
Aus irgendeinem Grund brachte das Shiro zum Lachen. “Und du warst am Ende nicht sehr geschickt bei diesem Diebstahl.” Er legte eine Hand auf Keiths Schulter und sah ihn an. “Ich weiß, dass du kein Dieb bist.” Mehr hatte Keith gar nicht hören wollen. Aber: “Hoffentlich merken die anderen das auch.” Jetzt konnte er nichts weiter tun als warten. Und hoffen, dass er entlastet wurde.