[identity profile] thots-tochter.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Titel: "Wir sollten es dabei belassen"
Team: Sonne
Challenge: Romantik/Intimität: verwählt - Für mich
Fandom: Alphateam
Rating: P12
Genre: Slash,
Warnungen: Spoiler für die Folge "Um jeden Preis" (03x19)
Zusammenfassung: Eberhard trifft eine Entscheidung...
Wörter: ~1300
Anmerkungen: Diese Idee hatte ich seitdem ich den Prompt "verwählt" zum ersten Mal gelesen hatte, aber mir fehlte das Fandom. Dann kam das "Alphateam" mit dem wundervollen Dr. Scheu - und dessen Gehadere mit seiner sexuellen Orientierung - daher und plötzlich hatte sich die Frage von ganz allein erledigt. Nur schreiben lassen wollte es sich nicht, immer war ich mit irgendwas unzufrieden. Bis jetzt... 100%ig zufrieden bin ich immer noch nicht, aber es ist schon mal besser als die ungefähr 20 Versuche, die ich frustriert gelöscht habe.



Eberhard steht im Umkleideraum, streift sich sein Hemd über. Er ist ein bisschen spät dran heute. Nicht zu spät, immer noch pünktlich, doch später als üblich. So spät, dass einem aufmerksamen Kollegen auffallen könnte. Er hofft einfach, dass heute so viel Stress ist, dass niemand den Kopf dafür hat. Nachfragen sind im Moment das letzte, was er gebrauchen kann. Er weiß ja selbst nicht, was eigentlich mit ihm los ist. Seit Samstag, seit dieser Nacht mit Harald fühlt er sich irgendwie komisch. Es fällt ihm schwer sich zu konzentrieren, ruhig irgendwo zu sitzen, selbst die Finger still zu halten ist manchmal schon eine Herausforderung. Es war doch nur eine Nacht ohne Verpflichtungen. Warum geht ihm das so nahe?

Neben ihm schlägt eine Spindtür geräuschvoll zu. Eberhard zuckt zusammen, schaut von den Knöpfen seines Hemdes auf, mit denen er sich gerade beschäftigt hat. Vor ihm, locker an den Spind gelehnt, steht Harald und schenkt ihm ein sanftes Lächeln. Sein Herzschlag legt sofort um ein paar Takte zu und sein Mund ist plötzlich sehr viel trockener als es selbst in diesen klimatisierten Räumen der Fall sein sollte. Mühsam ringt er um ein paar Worte.

„Hey… Harald, was machst du denn hier? Haben wir einen neurologischen Fall?“

Die feinen Fältchen um Haralds Augen vertiefen sich, als er leicht den Kopf schüttelt.

„Nee. Ich wollt’ dich nur besuchen.“

Eberhards Herz macht einen kleinen Hüpfer. Er kann gar nicht anders, als Haralds Lächeln zu erwidern. Es tut gut das zu hören, dass Harald nur wegen ihm hier runter gekommen ist. Das flaue Gefühl in seinem Magen wird stärker.

„Bist ja ein bisschen spät dran heute.“
„Ja. Aber dafür bin ich gestern früher gegangen.“


Harald lacht leise und Eberhard stimmt einfach mit ein. Dann stößt Harald sich vom Spind ab, tritt einen Schritt auf Eberhard zu, bis er genau vor ihm steht. Haralds Aftershave steigt ihm in die Nase, ruft Bilder hervor, von Samstagabend, Samstagnacht. Von Harald und ihm in seinem Bett. Aus dem flauen Gefühl wird ein warmes Kribbeln, das langsam durch seinen ganzen Körper kriecht.

„War ein schönes Wochenende.“

Eberhard schluckt trocken. Er ist froh, dass er gerade sein Hemd in die Hose stopft und damit einen guten Grund hat, Harald nicht ansehen zu müssen. Ja, das Wochenende war schön, sehr schön. Zu schön, wie ihm das warme Kribbeln eindeutig zeigt. Und er würde diesem Gefühl nur zu gerne nachgeben, aber er kann nicht. Das hat er sich schon vor langer Zeit verboten.

„Ja…“

Das ist das einzige, was er sagen kann, ohne zu lügen. Er will Harald nicht anlügen. Das hat er nicht verdient. Aber er weiß auch nicht, ob Harald die Wahrheit verstehen würde und er möchte keine Szene. Nicht das er Harald bisher für den Menschen gehalten hätte, der eine Szene macht, aber bisher war er ja auch noch nicht mit ihm im Bett gewesen.

„Das klingt aber so, als ob du es bereuen würdest.“

Verdammt, er hat vergessen, wie unglaublich Aufmerksam Harald sein kann. Es war nur ein Wort, dass er gesagt hat, aber es hat gereicht, dass der Andere sofort heraushört, dass irgendetwas nicht stimmt. Was soll er ihm jetzt sagen? Er will nicht lügen, aber die Wahrheit sagen? Nein, das führt ein bisschen zu weit, jetzt, hier und auch ganz generell. Das hat er ja nicht mal Uwe erzählt.

„Nein. Ich glaube nur, wir sollten es bei dem einen Mal belassen.“
„Hab’ ich irgendwas falsch gemacht?“

‚Nein, hast du nicht‘, will Eberhard ihm am liebsten sofort sagen, aber er schluckt es im letzten Moment herunter. Er dreht sich zu seinem Spind, zieht die Krawatte heraus, schafft sich einen Moment Zeit zum Nachdenken. Nein, Harald hat nichts falsch gemacht, ganz im Gegenteil. Die Nacht war perfekt, der Sonntagmorgen war perfekt. Und genau da liegt das Problem. Aber wie sagt man ‚Es liegt nicht an dir, sondern an mir‘, ohne dass es nach einer lahmen Ausrede klingt? Eberhard muss es zumindest versuchen.

„Ich bin lange Zeit nicht mehr mit einem Mann zusammen gewesen.“

Nicht ganz die Wahrheit – er hat einige One-Night-Stands mit Männern gehabt in den letzten Monaten – aber auch nicht völlig gelogen – es waren eben wirklich nur One-Night-Stands, kein ‚Zusammen sein‘, keine Nacht wie die mit Harald letzten Samstag. Das war zärtlich und liebevoll, genauso, wie er es sich immer gewünscht hat, das war viel mehr als nur eine Triebbefriedigung.

„So geht das nicht.“

Eberhard ignoriert Haralds Einwurf, er merkt ja selbst, dass er sich so mit der Krawatte höchstens die Finger bricht. Aber immerhin kann Harald so nicht sehen, wie sehr seine Finger zittern.

„Und ich weiß nicht mehr, ob ich das überhaupt noch will.“

Wieder nur die halbe Wahrheit. Er sehnt sich nach einer Beziehung und wenn er mal einen Augenblick ganz ehrlich zu sich ist, dann muss er auch zugeben, dass er sich nach einer Beziehung mit einem Mann sehnt – und dass Harald genau dieser Mann sein könnte. Aber seine Sehnsucht nach einer Familie ist größer. Und das geht nicht mit einem Mann.

„Du bindest die Krawatte falsch.“

Eberhard hört schon an Haralds Ton, was er damit meint. Ergeben lässt er die Hände sinken. Harald fasst in bei den Schultern, zieht in zu sich herum. Eberhard folgt ohne Widerstand. Haralds Hände fühlen sich gut an. Warm und kräftig. Das ist Erinnerung, wie sich diese Hände auf seiner bloßen Haut anfühlen und das warme Kribbeln in seinem Bauch kriecht langsam tiefer. Zum Glück widmete sich Harald der Krawatte, bevor es peinlich werden kann.

„Ich bind’ sie dir.“

Liebevoller Spott klingt in Haralds Stimme. Er meint es nicht böse, er hat Eberhard schon am Samstagabend erzählt, dass es die Neigung zu ‚sehr auffälligen‘ Krawatten war, die ihm als erstes aufgefallen ist. Eberhard weiß immer noch nicht wirklich, ob das jetzt ein Kompliment war, aber es ihm gerade auch herzlich egal. Mit zwei, drei Handgriffen hat Harald die Krawatte gebunden, tritt hinter Eberhard, und beginnt sie zu richten.

„Du musst dich doch zu nichts verpflichtet fühlen.“

Haralds warmer Atem streift Eberhards Ohr und Eberhard schließt die Augen. Das ist es ja gerade. Er will sich verpflichtet fühlen, er will eine Beziehung. Er lässt sich gegen Haralds Brust sinken, spürt dessen warme, muskulöse Brust in seinem Rücken, die Hände, die ruhig und liebevoll seinen Kragen richten und gibt sich für einen Augenblick der Vorstellung hin, wie es sein könnte zwischen ihnen. Wie es wäre, wenn dieses Wochenende nichts Einmaliges wäre, wenn er jeden Abend in Haralds Armen einschlafen könnte, wenn er jeden morgen neben ihm aufwachen könnte, wenn sie mehr teilen könnten als nur diese eine Nacht. Die Vorstellung gefällt ihm, er ist was soweit alles zurückzunehmen, was er noch eben gesagt hat. Doch Harald holt ihn mit einem einzigen Wort auf den Boden der Tatsachen zurück.

„Martina?“

Die Frage trifft ihn wie eine rechte Gerade. Er versteift sich augenblicklich und es ist vermutlich schon als Leistung zu werten, dass er nicht zusammenzuckt. Er zögert einen Moment, bevor er antwortet.

„Ja. Ich mag sie ganz gerne.“

Das ist nicht gelogen. Er mag sie wirklich. Martina ist ein faszinierender Mensch, voller Leidenschaft und Energie. Sie hat einen angenehmen trockenen Humor und vor allem kann sie anpacken, im Job und auch privat – das hat er auf ihrer gemeinsamen Motorradtour gesehen. Aber da ist nicht dieses Kribbeln, dieses flaue Gefühl im Bauch, das er jetzt gerade empfindet.

„Mehr als das du bist nur verliebt in sie?“

Haralds Frage trifft den Punkt. Ist es wirklich mehr als nur ‚ganz gerne mögen‘, mehr als nur fasziniert sein? Reicht das, was er für Martina empfindet für eine Beziehung? Er weiß es nicht. Martina ist eine Frau und er ist schwul. Aber er wünscht sich eine Familie, er wünscht sich Kinder und das geht nur mit einer Frau. Er wird es versuchen und vielleicht kann er lernen, mit dem zufrieden zu sein, was er von ihr bekommt.

„Vielleicht.“

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