luinaldawen: (Default)
[personal profile] luinaldawen posting in [community profile] 120_minuten
Team: Mond
Challenge: Angst - Wiederholungstat
Fandom: Voltron
Charaktere: Keith (und Kosmo)
Wörter: ~1600
Anmerkung: Es sollte eine One Shot werden… naja. Es werden mindestens zwei Teile, ich hoffe, es bleibt dabei.


Keith hatte das Ticken der Uhr immer noch im Ohr, auch wenn diese jetzt schon eine ganze Weile nicht mehr in der Lage war, irgendein Geräusch zu machen. Hin und wieder fuhr draußen ein Auto vorbei, was durch das geschlossene Fenster aber kaum zu hören war. Es war vollkommen surreal, wieder hierzusein. Ein normales Leben zu führen. Ohne Krieg. Es hatte auch lang genug gedauert. Aber wieder zurückzufinden war gar nicht so einfach. Nein, eigentlich war der Gedanke falsch. Es gab nichts, wohin er zurückfinden konnte. Er hatte kein normales Leben mehr geführt, seit sein Vater gestorben war. Und jetzt sollte er plötzlich mit… sowas klarkommen? Das war ja wohl ein schlechter Witz.
Zugegeben,er hätte nie erwartet, dass es ihm derart schwer fallen würde. Oder ehr: Dass es sich als in praktich unlösbare Aufgabe für ihn herausstellen würde.
Er wusste, dass die anderen auch ihre Schwierigkeiten hatten. Pidge hatte bei ihrer letzten Begegnung ausgesehen, als wäre es Jahre her, dass sie das letzte Mal durchgeschlafen hatte. Lance war in seinen dummen Scherzen einmal überzeugender gewesen und Hunk war stiller als sonst. Keith war sich nicht sicher, wie gut er überspielen konnte, wie es ihm ging. Aber es hatte ihn bisher niemand darauf angesprochen, daher war es wohl okay. Möglicherweise. Er wusste nicht, ob ihre Familien etwas bemerkten. Ob sie etwas bemerken wollten. Sie waren doch noch halbe Kinder gewesen, als sie in diesen Krieg hineingezogen worden waren.
Keith wünschte sich, Shiro wäre hier. Aber der war mit der Atlas sonstwo unterwegs. Diplomatische Mission wegen der neuen Allianz. Es war Wochen her, dass Keith ihn gesehen hatte. Zwar gefiel ihm das nicht, aber er musste sich damit abfinden. Shiro hatte schließlich auch keinen Grund anzunehmen, dass Keith ihn lieber bei sich hätte. Und das sollte auch so bleiben.
Draußen hupte etwas und Keith sah murrend zum Fenster. Das war bestimmt wieder das Taxi, das die alte Frau aus dem Nachbarhaus abholte. Die aber ziemlich zerstreut und dazu noch schwerhörig war. Er hatte sich halbwegs daran gewöhnt, meistens jedenfalls. Aber es gab immer diese Tage, wo jedes Geräusch von draußen, alles was seine Zurückgezogenheit in seiner Wohnung störte, beinahe unerträglich war. Wenn er sich aufraffen und arbeiten musste, ging es. Irgendwie. Weil es das musste. Aber jetzt hatte er ein paar Tage frei, weil irgendwer der Meinung gewesen war, dass die Paladine etwas Ruhe verdient hätten. Keith hatte keine Ahnung, was er mit dieser Zeit anfangen sollte.
Und jetzt lag er einfach nur hier auf seinem Bett und hatte nicht mal die Kraft, sich zu entscheiden, ob er aufstehen sollte. Es würde keinen interessieren, wenn er diesen Tag im Bett verbrachte. Keiner würde es merken, außer Kosmo und der schien ganz zufrieden damit, einfach am Fußende zu liegen und zu schlafen. Oder was auch immer er da gerade tat, Keith spürte nur sein Gewicht, das die Matraze bei seinen Füßen etwas nach unten drückte. Das war beruhigender als Keith bereit war, zuzugeben. Aber wenigstens der Wolf würde immer zu ihm zurückkehren. Wenn schon sonst niemand.
Im selben Moment wurde zwar klar, wie unsinnig dieser Gedanke war, aber es gab gerade wenig, was er dagegen tun konnte.
Das Taxi hupte nachdrücklicher und murrend zog Keith sich die Bettdecke über den Kopf. Warum stieg der Typ nicht einfach aus und klinglte? Dann hatte die ganze Nachbarschaft endlich Ruhe. Mit einem leisen Winseln verlagerte Kosmo zunächst nur sein Gewicht, dann stand er auf und Keith spürte, wie er ans Kopfende ging. Dann schob sich eine Wolfsschnauze unter die Decke und glühende Augen sahen ihn forschend an. Entgegen jeder Erwartung musste Keith lächeln. Ja, er war wirklich froh, dass das Tier bei ihm geblieben war. Es war eine rein instinktive Bewegung, mit der er eine Hand hob und den dunklen Kopf streichelte. Kosmo schien zufrieden mit der Reaktion, jedenfalls kroch er ganz unter die Decke und rollte sich an Keiths Seite zusammen. Dann dauerte es nur ein paar Minuten, bis der ruhige, tiefe Atem des Wolfes verriet, dass er eingeschlafen war.
Eine Weile verbrachte Keith damit, Kosmo zu streicheln. Das Taxi hupte zum Glück nur noch einmal und dann herrschte Ruhe. Entweder hatte der Fahrer aufgegeben und war wieder gefahren, er hatte beschlossen, zu klingeln oder die alte Frau war endlich rausgekommen. Was auch immer es geworden war, es war Keith vollkommen egal. Hauptsache, er konnte die Welt wieder ignorieren.
Er musste eingeschlafen sein, denn eine Bewegung ließ ihn hochfahren. Sofort war sein ganzer Körper in Alarmbereitschaft, auf der Suche nach einem Feind… der natürlich nicht da war. Nur zwei Tauben, die auf seiner Fensterbank gelandet waren. Die Bettdecke war irgendwann als er geschlafen hatte, halb auf den Boden gerutscht. Entweder war das Kosmos Schuld, oder er schlief unruhiger als er wahrhaben wollte.
Der Wolf hatte im ersten Moment auch die Ohren angelegt und knurrte tief, aber er entspannte sich sehr viel schneller wieder als Keith. Auch wenn er noch so intelligent war, in der Hinsicht war er einfach gestrickt. Kein Feind, dann war alles wieder gut. Er hatte nicht mit den Geistern des Krieges zu kämpfen. Keith wünschte sich, er könnte mit ihm tauschen. Oder einer seiner Freunde.
Eine Weile sah er einfach noch etwas aus dem Fenster und beobachtete die beiden Tauben, dann aber gab er sich selbst einen geistigen Arschtritt, damit er endlich aufstand. Er schaffte es wenigstens bis ins Bad, bevor er sich wieder auf sein Bett fallen ließ. Dabei fiel sein Blick auf das Handy, das ihm netterweise die Uhrzeit verriet. Fast halb drei… er hatte den halben Tag mit… nichts verbracht. Wunderbar. Er verhielt sich wirklich wie eine erwachsene, verantwortungsbewusste Person. Trotzdem konnte er es gerade nicht ändern. Wollte es auch nicht. Hatte einfach nicht die Kraft, es zu wollen. Diese Erkenntnis brach irgendwie durch diese träge Gleichgültigkeit, die einerseits angenehm gewesen war, andererseits… er wusste es nicht genau. Besser als dieser Druck in seiner Magengegend. “Scheiße… scheiße…”, flüsterte er an niemanden gewandt. Eher an diese ganze beschissene Welt. Natürlich bekam er von ihr auch keine Antwort, dafür immerhin eine Reaktion von Kosmo, der mit einem leisen Laut den Kopf hob und an seinem Gesicht herumschnupperte. Dabei dachte Keith lieber nicht so genau darüber nach, warum ihm plötzlich über eine Wange geleckt wurde. Er würde jetzt ganz bestimmt nicht anfangen zu heulen. Wer war er denn bitte?
Es war vor allem das Bedüfnis, sich abzulenken, das ihn schließlich nach seinem Handy greifen ließ. Irgendetwas spielen. Oder Videos schauen. Oder… was auch immer. Erstmal aber sah er sich der Meldung gegenüber, dass er sechs ungelesene Nachrichten hatte. Himmel, man könnte fast meinen, er hätte Freunde. Der Gedanke war schon unfair und Keith wusste, wenn das hier vorbei war, würde er sich dafür schämen. Jetzt aber wischte er die von Lance und Hunk einfach weg. Lance hatte sogar dreimal geschrieben, hatte der sonst nichts zu tun? Dann stoppte er in letzer Sekunde, bevor auch eine Nachricht von Shiro vom Display verschwand. Einige Sekunden lang verharrte Keiths Finger reglos über dem glatten Glas, unschlüssig was er tun sollte. Shiro und er schrieben einander regelmäßig… nicht täglich und keiner von ihnen war der Typ für lange getippte Diskussionen, aber… sie gingen sicher, dass es dem jeweils anderen gut ging. Oder er wenigstens okay war. Shiro war wohl die einzige Person, die darüber Bescheid wusste, dass Keith manchmal zu kämpfen hatte. Nicht, wie stark. Das könnte er niemals… nein, das durfte er nicht erfahren. Shiro hatte genug eigene Probleme, da musste er sich nicht auch noch über solche Befindlichkeiten Gedanken machen.
Trotzdem zögerte er lange, bevor er Shiros Nachricht öffnete. Was er dort las, durchdrang für einen Moment die Taubheit, die ihn erfasst hatte. Er war wieder auf der Erde. Aber… warum hatte er ihm nicht gesagt, dass er zurückkam? Normalerweise sagte er ihm immer vorher Bescheid und wenn er Zeit hatte, war Keith auch da, wenn er die Atlas verließ. Diesmal lag er nutzlos auf dem Bett und schaffte es nicht einmal, es länger als fünf Minuten zu verlassen. Und das auch nur, wenn es unumgänglich war.
Vielleicht sollte er Shiro einfach anrufen. Seine Stimme hören. Das half normalerweise. Und schlimmer konnte es im Moment nicht werden. Hoffte Keith jedenfalls. Er wollte nicht wissen, wie es schlimmer werden konnte. Aber Shiro hatte seine Ankunft nicht angekündigt… vielleicht hatte das ja seine Gründe?
Kosmo hob den Kopf und bellte kurz. Die Botschaft dahinter war nicht einmal besonders subtil. “Jaaa, ich ruf ihn ja an.” Trotzdem zögerte er noch einen Moment, in dem Kosmo ihn eindringlich ansah. Das gewann schließlich und bevor Keith es sich wirklich anders überlegen konnte, wählte er. Er hatte keine Ahnung, ob Shiro wirklich drangehen würde. Nicht immer hörte der Freund das Handy, er gehörte nicht zu den Leuten, die es unablässig im Auge behielten. Keith war da genauso. Darum war er auch nicht allzu überrascht, als sich am Ende die Mailbox meldete. Ohne eine Nachricht zu hinterlassen legte er auf. Das konnte er einfach nicht.
Also legte er das Handy wieder zur Seite und streichelte Kosmo, in der Hoffnung, dass das etwas helfen würde. Eine vergebliche Hoffnung. Er wollte Shiros Stimme hören. Und noch lieber wollte er ihn hier haben. Aber es würde wohl kaum etwas bringen, ihn nochmal anzurufen, selbst wenn er nochmal die Energie dazu aufbrachte.
Irgendwann musste er eingeschlafen sein, aber dieser Schlaf war alles andere als ruhig. Als er später aufschreckte war er schweißgebadet und musste sich erstmal selbst klarmachen, dass er in seiner Wohnung war. In seinem Schlafzimmer. Kein Krieg. Kein noch so kleiner Fehler, keine Unachtsamkeit würde ihn und seine Freunde umbringen. Die Freunde, für die er die Verantwortung trug, seit er sich damit abgefunden hatte, der Schwarze Paladin zu sein. Seit er in diese Aufgabe hineingewachsen war. Ja, wie gut er dem gewachsen war, merkte man ja jetzt.
Dann fiel sein Blick auf das Handy, wo ihm ein verpasster Anruf entgegenleuchtete. Bevor er es sich anders überlegen konnte, rief er Shiro zurück.

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