[identity profile] thots-tochter.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Titel: Grün und Blau
Team: Sonne
Challenge: Farben: BLAU (Flecken) - Fürs Team
Fandom: SK Kölsch
Rating: P12
Genre: Slash, h/c-ish
Warnungen: References to Homophobic Violence!
Zusammenfassung: Florian hat Probleme in der Schule...
Wörter: ~1000
Anmerkungen: Diese Szene ist ein Ausschnitt aus dem dritten Teil meiner Serien "Eine Kölsche Liebesgeschichte" (von der ich bisher noch nicht mal den zweiten Teil geschrieben habe... XD). Der erste Teil findet sich hier (Ist aber noch nicht abgeschlossen).


Das Geräusch der Wohnungstür riss Klaus aus seinen Gedanken. Er horchte kurz, rührte sich aber nicht von der Stelle. Es konnte sowieso nur Jupp sein. Flo schlief seit einer Stunde zum Glück endlich und auch Bertha hatte sich vor ein paar Minuten in ihr Zimmer zurückgezogen. Klaus hörte, wie Jupp seine Schuhe unter die Garderobe kickte, seine Jacke auszog und dann zum Wohnzimmer herüberkam.

„Ich war in Flos Schule!“, sagte Jupp statt einer Begrüßung.

Er war in der Tür stehen geblieben. Klaus musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, dass der Blick seines Partners auf ihm ruhte.

„Und?“, fragte er leise. „Haben sie etwas gesagt?“

„Ja!“, erwiderte Jupp schlicht.

Seine Stimmlage ließ Klaus aufhorchen. Wenn Jupp so sprach, dann stimmte irgendetwas ganz und gar nicht.

„Sie haben erklärt, dass sie die Sache intern regeln wollen. Ich soll bitte nichts unternehmen.“ Jupps Faust krachte gegen den Türrahmen. „Meine Antwort darauf kannst du dir sicher vorstellen.“

Klaus nickte leicht. Oh ja, er konnte sich nur zu gut vorstellen, wie Jupp auf dieses Ansinnen reagiert haben musste – und er konnte ihn in diesem Falle auch absolut verstehen. Da prügelten ein paar Mitschüler Flo grün und blau, brachen ihm sogar das Handgelenk, und die Schulleitung hatte die Dreistigkeit, seinen Vater zu bitten, er möge nichts unternehmen, weil man das intern regeln wollte. Das wäre ziemlich sicher der Moment gewesen, wo auch ihm der Kragen geplatzt wäre.

„Aber das war noch nicht alles“, sagte Jupp.

„Was noch?“, fragte Klaus, Böses ahnend.

„Sie meinten, ich sollte mal einen Lebensstil überdenken. Ich würde meinem Sohn damit keinen Gefallen tun“, erklärte Jupp.

Wieder schlug er mit der Faust hart gegen den Türrahmen. Klaus spürte einen Stich in der Brust. Bisher hatte er geglaubt, dass es nur ein paar Mitschüler waren, die sich die homophobe Weltsicht ihrer Eltern zu eigen gemacht hatten. Jetzt musste er erkennen, dass es sie ganz offensichtlich auch die Schulleitung gegen sich hatten.

„Was ist das für eine beschissene Welt?“, grollte Jupp zornig. „Ich will nicht, dass mein Sohn in der Schule zusammengeschlagen wird, nur weil ich dich liebe!“

Zum dritten Mal kollidierte Jupps Faust mit dem Türrahmen. Klaus schluckte hart. Er erinnerte sich wieder an Julianes Worte. Sie hatte ihnen schon vor Wochen, als die ersten Probleme auftraten, einen Schulwechsel nahegelegt. Er hatte das damals abgelehnt, weil es sich für ihn feige angefühlt hatte. ‚Man ändert die Welt nicht, wenn man den Kämpfen aus dem Weg geht‘, hatte er erklärt. Sie hatte ihm zugestimmt, und dann gefragt: ‚Aber ist es fair, wenn wir unsere Kinder unsere Kämpfe austragen lassen?‘ Nur, würde ein Schulwechsel etwas bringen? Würde das Ganze dann nicht früher oder später von vorne losgehen?

Er in seinem Leben immer wieder Anfeindungen und Gewalt erlebt, weil er schwul war, aber er hatte die ganze Zeit gehofft, dass er Flo diese Erfahrungen mit Homophobie ersparen könnte. Jetzt musste er einsehen, dass er das nicht konnte. Wenn er nicht wollte, dass Flo wegen der Beziehung zwischen seinem Vater und Klaus angefeindet wurde, dann gab es nur eine Möglichkeit: Sie mussten sich trennen – und er musste Köln ganz schnell verlassen. Sonst würden die Gerüchte weiterwuchern und das war fast noch schlimmer. Der Gedanke tat unendlich weh, aber er konnte und wollte nicht mitansehen, wie Flo seinetwegen litt. Langsam drehte er sich zu Jupp herum, fest entschlossen ihm seine Überlegungen mitzuteilen, Jupp bekam davon jedoch gar nichts mit.

„Und ich will meine Liebe nicht verleugnen, nur weil es so viele intolerante Idioten auf dieser Welt gibt!“

Wieder schlug er mit seiner ganzen Wut und Kraft gegen den Türrahmen. Klaus hörte die Knochen knirschen. Spätestens jetzt war vermutlich etwas gebrochen. Der fast schon begonnen Satz blieb Klaus im Halse stecken. Ungläubig starrte er Jupp an. Hatte der wirklich gerade gesagt, dass ihm ihre Beziehung genauso viel wert war, wie sein Sohn? Klaus wusste, wenn er jetzt das Wort ‚Trennung‘ auch nur dachte, wäre das für Jupp ein Verrat, den er niemals verzeihen würde. Jupp registrierte ihn immer noch nicht. Er war gefangen in seiner Wut. Wieder holte er aus, wollte ein weiteres Mal gegen den Türrahmen schlagen.

Mit ein paar schnellen Schritten war Klaus bei ihm, fing den Arm ab, bevor Jupps Faust ein weiteres Mal am Türrahmen landete. Er hielt ihn einen Moment fest und betrachtete die Hand genau. Die Fingerknöchel waren schon blutig, der Handrücken verfärbte sich bläulich und schwoll an – Mittelhandbruch würde er mit seinen laienhaften Kenntnissen vermuten. Klaus seufzte leise und zog ihn in seine Arme. Im ersten Moment verspannt Jupp sich, doch dann lehnte er den Kopf gegen Klaus’ Schulter und ließ sich einfach fallen. Eine Weile sagte keiner von ihnen etwas. Jupps Schultern zuckten leicht. Klaus spürte, wie sein Hemd feucht wurde, und strich Jupp mit ruhigen Bewegungen über den Rücken. Irgendwann verebbte das Zucken und Jupp zog geräuschvoll die Nase hoch.

„Warum?“, fragte er erstickt, die Tränen noch immer hörbar in seiner Stimme. „Warum machen die das?“

„Ich weiß es nicht“, erwiderte Klaus mit einem hilflosen Schulterzucken. „ich weiß es wirklich nicht.“

Es war eine Frage, die er sich auch schon so oft gestellt und nie eine Antwort darauf gefunden hatte. Irgendwann hatte er aufgegeben, es überhaupt verstehen zu wollen. Es machte das ganze nur noch schmerzhafter.

„Was machen wir denn jetzt?“, fragte Jupp.

„Jetzt bringe ich dich erst mal zum Arzt…“, begann Klaus, doch Jupp ließ ihn nicht ausreden.

„Ich kann jetzt nicht weg. Ich muss mich doch um Flo kümmern.“

„Jupp, Flo schläft. Die Schmerzmittel machen ihn müde, er wird die nächsten zehn bis zwölf Stunden bestimmt nicht wach“, erklärte Klaus eindringlich. „Du hilfst ihm nicht, wenn du dich jetzt quälst.“

„Aber ich kann ihn doch nicht schon wieder allein lassen“, widersprach Jupp.

„Er ist nicht allein. Deine Mutter ist da“, antwortete Klaus ruhig. „Ich bringe dich jetzt zum Arzt und morgen früh rufe ich Juliane an, in Ordnung?“

Jupp reagierte einen Moment gar nicht, dann schlang er die Arme um Klaus, zog ihn an sich, so fest es mit seiner lädierten Hand eben ging und nickte schließlich gegen Klaus‘ Schulter.

Date: 2018-09-20 07:23 am (UTC)
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