[identity profile] thots-tochter.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Titel: Selbstmord ist auch Mord
Team: Sonne
Challenge: Genre + Challenge: Krimi + Brief - Für mich
Fandom: Original: SOKO Extrablatt (@[livejournal.com profile] rei17 oder @[livejournal.com profile] nyx_chan: Darf ich schon mal den Tag "Original: SOKO Extrablatt" beantragen? Da kommt die Tage noch einiges nach.)
Rating: P12
Genre: Crime
Warnungen: None
Zusammenfassung: Ben und Jess grübeln über einem scheinbaren Selbstmord...
Wörter: ~650
Anmerkungen: Zwei kleine Hinweise am Rande: 1. Ben ist der neue Vorgesetzte, vor dem Niko sich hier so schön blamiert hatte. Mit vollem Namen heißt er Benedikt Alexander Rathmann (Danke an [livejournal.com profile] cricri_72 und [livejournal.com profile] rolly_chan für die Hilfe bei der Namensfindung). Und 2. Jess ist halbe Engländerin, deswegen switched sie ganz gerne msl zwischen den Sprachen hin und her.


„Irgendwas stimmt hier doch nicht“, murmelte Ben.

Er stand vor der großen Schauwand, an die Niko die Spuren und Hinweise zu ihrem aktuellen Fall geheftet hatte, und studierte das Bild, das sie ergaben – oder eben nicht ergaben. Auf den ersten Blick schien der Fall klar: Alles sah danach aus, als hätte sich ihr scheinbares Mordopfer selbst umgebracht. Die angefangene Flasche Rotwein und die leere Schachtel Schlaftabletten waren da schon ziemlich eindeutige Hinweise und der Abschiedsbrief, den junge Frau an ihren getrennt lebenden Ehemann geschickt hatte, schien das alles perfekt zu bestätigen. Ein klassischer Selbstmord, fast schon klischeehaft. Trotzdem störte ihn etwas daran. Er konnte nicht einmal sagen was genau eigentlich, aber er hatte das Gefühl, dass mit diesem perfekten Bild etwas nicht stimmte, dass er entscheidende Hinweis genau vor seinen Augen lag und er ihn einfach nicht sehen konnte. Er seufzte frustriert. Vielleicht sah er auch Gespenster, vielleicht wollte er einfach nicht glauben, dass einen junge Mutter von vier kleinen Kindern Selbstmord begehen würde.

„Was meinst du jetzt?“, fragte plötzlich Jess neben ihm.

Er war so mit seinen Gedanken beschäftigt gewesen, dass er gar nicht bemerkt hatte, wie sie zu ihm herübergerollt war. Jetzt schaute sie ihm fragend an. Er widerstand dem Impuls, neben ihrem Rolli in die Hocke zu gehen nur mit Mühe. Irgendjemand hatte ihm mal erklärt, dass es höflicher wäre, wenn man sich mit den Menschen auf Augenhöhe begab, aber Jess hatte ihm schon an seinem zweiten Tag gesagt, dass sie das nicht leiden konnte. ‚Dann fühle ich mich erst recht nicht ernst genommen‘, hatte sie erklärt. Trotzdem war der Impuls immer da, obwohl sie jetzt schon fast sieben Monate zusammenarbeiteten. So richtig gewöhnt hatte er dich an Jess’ Behinderung noch nicht. Sie hob eine Augenbraue und machte eine herausfordernde Geste in Richtung der Schauwand. Ben riss sich zusammen und richtete seine Konzentration wieder auf die Schauwand. Er versuchte in Worte zu fassen, was ihn so störte.

„Ich kann es nicht genau sagen. Da ist einfach so ein Gefühl, als wenn hier etwas nicht stimmt. Ich meine der Wein, die Tabletten, der Abschiedsbrief an den Ex, das gibt einfach das perfekte Bild. Irgendwie zu perfekt, fast schon klischeehaft. Wie inszeniert.“

Ben schaute Jess prüfend an. Er war nicht sicher, ob sie ihn verstanden hatte, aber sie nickte bedächtig. Dann rollte sie ihren Rolli mit eine Handgriff einen guten Meter zurück, legte den Kopf schief und betrachtete die Schauwand eingehen. Ben trat einen Schritt zur Seite, um ihr nicht im Weg zu stehen. Eine ganze Weile starrte sie so auf die angehefteten Hinweise und murmelte nur unverständlich vor sich hin.

„Weil er inszeniert ist“, erklärte sie dann.

Überrascht blickte Ben sie an. Ihre Stimme hatte vollkommen überzeugt geklungen, als gäbe es nicht den Hauch eines Zweifels. Was hatte sie gesehen, was er nicht gesehen hatte?

„Woran machst du das fest?“

„Der Abschiedsbrief“, erwiderte sie. „Siehst du, diese komische Gestaltung? Jeder Satz in einer eigenen Zeile und das erste Wort immer ein kleines Stück herausgerückt. So würde doch kein Mensch einen handschriftlichen Abschiedsbrief schreiben.“

Ben schaute sich den Brief etwas genauer an und plötzlich war ihm völlig klar, was ihm so komisch vorgekommen war. Jess hatte Recht. Die Gestaltung war merkwürdig und so wie die jeweils ersten Wörter der einzelnen Absätze herausgezogen waren, schienen sie eine Bedeutung zu haben. Er las die Anfangsbuchstaben von oben nach unten.

„Morpheus!“

Im ersten Augenblick schaute Jess irritiert, doch dann studierte sie den Brief noch einmal und Ben konnte sehen, wie sie verstand.

„Das ist dann Nummer drei“, bemerkte sie leise.

Ben nickte resigniert. Drei Tote in vier Monaten – erst der Mann auf der Domplatte, dass die alte Damen in der U-Bahn und jetzt die junge Frau in ihrer Wohnung – und jedes Mal fanden sie einen Hinweis auf den griechischen Gott der Träume am Tatort.

„We got ourselfs a serial.“

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