[identity profile] thots-tochter.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Titel: "Reden ist Silber..."
Team: Sonne
Challenge: Crack/Humor: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold - Fürs Team]
Fandom: Original: "SOKO Extrablatt"
Rating: P12
Genre: Humor
Warnungen: Latent Homophobia
Zusammenfassung: Wenn Niko doch einmal wüsste, wann er besser den Mund hielte...
Wörter: ~1600
Anmerkungen: Vor inzwischen knapp 10 Jahren, als es noch so schien, als würde es niemals nicht-heterosexuelle Tatort-ErmittlerInnen geben, haben [livejournal.com profile] nessaniel und ich mal darüber nachsinniert, wie denn unser "schwules" Tatort-Team aussehen würde. Ich habe einen Teil der Notizen wiedergefunden und plötzlich Lust bekommen, etwas daraus zu machen. Also habe ich einfach mal ein bisschen mit den Charas herumgespielt...


„Ist er schon da?“

„Hm, wer?“

Irritiert blickte Jess von ihren Monitoren auf. Niko stand in der Tür zu ihrem Büro und schaute sich suchend um. Er wirkte irgendwie ein bisschen durch den Wind: Sein Jackett war falsch geknöpft, das Hemd sah sehr knitterig aus, die sonst obligatorische Krawatte fehlte komplett und seine Haare waren nicht einmal halb so ordentlich frisiert, wie das normalerweise der Fall war. Bei jedem anderen hätte sie jetzt vermutlich bemerkt, dass ihm der neue Look besser stand, aber sie kannte Niko und wusste, dass es ganz sicher keine Absicht war.

„Na, der Neue, ist der schon da?“, wiederholte Niko ungeduldig seine Frage.

„Nein, der ist noch nicht da“, erwiderte Jess.

„Dann ist ja gut“, seufzte Niko ernsthaft erleichtert und wandte sich zum Gehen.

„Dir auch einen wunderschönen gute Morgen, liebste Nikolai!“, rief Jess ihm hinterher.

„Was?“

Niko hielt verwundert inne und kam ein paar Schritte in ihr Büro. Es war ihm deutlich anzusehen, dass er in keiner Weise verstand, was sie von ihm wollte. Sie setzte an, ihre Bemerkung mit der angemessenen ironischen Betonung zu wiederholen.

„Ich sagte, dir auch einen…“

„Ja, das hab’ ich schon verstanden“, unterbrach Niko sie sofort. „Ich verstehe nur gerade nicht, was du mir damit sagen willst.“

Jess verdrehte die Augen. Sie war es ja schon gewöhnt, dass Niko ihre ironischen Bemerkungen manchmal nicht sofort verstand, aber diese Anspielung war ja nun wirklich ungefähr so subtil wie eine Dampframme gewesen. Anscheinend war er in Gedanken dermaßen auf den neuen Chef fixiert, dass er für ihre Scherze keine geistigen Kapazitäten mehr erübrigen konnte.

„Also, meine Mutter hat mir beigebracht, dass man jemanden erst mal anständig begrüßt, bevor man ihn mit Fragen überfällt. Deine dir nicht?“

„Ja, doch, auch“, antwortete Niko und hatte so gar den Anstand etwas zerknirscht auszusehen. „Entschuldige, ich bin heute morgen wohl etwas neben der Spur.“

„Wär’ mir jetzt nicht aufgefallen“, bemerkte Jess lakonisch. „Was ist denn überhaupt los?“

„Ach, ich wollte nur ein bisschen früher hier sein. Wegen des Neuen und so…“, erklärte Niko leicht verlegen.

„Wieso? Also, wenn du dich noch schick machen wolltest für ihn, das hättest du mal besser zu Hause vor dem Spiegel gemacht“, neckte die ihn.

„Was? Wie kommst du jetzt darauf?“

Mit einem Mal wirkte Niko sehr alarmiert. Damit hatte sich die Frage erübrigt, ob er die Gerüchte, die seit Wochen über den Neuen kursierten auch gehört hatte, sonst hätte Niko jetzt nicht so reagiert. Sonst entlocken ihm ihre Kommentare zu seinem Outfit bestenfalls ein müdes Lächeln und ein sarkastisches ,Haha‘, wenn er sie nicht gleich ganz ignorierte.

„Hast du heute morgen schon mal in einen Spiegel geschaut?“

Jess musterte Niko mit einem pointierten Blick von Kopf bis Fuß. Niko ließ seine Tasche von der Schulter gleiten, spreizte die Arme ein wenig ab und schaute prüfend an sich herunter. Er drehte sich sogar ein bisschen hin und her, schien aber zu keinem richtigen Schluss zu kommen.

„Was meinst du jetzt?“

„Dein Jackett ist total schief, das Hemd hattest du gestern schon mal an, gekämmt bist du auch nicht, und ich glaube ohne Krawatte habe ich dich noch nie gesehen.“

„Ach so.“

Niko wirkte übertrieben erleichtert von dieser Antwort. Er streifte sein Jackett ab, zog sein Hemd glatt, richtete den Kragen und stopfte es richtig in die Hose. Dann fuhr er sich ein paar mal mit dem Fingern durch die Haare. Da er dafür nur die Glaswand, die Jess’ Büro vom Flur trennte, nutzen konnte, machte das natürlich nichts besser, aber wie hieß es doch so schön: ‚Der Wille zählt.‘ Jess kommentierte die Aktion lieber nicht. Es würde Niko nur noch nervöser machen, wenn er jetzt glaubte, er wäre schlecht angezogen – und es war ja auch nicht so, dass er vorher schlecht ausgesehen hätte, nur eben ungewohnt leger.

„Ich dachte schon, du wolltest mir etwas unterstellen“, bemerkte er, als er sein Jackett wieder überzog.

„Was sollte ich dir unterstellen wollen?“, fragte Jess betont ahnungslos.

Natürlich hatte sie eine ziemlich genau Idee, was Niko meinte – die Gerüchte, die seit Wochen kursierten waren ja unüberhörbar, auch wenn niemand zu ihr direkt etwas gesagt hatte –, und die entsprechende Erwiderung lag ihr schon auf der Zunge, aber sie wollte doch sichergehen, bevor sie Niko ungerechtfertigter Weise zurechtwies. Niko bestätigte ihre Ahnung allerdings umgehend. Er kam noch ein paar Schritte näher, stützte sich auf ihrem Schreibtisch ab und beugte sich verschwörerisch zu ihr herunter.

„Jetzt sag bloß, du hast es noch nicht gehört?“, raunte er halblaut.

„Was habe ich nicht gehört?“

„Na, über den Neuen. Dass der … also … der soll doch…“ – Niko schaute sich kurz nach allen Seiten um und beugte sich noch ein Stückchen weiter zu Jess herunter – „der ist angeblich … also … so … schwul.“

„Ja und?“, fragte Jess genervt. „Wo ist das Problem?“

„Ja, du als Frau hast ja gut reden. Du hast ja nichts zu befürchten.“

Das war der Moment, in dem Jess am liebsten aufgesprungen wäre, Niko am Kragen gepackt und einmal kräftig durchgeschüttelt hätte, wenn sie denn gekonnt hätte. Konnte sie aber leider nicht und so begnügte sie sich damit, sich in ihrem Rolli so weit aufzurichten, wie es denn eben ging und Niko mit einem vernichtenden Blick zu bedenken. Warum waren Hetero-Kerle eigentlich ständig der Meinung, jeder Schwule wollte sofort über sie herfallen? Das war ungefähr genauso absurd wie die Behauptung, alle Männer wären potenzielle Vergewaltiger.

„Du als Mann auch nicht!“, erwiderte sie scharf. „Hör auf hier so einen Blödsinn zu verbreiten.“

„Was? Ist er etwa nicht … vom anderen Ufer?“

„Ich weiß es nicht, ich habe ihn nicht gefragt. Es ist aber auch egal!“, erklärte Jess mit Nachdruck.

Sie hoffte, dass Niko es damit jetzt gut sein lassen würde, aber natürlich hatte sie kein Glück. Im Gegenteil, Niko schien jetzt erst recht fest entschlossen zu sein, ihr alle Gerüchte, die sie die letzten Wochen so schön ignoriert hatte, zu erzählen. Er hockte sich auf die Kante ihres Tisches – obwohl er genau wusste, dass sie das hasste, wie die Pest – und lehnte sich so weit zu ihr herüber wie es eben ging ohne das Gleichgewicht zu verlieren.

„Ich hab’ ja gehört, er wäre strafversetzt worden“, versuchte Niko sich zu verteidigen. „Wer weiß warum.“

„Wer hat denn schon wieder so einen Scheiß erzählt?“, fragte Jess gereizt.

„Weber von der Sitte. Die kennt den von früher beim BKA.“

Weber, natürlich, wer auch sonst. Die war vermutlich immer noch angefressen, weil die Polizeidirektion sie übergangen und lieber einen Kandidaten von außen zum neuen Leiter der SOKO berufen hatte. Jess hatte sie noch nie sonderlich leiden können, aber dass sie sich dazu herabließ derartig bösartige Gerüchte zu streuen, hätte sie dann doch nicht erwartet. Jess legten den Kopf in den Nacken und überlegte einen Moment, wie sie Niko klarmachen konnte, dass er auf dieses Gerede besser nichts gab, ohne zu ausfällig gegen die Kollegin zu werden. Dabei fiel ihr Blick auf einen Mann, der vor ihrem Büro stand und sich suchend umschaute. Als er bemerkte, dass sie ihn ansah, kam er ein paar Schritte auf sie zu und blieb im Türrahmen stehen. Jess kannte den Mann nicht persönlich, aber nach den Bildern, die sie gesehen hatte, hatte sie eine ziemlich gute Idee, wer das sein musste.

„Dumme Gerüchte, sonst nicht!“, erklärte sie energisch und warf Niko einen mahnenden Blick zu.

„Weiß man’s?“, gab Niko zurück, ihren Blick vollkommen ignorierend.

„Ja, man weiß!“

Jess versuchte, soviel Finalität wie eben möglich in ihre Stimme zu legen und wies mit dem Kinn leicht in Richtung der Tür. Niko verstand natürlich nichts von alledem. Er musterte sie nur skeptisch, offensichtlich überzeugt davon, dass sie die Diskussion nur abbrechen wollte, um ihm nicht sagen zu müssen, was sie wusste. So ganz falsch war die Idee ja nicht, nur leider führte diese Überzeugung dazu, dass Niko natürlich nicht den Mund hielt, sondern sich weiter um Kopf und Kragen redete. Aus dem Augenwinkel konnte sie sehen, wie der Mann in der Tür die Arme vor der Brust verschränkte und sich in den Türrahmen lehnte. Er legte den Kopf ein wenig schief und beobachtete sie mit hochgezogener Augenbraue.

„Ach, und woher?“, fragte Niko herausfordernd.

„Von Staatsanwältin Lorenz. Und die wird wohl wissen, wen sie eingestellt hat, meinst du nicht?“

„Sowas würde sie dir bestimmt nicht sagen“, erwiderte Niko kein bisschen überzeugt. „Die ist doch immer so groß für Resozialisierung und so.“

„Mann, Niko, es reicht! Er ist nicht strafversetzt, er wollte hierher wechseln. Und seine Vorgesetzten bei Europol waren nicht begeistert davon. Verstanden!“

Jess wusste, dass die am Ende ziemlich laut geworden war, aber Nikos Bräsigkeit trieb sie gerade die Wände hoch. Das Bedürfnis ihn am Kragen zu packen und kräftig durchzuschütteln wurde gerade übermächtig, aber sie schluckte es herunter – auch wenn Niko gerade nah genug war, dass sie ihn im Sitzen hätte packen können. Es reichte, dass Niko sich gerade bis auf die Knochen blamierte. Also ballte die die Hände zu Fäusten und atmete ein paar Mal tief durch. Das immerhin schien Niko sofort zu verstehen.

„Ist ja schon gut“, murmelte er beschwichtigend – und fragte dann nach einem Augenblick: „Und, was weißt du noch so?“

Anscheinend hatte er doch nichts verstanden. Jess stöhnte auf und warf einen Blick über Nikos Schulter zu dem Mann im Türrahmen. Der hatte jetzt so einen seltsamen Ausdruck auf dem Gesicht, der fast ein Grinsen sein konnte. Er stieß sich vom Türrahmen ab und kam langsam auf Niko zu. Das brachte Jess auf eine Idee.

„Er ist so circa eins neunzig groß, hat graumelierte Haare, graue Augen, ist eher schlank und ziemlich braungebrannt, trägt ein weißes Hemd zu einer dunkelblauen Jeans und einem dunklen Jackett …“

„Mann, Jess, was interessiert mich das denn? Ich steh‘ nicht auf Schwucht…“

„… und er steht gerade hinter dir!“

Date: 2018-09-13 01:07 pm (UTC)
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From: [personal profile] servena
Aaaaaaaaaaaah, oh Gott, mir kriecht die Fremdscham schon ins Gesicht...Mensch, da hat sich Niko aber mal so richtig zum Horst gemacht. XD

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